mini|Haus Zum Lindwurm, Blick von Nordosten, 1877 oder früher Das Haus Zum Lindwurm war ein bekanntes historisches Wohn- und Geschäftshaus in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt. Es wurde 1912 abgerissen.

Lage Das Gebäude befand sich in der Magdeburger Altstadt an der Adresse Breiter Weg 141 auf der Westseite des Breiten Wegs. Unmittelbar nördlich des Hauses mündete die Schulstraße auf den Breiten Weg ein. Heute befindet sich der Bereich in etwa südlich der Einmündung der Julius-Bremer-Straße auf den Breiten Weg.

Geschichte Anfang des 16. Jahrhunderts gehörte das Brauhaus dem Kämmerer Ebeling Alemann.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 72. Alemann hatte den Drucker Michael Lotter veranlasst seine Werkstatt von Wittenberg nach Magdeburg zu verlegen. Lotters Druckerei befand sich 1529/1531 im Haus. Ebeling Alemann verstarb 1543. Für 1550/1551 ist der Kämmerer Moritz Alemann als Eigentümer belegt. Von Januar bis November 1551 hatte er während der Belagerung der Stadt Magdeburg den von Magdeburger Truppen bei einem Ausfall gefangen genommenen Herzog Georg zu Mecklenburg im Haus Zum Lindwurm zu Gast.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 72. Die Schöppenchronik nennt für 1551 als Ort der anständigen Haft Moritz Alemans haus zum lintwurm.Hans Leonhard, Die Kaufleute-Brüderschaft zu Magdeburg, in: Magdeburgs Wirtschaftsleben in der Vergangenheit, Dritter Band, Selbstverlag der Industrie- und Handelskammer, Magdeburg 1928, Seite 39.

In der Zeit um 1560 gelangte das Haus in das Eigentum der Kaufleute-Brüderschaft. Zu diesem Zeitpunkt bestand das Gebäude wohl nur aus dem nördlichen Teil an der Ecke von Breitem Weg und Schulgasse. Im Gebäude wurde gebraut. Darüber hinaus bestand ein Garten.Hans Leonhard, Die Kaufleute-Brüderschaft zu Magdeburg, in: Magdeburgs Wirtschaftsleben in der Vergangenheit, Dritter Band, Selbstverlag der Industrie- und Handelskammer, Magdeburg 1928, Seite 43.

Hypothekenstreit von 1560 Mit dem Eigentum waren jedoch auch finanzielle Probleme verbunden. In einem Senatsdekret vom 30. Oktober 1560 wird ausgeführt, dass die Kaufleute-Alterleute die Zinsen einer Hypothek, die scheinbar auf sie gemeinsam mit dem Haus übergegangen war, seit vier Jahren nicht bezahlt hatten. Gläubiger war Martin Alemann, der zuvor 125 Goldgulden an Johann Berndes, den Kaplan der Ulrichskirche oder die Ulrichskirche selbst, gegeben hatte. Berndes oder die Kirchgemeinde dürften damit zuvor Eigentümer gewesen sein. Die Hypothek war jährlich mit sechs Gulden und einem Ortsgulden zu verzinsen.Hans Leonhard, Die Kaufleute-Brüderschaft zu Magdeburg, in: Magdeburgs Wirtschaftsleben in der Vergangenheit, Dritter Band, Selbstverlag der Industrie- und Handelskammer, Magdeburg 1928, Seite 39.

Da die Kaufleute sich weigerten die übernommene Hypothek zu bedienen, lud der Rat die Streitparteien in das Magdeburger Rathaus vor. Für die Alemannschen Erben wurde als Bevollmächtigter der Notar Melchior Gebhard geladen. Die Kaufleute-Brüderschaft erschien jedoch nicht zum Termin. Auf Gebhards Antrag wurden die Kaufleute noch zwei Mal zur Zahlung aufgefordert. Allerdings vergeblich. Der Rat erkannte daraufhin die eingeklagten, rückständigen 108 Gulden als berechtigt an und drohte mit der Zwangsvollstreckung in das Haus. Daraufhin zahlten die Kaufleute die Forderung und die Gerichtskosten. 1569, während der Streitigkeit, lebte ein Michel Norbaum im Haus.Hans Leonhard, Die Kaufleute-Brüderschaft zu Magdeburg, in: Magdeburgs Wirtschaftsleben in der Vergangenheit, Dritter Band, Selbstverlag der Industrie- und Handelskammer, Magdeburg 1928, Seite 40 f.

Zerstörung von 1631 und Wiederaufbau Für das Jahr 1631 ist Hans Meyer als Mieter oder Hausverwalter des Gebäudes überliefert. Bei der Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 wurde das Gebäude wohl stark beschädigt,Hans Leonhard, Die Kaufleute-Brüderschaft zu Magdeburg, in: Magdeburgs Wirtschaftsleben in der Vergangenheit, Dritter Band, Selbstverlag der Industrie- und Handelskammer, Magdeburg 1928, Seite 41. oder zerstörtOttomar Müller, Die Bauwerke der deutschen Renaissance in Magdeburg. in Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg, 9. Jahrgang, 1874, 4. Heft, Seite 334 zumindest lag das Gebäude noch 1648 wüst. Kurze Zeit später wurde es von der Kaufleute-Brüderschaft bebaut und im Haus auch gebraut. Am 10. August 1654 lieh sich die Kaufleute-Brüderschaft zum Ausbau des Hauses Zum Lindwurm zu zuvor bereits geliehenen 600 Reichstalern weitere 400 Reichstaler von Frau Margarete Koch. Als Laufzeit des Darlehens wurden zwei Jahre zu einem Zinssatz von 6 % vereinbart. Als Sicherheit erhielt Margarete Koch, Witwe von Hans Hasselig, neu verheiratet mit Dietrich Wolten, Zugriff auf alle Güter der Brüderschaft, insbesondere jedoch auf das Haus Zum Lindwurm. Die Finanzierung des Wiederaufbaus war für die Brüderschaft offensichtlich problematisch. Am 6. März 1656 wurde beschlossen, von jedem Mitglied, bis über das Jahr 1657 hinaus, für bestimmte Produkte eine Umlage zu erheben. So wurde z. B. auf jeden Wispel Getreide ein Groschen, auf jede Last Heringe, Honig oder Kreide drei Groschen und auf jeden halben Ballen brasilianisches Holz und Baumwolle sechs Groschen erhoben. Bis zum 3. April 1657 nahm die Brüderschaft so 173 Taler, vier Groschen und zwei Pfennige ein.Hans Leonhard, Die Kaufleute-Brüderschaft zu Magdeburg, in: Magdeburgs Wirtschaftsleben in der Vergangenheit, Dritter Band, Selbstverlag der Industrie- und Handelskammer, Magdeburg 1928, Seite 41. Die erste Versammlung der Kaufleute-Brüderschaft im Gebäude fand am 5. Oktober 1654 statt.Hans Leonhard, Die Kaufleute-Brüderschaft zu Magdeburg, in: Magdeburgs Wirtschaftsleben in der Vergangenheit, Dritter Band, Selbstverlag der Industrie- und Handelskammer, Magdeburg 1928, Seite 46.

In den Jahren 1651/1653 lebten im Haus Melchior Herlitz und Paul Paris. 1654 wurde das Gebäude, soweit die Räumlichkeiten nicht von der Kaufleute-Brüderschaft benötigt wurden, an den KaufmannErnst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 72. bzw. BrauerHans Leonhard, Die Kaufleute-Brüderschaft zu Magdeburg, in: Magdeburgs Wirtschaftsleben in der Vergangenheit, Dritter Band, Selbstverlag der Industrie- und Handelskammer, Magdeburg 1928, Seite 46. Jobst Böckmann für 75 Taler jährlich vermietet, der eine Brauerei betrieb. Er kaufte für 398 Reichstaler und zwei Groschen Braugefäße. Die Kosten durfte er von der Miete absetzen, so dass die Utensilien in das Eigentum der Brüderschaft übergingen. In der hohen Morgensprache vom 1. März 1660 entschloss man sich zu einer dreijährigen Vertragsverlängerung. Zugleich wurde die Miete auf 100 Taler angehoben. Eine Forderung Böckmanns auf Bau eines Stalls lehnte die Brüderschaft mit Verweis auf Geldmangel ab. Letztlich erhielt Böckmann die Erlaubnis den Stall selbst zu bauen, die Miete wurde ihm dafür auf 90 Taler ermäßigt.

Böckmann richtete hier 1658 als städtischer Postmeister eine Post ein. Am 6. Juli 1660 verhängte die Brüderschaft gegen Böckmann eine Strafe von fünf Talern, da er wohl aus Neugier die immer verschlossene Tür zur nur den Brüdern zugänglichen Konventstube der Brüderschaft aufgebrochen hatte.Hans Leonhard, Die Kaufleute-Brüderschaft zu Magdeburg, in: Magdeburgs Wirtschaftsleben in der Vergangenheit, Dritter Band, Selbstverlag der Industrie- und Handelskammer, Magdeburg 1928, Seite 47 f. Der Eckladen des Hauses wurde am 30. Juli 1653 an Simon Beckenstein und Christian Gerlach vermietet, die planten ab 1654 eine Buchhandlung zu eröffnen. Der Mietvertrag lief über sechs Jahre. Als Miete für den Gesamtzeitraum waren 110 Reichstaler vereinbart, von denen 100 Taler sofort und die restlichen zehn erst zum Ende fällig wurden.Hans Leonhard, Die Kaufleute-Brüderschaft zu Magdeburg, in: Magdeburgs Wirtschaftsleben in der Vergangenheit, Dritter Band, Selbstverlag der Industrie- und Handelskammer, Magdeburg 1928, Seite 48. Bereits 1664 ging der Laden jedoch an den Buchhändler Jakob Ficke. Die Kombination aus Post und Buchladen führte 1664 zur Gründung der Magdeburgischen Zeitung. Der Vertrag mit Böckmann wurde am 5. Juni 1665 für weitere drei Jahre verlängert. Die Miete betrug nun 110 Taler, zugleich erfolgte das Versprechen, dass der Stall nun doch errichtet würde. Spätestens 1667 wurde Böckmann auch kurbrandenburgischer Postmeister, in der Morgenansprache vom 26. März 1667 wurde er erstmalig als Bürger, Brauer und Churfürstl. Brandenburgischer bestallter Postmeister bezeichnet. Zugleich wurde der Vertrag erneut um drei Jahre für 120 Taler verlängert. Böckmann war zu diesem Zeitpunkt mit der Miete für ein halbes Jahr im Rückstand. Er schlug vor, die Schulden durch die Lieferung von zehn Fass Bier zu bezahlen, was die Brüderschaft jedoch als unanständig ablehnte. In den Vertrag wurde erstmalig eine Kaution für Feuer und sonstige Schäden eingefügt.Hans Leonhard, Die Kaufleute-Brüderschaft zu Magdeburg, in: Magdeburgs Wirtschaftsleben in der Vergangenheit, Dritter Band, Selbstverlag der Industrie- und Handelskammer, Magdeburg 1928, Seite 48. Böckmann verstarb noch 1667.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 72. Seine Witwe versuchte den Vertrag zu übernehmen, ein Clemens Peter bot jedoch 140 Taler, inklusive des Buchladens.

Vertrag und Streit mit Clemens Peter