Lund [] ist eine Stadt in der südschwedischen Provinz Skåne län und der historischen Provinz Schonen.
Die sogenannte Studentenstadt (mehr als ein Drittel der Einwohner sind Studenten) ist die elftgrößte Stadt Schwedens und nach Malmö und Helsingborg die drittgrößte Stadt Schonens. Sie ist geprägt von zahlreichen Cafés, Parks und alten Backstein-Fassaden. Die Universitätsstadt gilt als kulturelles Zentrum des Südens und ist Hauptort der gleichnamigen Gemeinde. Sie gilt als die am schnellsten wachsende Stadt des Landes.Svenska Dagbladet: Efter grannen Lund är Malmö den stad som växer mest i Sverige. Als eine der ältesten und bedeutendsten Städte des Mittelalters ist sie als Reichsinteresse eingestuft.Riksintressen för kulturmiljövården - Skåne län, Riksantikvarieämbetet Seite 24.
Geographie Lund liegt unweit des Öresunds etwa 17 km nordöstlich von Malmö und nur 60 km von der dänischen Hauptstadt Kopenhagen entfernt im äußersten Südwesten Schwedens, bei 55° 42' 10 nördlicher Breite und 13° 11' 35 östlicher Länge. Die Entfernungen zu einigen anderen schwedischen Städten sind dementsprechend groß. So ist Göteborg etwa 250 km, Stockholm 600 km und Umeå knapp 1200 km entfernt. Die Stadt gehört zur transnationalen Öresundregion und ist Teil der Großstadtregion Malmö (Groß-Malmö).
Lund liegt am nordwestlichen Ende des Romeleåsen, Schwedens südlichstem Horst, der sich 30 Kilometer in südöstliche Richtung bis nach Ystad erstreckt. Bedingt durch die Lage befindet sich Lunds höchster Punkt im Nordosten der Stadt, die stetig gen Südwesten abfällt.
Ein geringer Teil (1 Hektar) der Fläche des Ortes mit neun Einwohnern (2015) liegt auf dem Territorium der südlich benachbarten Gemeinde Staffanstorp.Statistiska centralbyrån: Tätorter 2015 som delas av kommungräns (Excel-Datei)
Klima mini|Klimadiagramm für Lund
In Lund herrscht feuchtkontinentales Klima. Durch die Nähe zum Öresund und die ungeschützte Lage auf der schonischen Halbinsel herrscht durchweg windiges Wetter mit Wind meist aus Süd bis Süd-West vor. Dies hat relativ geringe Temperaturschwankungen zur Folge. Die Winter sind zumeist nass, mit wenig bis keinem Schnee; im Sommer übersteigen die Temperaturen selten die 25-Grad-Marke. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 7,9 Grad, der Jahresniederschlag beträgt 655 mm.Temperaturen och nederbörden i Sverige 1961 – 1990: referensnormaler / Hans Alexandersson och Carla Eggertsson Karlström. – Utgåva 2. – Norrköping: Sveriges meteorologiska och hydrologiska institut, 2001. – 71 S.: Kt.; 30 cm. – (Meteorologi / SMHI; 99. 2001)
Geschichte Etymologie Es wird angenommen, dass der Name Lund vom altnordischen Wort lundr (dänisch und schwedisch lund) herrührt, was mit Gehölz, Hain oder kleine Waldung übersetzt werden kann. Die Anspielung auf ein „heiliges Weißdorn-Gehölz“ wird vermutet, das zwischen den Weilern Valkärra Torn und Östra Torn (heute zu Östra Torn-Mårtens Fälad), nördlich der heutigen Stadt Lund gelegen haben soll.Svenskt ortnamnslexikon. 2003, S. 199.
Gründung und Frühgeschichte Gegründet um 990 n. Chr. vom dänischen Wikingerkönig Sven Gabelbart, gilt Lund gleichauf mit Sigtuna als älteste Stadt Schwedens. Archäologische Funde bei Uppåkra weisen darauf hin, dass die Stadt nach ihrer Gründung, wahrscheinlich auf königliche Initiative hin, etwa fünf Kilometer nach Norden verschoben wurde. Die Funde geben Anlass zur Annahme, dass die Stadt schon vor der Verschiebung als Zentralort für das damalige Südwestschonen fungierte. Auch wird die Siedlung in der ältesten Geschichte des Nordens als eine durch Schifffahrt und Handel mächtige Stadt erwähnt.
Die neue Lage der Stadt war von strategischem Vorteil, da die bessere Sicht von Romeleåsen sowie Moor- und Sumpfböden längs des Flusses Höje å zusätzlichen Schutz gaben. Wie schon in Uppåkra verlief die wichtige Landstraße (Länsväg) in Nord-Süd-Richtung auch an Lund vorbei, aber Lund lag nun zusätzlich an der Landstraße in Ost-West-Richtung, und die Annahme liegt nahe, dass die Stadt dadurch neues Gewicht innerhalb Schonens erlangte. Die Gründung der Stadt kann deshalb in einer Reihe mit Versuchen gesehen werden, ein einheitlich-dänisches Königtum zu schaffen.
Hoch- und Spätmittelalter mini|hochkant|Dom zu Lund Als der dänische König Sven Estridsson unter Mitwirkung von Adalbert von Bremen Dänemark um 1057/60 in neue Diözesen aufteilte, wurde Lund zum Bischofssitz als Suffragan des Erzbistums Bremen. 1066 wurde das Bistum Dalby unter Bischof Eigino in die Diözese Lund eingegliedert,Dieter Strauch: Mittelalterliches nordisches Recht bis 1500: Eine Quellenkunde (Google Books), Berlin 2011 wodurch es mit den Gebieten Bornholm und Halland die Grenzen der heutigen Diözese annahm.
Sven Estridssons Sohn Knut der Heilige gründete 1085 in Lund mit der Katedralskolan die älteste Schule Skandinaviens.
Im Jahr 1103 wurde mit dem Dom zu Lund der älteste Dom Skandinaviens begonnen, womit sich die Stellung Lunds weiter festigte und Dalby – wie vorher Uppåkra – an Bedeutung verlor. Ein Jahr später wurde Lund Erzbistum, zunächst für alle nordischen Länder, dann, nachdem Norwegen (1152) und Schweden (1164) unabhängige Erzbistümer geworden waren, nur noch für Dänemark. Der Erzbischof erhob bis zur Reformation Ansprüche auf die Suprematie über alle nordischen Prälaten. In diesen Zeiten war Lund die geistliche und in gewissem Sinn auch die weltliche Hauptstadt des dänischen Reichs (metropolis Daniae), dessen Münzen in Lund geprägt wurden und dessen Könige sich auf der St.-Liboriushöhe huldigen ließen.
Ihre größte Blütezeit erlebte die Stadt im 13. und 14. Jahrhundert als bedeutendste Stadt Dänemarks. Knut I. von Schweden feierte 1177 hier seine Hochzeit, 1202 wurde König Waldemar II. (der Sieger) in Lund gekrönt und 1409 die Hochzeit von Erich von Pommern mit Philippa, der Tochter Heinrichs IV. von England, gefeiert. mini|hochkant|Karl XI. während der Schlacht bei Lund, Gemälde von David Klöcker Ehrenstrahl von 1682
In den Folgejahren blieb Lund eine der bedeutendsten Städte Dänemarks, verlor aber mit dem Aufstieg Malmös im 15. Jahrhundert an Bedeutung: Nachdem erst der Feldzug Karls VIII. von Schweden nach Schonen 1452 dem Wohlstand der Stadt einen schweren Schlag versetzt hatte, sank sie durch die Reformation und die damit einhergehende Trennung von Religion und Staat vollends in Verfall und Bedeutungslosigkeit. Mit Ausnahme des Doms und der Klosterkirche Sankt Peter wurden die übrigen Kirchen niedergerissen, die Häuser verfielen und Plätze blieben unbebaut.
Frühe Neuzeit Während des Zweiten Nordischen Krieges erklärte Dänemark im Juni 1657 Schweden den Krieg. Diese Auseinandersetzung endete im Frieden von Roskilde von 1658: Dänemark musste unter anderem seinen Besitz im heutigen Südschweden räumen, so wurde die Stadt im gleichen Jahr zusammen mit ganz Schonen an Schweden abgetreten.
Die folgenden Kriegsjahre unter Karl XI. mit dem Sieg der Schweden in der Schlacht bei Lund am 4. Dezember 1676 und unter Karl XII. mit dem Frieden zwischen Schweden und Dänemark am 6. Oktober 1679 beschleunigten den Abstieg der Stadt. Es dauerte lange, bis Lund – vor allem durch die 1666 gegründete Universität – wieder überregionale Bedeutung gewann.
Die Gründung der Universität hatte vor allem den Zweck, das ehemals dänische Gebiet nachhaltig an Schweden zu binden, was zumindest mittelfristig Auswirkungen auf die Stellung der ehemals wichtigen Stadt hatte. Denn ab dem Ende des 17. Jahrhunderts schien Lund, vor allem durch die Universität, zu altem Glanz zurückzugelangen: Samuel von Pufendorf veröffentlichte an ihr 1672 seine humanistisch-demokratische Universalethik.
Kurzzeitig Regierungssitz 1716–18
Gegen Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts wurde Schweden von weiteren Kriegen heimgesucht, was die Lage in der Stadt erschwerte. 1703 und 1711 wüteten Brände, von 1712 bis 1713 die Beulenpest. Als zwischen dem 6. September 1716 und 11. Juni 1718 Karl XII. im Kungshuset residierte, wurde Schweden von Lund aus regiert. Zwei Feldzüge gegen Norwegen wurden geplant und vollzogen. In den letzten Jahren des Großen Nordischen Krieges kamen Diplomaten aus ganz Europa nach Lund, die Stadt erreichte neue politische Bedeutung.
Industrialisierung mini|Karte von 1866
Die Industrielle Revolution und die darauf folgende Urbanisierung erreichten die Stadt mit der Eröffnung des ersten Teilstücks der Södra stambanan von Malmö nach Lund im Jahre 1856. Dennoch wurde Lund, anders als andere Städte in Schweden, nicht übermäßig industrialisiert, der Lage an der Eisenbahn zum Trotz. Denn ein Großteil der Industrie sammelte sich vorerst in Malmö, und auch die alten Handelsrouten, die nun allmählich durch Eisenbahnstrecken ersetzt wurden, hatten nun Malmö als Endstation. Weitere Faktoren, die zur schwachen Industrialisierung beitrugen, waren die Dominanz der Universität und der Kirche. Da diese Institutionen seit jeher eine große Rolle gespielt hatten, verzichtete man auf eine breite Ansiedlung von Industrie. Dennoch wurde mit dem Bau weiterer Eisenbahnlinien begonnen, wie etwa mit der nach Trelleborg (1877), nach Bjärred (1901) und der heutigen Västkustbana nach Göteborg (1888), ursprünglich eine Nebenstrecke nach Kävlinge.
Auch die Universität erlebte einen neuen Aufschwung: Neue Fakultäten wurden gegründet und neue Gebäude, wie das Hauptverwaltungsgebäude, wurden errichtet. Anfang des 19. Jahrhunderts wohnten und arbeiteten berühmte Persönlichkeiten wie etwa Esaias Tegnér, Carl Adolph Agardh oder Pehr Henrik Ling in der Stadt.
Nach 1945 Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte die Stadt ein starkes Bevölkerungswachstum; so lebten bereits 1950 etwa 35.000 Menschen in Lund. Frühere Ackerlandflächen wie Norra Fäladen, Östra Torn-Mårtens Fälad und Klostergården wurden zu neuen Stadtteilen erschlossen. 1951 wurde der Neubau für das 1768 gegründete Universitätskrankenhaus Lund eröffnet. Auch die Lehrangebote an der Universität wurden weiter ausgebaut und 1961 die Technische Hochschule Lund (Lunds tekniska högskola, LTH) gegründet. 1983 begann man mit dem Bau von Schwedens erstem Gewerbegebiet Ideon, heute ein Firmenpark vor allem für Informations- und Biotechnologiefirmen.
Stadtbild mini|Plan der Stadt Lund
Als Lund im 12. und 13. Jahrhundert Sitz des Erzbischofs war, entstanden in und außerhalb der Stadt viele Kirchengebäude. Zeitweilig gab es 27 Kirchen und Klöster in Lund. Im Laufe der Reformation wurde jedoch ein Großteil der religiösen Gebäude abgerissen. Der mittelalterliche Stadtkern wird noch durch die Struktur des Straßennetzes am deutlichsten, die sich bis in die heutige Zeit bewahrt und, im Ganzen gesehen, die Form eines menschlichen Herzes hat, was typisch für den Städtebau im Mittelalter ist. Die Straßen des Innenstadtbezirks Centrum bestehen außerdem ausschließlich aus Kopfsteinpflaster, welches trotz des regen Busverkehrs nicht durch gewöhnlichen Asphalt ersetzt, sondern beständig erneuert wird. Weiteres Merkmal sind eine Anzahl mittelalterlicher Gebäude, wie etwa der Dom, das Königshaus (Kungshuset), Krognoshuset und die Kathedralsschule aus dem Jahr 1085. 1224 wurde das Gebiet um Lund der Fürstenfamilie Riebenstein übergeben und 1345 der Bau von Schloss Vinstokar in Auftrag gegeben. 1405 wurde der Bau nach 60 Jahren vollendet. Bei einem Großbrand 1756 brannte das Schloss Vinstokar bis auf die Grundmauern nieder und das übriggebliebene Fundament wurde einige Jahre später abgetragen und mitsamt dem englischen Landschaftsgarten zu Ackerland umfunktioniert.