mini|Rosen in einem blau-weissen Porzellantopf120px|rahmenlos|class=notpageimage|Signatur von Emilie Vouga-Pradez Henriette Victorine Emilie Vouga-Pradez (geboren am 20. Mai 1839 in Vevey; gestorben am 15. Juni 1909 in Genf) war eine Schweizer Malerin und Verlegerin. Ihre mit «E. Vouga» signierten Blumen- und Tierbilder erfreuten sich ab Mitte der 1870er Jahre grösster Beliebtheit. Vor allem durch die auch im eigenen Verlag Vouga et Cie. herausgegebenen farblithografischen Drucke wurde «Madame Vouga» weltweit bekannt und berühmt. Sie galt zu Lebzeiten als bedeutende Vertreterin der Blumen- und Tiermalerei.

Leben und Werk Henriette Victorine Emilie PradezPromesses de mariage. In: Feuille d’Avis de Neuchâtel. 23. März 1861, S. 4. kam am 20. Mai 1839Chronique Locale. Emilie Vouga-Pradez. In: La Tribune de Genève. 18. Juli 1909, S. 4. als Tochter von Marc Frédéric Pradez, einem Weinhändler,S. Stelling-Michaud: Vouga, Eugene-Henri. In: Le Livre du recteur de l’Académie de Genève (1559–1878). Band 1, Libraire Droz S.A., 1959, ISBN 2-600-03192-8, S. 278. und seiner Frau Anne Lucile Emilie, geborene Gex,Charles Pradez. Myheritage.de, abgerufen am 12. Februar 2023. im schweizerischen Vevey zur Welt. Ihr Bruder Charles Adolphe wanderte in den 1840er Jahren nach Brasilien aus und war dort als Schriftsteller tätig,Correspondances fribourgeoises du XIXe siècle: contextes et textualités. Hrsg. J. Rime, Presses littéraires de Fribourg, 2018, ISBN 978-2-9701149-4-9, S. 346 (PDF; 4,9 MB). zu der Schwester Françoise Marie Louise Alexandrine bestand dagegen stets enger Kontakt. In jungen Jahren war Pradez zunächst im kaufmännischen Bereich tätig. Im Mai 1861 heiratete sie Eugène Henri Vouga (1825–1903), einen Spross der bekannten Schweizer Künstler- und Gelehrtenfamilie Vouga. Kurz darauf folgte Vouga-Pradez ihrem Mann nach Genf. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor,Aus gedruckten Publikationen sind Charles Louis Henri und Philibert als Söhne bekannt. Laut Todesanzeige und Angaben im Handelsregister kämen auch Marguerite-Georgine und Louis-Emile als Kinder in Frage. darunter Charles Louis Henri Vouga, der später in die geschäftlichen Aktivitäten von Vouga-Pradez eingebunden war.Geschäftliche Einrichtungen und Veränderungen: Eintragungen in das Handelsregister. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel. 29. Januar 1898, S. 780.

mini|Mädchenpensionat Bois-de-Fey in Genf (um 1895), das auch als Wohnsitz von Vouga-Pradez diente. Geleitet wurde die Anstalt von ihrer Schwester Louise Pradez.Friedrich Carl Witte: Lebenserinnerungen: Zweiter Teil. Rostock, 1938, S. 122.

In Genf wirtschaftlich abgesichert, machte Vouga-Pradez im Jahr 1872 die Malerei zu ihrem Haupterwerbszweig.Chronique artistique. In: La Tribune de Genève. 17. Februar 1882, S. 3. Wohl schon in der Jugend durch die Bilder von Alexandre Calame inspiriert, hatte sie einige Malstunden genommen, sich den Grossteil ihrer Kenntnisse jedoch autodidaktisch angeeignet. Auch wenn «Madame Vouga» künstlerisch stets allein arbeitete, so gab sie doch ihre Maltechniken in Öl und Wasserfarben an Interessierte weiter. Zu den Schülerinnen zählten unter anderem Klara von Greyerz, Linna Vogel Irelangeborene von Vogelstein, siehe Elizabeth Turner: Interesting People. In: Berkeley Daily Gazette. Abendausgabe, 6. März 1930, S. 7. und die US-amerikanische Adelia Sarah Gates, die sich um 1875 in der Schweiz aufhielt.Adela E. Orpen: The Chonicles of the Sid. Books for Library Press, New York 1972, ISBN 0-8369-9145-1, S. 100–104.

Durch Ausstellungen beispielsweise im Genfer Palais de l’Athénée,Faits divers. In: Journal de Genève. 5. März 1873, S. 3. in BernR. Rust: Ueber die Schweiz. Kunstausstellung in Bern. In: Der Bund. 19. Juli 1874, S. 2. und ZürichSchweizerische Kunstausstellung in Zürich 1877. In: Neue Zürcher Zeitung. 2. Juli 1877, S. 1. erlangte Vouga-Pradez in der Schweiz und darüber hinaus schnell Bekanntheit, und die Verkäufe liefen gut.Jochen Schmidt-Liebich: Lexikon der Künstlerinnen 1700–1900. K. G. Saur Verlag, München 2005, ISBN 3-598-11694-2, S. 489. Daneben machte sie ihre Werke in Form von Reproduktionen auch weniger gut Betuchten zugänglich. Diese farbigen Drucke erschienen in verschiedenen Formaten im Genfer Verlagshaus Damond, Coulin & Cie.Adolph Russell: . In: Gesammt-Verlags-Katalog des Deutschen Buchhandels. XVI. Ergänzungs-Band. Adolph Russell’s Verlag, Münster 1894, S. 3839. Für den Verkauf vor allem der etwas später aufgekommenen und sehr beliebten Postkarten – auch mit Motiven anderer Künstler – wurde eigens der Verlag Vouga et Cie. gegründet,George Hantz: Vouga, Emilie. In: Schweizerisches Künstler-Lexikon. III. Band. Hrsg. Carl Brun. Verlag Huber, Frauenfeld 1913, S. 402. dem ihr Ehemann vorstand.Handelsregister. In: Schweizerisches Handelsamtsblatt. Band 1, Beilage zu Heft 25 Teil II, 1883, S. 187

Ihre vielfach in Wasserfarben ausgeführten Blumenwerke pflegte die Künstlerin stets vor Ort häufig in der freien Natur und ohne vorherige Skizzen zu malen. Dafür begab sie sich beispielsweise eigens in hochalpines Gelände. Reisen in den Botanischen Garten von BonnFleurs de Mme E. Vouga. In: Journal de Genève. 16. Dezember 1882, S. 3. und in die Vereinigten Staaten, damals ausschliesslich per Schiff über den Atlantik erreichbar, sind ebenfalls nachweisbar.Pradez, Emilie (Vouga). In: Dictionnaire des artistes de langue française en Amérique du Nord. Peintres, sculpteurs, dessinateurs, graveurs, photographes et orfèvres. Hrsg. David Karel. Musée du Québec, S. 660. Um den abgebildeten Pflanzen eine besondere farbliche Leuchtkraft und auch Leichtigkeit zu verleihen, führte Vouga-Pradez die Benutzung von getöntem Papier und, damit verbunden, deckenden Wasserfarben ein. Im Gegensatz zu diesen speziellen Gouachen kamen mit den bis dahin in der Blumenmalerei vorzugsweise verwendeten transparenten Wasserfarben auf weissem Papier, den Aquarellen, insbesondere Pflanzen mit hellblättrigen Blüten deutlich weniger zur Geltung. Die nach alter Malweise benötigten kontrasterzeugenden Hintergrundschattierungen führten nämlich zwangsläufig zu einer unerwünschten Schwere in der Bildkomposition.Adela E. Orpen: The Chonicles of the Sid. Books for Library Press, New York 1972, ISBN 0-8369-9145-1, S. 102–103.

Die Künstlerin übertrug ihre Werke häufig eigenhändig auf die Steine zur chromolithographischen Vervielfältigung. Den Druck übernahm die Lithographen-Genossenschaft in Zürich, deren Chromolithographien zu den vorzüglichsten ihrer Zeit zählten.Kunstindustrie. In: Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern. 6. Dezember 1882, S. 1 und Von der schweizerischen Landesausstellung. In: Neue Zürcher Zeitung. 12. September 1883, S. 5. Obgleich zu den reproduzierten Bildern auch viele Tierdarstellungen der Malerin zählen, so ist das meistgedruckte Werk doch ein Blumenstück, namentlich das Ölgemälde Rosen in einem blau-weissen Porzellantopf.

Vouga-Pradez starb am 15. Juni 1909 in Genf im Alter von 70 Jahren.Todesanzeige. In: La Tribune de Genève. 17. Juni 1909, S. 4.

Kunstgewerbliche Drucke

Rezeption Vouga-Pradez genoss zu Lebzeiten insbesondere als Blumenmalerin und Verlegerin glänzendes Ansehen, wie zahlreiche Zeitungen und Publikationen aus der Schweiz und dem Deutschen Reich zu berichten wussten. Der «beispiellose Erfolg»Kunstindustrie. In: Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern. 6. Dezember 1882, S. 1. der «hervorragenden Genfer Malerin» beruhe neben ihrer ProduktivitätC. Schröter: Feuilleton 1889 Litteratur und Kunst. In: Neue Zürcher Zeitung. 9. Dezember 1889, S. 2. vor allem auf der «originellen» Art, Blumen zu malen. Sie verstehe es, mit «größter Gewissenhaftigkeit ausgeführte Naturstudien» auf eine ganz eigene, «geniale» Weise zu Papier zu bringen. In den eleganten, aber dennoch natürlich wirkenden Bildkompositionen gelinge es ihr mit «sicherem Blick» und «sicherer Hand», vor allem die Leichtigkeit und Zartheit der Weisse der darzustellenden Objekte einzufangen. In den Bildern werde dadurch der «Zauber der Blumenwelt» in «wunderbaren Stimmungen» wiedergegeben.Kunst. In: Chronik der Stadt Zürich. 25. April 1903, S. 129. Die «liebevoll gemalten Sträuße» erweckten geradezu den Eindruck, als «verströmten sie den Duft der Natur».Bibliographie. In: Le Conteur Vaudois. 27. März 1880, S. 3. Nicht umsonst würden auch ihre «farbenprächtigen» chromolithographischen Reproduktionen, die «berühmten Vouga-Serien», Weltruf geniessen. Die «hübschen Karten» von «hohem künstlerischen Werthe»Sachsen. In: Leipziger Tageblatt. 23. April 1883, S. 6. seien «eines der schönsten Souvenirs für junge Mädchen»Bibliographie. In: La Tribune de Genève, 24. Dezember 1879, S. 3. und würden sich – teilweise mit frommen Bibelversen versehen – besonders gut als «Andenken» für Feiertage und andere Anlässe eignen. Auch auf Wandschirme und Fächer übertragen, seien die Werke der «bescheidenen» und «wohltätigen» Künstlerin von «außerordentlich dekorativer Wirkung».Dresdener Nachrichten. In: Dresdner Journal. Abendausgabe, 11. Oktober 1892, S. 4. Dass sich Vouga-Pradez ausserhalb der Schweiz und des Deutschen Reiches ebenfalls eine hohe Reputation erworben hatte, bezeugen Ehrenmitgliedschaften in französischen, italienischen und russischen Kunstgesellschaften.

Auch wenn das Werk von Vouga-Pradez – besonders in Form von Kunstdrucken – heute noch präsent ist, so scheint doch die Malerin selbst weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein. Ein fachlich fundierter kunsthistorischer Diskurs fand bislang nicht statt. Die Rezeption in der Gegenwart beschränkt sich auf vergleichsweise kurze Einträge in Kunstlexika. Hinzu kommen eher beiläufige Erwähnungen im Zusammenhang mit anderen KünstlernJean Troesch: Redouté n’est point seul au Molard. In: Journal de Genève. 23. Dezember 1972, S. 9. und Themen beispielsweise botanischerMary Downs: Chicago Botanic Garden Brings Rare Botanical Volumes to Life. National Endowment for the Humanities (NEH), 22. März 2013, abgerufen am 13. Februar 2023. und kunstgewerblicher Natur.Ruth Katharine Brown: The rise of the leisure painter: artistic creativity within the experience of ordinary life in postwar Britain, c. 1945-2000. Promotionsschrift, University of Oxford, August 2014, S. 210.

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Anmerkungen und Einzelnachweise

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