Der Landkreis Mergentheim war ein Landkreis in Baden-Württemberg, der im Zuge der baden-württembergischen Kreisreform am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde.
Geografie
Lage Der Landkreis Mergentheim lag im Nordosten Baden-Württembergs an der Grenze zu Bayern.
Geografisch hatte er Anteil am Bauland. Den Landkreis durchzog die Tauber mit ihren Nebenflüssen.
Nachbarkreise Seine Nachbarkreise waren Anfang 1972 im Uhrzeigersinn beginnend im Norden Ochsenfurt, Uffenheim und Rothenburg ob der Tauber (in Bayern) sowie Crailsheim, Künzelsau und Tauberbischofsheim.
Geschichte Vorgeschichte des Landkreises Mergentheim Das Gebiet des Landkreises Mergentheim gehörte vor 1800 zu verschiedenen Herrschaften, darunter das Markgraftum Brandenburg-Ansbach, das Fürstentum Hohenlohe, der Deutsche Orden und die Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber. 1803 bis 1810 kam das Gebiet an Württemberg, das die Oberämter Mergentheim und Gerabronn bildete, die zur Landvogtei an der Jagst gehörten. Ab 1818 gehörten sie zum Jagstkreis (der 1924 aufgelöst wurde), und 1934 wurden sie zu Kreisen umbenannt. Zum 1. Oktober 1938 erfolgte die Auflösung des Kreises Gerabronn. Dabei wurden einige Gemeinden dem nunmehrigen Landkreis Mergentheim angegliedert. Der Landkreis kam 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden in der Amerikanischen Besatzungszone.
Der Landkreis Mergentheim in der Nachkriegszeit Im Landkreis Mergentheim fanden nach dem Zweiten Weltkrieg bis Ende 1946 insgesamt 10.801 Heimatvertriebene aus den Gebieten jenseits der Oder-Neiße-Linie, Ungarn und dem Sudetenland eine neue Heimat.Main-Post: 18 Quadratmeter für sechs Personen. Online auf www.mainpost.de. 11. April 2006. Abgerufen am 11. Dezember 2015.
Der Landkreis Mergentheim kam 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden in der Amerikanischen Besatzungszone. Nach der Bildung des Landes Baden-Württemberg am 25. April 1952 gehörte der Landkreis zum Regierungsbezirk Nordwürttemberg, der den württembergischen Teil Württemberg-Badens umfasste. Durch die Gemeindereform ab 1970 veränderte sich das Kreisgebiet in einem Fall. Am 1. Januar 1972 wurde die Gemeinde Deubach in die Stadt Königshofen (heute Lauda-Königshofen) eingemeindet und kam somit zum Landkreis Tauberbischofsheim.
Auflösung des Landkreises Mit Wirkung vom 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Mergentheim im Rahmen der baden-württembergischen Kreisreform aufgelöst. Seine Gemeinden wurden dem neu gebildeten Tauberkreis zugeordnet, der damit Rechtsnachfolger der Landkreise Mergentheim und Tauberbischofsheim wurde. Am 1. Januar 1974 erhielt der neue Landkreis seinen heutigen Namen Main-Tauber-Kreis.
Einwohnerentwicklung Alle Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse. Jahr Einwohner 17. Mai 1939 31.165 13. September 1950 41.819 Jahr Einwohner 6. Juni 1961 40.349 27. Mai 1970 42.888
Politik Landrat Die Landräte des Landkreises Mergentheim von 1934 bis 1972:
1934–1945: Fritz Wanner 1945: Eugen Kleih (kommissarisch) 1945–1946: Josef Brönner (CDU) 1947–1952: Eugen Kleih 1952–1958: Walter Cantner 1958–1972: Kurt Nagel
Die Oberamtmänner des ehemaligen Oberamts sind unter Oberamt Mergentheim dargestellt.
Wappen Das Wappen des Landkreises Mergentheim zeigte in Silber ein durchgehendes schwarzes Kreuz, in der Mitte belegt mit einem silbernen Schild, darin übereinander zwei herschauende, rot gezungte, schwarze Löwen. Das Wappen wurde dem Landkreis Mergentheim am 20. Juni 1955 vom Innenministerium Baden-Württemberg verliehen.
Das Kreuz steht für den Deutschen Orden, die Löwen entstammen dem Wappen der Herren von Hohenlohe. Die Farben Schwarz und Weiß deuteten auch auf das Markgraftum Brandenburg-Ansbach hin.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Durch das Kreisgebiet führte keine Bundesautobahn (die A 81 gab es damals in diesem Abschnitt noch nicht). Daher wurde er nur durch die Bundesstraßen 19 und 290 sowie mehrere Landes- und Kreisstraßen erschlossen.
Gemeinden Zum Landkreis Mergentheim gehörten ab 1938 zunächst 51 Gemeinden, davon 4 Städte.
Am 7. März 1968 stellte der Landtag von Baden-Württemberg die Weichen für eine Gemeindereform. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden war es möglich, dass sich kleinere Gemeinden freiwillig zu größeren Gemeinden vereinigen konnten. Den Anfang im Landkreis Mergentheim machten am 1. Januar 1972 gleich mehrere Gemeinden, die sich mit ihren größeren Nachbargemeinden vereinigten, darunter Althausen, Apfelbach, Löffelstelzen, Markelsheim und Neunkirchen mit der Stadt Bad Mergentheim. In der Folgezeit reduzierte sich die Zahl der Gemeinden stetig, bis der Landkreis Mergentheim schließlich am 1. Januar 1973 im Main-Tauber-Kreis (zunächst noch mit der Bezeichnung Tauberkreis) aufging.
Größte Gemeinde des Landkreises war die Kreisstadt Bad Mergentheim, kleinste Gemeinde war Simmringen.
In der Tabelle stehen die Gemeinden des Landkreises Mergentheim vor der Gemeindereform. Heute gehören sie alle zum Main-Tauber-Kreis. Die Einwohnerangaben beziehen sich auf die Volkszählungsergebnisse in den Jahren 1961 und 1970. frühere Gemeinde heutige Gemeinde Einwohneram 6. Juni 1961 Einwohneram 27. Mai 1970 Adolzhausen Niederstetten 286 254 Althausen Bad Mergentheim 552 514 Apfelbach Bad Mergentheim 376 344 Archshofen Creglingen 443 428 Bad Mergentheim, Stadt Bad Mergentheim 11.608 12.616 Bernsfelden Igersheim 303 298 Blumweiler Creglingen 464 429 Craintal Creglingen 148 131 Creglingen, Stadt Creglingen 1.801 1.815 Deubach Lauda-Königshofen 185 178 Edelfingen Bad Mergentheim 1.122 1.230 Elpersheim Weikersheim 819 836 Finsterlohr Creglingen 376 367 Frauental Creglingen 225 230 Freudenbach Creglingen 468 457 Haagen Weikersheim 103 95 Hachtel Bad Mergentheim 320 307 Harthausen Igersheim 480 496 Herbsthausen Bad Mergentheim 219 208 Herrenzimmern Niederstetten 191 165 Honsbronn Weikersheim 203 173 Igersheim Igersheim 1.986 2.752 Laudenbach Weikersheim 1.249 1.195 Löffelstelzen Bad Mergentheim 560 658 Markelsheim Bad Mergentheim 1.493 1.601 Münster Creglingen 366 337 Nassau Weikersheim 448 400 Neubronn Weikersheim 352 352 Neunkirchen Bad Mergentheim 520 474 Neuses Igersheim 258 226 Niederrimbach Creglingen 261 248 Niederstetten, Stadt Niederstetten 1.975 2.506 Oberrimbach Creglingen 311 310 Oberstetten Niederstetten 493 502 Pfitzingen Niederstetten 210 177 Queckbronn Weikersheim 151 143 Reinsbronn Creglingen 520 491 Rengershausen Bad Mergentheim 404 430 Rinderfeld Niederstetten 383 341 Rot Bad Mergentheim 358 341 Rüsselhausen Niederstetten 174 147 Schäftersheim Weikersheim 659 685 Schmerbach Creglingen 227 208 Simmringen Igersheim 108 86 Stuppach Bad Mergentheim 561 603 Vorbachzimmern Niederstetten 500 471 Wachbach Bad Mergentheim 936 1.084 Waldmannshofen Creglingen 450 412 Weikersheim, Stadt Weikersheim 2.969 3.430 Wermutshausen Niederstetten 295 257 Wildentierbach Niederstetten 480 450
Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen MGH zugewiesen. Seit dem 7. Januar 2014 ist es im Main-Tauber-Kreis erhältlich (Kennzeichenliberalisierung).
Literatur Landkreis Mergentheim. (= Die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs in Wort und Zahl; Heft 8). Hrsg. vom Innenministerium und Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, Bearbeitung und Druck Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 1964. Hartwig Behr, Zur Geschichte des Nationalsozialismus im Altkreis Mergentheim. Günther Emigs Literatur-Betrieb, Niederstetten 2019. ISBN 978-3-948371-71-5
Weblinks
Einzelnachweise
Mergentheim Kategorie:Politik (Main-Tauber-Kreis) Mergentheim Kategorie:Aufgelöst 1973