Lixenried ist ein Gemeindeteil der Stadt Furth im Wald im Landkreis Cham des Regierungsbezirks Oberpfalz im Freistaat Bayern.

mini|Lixenried auf der Apian-Karte von 1568 mini|Karte von Lixenried vom Anfang des 19. Jahrhunderts Geografie Lixenried liegt fünf Kilometer westlich von Furth im Wald, vier Kilometer südwestlich der tschechischen Grenze und einen Kilometer nordöstlich der Staatsstraße 2154 auf dem Südwesthang des 749 Meter hohen Geißriegels und des 826 Meter hohen Dachsriegels.

Name Die Ortsnamenforschung kennzeichnet die auf -ried (auch: -reuth, -rieth) ebenso wie die auf -grün endenden als Ortsnamen der Rodungszeit im 13. und 14. Jahrhundert.

Der Name Lixenried (auch: Luchsenried, Luxen Riet, Luxenried, Lizenriedt, Lixenrieth, Lixenriedt) steht in Verbindung mit dem Namen Ried. Lixenried liegt gegenüber von Ried auf der östlichen Talseite auf dem Hang des Geißriegels. Das Wort Lixen kommt vom Mittelhochdeutschen lixen von lützel (klein). Lixenried bedeutet also Kleine Rodung. Ried war die ursprüngliche Rodung, von der aus dem gegenüberliegende Bergwald um Lixenried gerodet wurde. Eine analoge Namenskombination gibt es bei den zehn Kilometer entfernten Orten Döfering und Lixendöfering. In späterer Zeit wurde Lixenried größer als Ried.

Eine andere, wohl eher volksetymologische Interpretation des Namens Lixenried leitet Lixen von Luchs her. Da Lixenried am bewaldeten Berghang lag, habe es dort viele Luchse gegeben.

Geschichte Die Gegend um Gleißenberg gehörte dem Grafengeschlecht von Bogen. Durch den Tod Adalberts (Alberts) IV. von Bogen im Jahr 1242 fielen seine Besitzungen laut Erbvertrag an seinen Stiefbruder, den Wittelsbacher Otto II. von Bayern, Sohn Ludmillas und Ludwigs I. Nach dem Tod Ottos II. im Jahr 1253 erhielt dessen Sohn Heinrich XIII. Niederbayern, darunter auch das Gericht Waldmünchen.

Lixenried wurde erstmals im Salbuch von 1283 mit einer Steuer von sechs Schilling erwähnt (nach anderer Datierung: Herzogsurbar des Wittelsbachers Heinrich XIII. aus dem Jahr 1301). Zu dieser Zeit gehörte Lixenried zum Gericht Waldmünchen.

Im Jahr 1385 hatten in Lixenried die Bärtl und die Roßhaupper Grundbesitz. 1550 wurde Lixenried durch Pfalzgraf Friedrich zum Landsassengut erhoben. Besitzer war Georg Erlbeck. Als Erlbeck Lixenried erwarb, war es völlig verödet. 1550 hatte es nur zwei Mannschaften, die zum Amt Waldmünchen gehörten. Das Landsassengut Lixenried wurde in der Musterung von 1562 erwähnt. Erlbeck richtete bis 1563 mehr als 20 Mannschaften in Lixenried auf.

Lixenried war nur als „Edelmansgut, doch ausser aller Hoffmarksgerechtigkeit“ bewilligt worden. Das bedeutete, dass der Gutsherr nur Grundherr war, aber keine niedere Gerichtsbarkeit hatte. 1579 wurde den Landsassengütern mit bloßer Edelmannsfreiheit die hofmärkische Jurisdiktion zugestanden. Dadurch wurde Lixenried faktisch zur Hofmark erhoben.

1588 gab es in Lixenried zwei Güter und 16 Halbsölden. 1622 hatte die Ortschaft eine Mühle und 25 Mannschaften.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Bevölkerung nicht nur von den feindlichen Truppen terrorisiert, sondern auch von den eigenen Verbündeten. Im September des Jahres 1621 überschritten die kaiserlichen Truppen, geführt von Oberst von Anholt, die Grenze bei Furth im Wald, plünderten viele Ortschaften, darunter auch Lixenried, und ermordeten deren Bewohner auf grausame Weise, darunter den Pfarrer von Gleißenberg Leonhard Rödel.

1630 wurden für Lixenried eine Mühle und Sölde, 13 Sölden, sieben Tripflhäusl und drei Inleute aufgeführt.

Wiederholte Einfälle des schwedischen Heeres verwüsteten die Region völlig und raubten sie aus. Es gab kein Zugvieh mehr. 1641, nach einem Schwedeneinfall, fanden in Lixenried folgende Verkäufe statt: ein Häuschen samt Wiese und Garten für 30 Kreuzer ein Söldengut mit Feld und Wiese, Heu und Stroh für 12 Gulden die ganze Bogenmühle bei Lixenried samt allen Gründen für 27 Gulden zum Vergleich: Ein Paar Ochsen kostete 24 Gulden

Selbst aus der Zeit nach dem Krieg wurde in Briefprotokollen berichtet, dass in Lixenried Häuser mit Feld und Wiese für zwei bis drei Gulden verkauft wurden. Noch 1667 wurde die Bogenmühle für 90 Gulden verkauft. 1884 hatte sie einen Wert von 4000 Gulden.

In einem Salbuch von 1684 wurden für Lixenried 26 Höfe verzeichnet. 1703 zählten 13 Sölden und 10 Häusln zu Lixenried. 1762 waren es 23 Häuser, darunter ein herrschaftliches Schloss, ein Brauhaus und ein Schäfflerhaus, insgesamt 20 Herdstätten von Untertanen und 28 Herdstätten von Inwohnern.

Mit dem Übergang der Oberpfalz an Bayern wurden die Landsassengüter, darunter auch Lixenried, in den Amtsbeschreibungen von 1762 und 1792 mehr und mehr als Hofmark bezeichnet. 1792 bestand das Landsassengut Lixenried aus Lixenried mit 32 Anwesen und aus Bogen mit 6 Anwesen. Inhaber war Maximilian von Schmid. 1808 gab es in Lixenried 42 Anwesen, 1 Bräuhaus mit Branntweinbrennerei, 2 Leerhäusl, davon 1 Wirt, 1 Gemeinde-Hüthaus, 9 Weber, 3 Schneider, 2 Schuhmacher, 1 Binder, 1 Wirt, der zugleich Schmied und Krämer war.

1808 wurde die Verordnung über das allgemeine Steuerprovisorium erlassen. Mit ihr wurde das Steuerwesen in Bayern neu geordnet und es wurden Steuerdistrikte gebildet. Dabei kam Lixenried zum Steuerdistrikt Gleißenberg. Der Steuerdistrikt Gleißenberg bestand aus den Dörfern Gleißenberg, Gschwand, Lixenried, den Weilern Bogen und Koestelhütten (Kesselhütte) und den Einöden Tradl und Berghof.

1820 wurden im Landgericht Waldmünchen Ruralgemeinden gebildet. Dabei wurde Lixenried Ruralgemeinde. Zur Ruralgemeinde Lixenried gehörte neben Lixenried mit 59 Familien das Dorf Bogen mit sieben Familien.

1830 wurde die Gemeinde Gschwand aufgelöst und in die Gemeinde Lixenried eingegliedert. Diese Eingliederung wurde von den Bürgern von Lixenried abgelehnt und bis 1851 wurde darüber gestritten.

In einer Beschreibung von Lixenried durch Ferdinand von Reinhardstöttner aus dem Jahr 1844 wurden für Lixenried aufgezeichnet: 49 Hausnummern, 336 Seelen, 1 Brauhaus, 1 Taferne, 1 Schmied, 1 Kufner, 1 Tischler, 2 Schneider, 1 Schuster, 16 Weber. Die übrigen Bewohner lebten vom Feldbau, von Lohnarbeit, vom Holz- und Glaswarenhandel. In früheren Zeiten gab es auch Flachs- und Leinwandhandel, der aber durch Import von billigen ausländischen Erzeugnissen einging. Eine Pfarreibeschreibung aus dem Jahr 1861 erwähnte für Lixenried 50 Häuser und 329 Einwohner.

1906 bekam die Gemeinde Lixenried eine Ortswasserleitung. Die Bewohner mussten die Anschlusskosten tragen. Nur der Anschluss des Schulhauses wurde wegen der Armut der Bevölkerung von der Regierung bezahlt.

Im Ersten Weltkrieg fielen 17 Männer aus Lixenried.

Nach der Machtergreifung 1933 standen die Lixenrieder als typische Waldler den Nationalsozialisten überwiegend abwartend und misstrauisch gegenüber. Der Gleißenberger Bürgermeister und seine acht Gemeinderäte wurden von den Nationalsozialisten verhaftet und in Furth eingesperrt.

Bei Kriegsende blieb die Gegend von Kämpfen und Zerstörungen verschont, weil der Pfarrer und der Bürgermeister von Gleißenberg den Amerikanern, die von Geigant her über den Berg kamen, mit einem weißen Tuch entgegen gingen und Gleißenberg und die Umgebung kampflos übergaben.

Im Zweiten Weltkrieg fielen 26 Männer aus Lixenried.

1945 sollte die Gemeinde Lixenried nach Ränkam eingemeindet werden. Dies wurde von den Bewohnern von Lixenried energisch abgelehnt. Stattdessen wurde eine Eingemeindung nach Gleißenberg angestrebt. Diese wurde jedoch von der Regierung abgelehnt. Also blieb die Gemeinde Lixenried bis 1972 bestehen.

1972 wurde die Gemeinde Lixenried mit ihren Gemeindeteilen Bogen, Gschwand und Tradl in die Stadt Furth im Wald eingemeindet.

Religiöses Leben in Lixenried 13. Jahrhundert bis Reformation Lixenried gehörte zur Pfarrei Gleißenberg, Dekanat Cham. Die Dorfkapelle von Lixenried ist dem heiligen Bartholomäus geweiht, ebenso wie die Kirchen in Gleißenberg und Geigant. Dies deutet auf ein sehr hohes Alter der Ursprünge dieser Kirchen hin. Die Grafen von Bogen, die in diesem Gebiet bis 1242 die Herrschaft innehatten, waren besondere Verehrer dieses Heiligen. Für die Dorfkapelle von Lixenried wird 1750 als Baujahr angegeben. Sicherlich wurden in ihren Bau ältere Fundamenten eines Vorgängerbaus einbezogen, denn bereits 1724 wurde eine alte Dorfkapelle in Lixenried erwähnt. Die Bartholomäus-Kirche von Gleißenberg wurde unter Einbeziehung mittelalterlicher Teile aus dem 13. Jahrhundert erbaut. Gleißenberg wurde zunächst von Benediktinern aus Chammünster versorgt, dann 1262 zur Pfarrei erhoben.

Reformationszeit Lixenried wurde in den Jahren zwischen 1526 und 1626 von den Wirren der Reformation betroffen, weil Heinrich von Guttenstein 1509 die Herrschaft Schwarzenburg-Rötz und die Stadt Waldmünchen mit Gleißenberg an Ludwig von der Pfalz (1508–1544) und dessen Bruder Friedrich von Amberg verkaufte, um seine Schulden zu decken. Dadurch kam Lixenried zur Oberpfalz, während Furth im Wald bei Bayern und katholisch blieb.

Während der Reformationszeit mussten die Bewohner von Lixenried fünfmal ihr Bekenntnis wechseln: 1526–1559 lutherisch unter Friedrich II. 1559–1576 kalvinisch unter Friedrich III. 1576–1583 lutherisch unter Ludwig VI. 1583–1626 kalvinisch unter Johann Kasimir (1583–1592), Friedrich IV. (1592–1610), Friedrich V. (1610–1623)

Während der ganzen Reformationszeit gingen trotz Verbot und drohender Strafen viele Bewohner aus Gleißenberg, Lixenried und der ganzen Umgebung in das nahe katholische Furth im Wald zum Gottesdienst, ließen dort ihre Kinder taufen und wallfahrteten nach Neukirchen beim Heiligen Blut.

Gegenreformation 1626 eroberte Maximilian I. (1597–1623 Herzog von Bayern, 1623–1648 Kurfürst von der Pfalz, 1648–1651 Kurfürst von Bayern) die Oberpfalz und führte die Gegenreformation durch. Die Bevölkerung von Lixenried kehrte zum Katholizismus zurück. Die Pfarrei Gleißenberg und damit auch Lixenried gehörten nun wieder zum Dekanat Cham.

mini|Grabstein des Andre Kolb, Pfarrkirche Gleißenberg Andre Kolb bleibt trotz Gegenreformation lutherisch Nach der Gegenreformation mussten alle katholisch werden oder das Land verlassen. Deshalb verkaufte Heinz von Rhein seinen Besitz in Geigant an Andre Kolb, den Landsassen von Lixenried, und ging nach Regensburg. Andre Kolb war zwar lutherisch, aber seine Frau und seine vier Kinder waren katholisch. Dadurch wurde ihm vom Kurfürsten Maximilian I. immer wieder die Frist bis zur erwünschten Konversion verlängert. Als 1633 die Schweden Cham und Furth im Wald eroberten, zeigte Kolb seine Freude darüber allzu öffentlich und wurde 1634 als Verräter verhaftet. Seine Frau flüchtete mit den Kindern nach Waldmünchen. Die Schweden plünderten auf ihrem Zug von Furth nach Waldmünchen über Gleißenberg auch den Besitz von Andre Kolb. Bei seinem Prozess sagte Andre Kolb aus, die Schweden hätten ihn zur Zusammenarbeit gezwungen. Er wurde nicht bestraft und der Zugang zu seinen Gütern in Lixenried und Geigant wurde ihm wieder gestattet, obwohl er nicht katholisch war.