miniatur|Gänsemarkt-Passage 2013 miniatur|Die Galerie der Gänsemarkt-Passage 2006 Die Gänsemarkt-Passage war eine Einkaufspassage in Hamburg-Neustadt am Gänsemarkt 50. Die bekannte Passage wurde 1979 fertiggestellt und 2022/23 abgerissen.
Konzept und Bau Die Gänsemarkt-Passage wurde von 1976 bis 1979 nach einem Entwurf des Architekturbüros Graaf, Schweger und Partner errichtet. An der Stelle befand sich zunächst hinter dem Haus Nr. 50 und etwa an der Stelle der heutigen Passage die Oper am Gänsemarkt, später auch Hamburgische Entreprise,Gänsemarkt, hamburg.de dann bis in die 1970er Jahre das Hamburger Traditionslokal „Ehmke“ und daneben ein weißer Flachbau mit der Geschäftsstelle des Hamburger Abendblatts. Beide letztgenannten Gebäude wurden für den Neubau des Geschäftshauses mit Ladenpassage Gänsemarkt 50 auf dem Grundstück zwischen Gänsemarkt, Büschstraße und Colonnaden abgerissen.Abbruch hat begonnen: Bekannte City-Passage wird platt gemacht, mopo.de, 8. Dezember 2022 Der Bereich zwischen Hamburger Staatsoper, Ufa-Kino und den Haupteinkaufsbereichen galt als sehr attraktiv. Die Passage verband zudem die Einkaufsbereiche Gänsemarkt und Colonnaden. Das Geschäftshaus enthielt etwa 50Baedekers Reiseführer Hamburg. Ostfildern-Kemnat 1988. S. 128 Ladengeschäfte und Gastronomie auf drei Ebenen im Unter- und Sockelgeschoss sowie im ersten Obergeschoss, in dem es zudem eine zurückgezogene umlaufende Galerie über den Eingangsbereichen der Läden im Erdgeschoss gab. In den oberen Geschossen befanden sich Büroflächen. Bauherr war die Hamburg-Mannheimer Versicherungs-AG, die Baukosten betrugen 60 Millionen D-Mark.Hamburg und seine Bauten 1969–1984, Architekten- und Ingenieurverein Hamburg, Hamburg 1984, S. 95f.
Die Passage wurde als Ladenstraße in Anlehnung an den Gebäudetyp „Passage des 19. Jahrhunderts“ errichtet, bewusst in Abkehr von Kaufhäusern oder Shop-in-Shop-Konzepten. Als Gestaltungsmittel wurden deutliche Grenzen zwischen Laden- und Passagenräumen und die Einbeziehung des Tageslichts durch ein Glasdach gewählt. Das Gebäude selbst wurde als Stahlbau mit Betondecken sowie mit Metall- und Glasfassade gebaut, die in bewusstem Kontrast zur Gebäudesubstanz der Umgebung stand. Die Fassade war in eine Sockel-, Mittel- und Dachzone gegliedert. Passage und Treppenhäuser wurden durch besondere geometrische Formgebungen, etwa mit Schrägen, akzentuiert. Der Keller war als Wanne mit einer Flachgründung und Schlitzwänden zu den Nachbargebäuden gebaut.
Zum Zeitpunkt der Eröffnung 1979 wurde die Passage „als das Modernste, was an gewerblichen Interessen ausgerichtete Architektur zu bieten hatte“ wahrgenommen. In die Räumlichkeiten zum Gänsemarkt zog unter anderem eine Filiale des Steakhauses Block House ein, die bis zum Abriss des Kinos 2006 auch bei Kinogängern beliebt war. Diese zählte zu den umsatzstärksten der Gruppe, ist jedoch inzwischen ausgezogen und soll 2023 im neuen Deutschlandhaus am Valentinskamp neu eröffnen.
2001 wurde die Gänsemarkt-Passage saniert.
2019 erwarb die österreichische Signa Holding von René Benko die Gänsemarkt-Passage und kündigte den Abriss der bestehenden Passage sowie einen Neubau mit Büro-, Wohn-, Gastronomie- und Einzelhandelsnutzungen an. Der Abriss erfolgte 2022/2023.
mini|Abrissarbeiten im Februar 2023 mini|Freies Grundstück im April 2023
Neubau Der Neubau sollte von 2023 bis 2025 errichtet werden und 250 Millionen Euro kosten. Auch 22 Wohnungen waren neben Büroflächen in den oberen Geschossen geplant, dazu Handwerksbetriebe und Gastronomie. Ein Erhalt von Teilen der alten Passage sei geprüft worden, die Entscheidung sei jedoch gemeinsam mit der Stadt dagegen ausgefallen.Passage in der City: Abriss startet schon bald – was hier gebaut wird, mopo.de, 9. August 2022 Der Neubau wurde aufgrund seiner Eigenschaften wie heller Innenhöfe und des Nutzungsmixes auch als „besonders“ bezeichnet. Zwei denkmalgeschützte Altbauten an den Colonnaden, die Teil des Passagenkomplexes waren und den rückwärtigen Ausgang bildeten, sollten erhalten bleiben und saniert werden. Nachdem anfangs der Name „Lessing-Höfe“ im Gespräch war, wurde das Projekt schließlich „Am Gänsemarkt“ betitelt.Daniel Herder: Die Gänsemarkt-Passage ist bald Geschichte, Hamburger Abendblatt, 30. November 2022 Im Herbst 2023 wurden die Bauarbeiten jedoch vorläufig gestoppt, nachdem der Investor offenbar nicht genügend Mieter gewinnen konnte und die Banken daraufhin weitere Kredite verweigert hatten.
Im Januar 2025 erwarb die HanseMerkur Versicherungsgruppe das Grundstück aus der Insolvenzmasse der Signa Holding. Die weitere Entwicklung des Vorhabens übernahm die HanseMerkur Grundvermögen AG; mit der Umsetzung wurde die Quantum Immobilien AG beauftragt. Seitdem wird das Projekt unter dem Namen „Gänsemarkt Höfe“ fortgeführt. Der Entwurf des Hamburger Architekturbüros BIWERMAU blieb im Wesentlichen erhalten.
Der bis Mitte 2028 geplante Neubau soll eine Gesamtfläche von rund 20.000 Quadratmetern umfassen. Vorgesehen sind etwa 13.000 Quadratmeter Bürofläche, jeweils rund 2.300 Quadratmeter für Einzelhandel und Gastronomie sowie 22 Wohnungen. Die beiden denkmalgeschützten Gebäude an den Colonnaden sollen weiterhin erhalten und in das neue Ensemble integriert werden. Der Entwurf sieht mehrere Baukörper unterschiedlicher Höhe vor, die sich an der historischen Blockstruktur orientieren. Die Eckbebauung am Gänsemarkt und an der Büschstraße durch ein geneigtes Dach akzentuiert. Im Inneren des Quartiers sind zwei halböffentliche sowie ein privater Innenhof vorgesehen.
Der Denkmalverein Hamburg bedauerte den Abriss; er bewertete die „langjährige Traditionspassage“ trotz teils fehlenden Denkmalschutzes als „ein hervorragendes Zeugnis postmoderner Architektur in Hamburg, von der bereits viele Beispiele überformt oder abgerissen wurden“.Gänsemarktpassage. Denkmalverein Hamburg, abgerufen am 31. Januar 2026.
Literarischer und filmischer Handlungsort Die Gänsemarkt-Passage ist Handlungsort zahlreicher belletristischer Werke; so findet sie Erwähnung etwa in Ueberdog von Jörg-Uwe Albig, Keine Anzeige in der Zeitung von Günter Görlich und Eppendorf Mord von Martin Barkawitz. Zudem ist die Passage auch ein Handlungsort in Tatort: Der König kehrt zurück (1995).
Literatur
Der Architekt, 1980, Nr. 1, S. 9 Bauwelt, 1981, Nr. 40/41, S. 1778–1782 aktuelles bauen, 1983, Nr. 6, S. 42–43 Deutsche Bauzeitschrift, 1983, Nr. 4, S. 465–466 Neue Glaspassage, Lage Gestalt Konstruktion, Bauten 1975–1985, 2. Aufl., Leinfelden-Echterdingen 1987, S. 41–45
Dietmar Brandenburger, Gert Kähler: Architektour: Bauen in Hamburg seit 1900, Vieweg & Sohn Verlag, Braunschweig/Wiesbaden 1988, S. 78 f. Ralf Lange: Architekturführer Hamburg, Edition Axel Menges, Stuttgart, 1995, S. 46 f. Volkwin Marg und Reiner Schröder: Architektur in Hamburg seit 1900. 251 bemerkenswerte Bauten, Junius, Hamburg 1993, ISBN 3-88506-206-2, S. 238 (Nr. 190).
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Einkaufszentrum in Hamburg Kategorie:Erbaut in den 1970er Jahren Kategorie:Hamburg-Neustadt Kategorie:Bauwerk im Bezirk Hamburg-Mitte Kategorie:Bauwerk der Postmoderne in Hamburg