mini|Kipsigis leben hauptsächlich im Kericho County in Kenya mini|hochkant|Paul Kipsiele Koech bei den Bislett Games, 2011 mini|hochkant|Gladys Chepkirui Ngetich bei den Rare Rising Stars Awards 2018. Diese Ingenieurin mit Kipsigis-Herkunft promovierte an der Universität Oxford in Luft- und Raumfahrttechnik. Die Kipsigis (auch Kipsigi, von den Maasai auch Lumbwa oder WalumbwaIddy R. Magoti: The Kipsigis Identity and History in the Trans-Mara District in Kenya, 1940s – 2013. In: The African Review. Band 46, Nr. 1, Juni 2019, S. 111–133, hier S. 118. genannt)Michael M. Donovan: Kipsigis. Eintrag auf encyclopedia.com. Abgerufen am 26. Januar 2023. sind eine Niloten-Gruppe, die in Kenia lebt. Traditionell betrieben sie Viehzucht, sind aber heute für den Anbau von Tee bekannt.Kipsigis people and their Culture in Kenya, auf govisitkenya.com Sie sind die bevölkerungsreichste und die am südlichsten lebende Untergruppe der Kalenjin, was seit der Mitte des 20. Jahrhunderts eine Sammelbezeichnung für eine Reihe von nilotischsprachige Gruppen im westlichen Kenia ist. Sie sprechen Kipsigis, einen Kalenjin-Dialekt. Die Kipsigis bewohnen einen Teil des Hochlands im Südwesten Kenias im Kericho County, das bis ins Jahr 2010 als Kericho District bezeichnet wurde.
Siedlungsraum Dieses Hochland besteht aus steilen Bergrücken, die von zahlreichen Flüssen und Bächen durchzogen sind und allmählich in sanfte Hügel und Grasland übergehen. Die Höhenlage erreicht im östlichen Teil fast 2100 Meter und im übrigen Gebiet etwa 1450 Meter. Die meisten Niederschläge fallen während der zwei Regenzeiten. Die überwiegende Mehrheit der Kipsigis lebt im Kericho County, einem Gebiet von 4.909 Quadratkilometern. Nur wenige Kipsigis entscheiden sich für ein Leben in den Marktstädten und Verwaltungszentren des Distrikts. Junge Männer und immer häufiger auch junge Frauen verlassen jedoch den Distrikt, um Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten in anderen Teilen Kenias zu nutzen.Kipsigis. Abgerufen am 26. Januar 2023
Im im Kericho County wohnt die Mehrheit der Kipsigis in der Provinz Rift Valley, jedoch bewohnen Kipsigis auch Teile des Laikipia County, des Narok County und von Nandi-Hills sowie die Städte Kitale, Nakuru und Eldoret.Iddy R. Magoti: The Kipsigis Identity and History in the Trans-Mara District in Kenya, 1940s – 2013. In: The African Review. Band 46, Nr. 1, Juni 2019, S. 111–133, hier S. 117.
Sprache Kipsigis ist eine tonale Sprache. Sie gehört zum ostsudanesischen Zweig der nilo-saharischen Sprachfamilie. Die Sprache der Nandi ist am ehesten sprachlich verwandt. Nach Angaben von Ethnologen gab es 2007 etwa 471.000 Kipsigis-Sprecher, wobei die Zahl der Sprecher steigt. Die meisten von ihnen leben in der Provinz Rift Valley in Kenia.
Demografie Die jüngsten kenianischen Volkszählungsdaten weisen die Kipsigis nicht als separate Bevölkerungsgruppe aus. Daher ist eine genaue Bevölkerungszahl für die Kipsigis nicht verfügbar. Geschätzt wird eine Bevölkerung von nicht weniger als 600.000, was mindestens eine Verdreifachung seit 1962 bedeutet. Die Bevölkerungsdichte auf dem Lande liegt zwischen 80 und 150 Einwohnern pro Quadratkilometer.Kipsigis. Abgerufen am 26. Januar 2023.
Im Jahr 1937 wurde die Bevölkerung der Kipsigis in Kenia auf schätzungsweise 80.000 Kipsigis geschätzt, während ihre Anzahl bis 1979 auf etwa 300.000 angestiegen war. Im Jahr 1985 lebten allein im Kericho County etwa 815.000 Kipsigis und in den 1990er-Jahren machten die Kipsigis 85 % der Gesamtbevölkerung des Kericho-County aus.
Ursprungsmythos und Migration in das Gebiet des heutigen Siedlungsraums Historiker und Linguisten sind sich einig, dass die Flachland- und Hochland-Niloten kurz vor Beginn der christlichen Ära aus einer Region nahe der südlichen Grenze Äthiopiens und des Sudans eingewandert sind und sich kurz danach in getrennte Gemeinschaften aufgespalten haben.Nandi and Other Kalenjin Peoples - History and Cultural Relations, auf everyculture.com Nach dem Ursprungsmythos der Kalenjin waren die Nandi ursprünglich Teil der Kipsigis und lebten in Rongai in der Nähe von Nakuru. Aufgrund von Dürre und der Invasion der Maassai in das Gebiet wanderten sie aus. Während der Migration teilte sich die Gruppe in zwei Gruppen; die Kipsigis zogen nach Süden in Richtung Kericho, während die Nandi sich in Aldai niederließen und heute als Bauern und Viehzüchter im Nandi County leben. Die Kipsigis tradieren in ähnlicher Weise, dass sowohl sie als auch die Nandi von einem Ort namens „To“ stammen, den einige von ihnen in der Nähe des Baringo-Sees lokalisieren. Im Zuge ihrer Wanderung nach Süden, irgendwann zwischen dem siebzehnten und frühen neunzehnten Jahrhundert, trennten sich die Kipsigis und die Nandi. Heute sind die Nandi deren unmittelbaren Nachbarn im Norden.
Spannungsreiche Beziehungen zu den Luo, Kissi und Maasai Als die Kipsigis weiter nach Süden vordrangen, verdrängten sie die Luo, Kisii und Maasai, deren Nachkommen heute ihre Nachbarn im Westen und Süden sind. Die Kipsigis nannten diese Völker einst puniik, was „Feinde“ oder „Fremde“ bedeutet, obwohl die Beziehungen zu diesen Völkern nie völlig feindlich waren. Die Beziehungen zu den Maasai waren oft durch einen erbitterten Wettbewerb um Weideland gekennzeichnet und sind auch heute noch von Spannungen geprägt. Trotz gegenseitiger Viehdiebstähle heirateten Kipsigis und Massai aber auch untereinander und adoptierten gelegentlich die Kinder des jeweils anderen. Die ethnischen Abgrenzungen zwischen den Kipsigis und ihren Nachbarn vor der Einführung der Kolonialverwaltung scheinen durchlässig und fließend gewesen zu sein.
Geschichte Vor der britischen Kolonisierung Als Reaktion auf die Maasai-Expansion übernahmen die Kipsigis wie auch die Nandi von den Maasai einige der Merkmale, die sie danach von den anderen Kalenjin unterscheiden. Zum einen ist das die weitreichende wirtschaftliche Abhängigkeit von der Viehzucht, zum zweiten die Art der militärischen Organisation, die aggressive Viehdiebstähle miteinschließt sowie zum dritten eine zentralisierte religiös-politische Führung. Der oberste spirituelle und politische Führer der Kipsigis wurde wie auch bei den Nandi als Orkoiyot bezeichnet.Koitalel Arap Samoei: The Story of the Greatest Nandi Orkoiyot, auf artsandculture.google.com Er war ein spiritueller Anführer, und dieser wurde auch bei Entscheidungen über die Sicherheit, insbesondere bei der Kriegsführung, zu Rate gezogen.Kimnyole Arap Turukat: The Story of the Nandi Legend, auf artsandculture.google.com Die Familie, die sowohl bei den Nandi als auch bei den Kipsigis das Amt des Orkoiyot (andere Schreibweise: OrkoyotFredrick Kipkosget Mutai: Ethnicity and Political Participation in Kenya: A Case Study of the Nandi 1962 -2012, University of Nairobi 2013, S. 7, Plural: Orkoiik, andere Schreibweise: OrkoigikFredrick Kipkosget Mutai: Ethnicity and Political Participation in Kenya: A Case Study of the Nandi 1962 -2012, University of Nairobi 2013, S. 57) etablierte, waren Maasai-Einwanderer des 19. Jahrhunderts.
Um 1800 expandierten sowohl die Nandi als auch die Kipsigis auf Kosten der Maasai. Dieser Prozess wurde 1905 durch die Auferlegung der britischen Kolonialherrschaft gestoppt.
Vor der britischen Kolonisierung waren die Kipsigis sesshafte Viehzüchter, die manchmal auch Landwirtschaft betrieben. Ihre Siedlungen waren mehr oder weniger gleichmäßig verteilt und nicht in Dörfern gruppiert. Wie andere nilotische Völker waren auch sie bekannte Krieger.
Sie lebten im Hügelland nordöstlich des Victoriasees. Sie lebten auf Gehöften verteilt, deren Männer sich bezirksweise zusammenschlossen, z. B. um Raubzüge gegen die Viehbestände ihrer Nachbarn durchzuführen. Die Kipsigis und die Nandi überfielen andere Kalenjin sowie die Maasai, Gusii, Luyia und Luo.
Kolonialzeit, das Sotik-Massaker und Vertreibungen Aufgrund ihrer Vorliebe für Rinder überfielen die Kipsigis häufig alle benachbarten Gemeinschaften, mit Ausnahme der Nandi, um Rinder zu erbeuten. Dies führte zu wiederholten Konflikten und Kriegen mit ihren Nachbarn. Überfälle und Gegenüberfälle zwischen den Kipsigis und ihren Nachbarn waren somit zu Beginn der Kolonialherrschaft an der Tagesordnung. Nach der Ankunft der Briten zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts schlossen sich die Kipsigis mit den Nandi zusammen, um gegen den Bau der Kenia-Uganda-Eisenbahn und dessen Folgen zu kämpfen. Diese Bahn verbindet Mombasa mit Kasese und führt durch das Gebiet, in dem die Nandi und die Kipsigis damals ansässig waren. Nach der Ermordung des Nandi-Orkoiyot Koitalel Arap Samoei (Jahrgang 1860) und dessen Beratergruppe durch Richard Meinertzhagen im Jahr 1905 bei einer Waffenstillstandsverhandlung war der Widerstand der Nandi und der Kipsigis gebrochen. Die Briten terrorisierten nach der Ermordung dieses wichtigsten spirituellen und militärischen Führers der Nandi, dessen Kopf und Finger sie nach England geschickt hatten, die Kipsigis und Nandi weiterhin. Sie vertrieben sie von ihrem Land und schickten sie in Gebiete, die für menschliche Besiedlung ungeeignet waren.businessdailyafrica.com Beim Sotik-Massaker (der frühere Distrikt Sotik liegt im heutigen Bomet County) töteten britische Soldaten der Kolonialregierung unter der Leitung von Major Richard Pope-Hennessey 1.800 Männer, Frauen und Kinder der Kipsigis-Gemeinschaft, weil sich Mitglieder der Kipsigis-Gemeinschaft geweigert hatten, Rinder zu übergeben, die angeblich von den im heutigen Narok County ansässigen Maasai gestohlen worden waren.nation.africa British MP: Teach Sotik massacre in UK schools Die britische Kolonialherrschaft veränderte die Gesellschaft der Kipsigis radikal. Weiße Siedler übernahmen fast die Hälfte des Landes der Kipsigis.
Die britische Politikerin und Parlamentsangehörige Claudia Webbe (Jahrgang 1965) bezeichnete das Sotik-Massaker als eine der schmutzigsten Geschichten des Britischen Weltreichs. Sie verwies auf die erfolgreiche Beschwerde der Regierung des Kericho County im Jahr 2018 beim Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen in Genf, in der behauptet wurde, dass damals etwa 90.000 Hektar Land an weiße Siedler vergeben wurden. Dabei wurden Berichten zufolge rund 115.000 Menschen gewaltsam von ihrem angestammten Land nach Gwassi im heutigen Suba Distrikt vertrieben, wo Tausende von Menschen aufgrund der rauen Umwelt, Krankheiten und Unterernährung starben. „Es hat nie irgendeine Form der Entschuldigung gegeben, und es wurde nie eine Wiedergutmachung für diesen historischen Genozid angeboten. Es gibt eine kollektive britische Amnesie für diese Gräueltat“, so Webbe. Douglas Kiereni schrieb 2022 in Business Daily Africa: „Das Sotik-Massaker und die Ermordung von Koitalel standen in direktem Zusammenhang mit der Ausweisung von Sotik für die europäische Besiedlung und dem kolonialen System der Zwangsarbeit, der Strafsteuern für Afrikaner sowie der wirtschaftlichen und rassischen Segregation. Es ist unaufrichtig zu behaupten, dass es sich um eine Pufferzone handelte, um die sich bekriegenden afrikanischen Stämme auseinander zu halten.“
Auch nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zweiten Weltkrieg erfolgten Enteignungen, von denen hauptsächlich Kipsigis und Nandi betroffen waren.
1950er- und 1960er-Jahre In den 1950er-Jahren, insbesondere im Jahr 1954, führte die britische Kolonialregierung in Kenia eine Operation namens "Ball and Chain" durch, bei der Kipsigis, die Kikuyu, Kisii, Embu und Meru zwangsumgesiedelt wurden.Iddy R. Magoti: The Kipsigis Identity and History in the Trans-Mara District in Kenya, 1940s – 2013. In: The African Review. Band 46, Nr. 1, Juni 2019, S. 111–133, hier S. 123.