Die Stadler Flirt (Eigenschreibweise FLIRT für «flinker leichter (früher als innovativer, jetzt als Intercity- und) Regional-Triebzug»Stadler Produkte: FLIRT 160) sind vom schweizerischen Eisenbahnhersteller Stadler Rail für den Regional- und S-Bahn-Verkehr konstruierte und hergestellte elektrische Niederflurtriebzüge.Neben den vollelektrischen Triebzügen werden Einheiten mit dieselelektrischem und Zweikraftantrieb angeboten. Seit 2018 ist mit dem „Flirt Akku“ eine Variante im Angebot, die sowohl mit Strom aus Oberleitungen als auch mit den eingebauten Akkumulatoren fahren kann. Der Hersteller baut darüber hinaus Varianten, die für unterschiedliche maximale Geschwindigkeiten ausgelegt sowie für den Einsatz im Fernverkehr geeignet sind.
Die Grundvariante des Flirt wurde für die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) entwickelt und trägt die Schweizer Baureihenbezeichnung RABe 523. Neben den weiteren SBB-Varianten RABe 521, RABe 522 und RABe 524 wurden die Triebzüge vielfach in andere Länder und an diverse Bahnunternehmen verkauft, auch in der Variante RABe 526/527/528.
Die Triebwagen weisen geringe Massen sowie hohe Beschleunigungen und Bremsverzögerungen auf. Sie sind meist für eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h ausgelegt, teilweise auch für 200 km/h.
Weltweit sind mehr als 2500 Flirt-Triebzüge im Einsatz.
Allgemeines mini|Führerstand eines Stadler Flirt 4 mini|Der Stromabnehmer befindet sich auf dem Dach eines Mittelwagens. Stromabnehmer mit Gleichstromwippe eines RABe524 der SBB
Technik Grundtyp des Flirt ist die im Auftrag der SBB für die Stadtbahn Zug entwickelte vierteilige Baureihe RABe 523. Die Schwesterbaureihen 521, 522 und 524 unterscheiden sich prinzipiell nur hinsichtlich Traktionsausrüstung und Zugbeeinflussungssystemen für die Nachbarländer.
Der Flirt der ersten Generation sieht den neueren Ausführungen des Gelenktriebwagens GTW nicht nur zum Verwechseln ähnlich, die Traktionsausrüstung, die Führerstände und die Leittechnik wurden von der aktuellen elektrischen GTW-Baureihe übernommen. Die Fahrmotoren haben gegenüber den GTW mehr Leistung und Drehmoment.Theo Weiss: Stadler – Von der Stollenlokomotive zum Doppelstockzug. Minirex, Luzern 2010, ISBN 978-3-907014-33-2, S. 9380–88. Der Hauptantrieb besteht aus einem IGBT-Pulswechselrichter mit 750 Volt Zwischenkreisspannung. Als spezielle Eigenschaft sind die Hilfsbetriebe im Hauptumrichter integriert. Die Umrichteranlagen stammen von ABB und werden am Standort Turgi gefertigt.
Zahlreicher sind die Unterschiede zwischen Flirt und GTW: die redundante Antriebsausrüstung (Transformator, Antriebsstromrichter etc.) befindet sich in den Endwagen, direkt hinter dem Führerstand über dem Triebdrehgestell. Daher kann ein Flirt selbst beim Ausfall eines Antriebteils aus eigener Kraft weiterfahren. Die Stromabnehmer (ab fünfteiligen und Mehrsystemeinheiten zwei Stück) sind auf dem Dach eines der Mittelwagen angebracht und versorgen beide Antriebseinheiten. Der Transformator befindet sich auf dem Dach über den Führerständen. Die Wagen sind untereinander in der Regel durch Jakobs-Drehgestelle verbunden. Es ist möglich, eine Einheit vom vordersten bis zum hintersten Wagen ohne eine Stufe zu durchqueren. Der Flirt wird mit bis zu sechs Mittelteilen (achtteilig) angeboten. Die dieselelektrischen und Zweikrafttriebwagen sind maximal vierteilig erhältlich. Dazu kommt ein Antriebsmodul ähnlich dem der GTW. Dieses Antriebsmodul stützt sich, anders als bei den GTW, auf zwei Jakobs-Drehgestellen ab. Im Gegensatz zu den GTW sind die Flirt-Wagenkästen in Aluminium-Leichtbauweise gebaut. Der Niederfluranteil beträgt bis zu 90 Prozent des Fahrgastraums. Weil unter dem Fahrzeug keine Antriebskomponenten untergebracht sind und der Wagenboden stufen- und podestfrei verläuft, bieten sich zahlreiche Möglichkeiten für die Innenraumgestaltung. Eine spezielle Version sind die an Abellio Rail gelieferten zweiteiligen Flirt mit nur einem Triebdrehgestell.
Die Dauerleistung am Rad beträgt normalerweise 500 kW je angetriebener Achse. Bei den Zweispannungszügen von TILO, die in der Schweiz mit 15 kV bei 16,7 Hz und in Italien mit 3 kV Gleichspannung verkehren, war eine neu entwickelte Gleichstromeinspeisung notwendig. Bei den Zweifrequenzfahrzeugen für 15 kV bei 16,7 Hz und 25 kV bei 50 Hz war die Entwicklung einfacher, da im Prinzip ist nur ein zusätzlicher Spannungsabgriff am Transformator notwendig ist. Die Transformatoren der Flirt-1-Züge für 15 kV wurden von vornherein darauf vorbereitet. Für die mit 3 kV elektrifizierten Streckennetze in Italien und Polen musste hingegen eine komplett neue Gleichstromausrüstung entwickelt werden. Dabei wurde die hohe Leistung der Wechselspannungseinheiten beibehalten. Die hohe Antriebsleistung dürfte ein wesentlicher Faktor für den Verkaufserfolg des Flirt sein.
Spätere Varianten des Flirt weichen stärker vom ursprünglichen Design ab. So liefert Stadler zum Teil auch Flirt mit Einzelwagen statt Jakobs-Drehgestellen oder in Hochflurbauweise aus, zum Beispiel für Norwegen oder den schwedischen Arlanda Express.
Technische Veränderungen beim Flirt 3 mini|Stirnfront eines Flirt 3 der NordWestBahn in Oldenburg Hbf (nicht aktuelle Lackierung, derzeit an die ODEG ausgeliehen)
Mit den 2013 erstmals ausgelieferten Flirt 3 setzte Stadler eine Reihe von technischen Weiterentwicklungen zu den ursprünglichen Versionen des Flirt um. Auffallendste Änderung ist die neugestaltete Front, die auf das Inkrafttreten der Crashnorm DIN EN 15227 zurückzuführen ist: Unter der geklebten Front befinden sich seitdem Deformationselemente, die dem Triebfahrzeugführer bei Kollisionen einen Überlebensraum bieten sollen. An den Seiten befindet sich ein Aufkletterschutz, die Mittelpufferkupplung wurde hinsichtlich Energieaufnahme bei Kollisionen optimiert. Die Führerstände der Flirt 3 verfügen über separate Einstiegstüren, bei den Vorgängern waren sie nur durch den Fahrgastraum erreichbar.Karsten Wagner & Alois Starlinger: Flirt3. Präsentation durch Stadler Rail AG, Grazer Schienenfahrzeugtagung 2014 (PDF, 36 Seiten).
Gegenüber der ersten Generation wurden die Triebdrehgestelle verändert: Der Raddurchmesser wurde vergrößert, der Achsstand dagegen reduziert. Die Triebdrehgestelle sind damit baugleich mit denen der Stadler Kiss. Optimierungen im Brandschutz erlauben das Befahren von Tunneln mit einer Länge von bis zu fünf Kilometern. Optional kann eine Sprinkleranlage eingebaut werden, mit der die Flirt 3 Tunnel mit Längen von bis zu 20 Kilometern befahren dürfen. Die Elektronik wurde ebenfalls aktualisiert, dabei wurde die Ansteuerung der Bremsen überarbeitet und ein Energiesparmodus implementiert, der bei der Abstellung des Fahrzeugs eingeschaltet werden kann.Katrin Goullon: Auf der Schiene des Erfolgs – Der Flirt in 3. Generation. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 1+2/2015, S. 46–52.
Technische Veränderungen beim Flirt 4 mini|Stadler Flirt 4 bei BLS in Erlen (2020, etwa vier Monate vor der öffentlichen Vorstellung) Am 9. September 2020 haben der Hersteller Stadler und der Betreiber BLS einen Zug des Typs Stadler Flirt 4 öffentlich vorgestellt. Die mit einem European-Vital-Computer-ETCS-Fahrzeuggerät ausgestatteten Einheiten werden seit 2021 schrittweise bei der BLS in Betrieb genommen.Feierlicher Roll-out: BLS und Stadler präsentieren erstmals den FLIRT der neuesten Generation (aktualisiert) – Bahnonline.ch 9. September 2020, aktualisiert 16. April 2021. Bei den als RABe 528 bezeichneten sechsteiligen Zügen befinden sich die Komponenten des Antriebsstrangs, die Klimaanlagen und die Druckluftsysteme auf dem Dach, wo die Module über Wartungsklappen zugänglich sind. Die Trockentransformatoren (ohne Ölfüllung) sollen im Vergleich mit ölgefüllten kleinere elektrische Verluste aufweisen. Durch die Verlagerung der im Betrieb warm werdenden Stromrichter auf das Dach konnten hinter dem Führerstand weitere Fahrgastsitze eingebaut werden. Die Jakobs-Drehgestelle, die die Endwagen miteinander oder mit den Mittelwagen verbinden, sind neu entwickelt worden und können, je nach Kundenwunsch, für eine höhere Antriebsleistung mit Fahrmotoren ausgestattet werden. Konstruktive Maßnahmen an den Drehgestellen reduzieren den Verschleiß. Anstatt Achslenkerlagern aus Gummi wie bisher werden dort hydraulische Achslenkerlager eingebaut. Die sich daraus ergebende präzisere radiale Stellung der Radsätze bewirkt eine Verkleinerung des Verschleißes an den Spurkranz- und Laufflächen der Räder und an den Schienen. Die Wagenübergänge sind trotz der Jakobs-Drehgestelle stufenlos. Die Züge können mit automatischen Kupplungen von Faiveley Transport Schwab miteinander verbunden werden.Feierlicher Roll-out: BLS und Stadler präsentieren erstmals den FLIRT der neusten Generation – Datum 09.09.2020 – BLS AG
Verkäufe und Herstellung international Nach dem ersten Zuschlag durch die SBB wurden weitere Fahrzeuge zunächst nach Ungarn, an Schweizer Privatbahnen, nach Deutschland, Algerien, Polen, Italien, und Norwegen verkauft. Zudem wurden nach Estland, Finnland, Belarus und Portugal Flirt in Breitspurausführung geliefert. Bis Anfang 2013 wurden 788 Einheiten verkauft. Im August 2015 waren es 1120 verkaufte Triebzüge 5. September 2015; Stadler Pankow GmbH und im Oktober 2020 mehr als 1900, die in 21 Länder geliefert wurden.Stadler liefert den Bestseller FLIRT erstmals auf die iberische Halbinsel. Medienmitteilung vom 21. Oktober 2010. 2015 erhielt Stadler Rail den ersten Auftrag für Flirt-Züge aus den Niederlanden und den Vereinigten Staaten (USA). 2016 folge der erste Auftrag aus Großbritannien.
Die Fahrzeuge werden hauptsächlich an den Standorten Bussnang (Schweiz), Berlin-Wilhelmsruh (Deutschland) und Szolnok (Ungarn) gefertigt, die Endmontage findet bei manchen Aufträgen im Land der Auftragsvergabe statt.
Abgeleitete Bauarten Meterspur-Flirt mini|„Meterspur-Flirt“ der Aare Seeland mobil (ASm). Weil bei Meterspurfahrzeugen keine niederflurigen Wagenübergänge möglich sind, musste auf Jakobs-Drehgestelle verzichtet werden.
Vom Flirt abgeleitet wurde unter dem Begriff „Meterspur-Flirt“ das Konzept der im Jahr 2009 bestellten meterspurigen Be4/8 der Aare Seeland mobil (ASm), die auch als „Star“ (Schmalspur-Triebzug für attraktiven Regionalverkehr) bezeichnet werden,Daniel Fankhauser, Urs Wieser: Niederflur-Gelenktriebzüge Be 4/8 Star für die Aare – Seeland mobil AG. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 3/2010, S. 147–153. und die 2007 bestellten ABe 4/8 „Diamant“ (Dynamischer, innovativer, attraktiver, moderner, agiler Nahverkehrstriebzug) der BDWM Transport.Matthias Rellstab: 14 Züge für die BDWM. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 8-9/2007, S. 370.Walter von Andrian: Diamant für BDWM Transport AG vorgestellt. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 2/2010, S. 94–95. Die Triebzüge bestehen aus zwei niederflurigen Endteilen mit Traktionsausrüstung und je einem Triebdrehgestell, die auf den nicht angetriebenen Mittelwagen aufgesattelt sind. Die stark redundante elektrische und pneumatische Ausrüstung befindet sich wie bei den Flirt auf dem Dach und direkt hinter dem Führerstand über dem Triebdrehgestell. Auf Jakobs-Drehgestelle wie bei den Flirt wurde verzichtet, weil damit bei Meterspurfahrzeugen keine niederflurigen Wagenübergänge erreichbar sind.Jürg Lüthard, Urs Wieser: Neue Triebzüge für Westschweizer Meterspurbahnen. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 6/2016, S. 301–307. Anders als bei den Flirt wurden wegen der kleinen Stückzahl Teile der Wagenkästen verschraubt. Ähnlich wie Star und Diamant weisen auch die Westschweizer Meterspurzüge konzeptionelle Gemeinsamkeiten mit den Flirt auf.
Wink Der GTW-Nachfolger Wink („wandelbarer innovativer Nahverkehrs-Kurzzug“) wurde ursprünglich als „Flirtino“ bezeichnet.DB Arriva bestellt für die Niederlande Züge mit innovativem Antriebskonzept für 170 Millionen Euro. Presseinformation auf der Website der DB vom 14. November 2017.
Flirt Akku mini|6526 005 im Bahnbetriebswerk Kaiserslautern