Die Geschichte der japanischen Militärkettenlaufwerkstechnik von 1927 bis 1945 umfasst diverse Laufwerkssysteme, die hauptsächlich 1927–1934 entwickelt wurden. Die in Zusammenarbeit von japanischem Militär und der heimischen Industrie entwickelte standardisierte Laufwerkstechnologie wurde nachfolgend bei fast allen japanischen Voll- und Halbketten-Militärfahrzeugen verwendet. Zusätzlich erhielten Streitkräfte von Thailand, Regime von Nanjing und Mandschukuo einige japanische Panzerfahrzeuge mit diesen Laufwerken und nutzten sie teilweise bis 1952.
Entwicklungsgeschichte Anders als in Europa hatte das japanische Militär vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges keine hohe Priorität in der Entwicklung von gepanzerten Rad- oder Kettenfahrzeugen gesehen, was zu einem späteren Beginn dieser Entwicklungen in Japan führte. Trotzdem waren die Fertigungszahlen der daraus entstandenen Fahrzeuge insgesamt vergleichsweise hoch.
Anfänglich wurden in Frankreich Renault FT (Renault Kō-gata Sensha) und Renault NC (Renault Otsu-gata Sensha) beschafft und teilweise nachgebaut. Die später einsetzende Projektierung zur Ausstattung der japanischen Streitkräfte orientierte sich zunächst am Entwicklungsstand der Zwischenkriegszeit. Anfangs bemühte man sich darum, eine funktionierende Industrie für den Bau solcher Fahrzeuge aufzubauen. Nach dem politischen Entschluss in Großbritannien von 1925, den Verkauf von modernen Fahrzeugen wie dem Vickers Medium Mark II zu verbieten, entwickelte Japan eigene Panzerfahrzeuge.
Frühe Laufwerke mini|Experimentalpanzer Nr. 1, der erste japanische Panzerprotoyp (1927). mini|140px|Hara Tomio, japanischer Heeresoffizier und Ingenieur. mini|140px|Laufwerksvarianten im Zweiten Weltkrieg. Vor der Einführung der japanischen Laufwerkstechnologie verwendete das japanische Heer Kettenfahrzeug-Laufwerke, die auf dem importierten französischen Renault FT basierten. Dessen Laufwerke bestanden neben Spann- und Antriebsrad aus mehreren Lauf- und Stützrollen. Der Federweg dieser Laufwerke war erheblich geringer als bei späteren Laufwerken aus japanischer Folgeentwicklung.
Verwendet wurden die Laufwerke mit französischen Wurzeln zunächst bis etwa 1935 für die frühen japanischen Panzermodelle und schwerere Sonderfahrzeuge. Hierzu können beispielhaft die Modelle Typ 89 I-Gō, Pionierpanzer SS-Ki und Typ 95 Schwerer Panzer genannt werden.
Die bei diesen Typen verwendeten Laufwerkssystem beanspruchten viel Wartungszeit, da für Instandsetzungsarbeiten immer viele Teile entfernt werden mussten, um an die Laufrollen heranzukommen. Für die leichteren Fahrzeuge wurde ab 1932 eine Modernisierung verwendet. Die Rollenwagen mit zwei kleinen Laufrollen waren in der Mitte eines an zwei Endpunkten an der Wanne mit Blattfederpaketen befestigt. (Typ 92 Jū-Sōkōsha). Das Konzept basierte auf einer Interpretation des Renault FT-Fahrwerks, bei dem eine Gruppe von 4 Laufrollen in einem Rollenwagen mittig unter einem fixierten Blattfederpaket sitzt.
Zum Experimentalpanzer Nr. 1 und dem darauf aufbauenden Typ 91 schweren Panzer sind kaum Informationen bekannt, die eine detaillierte Laufwerksbeschreibung erlauben. Aus dem Vereinigten Königreich sind Entwicklungen mit sichtbaren Ähnlichkeiten beim Fahrwerk des Vickers Medium Mark C und beim Vickers Medium Mark II bekannt.
Entwicklung des standardisierten Laufwerks Die gesammelten Erfahrungen führten im Jahr 1934 zu einem neuen Fahrwerkskonzept. Im technischen Büro des Kaiserlich Japanischen Heeres unter der Leitung des damaligen Majors Hara Tomio hatte eine Gruppe von Ingenieuren ein System entwickelt, welches letztlich bei japanischen Kettenfahrzeuge als gemeinsame Laufwerksbasis Verwendung finden sollte und damit als Grundlage des japanischen standardisierten Kettenlaufwerk gesehen werden kann.
Es hat Ähnlichkeiten mit der Technik der seinerzeit bekannten Horstmann- und Christie-Systeme, weist jedoch auch deutliche Eigenständigkeit mit Unterschieden auf. Die Fertigung und Erprobung der ersten Versuchsmodelle erfolgte in Zusammenarbeit mit der Fahrzeugbau-Sparte von Tōkyō Gas & Strom (später Hino Fahrzeugbau). Die Entwicklung brachte zunächst den Typ 94 TK hervor.
Die Serienversion des Typ-94-TK-Laufwerks erwies sich als sehr geländegängig und hatte einen deutlich geringeren Wartungsbedarf als die früheren Modelle. Die Typ-94-TK-Basis wurde daher für weitere japanische Kampf- und Unterstützungsfahrzeuge verwendet, und wo erforderlich um benötigte Baugruppen erweitert. Ein Patent zur Laufwerksentwicklung wurde 1936 beantragt und erteilt.
Konstruktion
Aufbau der frühen Laufwerke mini|Detailansicht des vorderen Teils des Laufwerks eines Typ 89 I-Gō mit vorderem Rollenwagen mit Blattfederkonstruktion, dem Hilfsspannrad und separat oben montierten Stützrädern. Bereits die frühen japanischen Laufwerke waren als Entwicklung für Modulbauweise konzipiert. Sie basierten teilweise auf Laufwerksteilen des Renault FT und erinnern konstruktiv noch an die landwirtschaftlich genutzten Kettenlaufwerke jener Zeit. Teilweise diente auch das Kegresse-System als Grundlage.
Die Laufwerke waren modular erweiterbar. Sie bestanden aus zwei oder mehr gleichartigen Rollenwagen mit mehreren Laufrollen, mehreren Stützrollen oben sowie Antriebsrad und Umlenkrad. Die einzelnen Räder und Rollen bestanden aus jeweils zwei formgepressten Stahlscheiben zwischen denen die Kette geführt wurde. Je zwei Laufrollen wurden mit einer Stütze zu einem Laufrollenmodul verbunden. rahmenlos|80px|links|Blattfederpaket Zwei Laufrollenpaare waren wiederum durch je ein außen und innen angebrachten Träger zur Stabilisierung miteinander gekoppelt. Der Träger wurde mittig an einem Blattfederpaket montiert. Mehrere der Rollenwagen wurden als Module hintereinander an den Fahrzeugseiten angeschraubt. Zusätzliche, gefederte Hilfsspannräder waren beweglich mit dem vorderen Rollenwagen verbunden. Diese ermöglichten die dynamische Korrektur der Kettenspannung bei Geländefahrten.
Ein Antriebsrad vorn, ein Umlenkrad hinten und Stützrollen je nach Bedarf vervollständigten das Laufwerk. Diese bestanden ebenfalls aus formgepressten Stahlscheiben. Die verwendete Anzahl der Rollenwagen-Module war Fahrzeuggewicht und Vorgaben zum Bodendruck abhängig. Es waren teilweise unterschiedlich große Laufrollen nötig, um die Kette je nach Länge über die gesamte Kettenauflagelänge gleichmäßig führen zu können. Auf die zusätzlichen Hilfsspannräder wurde mit Fortschreiten der technologischen Entwicklung später verzichtet.
Aufbau des standardisierten Laufwerks mit 4 Rollen mini|Type 95 Ha-Gō, Laufwerkansicht und Einzelbauteile (Australian War Memorial, Restauration, 2012). Das standardisierte Kettenlaufwerk besteht im Kern aus: vorn, einem Antriebsrad hinten, einem Umlenkrad mit Spannvorrichtung und Hartgummiring Laufrollenwagen, als Modul mit Räderpaaren, und trapezförmigen Trägerplatten, die anfangs außen, später zwischen den Rollen waren, vier mit Hartgummiringen versehenen, teilbaren Laufrollen, zwei mit Hartgummiringen versehenen, kleineren Stützrollen zwei Umlenkhebeln zwei hintereinander angeordnete, horizontal montierte Schraubenfedern, die von einer Omega-förmigen Panzerplatte abgedeckt sind
Das Antriebsrad bestand aufgrund der nötigen Kraftübertragung aus dickeren Stahlplatten. Auf diesen waren außen Stahlringe aufgeschraubt, in denen mehrere Stahlzähne in gleichbleibenden Abständen eingefräst waren. Die Zähne griffen in entsprechende Aussparungen an den Außenseiten der Ketten und schoben diese so in die gewünschte Richtung. Vor allem die leichteren Fahrzeuge hatten Löcher im Mittelteil der Antriebsräder, um zusätzlich Gewicht zu sparen.
Das Umlenkradrad bestand ebenfalls aus zwei dickeren Stahlplatten, um die dort anstehenden Kräfte aufnehmen zu können. Das Rad wurde auf eine mechanische Spannvorrichtung am hinteren Ende des Rumpfs montiert. Diese bestand im Wesentlichen aus einer horizontal eingebauten Gewindestange, an der der Montagepunkt des Rades an der Spannvorrichtung durch einen Schraubenschlüssel nach vorn oder hinten verschoben werden konnte.
Die Rollenwagen bestanden aus je zwei Laufrollen, die zwischen den Enden zweier trapezförmig gewinkelten Trägerplatten drehbar montiert waren. Dieser Rollenwagen wurde in der Mitte schwenkbar mit einem an der Wanne befestigten Umlenkhebel verbunden. Der Umlenkhebel war ebenfalls schwenkbar montiert und hatte in sich eine Biegung von etwa 95°. Zwei Stahlstangen verbanden den Hebel mit der horizontalen Feder, die auf der jeweils abgewandten Seite angebracht war. Wurde der Rollenwagen nach oben bewegt, komprimierte dies die gegenüberliegende Feder. Bewegungen nach unten wurden von der sich dann auseinanderziehenden Feder begrenzt. Beim Entspannen der Feder wurde der Rollenwagen wieder in die Ausgangslage bewegt. Der zweite Rollenwagen verhielt sich entsprechend. Durch diese Konstruktion wurde eine maximale Kettenauflage und Bodendruckverteilung auch bei sehr unebenem Gelände erreicht.
Die einzelnen Rollen und Räder bestanden jeweils aus zwei hintereinander montierten, profilierten Stahlscheiben, um dem Mittelführungszahn der Gleiskette ein freies Durchgleiten zu ermöglichen. Die Hartgummiringe wurden jeweils heiß aufgezogen und schrumpften beim Abkühlen fest.
mini|Typ 95 Ha-Gō mit mandschurischem Laufwerk. Für den Typ 95 Ha-Gō gab es für den Einsatz in der Mandschurei zusätzlich einen abgeänderten Rollenwagen. Dieser hatten außen und innen dreieckige Stützen, die mit der Spitze nach unten eingebaut waren. Die Laufrollen waren auch hier dazwischen drehbar befestigt. Zudem wurde eine weitere, kleineres Stahlrolle zwischen den Spitzen der Stützen beweglich befestigt. Grund dafür war das in der Mandschurei häufig vorkommende Kaoliang-Gras (Sorghum halepense). Dieses hat mit seinen relativ harten Blüten- und Samenstängeln, die dazu noch meistens in einem zum normalen Rollenwagen ideal passenden Abstand wuchsen, beim Standardrollenwagen immer wieder die einzelnen Rollen blockiert. Das Problem konnte durch die zusätzliche Stahlrolle soweit verhindert werden, dass dadurch kaum noch Ausfälle auftraten. Diese Version ist auch als mandschurisches Laufwerk bekannt und wurde nur in der Mandschurei und im Nordosten Chinas verwendet. Sobald die Fahrzeuge in andere Kriegsgebiete abkommandiert wurden, erfolgte wieder der Rückbau zu den normalen Rollenwagen.
Aufbau des standardisierten Laufwerks mit 5 und mehr Rollen
Zur Erweiterung des vorbeschriebenen Laufwerks mit 4 Rollen wurden folgende Baugruppen zusätzlich entwickelt: Laufrolle mit Umlenkhebel und schräg eingebauter Schraubenfeder Horizontalfederungsmodul mit Rollenwagen und einzelner Laufrolle mini|Zusammenbau des Laufwerks mit Standard-Modulen beim Typ 3 Chi-Nu mit 6 Rollen bei Mitsubishi 1944. Bei schwereren oder längeren Fahrzeugen wurde zunächst eine nur weitere Laufrolle mit dem dazugehörigen Befestigungssystem am 4-Rollen-Laufwerk montiert. Dabei war die Feder beweglich im Drehpunkt des Umlenkhebels des vorderen oder hinteren Rollenwagens befestigt. So übte die äußere Federn keine Kraft auf das horizontale Federpaar aus. Falls eine sechste Laufrolle nötig war, wurde diese am noch ungenutzten Rollenwagen angebracht. Für Laufwerke mit sieben oder mehr Laufrollen wurden zwei Horizontalfederungsmodule benutzt, wobei beim zweiten je nach Bedarf ein einzelner Rollenwagen und eine einzelne Laufrolle (z. B. Typ 4 Chi-To) oder aber zwei Rollenwagenmodule (z. B. Typ 5 Chi-Ri) befestigt waren.
Die Laufrollen waren ab 1937 an für alle Verwendungen der Größe und der Form nach genormt. Um bei Verschleiß des Hartgummirings diesen schnell wechseln zu können, wurde er nun auf einen zusätzlichen, aufschraubbaren Stahlring statt direkt auf das jeweilige Stahlrad der Laufrolle aufgeschrumpft.