mini|Doris Schmidt, um 1990 Clara Elisabeth Doris Schmidt (* 5. September 1918 in Malitschkendorf; † 2. September 2008 in München) war eine deutsche Kunsthistorikerin, Übersetzerin und Journalistin. Sie gilt als eine bedeutende Kunstkritikerin der Nachkriegszeit in Deutschland und war über 30 Jahre bei der Süddeutschen Zeitung tätig. Leben Als Tochter des evangelischen Pfarrers Heinrich August Martin Schmidt und seiner Frau Elisabeth geboren, verbrachte Doris ihre Kindheit und Jugend in Thüringen, Budapest und Frankfurt am Main. Am 2. Juni 1931 schloss Doris Schmidt die Oberrealschule mit Vorschule der Reichsdeutschen Schule zu Budapest ab und legte anschließend im Jahr 1937 die Reifeprüfung an der Städtischen Realgymnasialen Studienanstalt an der Schillerschule mit der Note Gut ab.

Im Jahr 1940 schloss Schmidt ihre Ausbildung als Akademisch geprüfte Übersetzerin mit dem Gesamtergebnis Gut ab. An der Universität Heidelberg studierte sie am Dolmetscher Institut Englisch, Französisch und Spanisch. Sie trat im Mai 1940 eine Stelle als Übersetzerin für Englisch und Französisch in der Pressestelle des Auswärtigen Amts an, schied aber schon am 30. September auf eigenen Wunsch wieder aus.

Im Wintersemester 1943/44 studierte Doris Schmidt Englisch, Kunstgeschichte und Germanistik an der Frankfurter Universität, das sie in Gießen fortsetzte, aber nicht abschloss. Zum Jahresbeginn 1945 wechselte sie als alleinige Sekretärin an das Städelsche Kunstinstitut und die Städtische Galerie in Frankfurt am Main und arbeitete dort bis zum bis September 1951. Dort war sie hauptsächlich zur Unterstützung der drei wissenschaftlichen Beamten eingesetzt. 1950 setzte sie ihr Studium der Kunstgeschichte und Archäologie in Frankfurt fort und veröffentlichte ihr Erstlingswerk über die ihr vertrauten Glasmalereien von Charles Crodel.Doris Schmidt: Glasmalereien von Carl Crodel in der Frankfurter Katharinenkirche, Frankfurt 1956. Sie wirkte mit am Nachruf Charles Crodel 1974 und Elisabeth Crodel 1975. Im Wintersemester 1957/58 wechselte sie an die Universität Heidelberg und wurde dort im Jahr 1958 zum Doktor der Philosophie mit ihrer Dissertation Portalstudien zur Reimser Kathedrale. Eine Fixierung der Anfänge mit der Note magna cum laude promoviert.

Von April 1960 bis Oktober 1961 arbeitete sie an der Städtischen Kunsthalle Mannheim als wissenschaftliche Assistentin und Kustodin der graphischen Sammlung. Während dieser Arbeit befasste sie sich mit der Katalogisierung, Ausstellungsfragen und Besucherbetreuung. 1961 trat sie auf eigenen Wunsch aus dem Dienst der Kunsthalle Mannheim aus, um ans Feuilleton der Süddeutschen Zeitung in München zu wechseln.

Im Jahr 1971 schlug sie der vorzeitig scheidende Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München, Hans Konrad Röthel, als seine Nachfolgerin vor.Wer wird Röthels Nachfolger?, in: SZ vom 14. Juli 1971 Im anschließenden Bewerbungsverfahren durch das Kulturreferat der Stadt München gelangte Schmidt in die Runde der letzten vier Bewerber, unterlag aber letztlich dem Kunsthistoriker und Denkmalpfleger Michael Petzet.Petzet für das Lenbachhaus vorgeschlagen, in: SZ vom 8. Dezember 1971

Zwischen 1973 und 1975 wurde Schmidt als erste Frau in die Ankaufskommission der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland gewählt, die derzeit für rund DM 200.000,- Kunstwerke erwarb. Sie war Mitglied zahlreicher weiterer Jurys und Kunstkommissionen, darunter für den Kunstpreis der Jugend oder die Kunstkommission des Klinikums Großhadern, aus der sie allerdings mit Dieter Honisch wegen eines nicht erteilten Auftrages an Max Bill 1979 austrat.

Schmidt war zudem als Übersetzerin tätig und lieferte u. a. Übersetzungen von Werken von Nikolaus Pevsner, Reinhold Niebuhr, André Chastel, Anne Morrow Lindbergh, sowie der dreizehnteiligen BBC-Dokumentation Civilisation von Kenneth Clark.

Ihr schriftlicher Nachlass befindet sich im Deutschen Kunstarchiv (DKA) in Nürnberg, darunter auch einige Portrait-Fotografien und Aufnahmen mit Künstlern, wie Asger Jorn oder Lothar Fischer.

Journalistisches Schaffen Das journalistische Schaffen von Doris Schmidt ist vielfältig und umfangreich und umfasst eine Zeitspanne von einem halben Jahrhundert. Bereits vor ihrem Studium war Schmidt seit Mai 1941 als Schriftleiterin in Ausbildung beim Frankfurter General-Anzeiger angestellt und ab dem 1. April 1942, nach bestandener Prüfung, zur besonderen Verwendung der Hauptschriftleitung zugeteilt. Nachfolgend war Schmidt von Mai bis Oktober 1943 im kulturpolitischen Ressort des Frankfurter Volksblatts und dessen Nachfolgerin, der Rhein-Mainischen Zeitung, als Schriftleiterin tätig. Während dieser Zeit verfasste sie vor allem Kunstbetrachtungen in den Ressorts Theater, Musik, Film und Bildende Kunst.

Nach Ende des Krieges wurde sie als Kunstkritikerin für die Frankfurter Allgemeine Zeitung tätig. Im März 1950, nur 5 Monate nach Gründung der FAZ, veröffentlichte sie ihren ersten Artikel für das Blatt.Doris Schmidt: Der Schimmer des Ewigen. neue Ausstellungen aus Berliner Museen in Wiesbaden, in: FAZ, 27. März 1950 In der Folge schrieb sie neben zahlreichen Berichten zu aktuellen Ausstellungen im In- und Ausland über eine breite Palette kunsthistorischer und kulturpolitischer Themen, wie Architektur, Stadtplanung, Innenarchitektur, Kunsthandwerk oder Kulturgeschichte. Zudem verfasste sie Film- und Buchkritiken und berichtet von Buchkongressen. Insgesamt veröffentlichte sie über 170 Artikel für die FAZ.

1961 wechselte Schmidt als Leiterin des Ressort bildende Kunst und Architektur zur Süddeutsche Zeitung.Gottfried Knapp: Zeugin der Wahrheit. Zum Tod der Kunstkritikerin und Kollegin Doris Schmidt, in: SZ vom 4. September 2008 Nach eigenen Angaben hatte sie der bekannte Kritiker Joachim Kaiser zur Süddeutschen geholt. In der Folge veröffentlichte Schmidt wöchentlich zwei bis drei Artikel.

Das häufigste Artikelformat sind NachrufeDoris Schmidt: Auf anderen Sternen weiterlebe. Nachruf für Meret Oppenheim, in: SZ, 16. November 1985., GeburtstagswünscheDoris Schmidt: Ein furioser Romantiker. Zum 70. Geburtstag von Werner Haftmann, in: SZ, Nr. 97, 28. April 1982. oder sonstige Jubiläen von verstorbenen und lebenden Künstlern, Museumsdirektoren und Kunsthistorikern sein (darunter sehr wenige Frauen).Doris Schmidt: Missionar der Gewaltlosigkeit. Joseph Beuys starb 64-jährig an Herzversagen, in: SZ, 25. Januar 1986.

Ein weiterer großer Teil stellt Besprechungen von Ausstellungen in MuseenDoris Schmidt: Erde und Feuer. Zu einer Ausstellung japanischer Keramik im Deutschen Museum, in: SZ, 3. August 1984. und Galerien, insbesondere im Raum München und Westdeutschland.Doris Schmidt: Vision und Wirklichkeit. Alexej von Jawlensky in der Galerie Thomas, in: SZ, 8. Februar 1991.Doris Schmidt: Schwebezustand und Ich-Definition. Zur Paul-Klee-Ausstellung „Ordnung der Dinge“ in Stuttgart, in: SZ, 6. Oktober 1975. Internationale Ausstellungen, meistens im europäischen Ausland, behandelte Schmidt seltener. Hier liegt der Schwerpunkt ebenfalls auf musealen Ausstellungen, seltener Messen oder Galerien.Doris Schmidt: Die andere Wirklichkeit. Zur Watteau-Ausstellung im Pariser Grand Palais, in: SZ, 8. Dezember 1984. Vor allem das Münchner Kunstgeschehen begleitete Schmidt über mehrere Jahrzehnte mit Presseartikeln und Katalogbeiträgen.

Schmidt kommentiert nicht nur die Kunst, sondern auch die Institutionen und politischen Entscheidungen dahinter. PositionswechselDoris Schmidt: Methodenwechsel. Zur Amtsübergabe am Z.I., in: SZ, 7. März 1992., EtatentscheidungenDoris Schmidt: München braucht die „dritte Pinakothek“. Zum Aufschub des Neubaus der Staatsgalerie (SZ, 19. Juli 1993), An- und VerkäufeDoris Schmidt: Liebermanns Biergarten. Ankauf der Neuen Pinakothek München, in: SZ, 23. April 1986. von städtischen, staatlichen und BundesinstitutionenDoris Schmidt: Ein „optimiertes“ Parlamentsgebäude? Zum Stand der Bonner Pläne für Bundestag und Bundesrat, in: SZ, 13./14. September 1975. werden von Schmidt immer wieder thematisiert. „Kunst“ verstand sie also nicht kontextlos, sondern als Teil des „Kunstsystems“ oder des „Betriebssystems Kunst“,Siehe: Niklas Luhmann: Die Kunst der Gesellschaft, Suhrkamp, Frankfurt a. M., 1997. wie heute üblich. Sie scheute nicht davor zurück, auch deutliche Kritik zu äußern. Wie bei den anderen Themenblöcken, bevorzugte es Schmidt auch hier, über museale Institutionen zu schreiben. Ein museumspolitisches Interesse und Engagement lässt sich mithin als besonderer Schwerpunkt in Schmidts Schaffen ausmachen.„Kunst ist kein Luxus, sie dient auch heute der Erkenntnis über die eigene Zeit. Politiker und Abgeordnete haben hier eine Verantwortung, die einigen Mut erfordert.“ In: Doris Schmidt: München braucht die „dritte Pinakothek“. Zum Aufschub des Neubaus der Staatsgalerie (SZ, 19. Juli 1993)

Auch für das Schaffen von Künstlerinnen setzte sie sich verschiedentlich ein, beispielsweise in einem Artikel für die Zeitschrift Emma über die Künstlerin Hannah Höch.

Sonstige Themenblöcke von Doris Schmidts literarischem Schaffen waren DenkmalpflegeDoris Schmidt: Kann Venedig gerettet werden?, in: SZ, 16. Januar 1971., RestaurierungenDoris Schmidt: Der Englische Gruß – aus neuer Distanz, in: SZ, 27. November 1971., Kongresse und TagungenDoris Schmidt: Geht es nicht auch um Kunst, in: SZ, 15. April 1970., Literaturkritiken und Nachrufe auf SchriftstellerDoris Schmidt: Polnischer Besteller. „Spanische Augen“ der neue Roman von Maria Nurowska, in: SZ, 11./12. Dezember 1993. So plädierte Doris Schmidt im Bereich Denkmalpflege für die Einhaltung der Dome in Würzburg und Trier. Sie setzte sich für bedrohte Denkmäler in Venedig und Augsburg ein. In ihrer Arbeit wurde Doris Schmidt hauptsächlich von dem Aufstieg der deutschen Nachkriegskunst und den Versuchen, wieder Verbindung zur internationalen Moderne zu finden, inspiriert.

Schmidt war bis 1983 fest bei der Süddeutschen angestellt und auch nach ihrem Ruhestand bis zu ihrem Tod im Jahr 2008 als freie Mitarbeiterin für die SZ tätig. Während dieser Zeit schrieb sie knapp 1750 Artikel. Zudem verfasste sie gelegentlich Beiträge für Ausstellungskataloge bzw. übersetzte diese. Vereinzelt war sie auch für Rundfunk und Fernsehen aktiv, siehe Zeugen des Jahrhunderts. mini|Nennung von Doris Schmidt auf dem Ringerbrunnen in Braunschweig.

Das Netzwerk von Doris Schmidt Bereits während ihrer Kind- und Jugendzeit kam Doris Schmidt in Berührung mit einer gelebten und anspruchsvollen Gesprächskultur. In ihrem humanistisch gebildeten Elternhaus wurde viel und hitzig diskutiert. Schmidts Vater war von 1931 bis zu seiner Pensionierung 1962 Pfarrer der Dreikönigsgemeinde in Frankfurt-Sachsenhausen und seit 1933 Mitglied der Bekennenden Kirche. Schon als Kind aß sie oft bei Mies van der Rohe zu Mittag. Zwischen Schmidt und ihren drei Schwestern bestand auch in späteren Jahren eine rege Korrespondenz.

Viele für sie auch später wichtige Bekanntschaften knüpfte sie nach Kriegsende, während ihrer Arbeit im Frankfurter Städel-Museum ab 1948. Als Volontärin, Sekretärin, und – wie sie selbst einmal schrieb „Mädchen für alles“ – blickte sie hinter die Kulissen einiger bedeutender deutscher Museen und lernte Funktionäre, aber auch zahlreiche Künstler, u. a. E. W. Nay, kennen. Als Journalistin würde sie Jahrzehnte später Nachrufe zu viele ihrer ehemaligen Kollegen schreiben. Über ihre Lehrjahre als Volontärin unter Ernst Holzinger (Frankfurter Städel-Museum) etwa schreibt sie rückblickend, es seien „dies, menschlich wie sachlich, [ihre] besten“ gewesen.