Wer die Augen schließt (wird nie die Wahrheit seh’n) ist ein politisches Lied des deutschen Musikprojektes „Mut zur Menschlichkeit“. Das Stück erschien im Mai 1993 als Benefiz-Single gegen Fremdenfeindlichkeit, die Anfang der 1990er-Jahre in Deutschland zunahm.

Entstehung und Artwork Bei Mut zur Menschlichkeit handelt es sich um ein Musikprojekt, das als Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit und für mehr Toleranz ins Leben gerufen wurde. Hierbei wollten die Initiatoren und teilnehmenden Musiker auf die steigenden flüchtlingsfeindlichen Angriffe in Deutschland aufmerksam machen. Einer der im Voraus ausschlaggebenden Vorkommnisse war der Mordanschlag von Mölln, der unter anderem zu diesem Projekt animierte. Etwa zwei Wochen nach der Singleveröffentlichung ereignete sich der Mordanschlag von Solingen, der als gegenwärtiges Ereignis auch in den Mittelpunkt des Projektes gestellt wurde. Alle Einnahmen der Künstler sowie der Produzenten aus dem Verkauf dieser Benefiz-Single, auch sämtliche GEMA-Tantiemen, kamen dem gemeinnützigen Verein „Künstler für den Mut zur Menschlichkeit e.V.“ zugute. Mit diesen Geldern sollte den Opfern aus Brandanschlägen unbürokratisch geholfen werden.

Geschrieben wurde das Lied vom teilnehmenden Interpreten Franz Remling (Wolfgang Petry) und dem Liedtexter Bernd Meinunger. Die Aufnahme und Produktion erfolgte durch Helmut Rüßmann, in dessen eigenem Tonstudio auch die Produktion erfolgte. Bei der Aufnahme stand ihm Willy Stumm als Tonmeister zur Seite. Als Studiomusiker wurden Johan Daansen an der Gitarre, Pit Löw am Keyboard und Edward Simoni an der Panflöte engagiert. Löw zeichnete darüber hinaus für die Programmierung zuständig. Neben der Hauptproduktion im Tonstudio Rüßmann fanden weitere Produktionen im Blue Moon Studio (München), Daylightstudio (Stuttgart), Hanne Haller Studio (München), Oh Yes Studio (Hamburg), Sing Sang Studio (Wien) und bei Sophisticat Music (Weyhe) statt.

Auf dem Frontcover der Single ist ein Schwarzweiß-Bild eines Hauses, mit abgebranntem Dachstuhl, zu sehen. Das Bild ist zentriert angeordnet, links und rechts daneben sind die am Projekt teilnehmenden Interpreten aufgeführt. Am oberen Rand befindet sich die Titelangabe, wobei der Haupttitel fettgedruckt in Rot und der Klammerzusatz darunter, nicht fettgedruckt, in Schwarz geschrieben ist. Das Bild stammt von der Deutschen Presse-Agentur, als Artdirector fungierte Thomas Sassenbach.

Veröffentlichung und Promotion Die Erstveröffentlichung von Wer die Augen schließt (wird nie die Wahrheit seh’n) erfolgte als Single am 10. Mai 1993 (Katalognummer: 74321 14219 7). Diese erschien als 7″-Single und 2-Track-CD-Single durch das Musiklabel Hansa Records. Den Vertrieb tätigte BMG Ariola, verlegt wurde das Lied durch den Gothic Musikverlag. Die Single beinhaltet neben der Radioversion eine „Playback Version“ zu Wer die Augen schließt (wird nie die Wahrheit seh’n) als B-Seite. Im Jahr der Veröffentlichung erschien das Lied auch als Teil der EP Lieder für die eine Welt, die durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in die Wege geleitet und bei Ariola in Auftrag gegeben wurde.

Um das Lied zu bewerben, erfolgte unter anderem ein Liveauftritt, zur Hauptsendezeit, in der ZDF-Unterhaltungssendung Melodien für Millionen am 24. Juli 1993.

Hintergrund Die Veröffentlichung von Wer die Augen schließt (wird nie die Wahrheit seh’n) erfolgte in Zusammenarbeit mit der deutschen Frauenzeitschrift Frau im Spiegel. Als Schirmherr für dieses Projekt konnte man Dieter Thomas Heck gewinnen. Auf dem Rückcover sind folgende Worte von ihm zu lesen:

Inhalt Der Liedtext zu Wer die Augen schließt (wird nie die Wahrheit seh’n) ist in deutscher Sprache verfasst. Sowohl die Musik, als auch der Text, wurden gemeinsam von Bernd Meinunger und Wolfgang Petry geschrieben beziehungsweise komponiert. Musikalisch bewegt sich das Lied im Bereich der Popmusik, stilistisch im Bereich des Schlagers. Inhaltlich setzt sich das Musikprojekt in dem Lied mit Ausländerfeindlichkeit und Toleranz auseinander.

Aufgebaut ist das Lied auf zwei Strophen und einem Refrain. Es beginnt zunächst mit der ersten achtzeiligen Strophe, dessen Zeilen abwechseln von verschiedenen Interpreten dargeboten werden. Auf die erste Strophe folgt, zur Einleitung, zunächst der sogenannte „Pre-Chorus“, ehe der eigentliche Refrain einsetzt. Sowohl der Pre-Chorus, als auch der Refrain, werden überwiegend im Chor interpretiert. Lediglich der Refrain beinhaltet zwei Zeilen, die von einzelnen Interpreten solo gesungen werden. Der gleiche Aufbau, mit wechselnden Interpreten, folgt mit der zweiten Strophe. Nach dem zweiten Refrain erfolgt ein instrumentelles Zwischenstück, in dem Edward Simoni an der Panflöte zu hören ist. Danach endet das Lied mit dem dritten Refrain. Neben dem Hauptgesang der verschiedenen Interpreten, sind im Hintergrund die Stimmen von Johannes Brück, Elke Schlimbach und Birgit van der Most zu hören.

Mitwirkende Liedproduktion G. G. Anderson: Gesang Tom Astor: Gesang Kristina Bach: Gesang Roberto Blanco: Gesang Andy Borg: Gesang Bernhard Brink: Gesang Johannes Brück: Begleitgesang Brunner & Brunner: Gesang Dirk Busch: Gesang Johan Daansen: Gitarre Klaus Densow: Gesang Jürgen Drews: Gesang Karel Gott: Gesang Hanne Haller: Gesang Ibo: Gesang Claudia Jung: Gesang Patrick Lindner: Gesang Pit Löw: Keyboard, Programmierung Andreas Martin: Gesang Bernd Meinunger: Komponist, Liedtexter Michelle: Gesang Wencke Myhre: Gesang Nicki: Gesang Nadine Norelle: Gesang Franz Remling (Wolfgang Petry): Gesang, Komponist, Liedtexter Rosanna Rocci: Gesang Helmut Rüßmann: Musikproduzent, Tonmeister Elke Schlimbach: Begleitgesang Edward Simoni: Panflöte Tommy Steiner: Gesang Willy Stumm: Tonmeister Birgit van der Most: Begleitgesang Zillertaler Schürzenjäger: Gesang

Unternehmen BMG Ariola: Vertrieb Blue Moon Studio: Tonstudio Daylightstudio: Tonstudio Gothic Musikverlag: Verlag Hanne Haller Studio: Tonstudio Hansa Records: Musiklabel Oh Yes Studio: Tonstudio Sing Sang Studio: Tonstudio Sophisticat Music: Tonstudio Tonstudio Rüßmann: Tonstudio

Visualisierung (Cover) Deutsche Presse-Agentur: Fotograf Thomas Sassenbach: Artdirector

Chartplatzierungen Wer die Augen schließt (wird nie die Wahrheit seh’n) verfehlte den Einstieg in die offiziellen Singlecharts, konnte sich jedoch eine Woche in den deutschen Airplaycharts platzieren und erreichte dabei in der Chartwoche vom 15. Mai 1993 Rang 78.

Coverversionen Mut zur Menschlichkeit (2015) Im Jahr 2015 wurde das Musikprojekt Mut zur Menschlichkeit nochmals mit neuen Interpreten aufgelegt. Die Idee und das Konzept der Neuauflage stammten von Frank Neuenfels, der im September 2015 mit den Arbeiten hierzu begann. Hintergrund war der aktuell wieder aufflammenden Fremdenhass infolge der Flüchtlingskrise in Deutschland. Die ausgeschütteten Vertriebserlöse aus dem Wohltätigkeitsprojekt gingen zu 100 % an Aktion Deutschland Hilft, unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident a. D. Horst Köhler und des Kuratoriumsvorsitzenden, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Manuela Roßbach, Geschäftsführerin von Aktion Deutschland Hilft, kommentierte die Zusammenarbeit wie folgt:

Für die Neuauflage konnte man erneut Jürgen Drews und Patrick Lindner – als einzige Mitwirkenden des original Projektes – für sich gewinnen. Darüber hinaus waren Chris Andrews, Antonia aus Tirol, Gaby Baginsky, Bella Vista, Julian David, Christian Franke, Michael Hirte, Christian Lais, Norman Langen, Michael Morgan, Frank Neuenfels, Achim Petry, Ireen Sheer, Michael Wendler, Wind, Anna-Carina Woitschack und Wolfgang Ziegler hierbei beteiligt.

Die Erstveröffentlichung der Neuauflage von Wer die Augen schließt (wird nie die Wahrheit seh’n) erfolgte als Single am 3. Dezember 2015. Diese erschien als digitale 2-Track-Single durch das Musiklabel Best Mix, der Vertrieb erfolgte durch Hitmix Music. Bereits ab dem 1. Dezember 2015 stand die Single zum Vorbestellen bereit. Die Single wurde jedoch nach unbestimmter Zeit von den Online-Musikdiensten gesperrt. Im Gegensatz zum Original wurde hierzu ein offizielles Musikvideo veröffentlicht. Dieses feierte am 27. November 2015 seine Premiere und zeigt einen Zusammenschnitt der teilnehmenden Interpreten, die zu Hause bei den Aufnahmen gefilmt wurden. Während des Videos sind immer die aktuell singenden Interpreten zu sehen. Die Gesamtlänge des Videos beträgt 4:57 Minuten. Regie führte der in Witten wirkende Thomas Jünger von BV Film.

Weitere Coverversionen (Auswahl) 1993: Andy Borg (Album: Einmal und immer wieder) 1993: Andreas Martin (Album: Herz oder gar nichts) 1993: Wolfgang Petry (Album: Sehnsucht nach dir) 1997: Denise & Johnny Bach (Album: Momente) 1997: Trademark – I’ll Be There for You (Album: Another Time Another Place)

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Einzelnachweise

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