Die Blue Angels ( für „Blaue Engel“) sind eine Kunstflugstaffel der United States Navy, zu der auch Angehörige des United States Marine Corps gehören. Die Blue Angels wurden 1946 gegründet und treten jedes Jahr vor über 10 Millionen Zuschauern auf. Sie fliegen Stand 2021 sechs Kampfflugzeuge vom Typ Boeing F/A‑18E/F Super Hornet. Vorher war 34 Jahre lang die Vorgängermaschine F/A-18 Hornet im Einsatz. Vier der Angels bleiben während der Flugshow in verschiedenen Formationen zusammen, die anderen beiden fliegen als Solos auch Einzelmanöver.
Die Blues sind auf der Naval Air Station Pensacola in Florida stationiert und unterstehen dem Naval Air Training Command, dem für die Ausbildung von Piloten zuständigen Kommandobereich der US Navy.
Eine weitere Kunstflugstaffel der US-amerikanischen Streitkräfte sind die Thunderbirds, die zur Air Force gehören.
Geschichte Gründung mini|Die Angels nach einem Auftritt, 1947 Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann die Geschichte der Blue Angels, die bei ihrer Gründung schlicht den Namen Navy Flight Exhibition Team (dt. etwa Flug-Vorführ-Team der Navy) trugen. Am 24. April 1946 gab der damalige Chief of Naval Operations, Admiral Chester Nimitz, die Weisung zur Gründung einer Kunstflugstaffel heraus. Neben der Stärkung der Moral der Angehörigen der US Navy ging es dabei vor allem um mediale Aufmerksamkeit für die Marineflieger, die neben Budgetkürzungen auch mit der Konkurrenz durch die sich mehr und mehr von der United States Army lösenden United States Army Air Forces zu kämpfen hatten. Noch im selben Monat wurde Lieutenant Commander Roy Marlin Voris, ein Weltkriegs-FliegerassRobert K. Wilcox 2004, Seite 3. ausgewählt, um Piloten für die neue Staffel anzuwerben. Dieser wählte zwei weitere Piloten aus, die zu Beginn auf der Naval Air Station in Jacksonville, Florida, stationiert wurden und in den nächsten Monaten über den Everglades übten.
Noch im Juni 1946 flogen die drei auf der Grumman F6F Hellcat ihre erste Vorführung auf der Southeastern Air Show in Jacksonville. Die Show war damals rund 17 Minuten lang und bestand lediglich aus einigen Formationsflügen. In den folgenden Wochen flog die Staffel an mehreren Orten in den Vereinigten Staaten. Während eines Aufenthalts in New York wurde die Bezeichnung Blue Angels zum offiziellen Staffelnamen gemacht. Er leitet sich von einem Nachtclub gleichen Namens in dieser Stadt ab.
Im August wechselten die Angels auf die Grumman F8F Bearcat, im folgenden Jahr wurde das Team dann auf vier, später auf fünf Piloten vergrößert. Zum 30. Mai verließ Voris die Angels, die in den folgenden Jahren Flugshows überall in den Vereinigten Staaten abhielten. 1948 wechselte das Team auf den Marinefliegerhorst in Corpus Christi, Texas.
Auflösung und Wiederbelebung mini|Die Staffel auf der F9F Panther, 1952 Ab Anfang 1950 flogen die Blues erstmals ein Flugzeugmodell mit Jet-Antrieb, die Grumman F9F-2 Panther. Ende des Jahres wurde die Staffel ein weiteres Mal verlegt, nun zurück nach Florida, auf die Naval Air Station Whiting Field in Milton. Dort blieben die Blue Angels aber nur bis Mitte 1950. Im Rahmen des Koreakrieges benötigte die Navy dringend gute Piloten, so dass die Angels von ihrer Kunstflugstaffel abgezogen und diese aufgelöst wurde. Die Piloten wurden in Kalifornien, auf der Moffett Field Naval Air Station bei Mountain View auf den Fronteinsatz vorbereitet. Anfang November meldeten sich die Piloten auf der Princeton, wo sie den Kern der Staffel „VF-191 Satan’s Kittens“ bildeten.
Am 25. Oktober 1951 wurden die Blue Angels offiziell wiedergegründet und zurück auf den Marinefliegerhorst in Corpus Christi verlegt. Die neue Staffel stellte wiederum Lt. Cdr. Voris zusammen, der auch wieder ihr Kommandeur wurde. Außerdem wechselte die Einheit auf die verbesserte Grumman F9F-5 Panther. Im Juni 1952 folgte die erste Flugshow auf dem Mid-South Naval Festival in Memphis, Tennessee. 1955 wechselte die Staffel auf die Grumman F9F-8 Cougar. Außerdem wurden die Blue Angels wieder nach Florida verlegt, seitdem haben sie ihren Heimatflugplatz in Pensacola.
Erste Auslandsauftritte mini|Gruppenfoto der Blue Angels vor einer Tiger, 1958 1956 wurde die Staffel auf ihre heutige Größe von sechs Flugzeugen aufgerüstet, im September desselben Jahres absolvierte die Staffel zudem mit einer Vorführung in Toronto, Kanada ihren ersten Auslandsauftritt. In den folgenden Jahren wechselten die Blue Angels zuerst 1957 auf die Grumman F11F Tiger, die im eigentlichen Dienst in der Navy ein Flop war und nur bis 1961 flog, bei den Angels aber bis 1969 in Dienst blieb. 1963 flogen die Blue Angels ihre 1000. Aufführung über Pocatello, Idaho.
In den Jahren auf der Tiger folgten außerdem weitere Auftritte in Kanada, 1959 aber auch erstmals auf den Bermudas, 1964 dann in Mexiko, wo geschätzte 1,5 Millionen Zuschauer auf der Aeronaves de Mexico Anniversary Air Show die Blue Angels sahen. 1965 flogen die „Angels“ nach einer Tour durch die Karibik außerdem die ersten Shows in Europa, wo sie ein Highlight der Pariser Luftfahrtschau waren. Nachdem die Auftritte 1965 eher Nordwesteuropa, neben Frankreich auch England, Dänemark, Niederlande, Finnland und Island, galten, flog die Staffel 1967 überwiegend in Südeuropa, Italien sowie der Türkei und erstmals auch auf dem afrikanischen Kontinent in Tunesien.
Vergrößerung der Staffel mini|Alle sechs Angel auf Skyhawks 1970 wechselte die Staffel auf die McDonnell Douglas F-4J Phantom II, erstmals auf ein Flugzeug, das nicht von der Grumman Aerospace Corporation hergestellt wurde. Das Programm wurde um viele Manöver erweitert, die teils noch heute im Programm sind. Im selben Jahr flogen die Blue Angels außerdem erstmals in Südamerika. Ihre Show in Quito, Ecuador war dabei der erste Auftritt auf einem derart hochgelegenen Flugplatz und durch den niedrigeren Luftdruck auch besonders anspruchsvoll. Im Jahr darauf flogen die 'Blues' erste Vorführungen in Fernost, etwa in Südkorea, Japan, Taiwan, den Philippinen und auf Guam. 1972 stand wieder eine Europatour an, die England, Frankreich, Spanien, Türkei, Italien und Griechenland sowie auch eine Show in Teheran, Iran umfasste. Bereits nach fünf Jahren wurde die riesige, doppelschallschnelle Phantom wieder in den Hangar gestellt, die Angels stiegen auf die kleinere, wendigere Douglas A-4F Skyhawk II um.
1974 wurde aus dem Navy Flight Demonstration Team außerdem das Navy Flight Demonstration Squadron, was den Angels die Führung eines größeren Stabes erlaubte. Aus dem vorherigen Team Leader wurde nun auch offiziell der kommandierende Offizier der Staffel. Damit wurde der Missionsschwerpunkt der Staffel außerdem stärker auf die Rekrutierung neuer Marineflieger gerichtet.
Am 4. Juli 1976 flogen die Blue Angels zur Zweihundertjahrfeier der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten auf dem Marinefliegerhorst in Willow Grove, Pennsylvania eine Choreographie zusammen mit der Kunstflugstaffel des Canadian Forces Air Command, den Snowbirds. Die Staffel blieb in den folgenden Jahren auf der Skyhawk und auch auf und über dem Gebiet von Nordamerika.
Zeit auf der Hornet mini|1998 fand die erste Landung eines Blue Jets auf einem Flugzeugträger statt Nach über zehn Jahren auf der Skyhawk, zur Flugsaison 1987, wechselten die Kunstflieger auf die McDonnell Douglas F/A-18 Hornet. Bis 1992 flogen sie weitere Auftritte auf dem amerikanischen Kontinent, und erstmals nach 19 Jahren machten die Blue Angels wieder einen Trip nach Übersee. Die Angels zeigten dabei ihre Show erstmals im ehemaligen Ostblock, flogen in Russland und Bulgarien. Auch in Deutschland machte die Staffel auf ihrem Weg westwärts Halt, eine Flugvorführung war nach den dort geltenden strengen Sicherheitsvorschriften nach dem Flugtagunglück von Ramstein 1988 aber nicht eingeplant.
1993 wurde der Kommandierende Offizier der Staffel Robert E. Stumpf abgelöst. Stumpf, der 1991 als Vertreter der Staffel auf dem Tailhook-Symposium war, geriet in den Strudel des sogenannten „Tailhook-Skandals“.Interview mit Strumpf, auf pbs.org, Public Broadcasting Service – PBS (englisch).
1998 landeten die Blue Jets erstmals auf einem Flugzeugträger, der Harry S. Truman. Ihren bisher letzten Europaaufenthalt leisteten die Blue Angels 2006, im Jahr ihres 60-jährigen Bestehens, ab, als sie eine Vorführung in den Niederlanden gaben.
Im Juli 2022 wurde mit Amanda Lee die erste weibliche Pilotin der Blue Angels vorgestellt.
Flugzeuge Kunstflugzeuge mini|Die sechs Angels fliegen die F-4J Phantom in Formation mini|Die vier Diamonds auf der F-11F-1 Tiger Eine Übersicht über die geflogenen Flugzeuge Ab Bis Flugzeug BesonderheitenJuni 1946August 1946Grumman F6F HellcatAugust 1946Ende 1949Grumman F8F BearcatAnfang 1950Ende 1954Grumman F9F-2 und F9F-5 Panthererster JetAnfang 1955Mitte 1957Grumman F9F-8 Cougarverbesserte Panther mit PfeilflügelnMitte 1957Ende 1969Grumman F11F-1 Tigererstes Überschall-FlugzeugAnfang 1970Ende 1974McDonnell Douglas F-4J Phantom IIgrößtes FlugzeugAnfang 1975Ende 1986McDonnell Douglas A-4F Skyhawk IIkleinste MaschineNovember 1986November 2020McDonnell Douglas F/A-18A/B HornetDienstrekord, 34 Jahre im Einsatz Anfang 2021Boeing F/A-18E/F Super Hornet Die Staffel besitzt zwölf Jets, davon zehn einsitzige F/A-18A, die in der Show eingesetzt werden und zwei zweisitzige F/A-18B, die für VIP-Flüge verwendet werden.
Sämtliche Jets sind für die Verwendung in der Staffel nur gering verändert: Neben dem Ausbau der M61-Vulcan-Maschinenkanone um Platz für einen Paraffinöltank zu schaffen, wurde die Funktion des Steuerknüppels verbessert, um damit die Kontrolle während des Überkopffluges zu optimieren. Das Paraffinöl wird verwendet, um eine erkennbare Rauchspur hinter den Flugzeugen zu erzeugen. Hierzu wird das Paraffinöl in die laufenden Triebwerke eingespritzt. Dies erleichtert den Zuschauern die Verfolgung der Flugwege und erhöht für die Piloten die Sicherheit, die so besser die Position eines sich nähernden Flugzeugs erkennen können.
Jedes der Flugzeuge besitzt noch den Fanghaken für die Landung auf Flugzeugträgern und ist auch ansonsten grundsätzlich kampftauglich. Nach kleineren Umbauarbeiten sowie einer neuen Lackierung könnte jeder Jet innerhalb von 72 Stunden im Kampfeinsatz verwendet werden. Am 4. November 2020 flogen die Blue Angels die letzte Vorführung mit den F/A-18A und -B Versionen. Ab der Saison 2021 sind sie mit F/A-18 Super Hornets ausgestattet.
Transportflugzeuge mini|Fat Albert beim JATO-Start Für den Transport der Bodencrew sowie von Ersatzteilen zu den Flugshows unterhalten die Blue Angels außerdem ein Transportflugzeug. Ab der Gründung der Staffel war dies eine Douglas C-54 Skymaster, die 1968 von einer Lockheed C-121 Constellation abgelöst wurde. Ende 1970 wurde mit der Lockheed C-130 Hercules das noch heute verwendete Transportflugzeug an die Staffel übergeben. Dabei ist anzumerken, dass das Flugzeug offiziell nicht zur US Navy gehört, sondern zum Marine Corps.
Die C-130, die den Spitznamen Fat Albert (nach Bill Cosbys gleichnamiger Zeichentrickserie) trägt, nimmt heute teilweise an der Show teil, wofür ihr bis Mitte November 2009 JATO-Raketen anmontiert wurden. Diese Raketen für einen erlaubten dem Flugzeug den Start auf Pisten, die nur rund 800 Meter lang sein müssen. Die Fat Albert hob dabei nach weniger als 500 Metern ab und erreichte innerhalb kürzester Zeit eine Höhe von über 300 Metern. Da die verwendeten JATO-Raketen nicht mehr produziert werden, mussten die JATO-Starts der Fat Albert zum Ende der Saison 2009 aus dem Flugprogramm gestrichen werden. Nach eigenen Aussagen arbeitet die US Navy bereits an einem Ersatz für die spektakulären JATO-Starts.
Lackierung mini|F-18 mit der internen Nummer 5 auf dem Seitenleitwerk