Zeitleiste
zentriert|rahmenlos|81x81pxDie Kegel im Rodewischer Wappen erinnern an zahlreiche Kegelvereine im Ort.Die rote Farbe erinnert an den roten Wisch aus der Stadtsage. Seit spätestens 1859 wird zur örtlichen Kirmes der Rote Wisch ausgekegelt.Heiliges Römisches Reich()1411erste urkundliche Erwähnung Rodewischs im Urkundbuch der Vögte als Redewischab 1450erste Erwähnungen eines Gutes „Gölcz“ oder „Villa Golsch“1450 und
1473erste Erwähnung Niederauerbachs und des Eisenhammers1603Privilegierung des Niederauerbacher MessingwerkesDeutscher Bund(/)1856Gründung der Schmidtschen Brauerei9. Februar Vereinigung von Ober- und Unter-göltzsch sowie NiederauerbachDeutsches Reich()1875Bahnanschluss der Stadt1893Einweihung der Rodewischer Krankenhäuser Unter- und Obergöltzsch19101913Einwohnerzahl überschreitet 10.000 und(Freistaat/Gau Sachsen)19248. MaiRodewisch erhält das Stadtrecht192626. Februar Liquidation des Messingwerkes1930Einweihung der Pestalozzischule19456. Mai Kriegsende in RodewischUS-amerikanische und sowjetische Besatzung(Land Sachsen/ Bezirk Karl-Marx-Stadt)19578. / 13. OktoberSputnik 1 wird in Rodewisch weltweit das erste Mal fotografiert1960höchste EinwohnerzahlNach der Wiedervereinigung19921. MärzEingemeindung von Rützengrün19941. Juliund Röthenbach1997Rodewisch wird Mitglied im MZSV Göltzschtal2019letzte traditionelle Kirmes auf dem Anger Die Geschichte der vogtländischen Stadt Rodewisch umfasst den Zeitraum seit der Ersterwähnung des Ortes im Jahr 1411 bis zur Gegenwart. Zunächst als Kollektivname für verschiedene Ortsansiedlungen bezeichnet, war der Große Marktflecken Rodewisch als größtes Dorf Sachsens später als Textilstandort bedeutend. Überregionale Beachtung erlangte auch das Messingwerk Niederauerbach und der Ort als Standort zweier Krankenhäuser. 1957 wurde der erste künstliche Erdtrabant Sputnik 1 in Rodewisch weltweit das erste Mal photographiert.
Stadtname Der Name der Stadt Rodewisch ist im Gegensatz zu denen der benachbarten Städte Auerbach/V., Falkenstein/V. und Lengenfeld/V. weltweit einzigartig. Die genaue Namensherkunft ist nicht bekannt. Ernst Eichler erläutert den Namen so: Die Endung –wisch deute auf Bündel Heu oder Stroh, Büschel, Wedel, Besen. Dies habe seit alters her als Flur- und Hoheitszeichen gegolten. Ein Zeichen dieser Art sei vermutlich beim Beginn der Rodungen aufgestellt gewesen. Daher der Beginn Rode-.Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte, Faber und Faber Verlag, Leipzig 2017, ISBN 978-3-86730-038-4, S. 187. Ein weiterer Erklärungsansatz geht davon aus, dass ein „Ratwig“ das Dorf gründete.
Der Ortsname ist erstmals 1411 im „Urkundbuch“ der Vögte von Weida, Gera und Plauen als Redewisch zu finden. Auch der benachbarte Ort Rebesgrün hieß in der Urkunde von 1411 Redewischgrune. Ob ein Zusammenhang besteht, ist unbelegt. Aus verschiedenen Urkunden sind Namensabwandlungen belegt:
1450: Radewichs 1455: Rodewiß 1530: Rodwisch 1537: Rodwusch 1560: (zum) Roebisch und Rowtsch 1584: Rudwisch 1791: Rodewisch, Rodewitz oder Rodthewisch
Aufgrund der Erbteilung zwischen Angehörigen derer von der Planitz wurde Rodewisch aufgeteilt und das Dorf wurde Obergöltzsch zugeordnet. Die drei Gerichtsbezirke waren unter dem Kollektivnamen Rodewisch bekannt, wurden aber bis 1849 nicht als eine Gemeinde geführt. 1839 hieß es von der Zwickauer Kreisdirektion: „Der Name Rodewisch hat keinen offiziellen Charakter!“. Am 9. Februar 1856 schlossen sich die drei Gerichtsbezirke zu einer „Gesamtgemeinde zu Rodewisch“ zusammen. Am 8. Mai 1924 erhielt Rodewisch das Stadtrecht; der Stadtname wurde folglich erweitert.
In der Wasserwehrsatzung der Stadt vom 18. Februar 2005 wurde die Stadt einmalig als Rodewisch/Vogtl. benannt. Dies ist in der Hauptsatzung so nicht festgeschrieben.
Geteiltes Dorf – Rittergüter und Dorf Rodewisch Im Jahr 1900 schrieb der damalige Stadtpfarrer Schönknecht: „Rodewisch, volkstümlich Ruewisch, ist eigentlich ein Sammelname für eine ganze Reihe von Ortsteilen und Ortsgruppen. In dem jetzigen, bebauten Zustande der Gemeinden lassen sich die Grenzen der einzelnen Bezirke schwer beschreiben“. Durch Stadtratsbeschluss nach der Wiedervereinigung 1856 wurden die alten Ortsteilbezeichnungen aufgehoben.Walther. Rodewisch im Wandel der Zeit. Kapitel 2: Die Ortsteile von Rodewisch Die bedeutendsten Ortsgruppen und die, aus denen die moderne Stadt Rodewisch gegründet wurde, sind Obergöltzsch, Untergöltzsch und Niederauerbach.
Das Gut Göltzsch und Obergöltzsch
mini|Balthasar Friedrich Edler von der Planitz verkauft 1563 einen großen Teil seiner Besitztümer|linksDie älteste Besiedlung ist auf einer hochwasserfreien Terrasse um die heutige St.-Petri-Kirche zu vermuten. Ursprünglich am Ortsrand lag die wohl im späten 13. Jahrhundert entstandene Wasserburg Göltzsch (das spätere Rittergut Obergöltzsch, die heutige sogenannte Schloßinsel). In ihr residierte im 16. Jahrhundert Balthasar Friedrich Edler von der Planitz.Genealogische Adels-Historie Oder Geschlechts-Beschreibung Derer Im Chur-Sächsischen und angräntzenden Landen zum Theil ehemahls, allermeist aber noch ietzo in guten Flor stehenden ältesten und ansehnlichsten Adelichen Geschlechter, Leipzig 1727, S. 334, Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München, abgerufen am 9. Dezember 2013. Er wurde durch den Verkauf eines Teils seiner Besitzungen, insbesondere großer Wälder bis an die böhmische Grenze sowie von Neustädtel, Stützengrün und Schönheide an den sächsischen Kurfürsten August im Jahr 1563 bekannt. Er starb im Jahr kurz vor Abschluss des Kaufvertrages, den sein Bruder Hans Friedrich und seine Witwe Magdalena geb. von Back zu Ende verhandelten und unterschrieben. Das Gutshaus, das bis zu seiner Schließung vor wenigen Jahren das Museum Göltzsch beheimatete, wurde nach dem 1644 erfolgten Verkauf des Guts an Joachim Freiherr von Beust gebaut. Der Verkauf wurde von Balthasar Friedrich von der Planitz getätigt, der das Gut von seinem kinderlos verstorbenen Bruder Sebastian geerbt hatte. Später kam das Gut über Rittmeister von Brandenstein zunächst in die Hände von Tuchhändlern und später in den Besitz der Gemeinde, die den verbliebenen Grund verpachtete. Im Bereich der ehemaligen Burg fanden 1937–1939 archäologische Grabungen unter der Leitung des späteren sächsischen Landeskonservators und Rodewischer Ehrenbürgers Hans Nadler statt. Die Ergebnisse dieser Grabung waren neben Erzeugnissen des Niederauerbacher Messingwerkes im 1951 eröffneten bereits erwähnten Museum zu besichtigen.
Untergöltzsch
mini|Heil- und Pflegeanstalt Rodewisch um 1900 Bereits 1542 wurde das Gut Goeltzsch Untertheil als zweites „Vorwergk“ aufgeführt. 1602 entstanden durch Erbteilung der Edlen von der Planitz drei Rittergüter Obergöltzsch, Untergöltzsch, Niederauerbach. Untergöltzsch wurde im Zuge der Erbteilung zum eigenen Rittergut und ist damit die jüngste der drei Rodewischer Herrschaften. Das Gut blieb im Gegensatz zum „Stammgut Obergötzsch“ bis 1856 in den Händen der Familie von der Planitz. Danach ging es an den Auerbacher Kaufmann Rother über. Er war durch eine „Fixbleiche“ zu Geld gekommen, die allerdings abbrannte, was zum Verkauf des Gutes schon 1862 führte. Der nächste Eigentümer war der spätere Rodewischer Friedensrichter Hermann Walz. Er verkaufte die 97 ha Land an den Staat.
Von 1889 bis 1893 entstand in Untergöltzsch die „Königlich Sächsische Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke zu Untergöltzsch“. 550 Kranke konnten hier zunächst behandelt werden. Das Gut wurde renoviert und das Gebiet wieder auf 132 ha vergrößert. Im Ersten Weltkrieg wurden die Kranken in andere Anstalten verlegt und das Krankenhaus wurde zum Reservelazarett des 19. Sächsischen Armeekorps. Zeitweise mehr als 1000 Verwundete waren hier bis 1920 untergebracht. 1919 wurde die Heilanstalt wiedereröffnet. Auch im Zweiten Weltkrieg wurde die Anstalt als Lazarett genutzt. Nach dem Krieg wandelte sich das Gut in ein „Volksgut“. Auf dem Anstaltsfriedhof, der heute großteils als Schafsweide genutzt wird, findet sich noch heute ein Denkmal zu Ehren Gefallener. Die 1893 errichtete Anstaltskirche wird heute anderweitig genutzt.
Noch heute befindet sich auf dem Gebiet ein Krankenhaus für Neurologie mit über 400 Betten. Das umgangssprachlich Untergöltzsch genannte Krankenhaus war im Mai 1963 Tagungsort des 1. Internationalen Symposiums über Psychiatrische Rehabilitation.
Niederauerbach mini|310x310px|Das Messingwerk (um 1910)
1410 erhielt Landgraf Friedrich der Einfältige die Lehnsherrlichkeit über das Vogtland. Vogt Heinrich VI. von Plauen bat ihn darum einige Dörfer zum sogenannten Leibgedinge zu geben, was gewährt wurde. In der Aufzählung der Dörfer findet sich auch das Dorf „Urbach“. Später wurde das Dorf in Unterscheidung zur Burg Auerbach in Unterauerbach, später Niederauerbach, umbenannt. 1525 kam das Gut in den Besitz von Hans Edler von der Planitz. Gut, Dorf und das örtliche „Schmelz- und Pochwerk mit einem Hammer“ entstanden vermutlich miteinander verbunden. Die Lage an der Göltzsch, die zur Energiegewinnung genutzt wurde und die Nähe zu den Wäldern der Umgebung ermöglichte zunächst die Holzkohleproduktion. Der Eisenhammer wurde 1603 in ein Messingwerk umgewandelt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg, der dem Werk vorübergehenden Niedergang bescherte, wurde durch den damaligen Besitzer das Privileg „auf ewige Zeit in ganz Sachsen die alleinige Messingherstellung“ zu besitzen, durchgesetzt. Das Werk bestand damals aus mindestens vier Betriebsteilen. 1924 wurde der Betrieb infolge der Hyperinflation eingestellt, 1926 wurde die Firma liquidiert.Walther. Rodewisch im Wandel der Zeit. Kapitel 11: Der Industriestandort Rodewisch Das Werk bestand über 450 Jahre. Messing wurde in Niederauerbach ungefähr 320 Jahre hergestellt.
Bis in die Nachwendezeit wurden am ehemaligen Standort unter dem Namen „Rodewischer Textilwerke AG“ (ROTEX) Teppich- und Baumwollgarne gefertigt. 1993 wurde der Gebäudekomplex abgebrochen. Am ehemaligen Standort erinnert nur noch ein Essenstumpf und eine Relieftafel an der Einfahrt zum heute auf dem Gelände befindlichen Hellweg an die Werkstradition. Gedenktafeln sind angebracht.
Das Stadtgut von Niederauerbach wurde in den letzten Kriegstagen 1945 durch amerikanischen Beschuss zerstört.
In Niederauerbach befand sich die 1856 gegründete Brauerei J.F. Schmidt. Sie stellte zu DDR-Zeiten den Betrieb ein und wurde 1992 abgebrochen. Von 1991 bis 1995 befand sich im Gut Niederauerbach ein Labor, das für viele Praxen und Krankenhäuser in der Umgebung Untersuchungen durchführte. 1995 wurde dafür ein Neubau gebaut, in dem das Labor bis 2011 weiterarbeitete. Heute befinden sich im Ortsteil Niederauerbach, der sich an der B 94 in Richtung Lengenfeld befindet, ein Komplex mit Einzelhandelsgeschäften und der Hellweg-Baumarkt. Aktive Industrie gibt es nicht mehr.
Das Dorf Redewisch (1411–1924)