Fegefeuer ist das dreizehnte Album der deutschen Dark-Metal-Gruppe Eisregen und erschien 2018 über die Plattenfirma Massacre Records.

Titelliste Vorhölle – 1:50 Fegefeuer – 5:20 Knochentorte – 4:13 Oben auf dem Leichenberg – 3:48 Alice im Wundenland – 6:10 Axtmann – 4:59 Es lauert – 3:14 Opfer – 3:43 Die Bruderschaft des 7. Tages – 5:11 Fahlmondmörder – 3:59 Ich mach dich bleich – 5:01

Hintergrund Während auf dem Vorgängeralbum Fleischfilm noch Gemser einen großen Teil zum Songwriting beigetragen hatte, waren für dieses auf Fegefeuer nun Roth und Yantit alleine verantwortlich, Roth gab an, dass man „viele Monate im ständigen Dialog zueinander gestanden und das komplette Album entwickelt“ habe. Fegefeuer wurde anschließend vollständig von Yantit aufgenommen, der Mix wurde erneut von Markus Stock erledigt.

Stilistisch ist das Album dem Black Metal deutlich näher als noch auf den letzten Veröffentlichungen der Gruppe. Roth gab hierzu an, dass es keine besonderen musikalischen Einflüsse gab, welche dazu geführt hätten, sondern dieser Stil „für einige der Songstrukturen einfach am besten gepasst“ habe und zudem die „jeweiligen Textpassagen vorzüglich“ transportiert habe.Moritz Grütz: Interview mit M. „Blutkehle“ Roth von Eisregen, metal1.info vom 23. November 2018, abgerufen am 20. August 2026.

Im Gegensatz zu früheren Alben fehlen auf Fegefeuer diesmal die eher humorvollen Lieder, die Texte der Lieder fallen nun wieder deutlich ernster aus. Roth gab an, dass man das eher lustigere Material auf die zuvor erschienene EP Satan liebt dich ausgelagert hatte, der Plan sei von Anfang an gewesen, dass Fegefeuer „ein durchweg ernstes, finsteres Album“ werden sollte.

Alice im Wundenland bezieht sich auf Alice im Wunderland und damit auf ein literarisches Werk, was für Eisregen eine eher untypische Inspirationsquelle darstellt. Roth gab an, dass er das Werk Alice hinter den Spiegeln schon immer sehr gemocht habe, „meine Version ist eher die Erwachsenen-Variante des Themas“. Das Lied Die Bruderschaft des 7. Tages hingegen ist durch den Film Der Todesking von Jörg Buttgereit aus dem Jahr 1989 inspiriert worden. Roth gab hierzu an, dass eine der zehn im Film gezeigten Episoden eine solche Bruderschaft behandelte und er den Gedanken, dazu ein Lied zu machen, sehr interessant fand.

Bei den drei Cover-Versionen als Bonusliedern gab Roth an, dass er Beherits Album Drawing Down The Moon in den 1990er Jahren sehr oft gehört habe und hierbei das Lied The Gate of Nanna sehr mochte, weshalb es „rasch ein Kandidat für eine Umsetzung“ wurde. Black Magic Mushrooms, ein Mysticum-Cover, ging hingegen auf Yantits Wunsch, der ein großer Fan der Gruppe ist, zurück. Bethlehems Das 4. Tier aß den Mutterwitz wurde schließlich gecovert, weil sowohl Roth als auch Yantit die Grupe sehr schätzten, die Auswahl dieses Liedes für das Album war dabei Roths Idee.

Gestaltung Bis auf den rot gesetzten Schriftzug mit dem Namen der Gruppe, dem Titel des Albums sowie einigen roten Flecken, ist das Cover der Veröffentlichung in schwarz-weiß gehalten. Es zeigt drei düster wirkende Nonnen, die jeweils mit einem hellen Nimbus versehen sind. Die links und rechte haben ihre Köpfe gesenkt und verweilen mit gefalteten Händen in einer betenden Haltung, während die mittlere den Betrachter anblickt und ihre Arme zur Seite hin ausgebreitet hat. Ihr zu Füßen sieht man einige Totenköpfe, zudem strecken sich ihr mehrere Hände entgegen, zwei Hände ruhen dabei auf Höhe ihres Beckens.

Das Cover könnte dabei an Horrorfilme wie Conjuring 2 (2016) oder The Nun (2018) angelehnt sein, die im gleichen Zeitraum erschienen und eine dämonische Nonne zum Handlungsmittelpunkt haben.Sebi: Eisregen – Fegefeuer, heavystageforce.rocks vom 26. Oktober 2018, abgerufen am 24. Oktober 2023.

Rezeption Im Rock Hard wurde das Album – wie bereits seine beiden VorgängerRock Hard, Besprechung von Marschmusik von Andreas Schiffmann, abgerufen am 13. November 2023Rock Hard: Besprechung von Fleischfilm von Simon Dümpelmann, abgerufen am 21. Oktober 2023 – verrissen. Andreas Schiffmann vergab nur 4 von 10 Punkten und meinte, eine Stunde Eisregen zu hören sei Folter und „verstößt gegen das Genfer Abkommen, selbst wenn man nach einem Dutzend Alben abgestumpft ist gegen Michael Roths Afterpoesie und das anspruchslose Dunkelmetall, das die Instrumentalisten nach all den Jahren auf zumindest annehmbarem Niveau gießen können“. Die Genre-Lieder seien zweckmäßig ausgefallen und würden „wie gewohnt zwischen Landpomeranzen-Hauruck mit Rammstein-light-Pathos und austauschbarem Black-Metal-Schrammeln pendeln“. Positiv bemerkte Schiffmann zumindest, dass die sonst gewohnt komischen Elemente diesmal außen vor blieben. Er attestierte Eisregen eine stilistische Beschränktheit und bezeichnete die Musik insgesamt als „nunmehr harmloser, als es sich die Thüringer wohl wünschen“, die drei Cover-Lieder wertete er hingegen als Zeichen von Ideenlosigkeit.Andreas Schiffmann: Eisregen – Fegefeuer, Rock Hard, abgerufen am 7. Februar 2023.

Die Seite metal.de gab dem Album 7 von 10 Punkten und wertete, dass Eisregen nun wieder entschlossener zupacken würden, man „für einige Songs einen fast schon erfrischend kruden, vor allem aber: metallischen Ansatz gewählt“ habe. Obwohl es in der zweiten Hälfte des Albums „ein bisschen Durchschnittsmaterial“ gab, bleibe der Eindruck des Albums unter dem Strich aber positiv. Vor allem „Fegefeuer“, „Oben auf dem Leichenberg“, „Alice im Wundenland“ und „Opfer“ seien sehr gelungen. Insgesamt befänden sich Eisregen mit dem Album wieder auf dem richtigen Weg.Michael: Eisregen – Fegefeuer, metal.de vom 21. Oktober 2018, abgerufen am 7. Februar 2023.

Moritz Grütz vergab auf der Seite metal1.info 8 von 10 Punkten. Mit dem jüngsten Album würden sich Eisregen nun „zynisch und brutal wie lange nicht“ zeigen. Es werde zwar nicht auf einen gewissen Witz verzichtet, allerdings sei „Blödsinn“ wie auf früheren Alben nicht mehr vorhanden. Musikalisch sah er in dem Album eine erneute Reifung der Gruppe gegeben, Fegefeuer sei, wenn man das etwas aus der Reihe springende Album Fleischfilm außer Acht lasse, das bislang vielseitigste Album der Gruppe. Neben klassisch black-metal-lastigen Stücken könne auch mit „großer Melodik“ oder „ausladender Epik“ überrascht werden. Allerdings seien die „geradlinigeren, schwarzmetallenen Stücke“ im Vergleich zu den melodischen Stücken „merklich unspektakulärer“. Insgesamt sei Fegefeuer musikalisch und textlich wieder härter ausgefallen, laut Grütz dürfte das Album somit auch denjenigen Fans wieder mehr zusagen, die mit den beiden Vorgängern Marschmusik und Fleischfilm nicht mehr so viel anzufangen wussten.Moritz Grütz: Eisregen – Fegefeuer, metal1.info vom 23. November 2018, abgerufen am 7. Februar 2023.

Pascal Staub vergab auf der österreichischen Seite stormbringer.at 3,5 von 5 Punkten. Seinem Urteil nach könnte alles „noch viel einfacher sein“, wenn Eisregen gänzlich auf den Klamauk in ihren Werken verzichten und sich auf ihre Stärken konzentrieren würden. Auf dem jüngsten Album habe man „lyrisch weitestgehend auf die üblichen Peinlichkeiten“ verzichtet, was dem ganzen Album „einen seriöseren Rahmen“ verleihe, womit auch das Schaffen der Gruppe auf ein höheres Niveau gelange, sporadisch sei auch ein „Hauch der morbiden Atmosphäre von dereinst, also auch eine Spur Nostalgie“ möglich. Verglichen mit dem Vorgänger falle auf, „dass man die angedeutete Musikalität des Vorgängers ausgebaut und mit einer gewissen Rohheit und Härte vereint hat“. Das Album habe den Hörer insgesamt „mehr als ordentlich bespaßt“, allerdings sei es „das gefühlt hunderste EISREGREN Album“, wenngleich es viele gute Augenblicke auf ihm gäbe.Pascal Staub: EISREGEN – Fegefeuer, stormbringer.at, 25. Oktober 2018, abgerufen am 21. Oktober 2023.

Mario Dahl vergab auf der Seite powermetal.de 4 von 10 Punkte und urteilte, dass es ihm schwer falle, das Album überhaupt bis zum Ende durchzuhören, da es ihn zu keiner Zeit überzeugen könne. Die Titel würden zwar an die von Dahl geschätzten älteren Werke „Blutbahnen“ und „Wundwasser“ erinnern, dennoch würde sich bei ihm keine Begeisterung mehr einstellen. Für Dahl stehen die makaberen Texte auf dem Album im Vordergrund, während die Musik „lediglich eine passende Untermalung darstellen soll“. Die Musik könne dabei aber nur als durchschnittlich betrachtet werden. Objektiv betrachtet, so Dahl, gäbe es auf Fegefeuer „nicht wirklich viel, das Außenstehende veranlassen könnte, wieder oder gar ganz neuer Fan der Thüringer zu werden.“Mario Dahl: EISREGEN – FEGEFEUER, powermetal.de vom 27. Oktober 2018, abgerufen am 21. Oktober 2023.

Auf der Seite time-for-metal.eu vergab René W. 7,4 von 10 Punkten für das Album. Er habe Eisregen schon seit ihrem Debüt-Album 1998 begleitet, seiner Meinung nach habe nach Blutbahnen das Schaffen der Gruppe grundsätzlich nicht mehr fesseln können. Fegefeuer falle nun wieder roher aus, allerdings liege kein wirkliches back to the roots vor. Dem Werk fehle es insgesamt an Vielfalt: Das Spektrum der Texte sei begrenzt und große Schockmomente blieben das ganze Album über aus, es würde „kein Kopfkino des Grauens“ geschaffen werden. Positiv sei allerdings, dass „die ganz platten Attitüden“ nun „zurück in dunkle Kammern“ gelangt seien. Das Niveau der neuen Scheibe würde sich zwischen Blutbahnen und Knochenkult bewegen, es hätte „schon deutlich schlechtere Werke“ der Gruppe gegeben. Insgesamt sei es ein solides Album der Gruppe, das durchaus auch seine Vorzüge besitze und auch an alte Werke anknüpfen könne. Gelobt wurde die Leistung von Sänger Michael Roth, „der in den zwanzig Jahren kein Stück an Glanz verloren hat“.René W.: Eisregen – Fegefeuer, time-for-metal.eu, 27. Oktober 2018, abgerufen am 21. Oktober 2023.

Michi Winner gab dem Werk im Hellfire-Magazin 8 von 10 Punkten. Die Texte würden sich „wie erwartet irgendwo zwischen morbide und kurz vor der Ekelgrenze“ bewegen. Bei allen Liedern seien die Melodiebögen „schon fast zu ausgefeilt und rund“, durch den Gesang Michael Roths würden dieser aber noch die nötige Rohheit erhalten und somit einen „sehr guten Gegenpart“ bilden. Winner sah das zu Beginn des Albums bestehende „sehr hohe Niveau“ jedoch in der zweiten Hälfte abflachen. Manche der Lieder, so etwa Die Bruderschaft des 7. Tages würden „zu gewöhnlich“ klingen. Unter dem Strich würde das Album jedoch eine positive Überraschung bieten, da Eisregen auf ihrer bereits 13. Scheibe noch immer abwechslungsreich klängen.Michi Winner: Eisregen – Fegefeuer, hellfire-magazin.de vom 10. November 2018, abgerufen am 22. Oktober 2023.

Auf der Seite vollgas-richtung-rock.de urteilte Lisa Berg, der „Grundtenor der Lieder bleibt während des gesamten Albums gleich“, wodurch der Hörer „vor kreativen Experimenten oder musikalischen Ausreißern“ verschont bleibe. Eisregen „belassen es bei dem Klang, der sie ausmacht“. „Erfrischend anders, irgendwie schräg und dabei absurd genial“, sei das jüngste Album. „Eine solide Platte, die Eisregen zwar nicht in den musikalischen Olymp befördern wird, aber dennoch absolut hörenswert ist.“Lisa Berg: Eisregen – „Fegefeuer“ Albumreview VÖ 26.10.2018, vollgas-richtung-rock.de vom 2. Oktober 2018, abgerufen am 21. August 2026.