Das Bozdağlar-Massiv (in der Antike: Tmolos; türkisch: Bozdağlar = Graue Berge) ist ein bis zu 38 km breiter und über 130 km West-Ost verlaufender langgestreckter Gebirgszug im Binnenland der mittleren türkischen Ägäis-Region östlich von İzmir zwischen Gediz-Graben im Norden und Küçük-Menderes-Graben im Süden. Das Gebirge ist ein Teil des westanatolischen Menderes-Massivs.
Geologisch-geomorphologische Aspekte Das Bozdağlar-Massiv links|mini|400x400px|Die Karte zeigt die geologisch-topographische Situation des Bozdağlar-Massivs (Provinzen İzmir/Manisa, Türkei).
Die Bozdağlar östlich von İzmir sind ein Gebirgsmassiv, das zusammen mit den südlich gelegenen Aydın Dağları den zentralen Teil des paläozoisch-präkambrischen Menderes-Massivs bildet. Das Bozdağlar-Massiv erstreckt sich als dessen nördliche Partie etwa in West-Ost-Richtung in einer durchschnittlichen Höhe von 1200 bis 1300 m. Dieses Gebirge ist westlich des Mahmut Dağı (1382 m) durch den Karabel-Neogengraben vom mesozoischen Kemalpaşa Dağı (Nif Dağı 1506 m) getrennt, der sich in Bezug auf Alter und Struktur von den Bozdağlar zwar unterscheidet, in Bezug auf morpho-tektonische Entwicklung und Merkmale jedoch als zur naturräumlichen Region der Bozdağlar gehörig gesehen werden kann, denn es bestehen in diesem Gebiet enge Beziehungen zwischen Strukturtektonik und Geomorphologie: Das Bozdağlar-Massiv und der Kemalpaşa Dağı als seine westliche Verlängerung wurden, ebenso wie der etwas weiter nördlich gelegene Manisa Dağı (Karadağ 1247 m), durch Störungssysteme junger Tektonik fragmentiert. Dabei wurden die Einzugsgebiete des Alaşehir Çayı im Nordosten und Osten und des unteren Gediz Nehri im Norden und Nordwesten – als die wichtigsten morphologischen Einheiten der Region – sowie die Tiefebenen (Ova) von Alaşehir (Alaşehir Ovası), Bornova (Bornova Ovası) und Seydiköy (Cumaovası) im Südwesten sowie das Einzugsgebiet des Küçük Menderes im Süden gebildet.
links|mini|Blick von den Höhen des Bozdağlar-Massivs bei Birgi in die Senke des Küçük Menderes-Grabens. Im Hintergrund die Aydın Dağları. mini|Blick über die fruchtbare Alaşehir Ovası im Gediz-Graben auf die Höhen des 1895 m hohen Gözlübaba Dağı im Bozdağlar-Massiv. Der Grenzverlauf des Bozdağlar-Massivs wurde im Osten zwischen dem Quellbecken des Küçük Menderes Nehri und dem Osten der Alaşehir Ovası gezogen und folgt im Norden dem Alaşehir Çayı sowie dem Lauf des unteren Gediz, erreicht die Senke des Izmir-Golfs über die Gipfellinien des Manisa Dağı und der Yamanlar Dağları im Nordwesten. Im Süden bildet diese Grenze das Flussbett des Küçük Menderes etwa von Kiraz aus westwärts, wo der Çevlik Çayı in den Küçük Menderes mündet und einen Teil der Cumaovası einschließt, und verbindet sich mit der Bucht von İzmir über die weniger hohen neogenen Hügel im Westen, wobei manche Wissenschaftler den Manisa Dağı und die nördlichen, südlichen und westlichen Grabensenken gegen das Bozdağlar-Massiv abgrenzen.
Das Fundament der Bozdağlar bilden metamorphe Gesteins-Serien, die als Teile des Menderes-Massivs im Norden von der unteren Gediz-Senke sowie der Alaşehir Ovası und im Süden vom Tal des Küçük Menderes getrennt werden. Dabei besteht das Massiv einerseits aus paläozoischen Schieferserien des unteren Paläozoikums (Glimmerschiefer, Quarzitschiefer (geschieferter Quarzit), Phyllit und Marmor) sowie andererseits aus komplexen präkambrischen Gneisserien. Der Bozdağ (Gipfel, nicht zu verwechseln mit dem Bozdağ bei Denizli), der dem Massiv seinen Namen gibt und im mittleren Teil des Gebirges zwischen Salihli und Birgi den höchsten Gipfel bildet, erhebt sich auf 2159 m. Es besteht hauptsächlich aus Gneisen. Seine Nordhänge fallen mit starken Neigungen zu den Tälern der Bäche Beyçayırı Çayı, Millik Çay und Andız Çayı ab. Seine Südhänge hingegen erreichen die Einzugsgebiete der Bäche Birgi Çayı und Gümüşlü Çay mit geringerer Neigung als im Norden. An den Rändern der Nordhänge des Bozdağlar-Massivs, die in die Gediz-Ebene abfallen und durch parallel verlaufende Bäche streifenartig stark zergliedert sind, liegen sogenannte „Tmolos-Schutt“-Sedimentansammlungen (s. u.), deren Breite von Ort zu Ort variiert und deren Mächtigkeit Hunderte von Metern erreicht. Dabei sind die Gneise, die den Kern der Hauptmasse bilden, von Schiefern umgeben, deren Metamorphosegrade allmählich zum Rand hin abnehmen. Die Grenze zwischen Gneisen und Schiefern ist stellenweise sehr deutlich und schneidet die Bozdağlar-Masse etwa in Nordost-Südwest-Richtung und entspricht nach Ansicht einiger Forscher einer Überschiebungsfläche. Andere Wissenschaftler halten die Diskordanz zwischen dem Gneiskern des Massivs und der Schieferdecke für eine Dislokations-Diskordanz.
Nördlich der Dörfer Yağmurlar, Çelikli, Karaağaç, Elmabağ, Gölcük, Kızıloba und nördlich von Bayındır am Nordrand der Bozdağlar ist die Gneismasse aufgeschlossen und besteht hier aus Gesteinsverbänden wie Orthogneis, muscovit- und biotitreichem Glimmergneis und Biotit-Paragneis. Die südsüdöstlich des Bozdağlar-Hauptmassivs gelegenen Gneise weisen eine Neigung von 35–50° nach Süden auf. In diesen Gebieten, insbesondere im Osten des Kreises Kiraz, stehen Gneise an, die großflächig mit Marmor bedeckt sind. Die Schieferserien bilden dagegen den nördlichen und westlichen Teil der Bozdağlar. Im Süden der Alaşehir Ovası bestehen sie weitgehend aus Biotit-Glimmerschiefern und sehr dünnblättrigen Phylliten, zwischen Salihli und Turgutlu eher aus Grauwacke und Quarzit-Schiefer-Komplexen. Darüber liegen in Senken mancherorts als dünne Schichten meistens in Form von Restinseln unterschiedlicher Breite kristallisierte (metamorphisierte) Kalksteine. Das gilt vor allem im Süden, wo das in seinen Hauptlinien von neogenen und quartären Verwerfungen und Senken geprägte Bozdağlar-Massiv aufgrund tektonischer Prozesse zum einen mehrere höhere Partien zeigt, zum anderen durch Biotit-Glimmerschiefer-Kuppen in Senken unterteilt ist, die von Sedimenten unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Qualität gefüllt sind. Neben Erhebungen von über 2000 Metern gibt es dort deshalb tiefe plateauartige Einschnitte in den Hochlandbereichen, wie Gündalan Yaylası, Büyük und Küçük Çavdar Yaylası, Çamyayla, Gölcük Yaylası und Subatan Yaylası, die sich, zumeist in Form einer Hochebene, vom südlichen Rand des Bozdağlar-Massivs nach Norden neigen und einer weitgehend türkischen Bevölkerung vor allem als Sommerfrische dienen. Diese Ebenen sind von höheren Berglandbereichen umgeben, die sich in die gleiche Richtung erstrecken. Ihre Höhen erreichen 2159 m auf dem Bozdağ Tepesi und, von Ost nach West, 1839 m auf dem Hacıalikarlığı Tepe, 2070 m auf dem Kumpınarı Tepe, 2133 m auf dem Çatalsivrisi Tepe, 1372 m auf dem Keldağı, 1300 m auf dem Çatma Dağ, 1407 m auf dem Çaldağı und 1387 m auf dem Mahmut Dağı. Diese Marmore und kristallisierten Kalksteine aus dem Paläozoikum, die über den Gneisen und Schiefern des Massivs liegen, sind Karbonate, in denen sich einige auffällige Karstformen, wie Dolinen und Höhlen, gebildet haben. Sie stehen u. a. auf den Nord-Süd ausgerichteten muldenförmigen Plateauvertiefungen der Yaylas von Subatan und Ayvacık im nördlichen Teil der Bozdağlar bei Ödemiş an. Es sind Senken mit Sub-Depressionscharakter (Untertiefung) in Nord-Süd-Richtung, die sich parallel zueinander erstrecken. Etwa in der Mitte dieser weitgehend geschlossenen Senken auf 950 m Höhe sammeln Dolinen das anfallende Wasser und speisen damit auf 300 m Höhe Quellen im Tal des Rahmanlar Çayı, von wo es weiter zur Küçük-Menderes-Ebene im Süden abfließt. Dieser Höhenunterschied weist auf die Existenz eines großen unterirdischen Karst-Kluftsystems hin. Entsprechende lokale Untersuchungen dazu erfolgten u. a. in einem dieser Karstgebiete rund um die Großdoline Ayvacık Düdeni bei Ayvacık, einem Ponor mit angeschlossener vertikaler Höhle zwischen den Subatan- und Ayvacık-Yaylas etwa 10 km im Norden von Ödemiş, wo Gneise die Grundgesteine bilden. Die Kalksteine der Region und die metamorphen Schiefer, die dort den Grundwasserhorizont bilden, liegen als Decke über den Gneisen. Die Kalksteine wurden durch mehrmals auftretende Metamorphosphasen des Menderes-Massivs teils metamorphisiert (Marmor) und teils in kristalline Kalke umgewandelt (rekristallisiert). Die Verkarstung erfolgte im Miozän. Vor allem im Winter dringen Schnee und Hochwasser in die Doline ein. Die Abmessungen des senkrechten Dolinen-Eingangs betragen 2 × 2 m. Der Dolinen-Schacht wird in 120 m Tiefe horizontal, hat eine Länge von 1822 m und endet mit einem Siphon von 228 m Tiefe.
Da das Bozdağlar-Massiv mehrere Metamorphose-Perioden durchlaufen hat, wurden in den Gneisen und Schiefern auch aufgrund von Rekristallisation keine Spuren von Organismen zur Altersbestimmung gefunden. Entsprechende radiometrische Messungen von Augengneisen gaben ein Alter von 490 ± 90 Millionen Jahren an, was auf das Ordovizium, also frühestes Paläozoikum bzw. Präkambrium hindeutet. Die Bildung dieser Gesteine fällt also mit der kaledonischen Orogenese zusammen, der ersten bislang bekannten Metamorphose-Phase. Allerdings gibt Erol İzdar das absolute Alter dieser Metamorphose mit 288 ± 60 Millionen Jahren an und verweist damit in die herzynische Orogenese. Diese zweite Phase der Metamorphose fand unter hohem Druck und mäßiger Temperatur statt und betraf die Schieferreihen und Marmore des Massivs. Ihr Alter wird als post-liassisch angegeben. Die folgenden orogenetischen Prozesse setzten sich ab dem Kimmerium (frühes Pliozän) mit den alpinen Phasen fort. Ihre Wirkungen waren im mittleren bis oberen Miozän bis Quartär Ost-West-Hebungen und -Senkungen, führten jedoch nicht zu einer weiteren Metamorphose.
Tmolos-Schutt