Das Bezirksamt Stühlingen war eine von 1813 bis 1857 bestehende Verwaltungseinheit im Süden des Landes Baden.

Geographie Der im Alb-Wutach-Gebiet, dem südlichen Ausläufer der Baar, gelegene Amtsbezirk lag im äußersten Süden des Landes, unmittelbar an der Grenze zum Schweizer Kanton Schaffhausen, der jenseits des Flusses Wutach begann. Die Landschaft war bergig, das Klima galt als gesund.

Wirtschaft Der Amtsbezirk war stark landwirtschaftlich geprägt. 1843 wurde von Ackerbau, Viehhaltung und Weinbau berichtet. Die Einwohner galten als nicht sehr wohlhabend.

Geschichte Historischer Hintergrund Das Bezirksamt hatte seine historischen Wurzeln in der im hohen Mittelalter entstandenen Landgrafschaft Stühlingen, die 1639 auf dem Erbwege zum Haus Fürstenberg gekommen war. Aus ihr entstand das von einem Obervogt geleitete Obervogteiamt Stühlingen.Abschnitt zum Obervogteiamt Stühlingen im Staats- und Addresshandbuch des schwäbischen Reichs-Kraises, 1799, Band 1, S. 389. Mit der Rheinbundakte von 1806 wurde Fürstenberg mediatisiert, ihr Fürstentum Fürstenberg zum größten Teil der badischen Landeshoheit unterstellt. Dort wurde 1807 das standesherrschaftliche Amt Stühlingen errichtet.

Nach der Gründung Nachdem die Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit 1813 eine einheitliche Zuständigkeit der Verwaltungsbehörden ermöglicht hatte, entstand aus dem Amt Stühlingen das, aufgrund seiner geringen Einwohnerzahl, zunächst als Stabsamt eingestufte Bezirksamt Stühlingen.Beilage A: Ämtereinteilung, veröffentlicht im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt am 30. Juli 1813, Heft XXII, S. 133.

1824 wurde dem Haus Fürstenberg erneut die Zuständigkeit für die Rechtsprechung auf der unteren Ebene (die bis 1857 bei den Ämtern lag) zuerkannt.Entsprechende Verordnung vom 29. April 1824, veröffentlicht am 8. Mai 1824 im Großherzoglich Badischen Staats- und Regierungsblatt, Heft X, S. 68. In der Folge firmierte das Amt nun als gemeinsames großherzoglich-badisches und fürstlich-fürstenbergisches Bezirksamt.Siehe diese Aufforderung vom 21. Oktober 1825, veröffentlicht im Großherzoglich-Badischen Anzeige-Blatt für den Dreisam-Kreis. Sitz der Verwaltung war ab 1826 das ehemalige fürstenbergische Rentamt.Edelgard Bernauer: Das ehemalige Amtshaus in Stühlingen erzählt eine lange Geschichte. Südkurier, 19. August 2019, abgerufen am 6. Februar 2023.

In seinem Umfang blieb das Bezirksamt Stühlingen Zeit seines Bestehens weitgehend unverändert. Lediglich 1819 und 1842 kam es zu Umgliederungen, von denen zwei Ortschaften betroffen waren. 1857 wurde das Bezirksamt aufgelöst und dem Bezirksamt Bonndorf eingegliedert.Entsprechende Verordnung vom 1. August 1857, veröffentlicht im Großherzoglich Badischen Regierungsblatt am 4. August 1857, Heft XXXIII, S. 357.

Orte und Einwohnerzahlen 1814 mini|Orte des Amtes Stühlingen 1800 Bei der Errichtung des Bezirksamtes 1813 wurden vom vorherigen Bestand Riedern und Horheim an das Bezirksamt Tiengen abgetreten. Bei dessen Auflösung 1819 kehrten sie wieder zurück.Entsprechende Verfügung vom 23. November 1819, veröffentlicht am 1. Dezember 1819 im Großherzoglich Badischen Staats- und Regierungsblatt, Heft XXX, S. 195

1814 wird für das Gebiet des Bezirksamtes von 4590 Einwohnern berichtet, die sich auf folgende Orte verteilten:Johann L. Büchler (Herausgeber): Das Großherzogthum Baden nach seinen Kreisen, Hofgerichtsprovinzen und Amtsbezirken topographisch dargestellt. Zweite vermehrte und umgearbeitete Auflage 1814, S. 19f. Eberfingen: 335 Endermettingen, mit den Höfen Muhren und Scheuren: 210 Lambach: 295 Löhningen, mit Raßbach und Thal: 118 Mauchen, mit dem Hof Untere Alp: 459 Obereggingen: 201 Obermettingen, mit dem Hof Mettinger Alp: 179 Ofteringen: 128 Schwaningen (Stühlingen): 332 Stühlingen, mit den Weilerhöfen: 928 Untereggingen: 352 Untermettingen: 241 Unter- und Oberwangen, mit den Höfen Obere Alp und Sparrenberg: 354 Weizen, mit Zollhäusle: 458

1852 1842 wechselte Riedern erneut die Zugehörigkeit und ging an das Amt Bonndorf.Die Begränzung einiger Aemter des Seekreises betreffend. Verordnung vom 13. Dezember 1842, veröffentlicht am 2. Januar 1843 im Großherzoglich Badischen Staats- und Regierungsblatt, Heft I, S. 3.

1852 lebten im Amtsbezirk 6.473 Menschen in 15 einfachen und einer zusammengesetzten Gemeinde mit zwei Nebenorten:Die Gemeinden des Großherzogthums Baden, deren Bestandtheile und Bevölkerung. In: Beiträge zur Statistik der inneren Verwaltung des Großherzogthums Baden, Karlsruhe 1855, S. 53f.

Als einfache Gemeinden: Eberfingen: 430 Endermettingen, mit Berghaushof, Muren, Scheurnhöfe und der Untermühle: 263 Horheim, mit Höfen: 564 Lembach: 355 Mauchen, mit Unteralp: 573 Obereggingen: 301 Obermettingen: 269, davon in Stockenhof: 3 Oberwangen, mit Oberalp und Sparenberg: 252 Ofteringen: 185 Schwaningen, mit Kalvarienberg: 414 Stühlingen, mit Schloss Hohenlupfen, Walke und Ziegelhütte: 1203 Untereggingen, mit Ziegelhütten: 504 Untermettingen: 270 Unterwangen, mit Mühle und Röschhof: 174 Weizen, mit Mühle und Zollwirtshaus: 517

Als zusammengesetzte Gemeinden: Löhningen: 174, davon in den Nebenorten Raßbach: 60 Thalhöfe: 24

Hinzu kamen 25 Personen in Weilerhöfe. Die hier verwendete Zuordnung verweist darauf, dass es sich um ein gemeindefreies Gebiet handelte, die in Baden Abgesonderte Gemarkung hießen. Die auf ihnen liegenden Siedlungen wurden, je nach Typ, als Abgesonderter Hof oder als Colonie bezeichnet.

Übergeordnete Behörden Die, im Rahmen der Verwaltungsgliederung des Landes, übergeordneten Behörden waren zunächst der Donaukreis, ab 1819 der alte und ab 1832 der neue Seekreis.

Leiter der Verwaltung Die Leitung der Verwaltung, mit unterschiedlichen Titeln, hatten inne:Wolfram Angerbauer: Die Amtsvorsteher der Oberämter, Bezirksämter und Landratsämter in Baden-Württemberg : 1810 bis 1972. Herausgegeben 1996 von der Arbeitsgemeinschaft der Kreisarchive beim Landkreistag Baden-Württemberg. 1814 bis 1823: Josef Merk 1827 bis 1848: Thaddäus Frey 1848 bis 1850: Wilhelm Hübsch 1851 bis 1853: Matthias Schmieder 1853 bis 1857: Viktor Leiblein

Weitere Entwicklung Das Bezirksamt Bonndorf wurde 1924 aufgelöst und aufgeteilt. Dabei kamen die Gemeinden des ehemaligen Bezirksamtes Stühlingen zum Bezirksamt Waldshut, aus dem 1939 der Landkreis Waldshut hervorging.

Literatur Historischer Atlas von Baden-Württemberg, online verfügbar bei LEO-BW: Blatt VII.4: Verwaltungsgliederung in Baden, Württemberg und Hohenzollern 1815–1857 Gemeinsames Erläuterungsblatt, verfasst von Ulrike Redecker (Baden) und Wilfried Schöntag (Württemberg) Topographisches Universallexikon vom Großherzogthum Baden. Karlsruhe 1843, Sp. 1054f.

Einzelnachweise

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