Die Inuit-partiet („Inuit-Partei“) war eine grönländische Partei. Sie war die erste Partei des Landes, rund zehn Jahre vor Einführung eines geordneten Parteiensystems.
Geschichte Die Partei wurde im 1963 gegründet.Helge Schultz-Lorentzen: Inuitpartiet. Danmarks Nationalleksikon. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten der Zeitungsredakteur Jørgen Fleischer, der Fischereibiologe Jens Kreutzmann und der Radiojournalist Ulrik Rosing. Weitere in der Partei engagierte Personen waren unter anderem Hansepâjuk Gabrielsen, Hans Lynge,Nyt fra Inuit-partiet. Atuagagdliutit (19. November 1964). S. 11. Lars Svendsen,Får Inuit-partiet repræsentation i landsrådet? Atuagagdliutit (28. Oktober 1965). S. 20. Peter Nielsen, Kaj Narup und Jonathan Motzfeldt. Die Gründung der Partei war eine direkte Reaktion auf die Änderungen der Lohnpolitik, die im Zuge der G60-Politik eingeführt werden sollten. In den vorangegangenen Jahren konnten Grönländer dieselben Löhne erhalten wie Dänen, wenn sie zehn Jahre in Dänemark gelebt hatten. Da diese Regelung nicht funktionierte bzw. zur Auswanderung qualifizierter Arbeitskräfte führte, sollte die Regelung durch das Geburtsortkriterium ersetzt werden, wonach in Dänemark geborene Personen grundsätzlich mehr Lohn erhalten sollten als in Grönland geborene Personen. Diese Regelung wurde 1964 eingeführt.
Die Partei trat bei Wahlen zu Grønlands Landsråd an und darüber hinaus waren Parteivertreter auch Kandidaten bei Folketingswahlen. Außerhalb des Wahlkampfs war die Partei jedoch nahezu inexistent, was vermutlich auch dafür sorgte, dass sie bei Wahlen nur geringe Erfolge erzielen konnte. Es mangelte der Partei zudem an Parteimitgliedern und Lokalverbänden bzw. generell an einer ordentlichen Organisationsstruktur.Al anden tale er ansvarsløs. Atuagagdliutit (21. Mai 1964). S. 5. Bei der Landesratswahl 1967 traten insgesamt 69 Kandidaten an, davon 6 für die Inuit-partiet. Es gelang der Partei ein Überhangsmandat zu erringen, das Thomas Berthels zufiel.Kun ét tillægsmandat. Atuagagdliutit (1. Mai 1967). S. 3. Allerdings waren einige Stimmen für ungültig erklärt worden, wogegen geklagt wurde, bis Landshøvding Niels Otto Christensen der Klage stattgab und stattdessen Kaj Narup das Mandat der Partei erhielt.Tillægsmandatet gik til K. Narup. Atuagagdliutit (25. Mai 1967). S. 11. Bei den Folketingswahlen 1964, 1966 und 1968 unterlagen die Kandidaten jeweils.
1967 gründete Knud Hertling die Partei Sukaq, deren Parteiprogramm dem der Inuit-partiet stark ähnelte.Jørgen Fleischer: Grønlænderne må nu stræbe efter deres selvstændighed. Atuagagdliutit (7. Dezember 1967). S. 1 und 3. In den folgenden Jahren löste sich die Partei langsam auf. Noch 1970 wurde Knud Hertling gefragt, ob die Inuit-partiet jetzt überflüssig sei, aber sie war bereits kaum noch aktiv.Jørgen Fleischer: Grønlænderne er ikke ringere end danskerne. Atuagagdliutit (27. Juli 1970). S. 18. 1971 traten keine Kandidaten mehr bei Wahlen an. 1973 hieß es, dass beide Parteien einen langsamen Tod gestorben waren.Jørgen Fleischer: Politisk vintersøvn. Atuagagdliutit (22. November 1973). S. 2.
Politische Ausrichtung Das wichtigste politische Ziel der Partei war die Abschaffung des Geburtsortskriteriums. Weitere Ziele waren eine Verbesserung des Sozialsystems bis hin zu dänischen Standards und eine verstärkte Privatisierung bzw. Liberalisierung der Wirtschaft. Die Aussage, dass der nationalistische Gedankengang der grönländischen Bevölkerung gestärkt werden sollte, wurde häufig dahingehend verstanden, dass es sich um eine Unabhängigkeitspartei handelte, was jedoch nicht zutraf, da die Partei ein Nebeneinander von Grönländern und Dänen in einem gemeinsamen Staat befürwortete, im Gegensatz zu Dänemark, das die Grönländer zu diesem Zeitpunkt auch als Dänen sah. Tatsächlich setzte sich die Partei vor allem deswegen für die Gleichberechtigung von Grönländern und Dänen ein, um Unabhängigkeitsbewegungen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Um den Nationalismus der Bevölkerung zu stärken, sollte vor allem die grönländische Sprache wieder mehr gefördert werden, ohne dass damit eine Verschlechterung der Dänischkenntnisse einhergehen sollte. Die Partei strebte zudem die Einführung von Steuern ein.
Parteivorsitzende 1963–1964: Jørgen Fleischer 1964–1965: Gaba Thorning 1965–1967: Ulrik Rosing 1967–um 1970: Thomas BerthelsNationalisme er mod Inuit-partiets tanker. Atuagagdliutit (9. November 1967). S. 1 und 3.
Wahlergebnisse Landesratswahlen Wahl Stimmen Stimmenanteil Sitze 1967 852 7,3 % 1/17
Folketingswahlen Wahl Kandidat Stimmen Stimmenanteil Sitze1964 Peter Nielsen (Nordgrönland) 971 26,5 % 0 Ulrik Rosing (Südgrönland) 1599 34,3 % 0 1966 Ulrik Rosing (Südgrönland) 1364 20,9 % 0 1968 Jonathan Motzfeldt (Südgrönland) 2965 46,6 % 0
Einzelnachweise
Kategorie:Historische Partei (Grönland) Kategorie:Parteigründung 1963 Kategorie:Aufgelöst in den 1970er Jahren