Der Reichskultursenat war ein dem Präsidium der Reichskulturkammer unmittelbar unterstelltes Gremium,vgl. Organisation und Aufgaben der Reichskulturkammer. Organigramm. Abgerufen am 23. Januar 2023. das von Kammerpräsident und Reichspropagandaminister Joseph Goebbels am 15. November 1935 errichtet wurde.

Funktion und Organisation Zu Mitgliedern des Reichskultursenats durften „hervorragende, um Volk und Kultur verdiente Persönlichkeiten berufen werden“.§ 12 der Ersten Verordnung zur Durchführung des Reichskulturkammergesetzes vom 1. November 1933. RGBl. 1933 I S. 797. verfassungen.de, abgerufen am 23. Januar 2023. Der Reichskultursenat diente zwei Jahre nach der Machtergreifung und Gründung der Reichskulturkammer der weiteren Gleichschaltung des Kulturlebens.Deutscher „Reichskultursenat.“ In: Das Werk: Architektur und Kunst = L’œuvre: architecture et art 1936, S. XX f.

Qua Amt waren alle Präsidenten der Einzelkammern, die jeweiligen Präsidialräte, die Vizepräsidenten und die Geschäftsführer der Reichskulturkammer Mitglieder des Reichskultursenats. Der Titel „Reichskulturwalter“ für die obersten vier Mitglieder durfte bis 1938 getragen werden.Bundesarchiv, R 56-I: Reichskulturkammer/Zentrale — Bestandsbeschreibung . Dazu wurden prominente Künstler im Sinne des Nationalsozialismus zu „Kultursenatoren“ ernannt. Die von Goebbels ausgewählten Mitglieder sollten „für die planvolle Entwicklung des […] Kulturlebens die letzte Verantwortung“ tragen.Klare Ordnung im Kulturleben. In: Der Freiheitskampf vom 16. November 1935, S. 2. Es gab 150 Kultursenatoren.Sabine Busch: Hans Pfitzner und der Nationalsozialismus. Springer, Berlin/Heidelberg 2001, ISBN 978-3-476-45288-7, S. 241, Anm. 612, ()

Der Reichskultursenat war ein Prestigegremium,Nina Okrassa: Peter Raabe – Dirigent, Musikschriftsteller und Präsident der Reichsmusikkammer (1872–1945). Böhlau, Köln 2004, ISBN 978-3-412-09304-4, S. 275. das die Kulturpolitik Goebbels’ gegenüber der innerparteilichen Konkurrenz durch Alfred Rosenberg aufwerten sollte.Reinhard Bollmus, Stephan Lehnstaedt: Das Amt Rosenberg und seine Gegner: Studien zum Machtkampf im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2006, S. 80. Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda war seit einer Verordnung Adolf Hitlers vom 30. Juni 1933 „zuständig für alle Aufgaben der geistigen Einwirkung auf die Nation, der Werbung für Staat, Kultur und Wirtschaft, der Unterrichtung der in- und ausländischen Öffentlichkeit über sie und der Verwaltung aller diesen Zwecken dienenden Einrichtungen“.Verordnung über die Aufgaben des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda. Vom 30. Juni 1933. documentArchiv, abgerufen am 25. Januar 2023. Rosenberg sah sich seit Januar 1934 als „Beauftragter des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP“.Reinhard Bollmus: Rosenberg, Alfred Ernst. Neue Deutsche Biographie 2005, S. 59–61.

Mitglieder des Reichskultursenats zum Zeitpunkt der Gründung Reichskulturwalter Walther Funk (1890–1960), Vizepräsident der Reichskulturkammer, Staatssekretär Hans Schmidt-Leonhardt (1886–1945), Geschäftsführer der Reichskulturkammer, Ministerialrat Franz Moraller (1903–1986), Geschäftsführer der Reichskulturkammer, SA-Oberführer Hans Hinkel (1901–1960), Geschäftsführer der Reichskulturkammer, Reichstagsabgeordneter

Mitglieder aus dem Kreis der Reichsschrifttumskammer Hanns Johst (1890–1978) Heinz Wismann (1897–1947) Richard Suchenwirth (1896–1965) Hans Friedrich Blunck (1888–1961) Karl Baur (1898–1984) Wilhelm Baur (1905–1945) Theodor Fritsch (1895–1946) Karl Heinz Hederich (1902–1976) Carl Vincent Krogmann (1889–1978), Hamburg Gerhard Schumann (1911–1995) Martin Wülfing (1899–1986) Heinrich Anacker (1901–1971) Edwin Erich Dwinger (1898–1981) Richard Euringer (1891–1953) Eberhard Wolfgang Möller (1906–1972) Hermann Stehr (1864–1940)

Mitglieder aus dem Kreis der Reichsmusikkammer Peter Raabe (1872–1945) Paul Graener (1872–1944), der gleichzeitig zum Vizepräsidenten der Reichsmusikkammer ernannt wurde Heinz Ihlert (1893–1945) Franz Adam (1885–1954) vom Stab des Stellvertreters Adolf Hitlers Fritz Kaiser Friedrich Krebs (1894–1961), Frankfurt am Main Hermann Müller-John (1894–1945), Musikmeister der Leibstandarte SS Adolf Hitler Horst Sander (1904–1945), Leiter des Deutschen Musikalischen Vereins Hermann Stange (1884–1953) Fritz Stein (1879–1961), Direktor der Staatlichen Hochschule für Musik (Berlin) Wilhelm Backhaus (1884–1969) Wilhelm Furtwängler (1886–1954) Clemens Krauß (1893–1954) Hans Pfitzner (1869–1949) Heinrich Schlusnus (1888–1952) Georg Schumann (1866–1952)

Mitglieder aus dem Kreis der Reichspressekammer Max Amann (1891–1957), Präsident, Reichsleiter und Direktor des Zentralparteiverlages Otto Dietrich (1897–1952), Vizepräsident, Reichspressechef der NSDAP Ildephons Richter Gunter d’Alquen (1910–1998) Hans Schwarz van Berk (1902–1973) Alfred-Ingemar Berndt (1905–1945) Willi Bischoff (* 1886) Edgar Brinkmann (* 1896) Adolf Dresler (1898–1971) Walther Heide (1894–1945) Hans Hornauer Rolf Rienhardt (1903–1975) Wilhelm Weiß (1892–1950) Josef Berchtold (1897–1962) Heinrich Fetkötter (* 1902) Richard Jügler (* 1889)

Mitglieder aus dem Kreis der Reichstheaterkammer Rainer Schlösser (1899–1945) Eugen Klöpfer (1886–1950) Alfred Frauenfeld (1898–1977) Benno von Arent (1898–1956) Gustaf Gründgens (1899–1963) Otto Krauß (1890–1966), Stuttgart Lothar Müthel (1896–1964) Bernhard Graf Solms (1900–1938) Müller-Scheld (1895–1970), Landesstellenleiter Oskar Walleck (1890–1976) Hellmuth Will (1900–1982) Friedrich Bethge (1891–1963) Heinz Hilpert (1890–1967) Werner Krauß (1884–1959) Wilhelm Rode (1887–1959) Heinz Tietjen (1881–1967)

Mitglieder aus dem Kreis der Reichsrundfunkkammer Horst Dreßler-Andreß (1899–1979) Eugen Hadamovsky (1904–1945) Herbert Packebusch (1902–1944) Kurt von Boeckmann (1885–1950) Herbert Dominik (* 1902) Heinz Franke Julius Christoph Günther Hans Kriegler (1905–1978) Heinz Lotz (1894–1937) Alfred Lau (1898–1971) Goetz Otto Stoffregen (1896–1953) Abraham EsauIn zeitgenössischen Veröffentlichungen irrtümlich auch als Albert Esau gelistet. (1884–1955) Heinrich Glasmeier (* 1892) Paul Goerz (1896–1952) Hugo Fischer (1902–1979)

Mitglieder aus der Reichskammer der bildenden Künste Eugen Hönig (1873–1945) Adolf Ziegler (1892–1959) Walter Hoffmann (Lebensdaten unbekannt, seit 1945 verschollen) Erich Dammeier Will Kelter (1899–1978) Otto von Keudell (1887–1972) Hans Sauermann (1885–1960) Albert Speer (1905–1981) Kurt Schmid-Ehmen (1901–1968) Ernst Schulte Strathaus (1881–1968) Hans Schweitzer (1901–1980) Ernst Zörner (1895–1945), Oberbürgermeister von Dresden Paul Baumgarten (1873–1946) German Bestelmeyer (1874–1942), Präsident der Münchner Akademie Oswald Eduard Bieber (1874–1955) Leonhard Gall (1884–1952) Richard Klein (1890–1967)

Mitglieder aus dem Kreis der Reichsfilmkammer Oswald Lehnich (1895–1961) Hans Weidemann (1904–1975) Karl Melzer, Geschäftsführer Franz Belitz (* 1881) Carl Froelich (1875–1953) Siegmund Jung aus dem Wirtschaftsstab des Stellvertreters Adolf Hitler Willi Krause (1907–1945) Botho Mulert (1883–1963) Hans-Jürgen Nierentz (1909–1995) Ernst Seeger (1884–1937) Fritz Scheuermann (* 1887) Sepp Allgeier (1895–1968) Friedrich Kayßler (1874–1945) Ludwig Klitzsch (1881–1954) Theodor Loos (1883–1954)

Landeskulturwalter Adolf Schmid, Gau Baden Hans Kolbe (Funktionär), Gau Bayerische Ostmark Hermann Brouwers, Gau Düsseldorf Arnold Fischer, Gau Essen Fritz Lindenberg, Gau Halle-Merseburg Erich Schmidt, Gau Hamburg Friedrich Schmonsees, Gau Hannover-Ost Herbert Huxhagen, Gau Hannover-Süd Wilhelm Müller-Scheld, Gau Hessen-Nassau Wilhelm Michels, Gau Koblenz-Trier Toni Winkelnkemper, Gau Köln-Aachen A. Lindemann, August Heinrich Scherer, Gau Kurmark Alfred Mitsching, Fritz Ihlenburg, Gau Magdeburg-Anhalt Alexander Sondermann, Gau Mecklenburg Hans Bäselsöder, Gau Franken Otto Nippold, Gau München-Oberbayern Joachim Paltzo, Gau Ostpreußen Rudolf Trampler, Gau Rheinpfalz Heinrich Salzmann, Gau Sachsen Gustav Schierholz, Gau Schleswig-Holstein Georg Traeg, Gau Schwaben Waldemar Vogt, Gau Unterfranken Ernst Schulze, Gau Weser-Ems Fritz Schmidt, Gau Westfalen-Nord Hermann Brust, Gau Westfalen-Süd F. Schmidt, Gau Württemberg

Literatur Die Mitglieder des Reichskultursenats. Die Geschäftsführer der Reichskulturkammer künftig Reichskulturwalter. Berliner Lokal-Anzeiger vom 15. Juni 1935 (Abendausgabe).Sabine Busch: Hans Pfitzner und der Nationalsozialismus. Springer, Berlin/Heidelberg 2001, ISBN 978-3-476-45288-7, S. 242, Anm. 613, () Die Mitgliedes der Reichskultursenats. In: Dresdner Neueste Nachrichten vom 16. November 1935, S. 2. Klare Ordnung im Kulturleben. In: Der Freiheitskampf vom 16. November 1935, S. 1–2.

Einzelnachweise

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