mini|Wappen der Freiherren von Treuberg (Erbach-Fürstenauer Abkunft) Treuberg ist der Name einer Familie mit mehreren Zweigen, die im ausgehenden 18. Jahrhundert aus der nicht standesgemäßen Verbindung und morganatischen Ehe des regierenden Grafen Ludwig II. Friedrich Karl Eginhard zu Erbach-Fürstenau, Herr zu Breuberg, mit der bürgerlichen Christine Sophie Küchler entstanden ist. Aus der Verbindung des Paares gingen sieben Kinder hervor. Zwei Söhne wurden als erfolgreiche Offiziere 1824 in den erblichen bayerischen Freiherrenstand erhoben, ein dritter führte ohne formal erfolgte Nobilitierung in Österreich unbeanstandet den Freiherrentitel. Ein Teil der Kinder aus dieser morganatischen Verbindung blieb – wie von Stammvater Ludwig II. vorgesehenLudwig bestimmte in 7. Abschnitt seines Testaments, „daß meine mit der Sophia Treuberg erzeugte Kinder eine dem bürgerlichen Stande angemeßene gute honette und nützliche Erziehung bekommen sollen […]“ (Dingeldein 2020, S. 47.) – adelsrechtlich bürgerlichen Standes.

Es bestehen keine genealogischen Zusammenhänge mit den älteren briefadeligen und wappenverschiedenen Familien Bassevi von Treu(en)berg (1622), Stainhauser von Treuberg (1777) und Fischler von Treuberg (1807).

Entstehung der Familie Nachdem sich der gemeinsam mit seinem Bruder Georg Albrecht III. (1731–1778) die Teilgrafschaft Erbach-Fürstenau regierende Graf Ludwig II. zu Erbach-Fürstenau (* 12. Mai 1728 auf Schloss Fürstenau; † 16. Januar 1794 in Heidelberg) von seiner bisherigen Mätresse, der Beschließerin Dorothea Christina Gölz (1738–1814) – mit Muttersname auch als Dorothea Christina Schwinn überliefert –, durch deren Verheiratung am 2. März 1769 mit dem gräflichen Rentmeister und Forstinspektor Johann Ernst Valentin Klump (1736–1814) getrennt hatte, wobei diese mit ihrem Ehemann sowie den aus der Verbindung mit dem Grafen entsprossenen Kindern, die in Anspielung auf den im Jagdschloss Krähberg residierenden Vater im Taufeintrag den Zunamen „Jäger“ erhalten hatten, vertraglich mit einem Hofgut und dem repräsentativen Jagdhaus Steingrund bei Gammelsbach reichlich versorgt wurden,Nach Dingeldein 2020, S. 26 f. Neben der Tochter Friederike (* 1763) und dem Sohn Ernst (1765–1836) wurde auch die erst nach dem Eheschluss von der Dorothea Christina Gölz geborene Grafentochter Wilhelmina (* 7. Dezember 1768 auf Jagdschloss Krähberg; † 29. Dezember 1812 in Beerfelden) im Vertrag bedacht und vom Rentmeister Klump als Pflegetochter angenommen. ging er eine neuerliche nicht standesgemäße Verbindung ein.

mini|Graf Ludwig II. zu Erbach-Fürstenau, Herr zu Breuberg, Stammvater der Familie Treuberg Neue Partnerin wurde die Christina Sophie Küchler (* 6. Oktober 1754 in Michelstadt; † wohl 1822 oder 1824 in Wien), ebenfalls Beschließerin auf Jagdschloss Krähberg. Sie war die Tochter des Müllers, gräflichen Husars und Bediensteten Johann Friedrich Küchler (* 2. Februar 1782 in Schöllenbach; † 2. Januar 1764 in Airlenbach). Er hatte als Witwer am 5. August 1752 in Höchst im Odenwald in der Herrschaft Breuberg mit Anna Margarethe (* err. 1729; † 11. August 1793), Tochter des Landgerichtsschöffen und Posthalters Heinrich Lutz (1694‒1767) aus dem damals kurpfälzischen Lengfeld am Nordrand des Odenwaldes und reformierten Bekenntnisses, eine neue Ehe geschlossen.Es handelt sich bei dem Kirchenbucheintrag in Höchst um den einzigen überlieferten Hinweis auf die Herkunft der zweiten Ehefrau Johann Friedrich Küchlers, in allen anderen die Familie betreffenden Kirchenbucheinträgen wird nur ihr Ehemann als Bezugsperson genannt und ein Hinweis auf ihre Herkunft vermieden. Die Kirchenbücher Lengfelds sind im Staatsarchiv Darmstadt bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg verbrannt.

Nachdem dem Ehepaar im Jahr 1753 in Höchst eine Tochter geboren worden war, die bereits nach zwölf Tagen verstorben ist, erfolgte 1754 die Geburt der hier interessierenden Tochter Christina Sophie, nunmehr eingetragen im Kirchenbuch von Michelstadt. Die Taufe wurde in der Kapelle im Schloss Fürstenau vollzogen, Taufpatin war Anna Christina Sophia Luck, Ehefrau des Beerfeldener Stadtpfarrers, dessen Bruder Johann Philipp Theodor eine außereheliche Tochter des Grafen Philipp Carl zu Erbach-Fürstenau (1677–1736) namens Catharina Wilhelmina geheiratet hatte. Es bestand also eine enge Beziehung zum Grafenhaus. Wie diese entstanden ist und worin sich die erstaunliche berufliche Karriere des Johann Friedrich Küchler in diesem Zusammenhang begründet, bedarf noch der Aufhellung.Aus einer Familie von Handarbeitern und Handwerkern stammend, war Küchler als Sohn eines gräflichen Jägers zunächst einfacher Gemeinsmann, dann nach erstem Eheschluss mit Anna Elisabeth geb. Trumpfheller (1749–1751) Bestandsmüller in der Heinstermühle bei Würzberg, hierauf beim zweiten Eheschluss Bestandsmüller einer großen Mühle in Höchst im Odenwald, bei der Taufe seiner zweiten Tochter Christina Sophie Husar bei „seiner hochgräflichen Gnaden“ in Fürstenau, bei der Geburt der nächsten Kinder in Michelstadt und Beerfelden „Bedienter bey Herrn Grafen Louis“ und „Rüdeknecht“ (Jäger und Herr über die Jagdhundezucht), jetzt sogar als „H[err]“ tituliert, schließlich in Sterbeeintrag „Forstbereiter“, also hoher Forstbeamter; vgl. Dingeldein 2020, S. 52 f., Kumpf 2020, S. 60. ‒ Nach dem Tod Küchlers 1764 heiratete seine Witwe im Jahr 1774 den Schuhmacher und Schulmeister Volk in Airlenbach (1740–1804).

Mitglieder der Familie

Aus der Verbindung des Grafen Ludwig II. mit der Christina Sophie Küchler gingen sieben Kinder hervor, die in den Taufmatrikeln der Kirchenbücher alle zunächst mit dem Zunamen „Fidelis“ eingetragen wurden:

mini|rechts|Friedrich Freiherr von Treuberg, Generalleutnant, der erste Sohn Ludwigs II. und der Madame Sophie Treuberg, ca. 1825 Friedrich (* wohl am 28. Dezember 1773 in oder bei Höchst in der Herrschaft Breuberg, wo der mütterliche Großvater Mühlenbeständer war;Das verschiedentlich – z. B. in der Allgemeinen Deutschen Biographie 38 (1894), S. 581 – genannte (und auch sonst von ihm selbst so angegebene) Geburtsdatum „3. Januar 1775 zu Michelstadt“ findet im dortigen Kirchenbuch keine Bestätigung. Hingegen steht im Kirchenbuch des unweit von Höchst in der Herrschaft Breuberg gelegenen Dorfes Seckmauern zum 30. Dezember 1773 ein Taufeintrag, nachdem „in der Durchreise“ ein am 28. d. M. geborenes Knäblein die Heilige Taufe erhalten habe und dem der Name Friedrich gegeben wurde, mit dem Zusatz „der Zunahme heißet Fidelis“. Dieser Zuname wurde später (wie auch bei vier seiner nachfolgend vorgestellten fünf Geschwistern) gestrichen und durch „Treuberg“ ersetzt; vgl. Kumpf 2020, S. 61. Das „Knäblein“ ist somit mit größter Wahrscheinlichkeit der hier behandelte Friedrich. † 30. Dezember 1831 in Würzburg)

Friedrich Treuberg trat nach 1790 begonnenem Militärdienst und Verwundung in holländischen Diensten im Jahr 1796 als Oberleutnant in die Bayerische Armee ein und avancierte als erfolgreicher Stratege über die Jahre zum Generalmajor (1815) und zum Generalleutnant (1829). 1814 erhielt er den Russischen Orden des Heiligen Georg. Am 22. Juni 1814 wurde er zum Ritter des Bayerischen Militär-Max-Joseph-Ordens ernannt, mit dem der persönliche Adel und das Prädikat „Ritter von“ im Namen verbunden war; am 16. Juli 1814 wurde er auch mit dem preußischen Orden Pour le Mérite ausgezeichnet. Gemeinsam mit seinem damals noch bürgerlichen Bruder Eginhard (s. unten) wurde Friedrich Ritter von Treuberg am 15. Juni 1824 von König Maximilian I. Joseph in den erblichen Freiherrenstand des Königreichs Bayern erhoben.Gritzner 1889, S. 248.

Friedrich war zweimal verheiratet und hatte zwei Söhne: Aus der zwischen 1777 und 1807 bestehenden Ehe mit Maria Anna Battberger stammte der erste Sohn Ludwig Treuberg (* 5. Oktober 1803 in Bamberg; † 5. März 1868 in München), der 1824 mit der Standeserhebung seines Vaters den Freiherrentitel erhielt, der zweite aus der 1824 geschlossenen Ehe mit Johanna Barbara geb. Hassel, verwitwete Grill (* 23. Januar 1788 in Augsburg; † 14. April 1865 in Würzburg) war der jung verstorbene Carl Freiherr von Treuberg (* 16. November 1825 in Bamberg; † 18. September 1844 in Würzburg). Beide traten in den bayerischen Militärdienst ein und hatten keine Nachkommen. (Siehe auch den Hauptartikel Friedrich von Treuberg)

Christina Louise (* 1. September 1775 in Airlenbach;Im Haus ihrer Großmutter Anna Margarethe Volk; s. Dingeldein 2020, S. 38. † 12. November 1820 in Darmstadt)

Luise heiratete am 7. Januar 1792 auf dem Jagdschloss Krähberg den Sekretär am kurfürstlichen Ehegericht in Heidelberg Johann Valentin Müller (* 21. November 1767 in Heidelberg; † 28. November 1829 ebenda). Aus den Kirchenbüchern der Heiliggeistkirche in Heidelberg geht hervor, dass diese Ehe vor 1817 geschieden wurde und dass wohl eine gemeinsame Tochter Charlotte existierte.Müller ging als „Geschiedener“ am 16. Februar 1817 eine neuerliche Ehe ein. In seinem Sterbeeintrag ist eine hinterbliebene Tochter Charlotte (* 8. Februar 1802) erwähnt. – Christina Louise lebte zum Schluss im Haushalt ihrer Schwester Eleonora (s. unten) und des Hauptmanns K. F. T. von Amelang in Darmstadt, wo sie nach ihrer Schwester verstarb.

Johann Paul (* 14. April 1777 auf dem Krähberg; † 3. Mai 1777 in Airlenbach)

Er starb wenige Tage nach der Geburt im Haus seiner Großmutter mütterlicherseits Anna Margarethe in Airlenbach, die als Witwe den dortigen Schuhmacher und Schulmeister Johann Georg Volk geheiratet hatte. Da er vor der Heirat seiner Eltern 1784 verstarb, trug er im Gegensatz zu seinen Geschwistern nie den Zunamen „Treuberg“, sondern nur „Fidelis“.

Eleonora (* 7. November 1778 auf dem Krähberg; † 31. Dezember 1817 in Darmstadt) mini|rechts|Das Jagdschloss Krähberg 1780, Geburtsort von fünf der sieben Kinder der ersten Familiengeneration

Eleonora Treuberg heiratete am 17. April 1806 „in aller Stille“So im „Copulationseintrag“ des Kirchenbuchs in Erbach (Odenwald), der sich in kleiner und enger Schrift am oberen Rand des Blattes fast versteckt befindet. den zuerst hochgräflich-erbachischen, später großherzoglich-hessischen Hauptmann (Capitain) des Kreiskontingentes bzw. des Reserve-Bataillons Starkenburg Karl Friedrich Theodor von Amelang (getauft am 4. Dezember 1763 in Stuhm in Westpreußen;Sein Vater ist im Taufeintrag als „Gottlieb Amelang“ ohne Adelsprädikat verzeichnet. † 31. März 1834 in Erbach). Von den beiden Töchtern des Paares Aemilie Karoline Mathilde (* 18. März 1807 in Erbach; † 9. Juli 1843 ebenda) und die „Amedie“ genannte Mariane Henriette (* 23. März 1810 in Darmstadt; † 6. April 1891 in Amorbach) wurde die letztgenannte am 28. Oktober 1834 in Amorbach die zweite Ehefrau des verwitweten fürstlich-leiningischen Oberforstmeisters Franz Erich von Ploennies (* 24. August 1789 in Erbach; † 23. April 1867 in Amorbach).

Eginhard (* 6. Juli 1780 auf dem Krähberg; † 31. Dezember 1827 in Bamberg)

Wie sein älterer Bruder Friedrich trat Eginhard in den bayerischen Militärdienst ein, und wie dieser war er erfolgreich. Er erreichte den Rang eines Obersten. Infolge einer schweren Kopfverwundung, die er sich in den Befreiungskriegen 1813 bei Jüterbog zugezogen und als deren Folge „der Wahnsinn […] seinen Geist ergriffen hatte,“ starb er relativ jung.Allgemeine Militär-Zeitung Nr. 89 vom 6. November 1886, S. 205–207. Er wurde gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich, der schon zehn Jahre vorher den persönlichen Adel erhalten hatte, am 15. Juni 1824 von König Maximilian I. Joseph in den erblichen Freiherrenstand des Königreichs Bayern erhoben.

Seit 1811 war Eginhard mit Catharina Goes (* 7. Mai 1788 in Windsheim; † 15. Januar 1867 in Ingolstadt) verheiratet. Zwei Töchter, Emma (* 8. September 1813 in Bamberg; † 29. August 1887 in München) und Sophie (* 15. September 1816 in Ingolstadt; † 14. März 1873 in München) und der Sohn Friedrich Carl (* 12. August 1818; † 22. Oktober 1888 in München) erhielten mit ihrem Vater 1824 den Adelstitel.