mini|Frode Nielsen mit Albert Elmstedt (um 1918) Frode Nielsen, ab 1934 Frode Nielsen Dann (* 10. September 1892 in JelstrupJelstrup ist ein Weiler in Himmerland und liegt etwa 4 km vom Zentrum von Aars entfernt. Es besteht aus ursprünglich 8 vereinzelt liegenden Höfen an vier Straßen. Nächster Ort zu Jelstrup ist Havbro (ca. 2,5 km entfernt). Weitere nah gelegene Orte: Morum (ca. 3,5 km weiter nördlich), Holme – Geburtsort von Frodes Mutter Else Marie Jensen – (ca. 4 km westlich), Ebdrup – Geburtsort von Niels Nielsen, seinem Vater – (ca. 7 km westlich) und Farsø (ca. 9 km). Farsø liegt etwa doppelt so weit von Jelstrup entfernt wie Jelstrup von Aars. In Farsø stehen die zu Jelstrup nächstgelegene Kirche (Farsø Kirke) und das regionale Heimatarchiv. – Es gibt einen weiteren Ort gleichen Namens, der, obwohl auch nur ein Weiler, jedoch deutlich größer ist als Jelstrup in Himmerland. Er liegt in Nordwest-Jütland und wurde bei der Kommunalreform 1970 in die Løkken-Vrå Kommune eingegliedert und ging bei der Strukturreform der Kommunalverwaltung 2007 in der Hjørring Kommune auf. (Kirchspiel in der heutigen Vesthimmerlands Kommune in Nordjütland) bei Aars; † 9. März 1984 in Esbønderup), war ein dänischer Maler, Kunstlehrer an einer Malschule und deren Direktor sowie Kunstkritiker. Er war während fast seiner gesamten Karriere in den USA tätig.
Herkunft und Ausbildung mini|Familie Niels Nielsen aus Jelstrup (1906)
Frode Nielsen war das zweite Kind der Eheleute Niels Nielsen (* 1867) und Else Marie Jensen (* 1864), Besitzer des Hofes „Vestmark“ in Jelstrup. Er hatte einen älteren Bruder, Jens (1891–1978), und zwei jüngere Brüder, Karl (1895–1979) und Valdemar (1897–1986) sowie zwei Schwestern, Marie (1900–1992) und Dagny (1909–1990). Alle Geschwister waren mehr oder weniger künstlerisch tätig.
Frode wurde, wie seine Geschwister auch, gemeinsam mit ihnen zu Hause unterrichtet (in Dänemark gibt es keine Schulpflicht, wohl aber eine Unterrichtspflicht). Da der Vater nicht nur Landwirt, sondern auch Gründer einer Freien Schule für Schüler fortgeschrittenen Alters war, erfolgte der Unterricht nach den Prinzipien des Schulreformers Christen Kold und nach den Vorstellungen des Kirchenreformers Grundtvig.
Als Frode Nielsen 14 Jahre alt geworden war und die Schulzeit beendet hatte, absolvierte er auf Veranlassung seines Vaters eine vierjährige Malerlehre, obwohl sein eigentlicher Berufswunsch Kunstmaler war. Sein Vater wollte aber, dass er zunächst einen handwerklichen Beruf erlerne. Nach der Malerlehre konnte er Häuser anstreichen und Möbel farblich dekorieren. Nachdem er Malergeselle geworden war, restaurierte er alte Bauernschränke, die er mit klassischen dänischen Mustern bemalte. Er fühlte aber, dass er eine weitergehende Ausbildung brauchte.Frode Nielsen. In: Archives of American Art. Interview am 11. Juni 1965 (englisch). So besuchte er mit 18 Jahren ab 1910 für zwei Jahre die Technische Schule in Aalborg und mit dem Abschluss erhielt er die Berechtigung zum Studium. 1913 reiste er für einige Zeit durch Deutschland, die Schweiz und Italien und besuchte u. a. Berlin, München und Venedig. Noch schwankte er zwischen Maler, Dichter und Priester als Beruf. Handwerker wollte er nicht bleiben. mini|150px|Frode Nielsen – Ansøgning om Optagelse i Kunstakadmiets Skole (15. Jan. 1918)mini|150px|Frode Nielsen – Bevis for Optagelse i Akademiets Skole vom 15. Januar 1918 Eine Entscheidung wollte er später treffen und machte erst einmal 1916 seinen Abschluss am Døckers-Kursus.Døckers-Kursus war eine Studieneinrichtung in Kopenhagen-Frederiksberg, die stark von Lehre und Ideen des dänischen Kirchenreformers Grundtvig geprägt war. Im selben Jahr traf er dann seine Berufsentscheidung und teilte im Dezember 1916 in einem Brief an die Mutter seiner zukünftigen Frau Kirsten Kjær mit, dass er nicht Priester werden würde, wie viele während seines Studiums am Døckers-Kursus vermutet hatten. Dann bewarb er sich für ein Studium an der Kunstakademie in Kopenhagen. Die Aufnahmeprüfungen legte er im Mai 1917 und im Januar 1918 erfolgreich ab und begann sein Studium der Malerei im Januar 1918 bei Peter Rostrup Bøyesen.Peter Rostrup Bøyesen (1882–1952) war ein dänischer Maler und ab 1910 Lehrer an der Kunstakademie in Kopenhagen. Sein Stil wurde als eine „Übergangserscheinung zwischen einer malerischen Abbildung der Natur und Malerei als eine Art Natur in sich selbst“ bezeichnet.Frode Nielsen. In: Weilbachs Kunstnerleksikon. (dänisch).Peter Rostrup Bøyesen In: Kunstindeks Danmark & Weilbachs Kunstnerleksikon. (dänisch).Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 5, S. 414. Nach einem Semester brach er das Studium ab.
Ehe mit Kirsten Kjær In Dänemark Seine erste Ehefrau, die spätere Malerin Maren Kirstine (Kirsten) Kjær Andersen(1893–1985) aus Vester ThorupVester Thorup ist eine kleine Gemeinde bei Fjerritslev an der Jammerbugt (Jammerbucht) in Nordwest-Jütland. hat er vermutlich bereits 1912 in Aalborg kennengelernt,Kirsten Kjær. In: Dansk Kvindebiografisk Leksikon. (dänisch) wo sie an der Justitsraad Møllers Handelsskole (Justizrat-Møllers-Handelsschule) eine 1911 begonnene kaufmännische Ausbildung machte, die sie 1913 abschloss. Sie hatte schon lange ein Auge auf den gut aussehenden Frode mit den gewellten Haaren und den ernsten, dunklen Augen geworfen und bewusst geplant, dass sie einmal ein Paar würden. Die Verlobung muss etwa 1913 stattgefunden haben.Hanne Abildgaard: Kirsten Kjær: Menneskemaler (Menschenmalerin) (dänisch). Gleich danach ging Kirsten Kjær, weil sie die Welt kennen lernen wollte, nach Köln, fand dort eine Arbeit als „Korrespondentin“ und verliebte sich in einen deutschen Architekten, weshalb Frode Nielsen 1914 nach Köln reiste, um seine Verlobte zur Rückkehr an seine Seite zu bewegen. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs musste Kirsten Kjær Deutschland verlassen und kehrte nach Dänemark und zu Frode Nielsen zurück. mini|Kirsten Kjærs Brief an Frode Nielsen (Mai 1917)
1916 zogen die beiden nach Kopenhagen und wohnten zusammen in der Allégade 25B, 3. Stock links, in Frederiksberg in einem Quartier, in dem auch viele andere Künstler wohnten, weil Kopenhagen mittlerweile zu einem „Paris des Nordens“ geworden war und auch viele Studenten aus anderen europäischen Ländern anzog. Am 16. August 1918 heirateten sie in ihrem Geburtsort in Nordwest-Jütland. Nach ihrer Heirat trug seine Frau den Namen Kirsten Kjær Nielsen. Während sie weiter in verschiedenen Büros in Kopenhagen arbeitete, brach Frode Nielsen 1918 sein Studium ab und arbeitete bis 1925 für das dänische Nationalmuseum als Restaurator von Kircheninventar. Er arbeitete nacheinander an verschiedenen Orten, so dass er häufig für längere Zeit nicht zu Hause war. Mit den Aufgaben, dem Gehalt und der unsicheren Kurzzeitbeschäftigung war er nicht zufrieden und überlegte, ob er sich für den Nationalen Zeichenlehrerkurs bewerben sollte, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Mit seiner Frau führte er in dieser Zeit eine rege Korrespondenz.
Den Sommer 1924 verbrachten sie gemeinsam, steuerten aber bald aufgrund von Kirsten Kjærs Zweifeln an der Richtigkeit ihrer Ehe und ihrer Verzweiflung an den Rollenerwartungen, mit denen sie sich immer wieder auseinandersetzte, in eine Ehekrise. In dieser Phase ging Kirsten Kjær eine neue Beziehung mit ihrer beider gutem Freund aus der Anfangszeit in Kopenhagen, Thorvald Olesen (1891–1977), ein und auch eine Scheidung wurde ins Auge gefasst. Frode Nielsen gelang es erneut (wie zehn Jahre zuvor) sie dazu zu bringen, ihm zu folgen und sich von einem anderen Mann zu trennen, den sie ebenfalls liebte. Thorvald Olesen wollte jedoch eher glauben, dass es ihrem „wahren weiblichen Mitleid und Erbarmen“ zu verdanken war, dass sie bei ihrem angetrauten Ehemann blieb. Frode Nielsen legte großen Wert darauf, eine Grundlage für sein und das Leben seiner Frau zu schaffen. Er verfolgte dabei einen sehr praktischen Ansatz, und es sollte sich bald zeigen, dass er ihr Talent und die Möglichkeiten, es zu entwickeln, so sehr schätzte, dass er bereit war, seine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen – eine sehr seltene Einstellung unter Ehemännern in Künstlerehen jener Zeit.
mini|Frode Nielsen und Kirsten Kjær waren im Sommer 1925 mit dem ebenfalls in Løgumkloster tätigen Architekten Jeppe Jepsen und dessen Frau Helene befreundet. Hier sind die vier mit getauschten Partnern zu sehen.
1925 gab es aber einen besonderen Lichtblick in Frodes Leben. Er begann, unter dem Restaurator Niels Termansen zu arbeiten, der ebenfalls für das dänische Nationalmuseum tätig war. Termansen hatte bahnbrechende Methoden zur Farbforschung und Farbkonservierung entwickelt und war für seine Restaurierungen von Kirchenmöbeln hoch angesehen. Als Frode Nielsen also zu dem Team stieß, das unter Termansens Leitung ein ramponiertes Altarbild in ein wunderbares Stück verwandeln sollte, das in der renovierten Kirche von LøgumklosterDas in Nordschleswig liegende Løgumkloster gehörte erst seit 1920 wieder zu Dänemark. aufgestellt werden sollte, war das eine Chance, Restaurierungstechniken auf höchstem Niveau zu erlernen. Und das waren Fähigkeiten, die Frode Nielsen später gut gebrauchen konnte. Zu den zu renovierenden Ausstellungsstücken in der Kirche gehörte auch der Zelebrantenstuhl, auch Prälatenstuhl genannt, unter dem sich ein Hinweis auf die Restaurierung auch durch Frode Nielsen befindet. Unter dem mittleren Sitz des dreiteiligen Stuhls steht auf einem rotbraunen, nie überstrichenen Boden, zu lesen: „1925 von Niels Termansen und Frode Nielsen restauriert“. Und in der Einlieferung an das Museum heißt es unter anderem: „Zum ersten Mal wurde ein ganzes Stück Kircheninventar ohne Verwendung von Ölfarbe bemalt.“Løgum klosterkirke. In: Nationalmuseet: Danmarks Kirker. S. 187f (PDF, dänisch).[Der] Zelebrantenstuhl, dreisitzig, [war] für den Geistlichen, der die Messe zelebrierte, und seine beiden Helfer, den Diakon und den Subdiakon. – Die drei spitzbogigen Arkaden des Stuhls werden von vier schlanken Säulen mit Glockenbasis und Blattkapitell getragen, und in Verbindung mit diesen sieht man das [aus dem] Ostteil [der Kirche] bekannte Dreirundstabprofil; die Säulenspitze der sechseckigen Fialen stammen aus dem Jahr 1925. Der mittlere der drei Spitzgiebel ist glatt und weist einen ursprünglichen Malerei-Rest auf, der durch den Restaurator um ein neuzeitliches Gemälde im gotischen Stil ergänzt wurde.Jürgen Ostwald: Der Prälatenstuhl von Lügumkloster (mit einer farbigen Abbildung des Stuhls). In: Vor 100 und vor 50 Jahren – Autonomie, Aufklärung und alte Meister: Rückblicke auf Nordschleswig im Dezember. In: „Der Nordschleswiger“, Sonnabend, 20. Dezember 2025. Während dieser Arbeit in Løgumkloster wohnte er in der dortigen Storegade 13, direkt an der Klosterkirche. Sein nach einer Italienreise zurückgekehrte Freund und zukünftiger Schwager Albert Elmstedt, der in der Storegade 16 von 1924 bis 1926 logierte, wohnte ihm fast gegenüber.Bent E. Beim: Storegade. In: Slægt og Lokalhistorie – Storegade. (Genealogie & Ortsgeschichte – Die Hauptstraße) (dänisch). Sein Interesse an der Kunst behielt Frode Nielsen bei, und während er im ganzen Land arbeitete, erweiterte er seinen Bekanntenkreis. Er lernte mehrere Mitglieder der Künstlervereinigung Frie Jydske kennen, Maler, die in Aarhus ausstellten. Mit seiner Frau führte er eine rege Korrespondenz. Bei manchen Aufgaben begleitete und half sie ihm, wie z. B. nach einer längeren Krankheitsphase zwischen Ende 1923 und Januar 1925 im Sommer 1925 bei den Restaurationsarbeiten in der Kirche von Løgumkloster. Dort begann sie auch, angeleitet durch ihren Mann, sich stärker mit Malerei zu beschäftigen.