Das Judäische Bergland (, auch biblisch , oder , auch Bergland oder Hochland von Judäa oder Judäisches Gebirge) im Heiligen Land in der Levante ist ein Mittelgebirge, das gemäß der politischen Gliederung der Region in Teilen zu Israel, zu den Palästinensischen Autonomiegebieten (Zonen A und B) und überwiegend zum übrigen Westjordanland (Zone C) zählt, das seit 1967 unter israelischer Besatzung steht.
Der Namensvetter Nationalpark Judäisches Bergland umfasst einen hufeisenförmigen Teil im Nordwesten des Gebirges (Jerusalemer Berge) östlich der Talenge Schaʿar ha-Gai. Das Judäische Bergland erhebt sich bis auf Höhen von 1026 Metern.Peter N. Peregrine, Melvin Ember: Encyclopedia of Prehistory, Band 8: South and Southwest Asia. J. Springer, New York 2003, ISBN 0-306-46262-1. In der Heiligen Schrift rangiert das Judäische Bergland mitunter schlicht als je nach Bibelübersetzung, worin sich die weithin binnenjudäische Sicht widerspiegelt, die bei Bergland primär ans eigene und nicht an anderweitige Höhenzüge denkt.
Lage Das Judäische Bergland erstreckt sich in nord-südlicher Richtung über eine Länge von 60 bis 80 Kilometern von nördlich Ramallahs in den Palästinensischen Autonomiegebieten bis Meitar in Israels Südbezirk. Das Judäische Bergland nimmt in seiner Ausdehnung über die Grenzen des Westjordanlands hinaus dessen gesamten Südwesten ein. Westlich ist die hügelige Schfelah (vollständig eigentlich Schfelat Jehudah, Judäisches Mittelland) dem Bergland vorgelagert, östlich schließt sich ihm die Judäische Wüste an, alle drei Landschaften verlaufen parallel zum östlich davon gelegenen Grabenbruch des Toten Meeres (Teil des Jordangrabens).ʿEssam Abd El-Motaal () und Timothy Kusky, “Tectonic Evolution of the Intraplate S-Shaped Syrian Arc Fold-Thrust Belt of the Middle East Region in the Context of Plate Tectonics”, in: The third international conference on the geology of Africa, Asyut, Band 2 (Dezember 2003), S. 139–157; abgerufen am 23. Januar 2023.Akiva Flexer, Arie Lev Galit, Francis Hirsch und Avraham Honigstein, “Late Cretaceous evolution of the Judean Mountains as indicated by ostracodes” in: Terra Nova, Jg. 1 (1989), Nr. 4, S. 349–358.
Geographie Das Judäische Bergland ist Teil einer Mittelgebirgskette vom Gilboa im Norden bis zum Ramon im Süden. In Nord-Süd-Folge besteht die Kette aus dem Gilboa, durchs Tal Dothan (, ) getrennt vom anschließenden Bergland von Samarien (), gefolgt vom Judäischen Bergland, fortgesetzt von den Bergen des Negev (, ), die in Halbmondform südwestwärts verlaufen bis zum Gipfel Ramon (1.037 m) und in Ausläufern auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel enden.
mini|Ausläufer des Judäischen Berglands (in Magenta) in Israels Südbezirk, darunter der Negev (bordeauxfarben) Das Judäische Bergland bildet eine gewaltige Erhebung, die im Nordwesten im Bergland von Benjamin (), das südlich Ramallahs endet, bis auf 1016 Meter (, ) aufragt und im Süden, im Hochland von Hebron (, ) Höhen bis 1026 Metern erreicht, dazwischen befindet sich der bis auf 750–800 Meter ansteigende Jerusalemer Bergsattel. Der Sperrriegel, den das Judäische Bergland bildet, ist im Sattel am einfachsten zu queren, weshalb es nicht verwundert, dass in der Sattellage mit Jerusalem ein bedeutender Ort mit Zentralfunktionen entstand.Avraham Lewensohn, Reiseführer Israel mit Straßenkarten und Stadtplänen [Israel Tourguide, 1979], Miriam Magall (Übs.), Tel Aviv-Jaffa: Tourguide, 1982, S. 228. Keine ISBN. Durchschnittlich erreichen die Kammhöhen um die 900 Meter.
Im Norden schneidet der Oberlauf des Wādī al-Surār ein Tal, das den nordwestlichen Teil des Judäischen Berglands, das Bergland von Benjamin mit Ramallah vom übrigen Gebirge trennt. Vom südlichen Negev trennen das Judäische Bergland zwei Senken, die südwestliche und die südöstliche (beide gelten auch als Teile der ).Abschnitt ‹Land›, “Palestine” (Eintrag vom 5. Januar 2023), in: Encyclopaedia Britannica; abgerufen am 26. Januar 2023.Lawson G. Stone, “Judges”, in: Cornerstone Biblical Commentary: 18 Bde., Philip Wesley Comfort (Hrsg.), Band 3 ‹Joshua, Judges, Ruth› (2012), 185–493, hier S. 381seq. ISBN 978-0-8423-3429-7. Südlichste Erhebung des Judäischen Berglandes ist der Tafelberg Tel ʿIra (, 500 m; ). Das südliche Judäische Bergland entwässert über diverse saisonal fließende Läufe, die sich zum Bsor () vereinen, der den Eschkol-Nationalpark durchfließt und bei az-Zahraʾ ins Mittelmeer mündet.
Markante Punkte am Westrand des Judäischen Berglandes sind von Süden nach Norden Tall Bayt Mirsim, Tel ʿEiton (, 425 m; ), Chirbat al-Kum (451 m; ), und der bewaldete Hügel ʿAdullam (430 m; ) bei Adderet. Am östlichen Rand des Judäischen Berglandes, von Süden nach Norden, sind Tel Arad (576 m), Bani Naʿim (, 952 m und 1.350 m überm Toten Meer; ), Sif (auch Ziph, , 880 m; )Othmar Keel (Bde. 1, 2 und 4, Teil I), Max Küchler (Bde. 2, 3 und 4, Teil II) und Christoph Uehlinger (Band 1), Orte und Landschaften der Bibel: ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land: 4 Bde., Zürich: Benziger (Bde. 1 und 2), 1982–1984; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (Bde. 2 bis 4), 1982–2014, Band 2 ‹Der Süden› (1982), S. 747. ISBN 3-545-23042-2 (Benziger) und ISBN 978-3-525-50167-2 (V & R) und Teqoʿa (Chirbat at-Teqūʿ).
Graue Kalksteinrücken wechseln mit flachen Mulden und Tälern, in denen sich die fruchtbare Terra Rossa sammelt, Zerfallsprodukte auf den Berghöhen erodierter cenomanischer harter Kalke. Im Judäischen Bergland sind agrarische Anbauflächen selten so groß wie bei al-Birah oder Hebron. Über dem Mittelmeer gebildete Wolken regnen sich ostwärts ziehend am Westhang des Judäischen Berglandes ab und wässern damit auch die westlich vorgelagerte hügelige Schfelah. Im Bergland ist Landwirtschaft ohne Bewässerung möglich, gehen doch 550–800 mm Regen nieder, auf die Schfelah immerhin noch 400–450 mm.Othmar Keel (Bde. 1, 2 und 4, Teil I), Max Küchler (Bde. 2, 3 und 4, Teil II) und Christoph Uehlinger (Band 1), Orte und Landschaften der Bibel: ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land: 4 Bde., Zürich: Benziger (Bde. 1 und 2), 1982–1984; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (Bde. 2 bis 4), 1982–2014, Band 2 ‹Der Süden› (1982), S. 569. ISBN 3-545-23042-2 (Benziger) und ISBN 978-3-525-50167-2 (V & R).
Östlich schließt sich die Judäische Wüste an, die im Regenschatten des Berglandes gelegen mit 1–300 mm Niederschlag entsprechend trocken ist. Von den Höhen um 1000 Metern über Normalnull im Bergland fällt das Gelände auf nur 28 Kilometer Strecke bis minus 400 Meter unter dem Meeresspiegel im Grabenbruch des Toten Meeres steil ab. Erstaunlich sind die vielen Quellen am Osthang des Berglandes, die daher rühren, dass die Erosion des Westhangs durch die dort häufigeren Niederschläge stärker ist, so dass die Höhen nach Westen weg erodierten, womit weiter östlich stehende Gipfel den neuen Bergkamm und damit die Wasserscheide bilden. Die seltenen heftigen Regenfälle, die nach Osten ablaufen, haben tiefe Ablaufrinnen gegraben, wie das Wadi Murabbaʿat und das Wadi Qilt.Othmar Keel (Bde. 1, 2 und 4, Teil I), Max Küchler (Band 2, 3 und 4, Teil II) und Christoph Uehlinger (Band 1), Orte und Landschaften der Bibel: ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land: 4 Bde., Zürich: Benziger (Bde. 1 und 2), 1982–1984; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (Bde. 2 bis 4), 1982–2014, Band 2 ‹Der Süden› (1982), S. 570. ISBN 3-545-23042-2 (Benziger) und ISBN 978-3-525-50167-2 (V & R). Im Sonnenschein gleißen senonische Kreideformen der Judäischen Wüste, die im Regenschatten an der trockeneren Ostseite des Judäischen Berglandes minder erodiert sind und zugleich weithin bar von Vegetation liegen.
mini|Judäisches Bergland: Verschneiter Jerusalemer Wald, Dezember 2013 mini|Blick auf Ausläufer des Jerusalemer Waldes mit Har Nof und anderen Vierteln Jerusalems, 2007 Die Siedlungsformen unterscheiden sich im nördlichen Judäischen Bergland mit vielen kleinen Dörfern und in seinem Süden, dem Hochland von Hebron, wo wenige, dafür größere Dörfer überwiegen, welche ihre Bewohner einst wirksam verteidigen konnten. Denn zu Zeiten schwacher Ordnungsmacht im Lande, fielen aus dem nomadisch bewohnten und beweideten Negev räuberische Hirten ein, sowohl zu biblischen Zeiten wie auch vom 17. bis 19. Jahrhundert dann Beduinen.Avraham Lewensohn (; 1923–1986), Reiseführer Israel mit Straßenkarten und Stadtplänen ['Israel Tourguide', 21979; dt.], Miriam Magall (Übs.), Tel Aviv-Jaffa: und Tourguide, 1982, S. 229. Keine ISBN. Sif bildete bereits im Königreich Judah eine Befestigung gegen Freibeuter der Steppe im Süden und Osten und das benachbarte Maʿon in Judäa () war byzantinische Grenzfeste mit dem gleichen Zweck.Othmar Keel (Bde. 1, 2 und 4, Tl. I), Max Küchler (Bde. 2, 3 und 4, Tl. II) und Christoph Uehlinger (Band 1), Orte und Landschaften der Bibel: ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land: 4 Bde., Zürich: Benziger (Bde. 1 und 2), 1982–1984; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (Bde. 2 bis 4), 1982–2014, Band 2 ‹Der Süden› (1982), S. 756. ISBN 3-545-23042-2 (Benziger) und ISBN 978-3-525-50167-2 (V & R).
Auch aus klimatischen Gründen sind Wohnorte im Bergsattel Jerusalems begehrt, entsprechend aber auch keine billigen Wohnlagen. Dort wohnen vor allem Familien der Mittelklasse, so etwa wie Mevasseret Zion, ab 1951 angelegt auf dem Gebiet des im Krieg um Israels Unabhängigkeit entvölkerten Qalunya, das Vespasian an Stelle des im Jüdischen Krieg (66–70) entvölkerten Ha-Moṣa als Colonia Amosa mit 800 römischen Soldaten und Familien besiedelte, denen oblag, den Korridor nach Jerusalem militärisch zu sichern. So breitet sich die Großstadt in alle Richtungen aus, wobei die Ausläufer des aufgeforsteten in tief eingeschnittenen Tälern als Grüne Lunge in die westlichen Außenbezirke hineinragen.
In Mevasseret Zion blieben terrassierte Berghänge erhalten, die ins 8. Jahrhundert v. d. Z. datiert werden. Ein kleines Gebiet Qalunyas erwarben 1854 Einwanderer für eine erste neue jüdische Landwirtschaft in den Jerusalemer Bergen, die sie Motza nannten, da sie den Ort geographisch mit dem biblischen Ha-Moṣa der Chiwiter, später Benjaminiter (Buch Josua 18,26) identifizierten. Oberhalb davon entstand 1933 Motza ʿIllit. Im Jahre 1962 errichteten israelische arabische Binnenflüchtlinge, die im Unabhängigkeitskrieg 1948 ihr altes Dorf Bayt Naqquba verloren, in dessen Nähe das neue ʿAyn Naqubba.
In der Zone C des Westjordanlands entstehen seit 1967 kompakte israelische Siedlungen städtischen Charakters wie Maʿale Adummim. Auch im dünner besiedelten Hochland von Hebron gründen israelischer Siedler neue Orte. Auch im israelischen südlichen Gebirgsland entstanden neue Orte wie ab 1962 Arad eingepasst in die Konturen des Hochlands von Hebron. „Das leicht hügelige Stadtgelände auf einem Hochplateau wird von zahlreichen Wadis des Berglandes durchzogen, die auch das äussere Erscheinungsbild der Stadt mitprägen, indem zahlreiche Quartiere Arads auf Bergrücken dieser Trockentäler angelegt sind.“
Klima Durch die Höhenlage ist es im Judäischen Bergland relativ kühl. Im Winter kann es im Judäischen Bergland schneien, doch mangels anhaltenden Frostes ist es dann meist nasskalt. Sommers kühlt es abends deutlich stärker ab als am Mittel- oder am Toten Meer.
mini|Jerusalemer Berge, soweit im Bezirk Jerusalem gelegen Regionale Gliederung Das Judäische Bergland kann in drei einzelne Landschaften untergliedert werden, zu ihnen gehören das Bergland von Benjamin mit Ramallah, Beit-El und Modiʿin nordwestlich Jerusalems. Der höchste benjaminitische Gipfel ist mit 1016 Metern der Baʿal Chatzor (Tall al-ʿAṣūr), ein anderer Berg ist Pisgat Seʾev im nordöstlichen Jerusalem. Es folgen die Jerusalemer Berge (, ) westlich der gleichnamigen Stadt im zentralen und westlichen Bereich des Berglandes.