Die Panzerkommission war ein Gremium beim Reichsministerium für Bewaffnung und Munition von Vertretern aus Industrie, Wissenschaft, Technik und Militär zu allen Fragen der Entwicklung, Produktion und Erprobung von Panzern im Zweiten Weltkrieg.
Zweck und Geschichte Die Panzerkommission wurde durch eine geheime Verfügung vom 21. Juni 1941 vom Reichsminister für Bewaffnung und Munition Fritz Todt und dem Chef der Heeresrüstung Friedrich Fromm ins Leben gerufen. Ihr Zweck war die Prüfung bereits in Produktion befindlicher und neuer Panzermodelle auf die .Verfügung von Todt und Fromm über die Bildung einer Panzerkommission gedruckt in: Dietrich Eichholtz, Wolfgang Schumann (Hrsg.): Anatomie des Krieges. Berlin 1969, S. 336 ff.
Ferdinand Porsche wurde Vorsitzender der Panzerkommission. Am 31. Dezember 1943 wurde Porsche entlassen, Nachfolger wurde Gerd Stieler von Heydekampf. Damit wurde nach Markus Pöhlmann der „geniale Konstrukteur“, der zu wenig Rücksicht auf fertigungsgerechtes Konstruieren nahm, durch einen Fertigungsfachmann ersetzt.Markus Pöhlmann: Der Panzer und die Mechanisierung des Krieges. Paderborn 2016, S. 410.
Nach Ludolf Herbst etablierte Todt in den gemischten Ausschüssen, in denen Industrielle und Militärs zusammenarbeiteten, etwas für den Führerstaat höchst untypisches, nämlich effiziente Gremienarbeit.Ludolf Herbst: Das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945. Frankfurt am Main 1996, S. 303.
Laut Kurt Arnoldt, Technischer Leiter der Panzerversuchsstation Haustenbeck, konnten Speer und Porsche ihre Freunde in der Industrie vom Bau schwerer Panzer überzeugen, da sie an ihnen mehr verdienen konnten.Andrew Hills: Steel & Secrets. Interrogating German Tank Engineers 1945. FWD Publishing 2024, S. 40.
Vorsitzende Ferdinand Porsche: von 1941 bis 1943 Gerd Stieler von Heydekampf: von 1943 bis Kriegsende
Mitglieder (Auswahl) Mitglieder waren u. a.: Albert SpeerBefragung Stieler von Heydekampf vom 5./6. Juni 1945. Gedruckt bei: Andrew Hills: Steel & Secrets. S. 82. Walter Rohland Erich Müller (Krupp) Oskar HackerBefragung von Karl-Otto Saur durch amerikanische Militärbehörden. Wiedergegeben nach: Pöhlmann: Panzer. S. 410. (1896–1961), Chefkonstrukteur bei Steyr Daimler Puch (geschäftsführender Stellvertreter)Hartmut H. Knittel: Panzerfertigung im Zweiten Weltkrieg. Bonn 1988, S. 48. Paul Michaels, Chefkonstrukteur der Altmärkischen Kettenwerken Paul Wiebicke, Direktor bei MAN Otto Wunderlich, Direktor des Panzerwerks (Werk 40) der Daimler-Benz AG in Berlin Karl Maybach, als Experte für Panzermotoren Alfred Graf von Soden-Fraunhofen, Direktor der ZF Friedrichshafen als Getriebe-Fachmann Erwin Aders, Chefkonstrukteur für die schweren Panzer Tiger I und Tiger II bei Henschel Ernst Blaicher, Direktor der MIAG und Wehrwirtschaftsführer Robert Eberan von Eberhorst, Professor für Kraftfahrwesen und Leichtmotorenkunde an der TH Dresden Prof. Benzinger Platz (Klöckner Humboldt Deutz) Dipl. Ing. Dorn (Krupp)
Von militärischer Seite wurden als Mitglieder ernannt: Leiter des Stabes II (Rüstung) beim Chef der Heeresrüstung Chef der Abteilung für Schnelle Truppen (AHA/In 6) Chef der Amtsgruppe für Industrielle Rüstung–Waffen und Gerät (WuG) des Heereswaffenamtes Chef der Kraftfahr- und Motorisierungsabteilung des Heereswaffenamtes (WaPrüf 6): bis 1942 Ernst Kniepkamp, dann Oberst Friedrich Holzhäuser Chef der Kraftfahrgeräteabteilung (Wa I Rü 6)
Sitzungen (Beispiele) 18. April 1942Rolf-Dieter Müller: Albert Speer und die Rüstungspolitik im Totalen Krieg. In: MGFA (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Stuttgart 1999, Band 5/2, S. 683. 10. Juni 1942 am 8. und 9. November 1942 auf der Wartburg. Thema war Entscheidung über den Tiger II und Aussprache über Motor- und Getriebefragen.Dietrich Eichholtz: Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft. Berlin 1985, Band 2, S. 335. 8. Mai 1943. Unter Leitung von Porsche und unter Beteiligung von Heinz GuderianKarl J. Walde: Guderian. Frankfurt/M 1976, S. 185. 21. Dezember 1943Eichholtz: Kriegswirtschaft. Band 2, S. 336.
Konflikt um den Panther Für den Entwurf des Panthers erhielten MAN und Daimler-Benz einen Entwicklungsauftrag. Am 5./6. März 1942 notierte Rüstungsminister Albert Speer über eine Rüstungskonferenz mit Hitler:
Am 7. Mai 1942 stellten beide Konkurrenten ihre Entwürfe, einer Findungskommission bestehend aus Wolfgang Thomale und Robert Eberan von Eberhorst von der Panzerkommission, vor.Pöhlmann: Panzer. S. 421. Der MAN-Vertreter notierte am 12. Mai 1942:
Die Panzerkommission legte daraufhin am 13. Mai 1942 eine Denkschrift vor, in der sie sich einstimmig für den MAN-Entwurf aussprach.Hamburger Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts (Hrsg.): Das Daimler-Benz-Buch. Ein Rüstungskonzern im ›Tausendjährigen Reich‹. Nördlingen 1987, S. 275. Einen Tag darauf änderte Hitler seine Entscheidung und befahl den Bau des MAN-Panthers.Pöhlmann: Panzer. S. 422. Speer notierte am 15. Mai 1942:
Karl Heinz Roth nennt dies als ein Beispiel dafür, dass auch »Führerentscheide« nur zählten, wenn sie die Billigung der industriell-technokratischen Expertengremien fanden.Karl Heinz Roth: Der Weg zum guten Stern des »Dritten Reichs«: Schlaglichter auf die Geschichte der Daimler-Benz AG und ihrer Vorläufer (1890–1945). In: Das Daimler-Benz-Buch. S. 275.
Einschätzung Laut Dietrich Eichholtz waren die Vertreter der Wehrmacht den Vertretern der Rüstungskonzerne schon zahlenmäßig unterlegen und sie mussten sich in ihren Typenwünschen der Kommission unterordnen.Eichholtz: Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft. Berlin 1969, Band 1, S. 128.
Rolf-Dieter Müller spricht von einem in den Kompetenzbereich des Chefs der Heeresrüstung. Die Mitwirkung der militärischen Experten hat sich im Wesentlichen auf Zuarbeit beschränkt.Rolf-Dieter Müller: Die Mobilisierung der deutschen Wirtschaft für Hitlers Kriegsführung. In: MGFA (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Stuttgart 1988, Band 5/1, S. 527.
Laut Pöhlmann wurde ab 1942 eine Situation herbeigeführt, in der die Zuständigkeit des Militärs auf Formulierung von Anforderungen, Erprobung und Abnahme beschränkt wurde und die Industrie die Hoheit über Forschung und Entwicklung zurückgewann.Pöhlmann: Panzer. S. 413.
Im Kapitel „Erfahrungen“ schrieb der Chef des Heereswaffenamtes Emil Leeb, dass der Soldat, der Wirtschaftler und Techniker gemeinsam führen, planen und überwachen sollen, jedoch sollten letzten Endes die Entscheidungen des Soldaten unter Berücksichtigung der technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten maßgebend sein.Emil Leeb: Aus der Rüstung des Dritten Reiches (Das Heereswaffenamt 1938-1945). Beiheft 4 der Wehrtechnische Monatshefte herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für Wehrtechnik. Berlin 1958, S. 53.
Für Pöhlmann unterliegt es keinem , dass die Mitglieder auch ihre Unternehmen vertraten und sich Vorteile für die Auftragsvergabe erhofften, allem voran Porsche selbst.Pöhlmann: Panzer. S. 336.
Müller schätzt ein, dass Porsche seine Position zu Gunsten seiner Firma missbrauchte, um konkurrierende Modelle auszuschalten. Dies führte zur Parallelentwicklung von Tiger und Panther und zur Serienfertigung zweier Tiger-Typen.
Einzelnachweise
Kategorie:Wehr- und Rüstungswirtschaft im Nationalsozialismus Kategorie:Panzerfahrzeuge Kategorie:Gegründet 1941