L’incontro improvviso (Hob. XXVIII:6; deutsche Titel: Die unverhoffte Zusammenkunft, Die unverhoffte Begegnung oder Unverhofftes Begegnen) ist eine Oper (Originalbezeichnung: „Dramma giocoso per musica“) in drei Akten und zehn Bildern von Joseph Haydn (Musik) mit einem Libretto von Karl Frieberth nach Louis Hurtaut Dancourts Libretto zu Christoph Willibald Glucks Oper La rencontre imprévue (1764). Die Uraufführung fand am 29. August 1775 im Opernhaus von Schloss Esterháza statt.

Handlung

Vorgeschichte

Prinz Ali muss vor seinem Bruder aus Basra fliehen. Er findet ein Asyl beim König von Persien und verliebt sich in dessen Tochter Rezia. Da ihr Vater sie jedoch dem Mogul zur Frau geben will, fliehen die beiden aus dem Land. Sie werden bei einem Piratenüberfall voneinander getrennt. Während Ali die Flucht gelingt, muss Rezia zwei Jahre bei dem Korsaren ausharren, bis er sie und ihre Vertraute Balkis als Sklavinnen an den Sultan von Kairo verkauft. Obwohl der Sultan ihr Avancen macht, hält sie Ali die Treue. Zu Beginn der Oper hält sich Ali mit seinem Sklaven Osmin ebenfalls in Kairo auf, wo er von einem Sklaven Rezias erkannt wird.

Erster Akt

Ein Lagerhaus mit verschiedenen Waren und Lebensmitteln

Der Qalandar („Calandro“) und seine Unterderwische rauchen Tabak, trinken Wein und besingen fröhlich ihr schmarotzerhaftes und heuchlerisches Leben (Introduktion: „Che bevanda, che liquore“).

Öffentlicher Platz im Zentrum von Kairo in der Nähe des Serails

Der Sklave Osmin bemitleidet seinen Herrn, den unter Liebeskummer leidenden Prinzen Ali. Er selbst verlacht die Liebe (Canzonetta Osmin: „L’amore è un gran briccone“). Da sie beide völlig verarmt sind, ist er auf der Suche nach einer Geldquelle. Er trifft auf den um Almosen bettelnden Qalandar (Arie Calandro: „Castagno, castagna“) und erzählt ihm von seiner Not. Der Qalandar überredet ihn, sich ihm als Bettelmönch anzuschließen (Arie Calandro: „Noi pariamo Santarelli“).

Ein Saal im Serail

Die persische Prinzessin Rezia ist überglücklich, dass einer ihrer Sklaven ihren lange vermissten Verlobten gefunden hat (Arie Rezia: „Quanto affetto mi sorprende!“). Ihre vertrauten Sklavinnen Balkis und Dardane teilen ihr Glück (Terzett Rezia/Balkis/Dardane: „Mi sembra un sogno che diletta“).

Platz

Während Ali nach seinem Sklaven Osmin sucht, denkt er über seine Beziehung zu Rezia nach (Accompagnato Ali: „Indarno m’affanno di veder Osmin“). Nachdem er vor seinem verräterischen Bruder aus Basra nach Persien geflohen war, hatte er Zuflucht bei Rezias Vater gefunden und sich in sie verliebt. Ihr Vater versprach sie jedoch dem Mogul. Ali und Rezia flohen gemeinsam, bis sie von Piraten entführt wurde. Ali fleht die Götter an, sie ihm wiederzugeben (Arie Ali: „Deh! se in ciel pietade avete“). Er bemerkt seinen als Derwisch verkleideten Sklaven und den Qalandar und bleibt abseits stehen, um sie zu beobachten. Der Qalandar weiht Osmin in die Geheimnisse seiner Zunft ein (Duett Calandro/Osmin: „Castagno, castagna“). Als Ali seinen Sklaven anspricht, erkennt ihn der Qalandar. Auch er ist aus Basra geflohen, allerdings aus Gründen, die er lieber nicht nennen möchte. Osmin will seinen Herrn überreden, ebenfalls die Kutte anzulegen, um seinen Geldsorgen abzuhelfen (Arie Osmin: „Che sian i Calandri filosofi pazzi“). Da erscheint die von einem Sklaven begleitete Balkis und erzählt Ali, dass die Favoritin des Sultans ihn bei einem Blick aus dem Fenster gesehen und sich in ihn verliebt habe (Arie Balkis: „Siam femmine buonine“). Obwohl er Rezia weiterhin treu bleiben möchte, kann Ali es nicht ablehnen, Balkis zu folgen, da besagte Dame sonst beleidigt wäre.

Zimmer mit gedecktem Tisch, verschiedenen Delikatessen und Getränken

Osmin nutzt die Gelegenheit für eine gute Mahlzeit und steckt sich gleich einiges zum Mitnehmen ein (Finale: „Sangue d’un ginocchio storto“). Während sie auf die Herrin warten, bewirtet Balkis den zurückhaltenden Ali, der allmählich wütend auf seinen maßlosen Sklaven wird.

Zweiter Akt

Zimmer mit einem Sofa

Ali und Osmin genießen die gute Behandlung im Haus der unbekannten Dame. Ali lässt sich zur Entspannung ein Buch bringen, während sich Osmin zum Essen auf den Boden niederlässt (Canzonetta Ali, Osmin: „Quivi in un seren gentile“). Dardane erscheint in verführerischer Aufmachung, um im Auftrag ihrer Herrin Alis Treue zu prüfen. Da er standhaft bleibt, offenbart sie ihre Absichten und zieht sich lachend zurück (Arie Dardane: „Ho promesso oprar destrezza“). An ihrer Stelle treten Rezia und Balkis ein und erzählen von ihren Erlebnissen: Der Pirat habe sie zwar einigermaßen gut behandelt (Canzonetta Rezia: „Non piangete, putte care“), sie aber zwei Jahre bei sich behalten, bevor er sie auf dem Markt als Sklavinnen an den Sultan verschacherte. Rezia will nun ohne Rücksicht auf dessen Gefühle für sie mit Ali fliehen (Arie Rezia: „Or vicina a te mio cuore“). Ali ist zu allem bereit (Arie Ali: „Il guerrier con armi, avvolto“). Auch Balkis möchte endlich ihre Heimat wiedersehen (Arie Balkis: „Ad acquistar già volo“).

Das Zimmer des Qalandar

Bei einer Flasche Wein erzählt Osmin dem Qalandar von den Fluchtplänen. Letzterer kümmert sich nicht um das Alkoholverbot des Propheten (Canzonetta Calandro: „Il Profetta Maometto non avea cervello netto“). Osmin hofft auf seine Hilfe bei den Vorbereitungen (Arie Osmin: „Senti, al buio pian, pianino“).

Garten

Ali und Rezia schwelgen in Freude über ihr Wiedersehen (Duett Ali/Rezia: „Son quest’ occhi un stral d’amore“). Da sich der Sultan auf der Jagd befindet, gibt es vor der Flucht noch ein Abschiedsfest (Finale: „È in ordine la festa“), zu dem auch der Qalandar erscheint. Die fröhliche Stimmung wird durch Berichte von der unerwarteten Rückkehr des Sultans gestört, der von den Fluchtplänen erfahren habe und vor Wut tobe. Der Qalandar macht sich unbemerkt davon. Die anderen fliehen über eine geheime Treppe in sein Lagerhaus.

Dritter Akt

Nacht. Das Lagerhaus des Qalandars. Stühle, ein Tisch mit zwei Kerzenhaltern und Lampen

Der Qalandar rät den Flüchtlingen, sich der Karawane eines Freundes anzuschließen, der sich gerade in seiner Wohnung befinde. Ali eilt fort, um mit diesem zu sprechen. Da erscheint Osmin mit der Nachricht, dass in der Stadt Flugblätter verkauft würden und der Sultan eine Belohnung von 10000 Zechinen auf die Ergreifung Rezias ausgesetzt habe. Der Qalandar verabschiedet sich mit einer Ausrede. Rezia versucht, sich mit einem Lied zu beruhigen (Canzonetta Rezia: „S’egli è vero, che dagli astri“). Ali kehrt zurück. Seine Verhandlungen mit dem Karawanenführer waren erfolgreich, und sie können in einer Stunde aufbrechen. Da stürzt Dardane herein und berichtet, dass das Lager bereits von den Janitscharen des Sultans umstellt sei. Um ihnen zu entgehen, zieht Ali den zufällig bereitliegenden Kittel eines französischen Malers an, und die Damen verkleiden sich als Derwische. Als die Verfolger eintreten, gibt Ali vor, ein Gemälde zu begutachten (Arie Ali: „Ecco un splendido banchetto“). Die Tarnung fliegt jedoch auf, und alle werden verhaftet. Zu ihrem Schrecken verliest der Offizier das Todesurteil des Sultans. Gleich darauf zeigt er ihnen ein weiteres Schreiben mit der Begnadigung und einer Einladung zum Gespräch. Der Qalandar hat dem Sultan die wahre Identität Rezias und Alis als Prinzessin von Persien und Prinz von Basra offenbart. Er soll zwar die ausgesetzte Belohnung erhalten, dann aber als Verräter ausgepeitscht und gepfählt werden. Ali und Rezia machen sich auf den Weg zum Sultan. Die anderen verspotten den Qalandar.

Eine von mehreren Leuchtern illuminierte Halle mit Schränken hier und dort

Der Sultan heißt Rezia und Ali herzlich willkommen und verspricht ihnen ein prächtiges Hochzeitsfest. Alle sind erleichtert (Finale: „Or gli affanni so svaniti“). Wachen führen den Qalandar herein. Da Ali und Rezia für ihn um Gnade bitten, wandelt der Sultan sein Todesurteil in eine Verbannung um. Der Qalandar verspricht, sich zu bessern.

Gestaltung

Orchester

Die Orchesterbesetzung der Oper umfasst die folgenden Instrumente:

Holzbläser: zwei Oboen (auch Englischhörner), zwei Fagotte Blechbläser: zwei Hörner, zwei Trompeten Pauken, türkisches Schlagzeug: große Trommel, Becken, Triangel Streicher Basso continuo

Musiknummern

Die Oper enthält die folgenden Musiknummern:

Sinfonia – für zwei Oboen, zwei Hörner, Pauken, Becken, Triangel und Streicher Adagio maestoso Presto Andantino Allegro

Erster Akt Nr. 1. Introduktion (Derwische): „Che bevanda, che liquore“ – Allegro; für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 2. Canzonetta (Osmin): „L’amore è un gran briccone“ – Andantino; für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 3. Arie (Calandro): „Castagno, castagna“ – Allegretto; für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 4. Arie (Calandro): „Noi pariamo Santarelli“ – Allegro moderato; für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 5. a) Accompagnato (Rezia, Balkis, Dardane): „Lo trovasti?“ – für Streicher b) Arie (Rezia): „Quanto affetto mi sorprende!“ – Andante; für zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner und Streicher Nr. 6. Terzett (Rezia, Balkis, Dardane): „Mi sembra un sogno che diletta“ – Andantino; für zwei Englischhörner, zwei Hörner und Streicher Nr. 7. a) Accompagnato (Ali): „Indarno m’affanno di veder Osmin“ – Accompagnato; für Streicher b) Arie (Ali): „Deh! se in ciel pietade avete“ – Adagio; für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 8. Duett (Calandro, Osmin): „Castagno, castagna“ – Allegretto; für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 9. Arie (Osmin): „Che sian i Calandri filosofi pazzi“ – Moderato; für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 10. Arie (Balkis): „Siam femmine buonine“ – Andantino; für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 11. Finale (Osmin, später Balkis und Ali): „Sangue d’un ginocchio storto“ – Andante; für zwei Oboen, zwei Trompeten, Pauken und Streicher

Zweiter Akt Nr. 12. Canzonetta (Ali, Osmin): „Quivi in un seren gentile“ – für zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner und Streicher Nr. 13. Arie (Dardane): „Ho promesso oprar destrezza“ – Allegro; für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 14. Canzonetta (Rezia): „Non piangete, putte care“ – Andantino; für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 15. Arie (Rezia): „Or vicina a te mio cuore“ – Allegro spirituoso; für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 16. Arie (Ali): „Il guerrier con armi, avvolto“ – (Allegro); für zwei Oboen, zwei Hörner, zwei Trompeten, Pauken und Streicher Nr. 17. Arie (Balkis): „Ad acquistar già volo“ – Allegretto; für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 18. Canzonetta (Calandro): „Il Profetta Maometto non avea cervello netto“ – Andantino; für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 19. Arie (Osmin): „Senti, al buio pian, pianino“ – Adagio; für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 20. Duett (Ali, Rezia): „Son quest’ occhi un stral d’amore“ – (Andantino); für zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner und Streicher Nr. 21. Finale (Balkis, Ali, Rezia, Calandro, Osmin, Dardane): „È in ordine la festa“ – (Allegro moderato); für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher

Dritter Akt Nr. 22. Canzonetta (Rezia): „S’egli è vero, che dagli astri“ – Adagio; für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 23. Arie (Ali): „Ecco un splendido banchetto“ – Vivace; für zwei Oboen, zwei Hörner, Pauken und Streicher Nr. 24. Rezitativ (Offizier und alle anderen): „Straniero! Voi gia siete tutti scoperti“ – ab Takt 11 mit Streichern Nr. 25. Marsch – Moderato; für zwei Oboen, zwei Hörner, Trommel, Becken, Triangel und Streicher Nr. 26. Accompagnato (Rezia, Ali, Sultan): „Ah signor“ – Presto; für zwei Oboen, zwei Hörner, zwei Trompeten, Pauken, Trommel, Becken und Streicher Nr. 27. Finale (alle): „Or gli affanni so svaniti“ – Presto; wie oben mit Trommel und Becken

Musik