miniatur|Eine Textmeldung (links unten), ein Symbol (gelb) unter der Tachoscheibe sowie Markierungen (gelb) in der Vorausschau kündigen dem Triebfahrzeugführer im Driver Machine Interface (DMI) an, in rund 700 m zu pfeifen. Ferner ist in knapp 2 km ein anstehender Schwungfahrabschnitt sichtbar, in dem der Stromabnehmer kurzzeitig gesenkt werden soll. Als Track Condition (zu Deutsch etwa Streckenzustand) wird im europäischen Zugbeeinflussungssystem ETCS eine Funktion bezeichnet, die ein Triebfahrzeug bzw. den Triebfahrzeugführer über eine vor dem Zug liegende Beschaffenheit () der Infrastruktur informiert.ETCS-Spezifikation, SUBSET 026, Version 3.6.0, Abschnitt 3.12
Track Conditions können sich auf einen Bereich (mit definiertem Beginn und Ende) und einen Punkt beziehen. Dazu werden aus der Odometrie in der Regel die vordere sichere Zugspitze und das minimale sichere Zugende herangezogen.ETCS-Spezifikation, SUBSET 026, Version 3.6.0, Abschnitt 3.12.1.2 Track Conditions sollen dem Triebfahrzeugführer im Driver Machine Interface angezeigt werden, oftmals definierten Abläufen () folgend.ETCS-Spezifikation, SUBSET 026, Version 3.6.0, Abschnitt 5.18 Sie sollen zumeist auch an Umsysteme außerhalb von ETCS weitergegeben werden.ETCS-Spezifikation, SUBSET 026, Version 3.6.0, Abschnitt 3.12.1.5ETCS-Spezifikation, SUBSET 026, Version 3.6.0, Abschnitt 5.20 Einige Track Conditions werden auch in der ETCS-Bremskurvenberechnung berücksichtigt.ETCS-Spezifikation, SUBSET 026, Version 3.6.0, Abschnitt 3.13.2.3.4
Track Conditions werden über verschiedene Datenpakete von der Infrastruktur auf das Fahrzeug übertragen.ETCS-Spezifikation, SUBSET 026, Version 3.6.0, Abschnitte 7.4.2.8, 7.4.2.19, 7.4.2.20, 7.4.2.20.1
Typen In der ETCS-Spezifikation (Baseline 3 Release 2) sind 14 derartige Eigenschaften enthalten: stromlose Abschnitte (), in denen der Stromabnehmer gesenkt werden soll stromlose Abschnitte, in denen der Hauptschalter ausgelegt werden soll Abschnitte, die luftdicht () durchfahren werden sollen Pfeifen () Bereiche, in denen nicht gehalten werden soll (), beispielsweise in Bereichen mit Notbremsüberbrückung Bereiche, in denen im Tunnel gehalten werden kann () (beispielsweise Multifunktionsstellen im Gotthard-Basistunnel) Wechsel des Traktionssystems () auf Mehrsystemfahrzeugen Änderung der Oberstrombegrenzung () Große Metallmassen (), an denen Alarme bei Integritätsprüfungen der Balisenübertragung ignoriert werden Funklöcher (), in denen die Überwachung der sicheren Funkverbindung ausgesetzt wird, siehe Radio Hole Ausschalten der elektromotorischen Bremse () Ausschalten der Wirbelstrombremse für Betriebsbremsungen () Ausschalten der Wirbelstrombremse für Schnellbremsungen () Ausschalten der Magnetschienenbremse () Lage von Bahnsteigbereichen (), in denen Fahrgasttüren freigegeben werden (mit/ohne Schiebetritte, Ausstiegsseite, Bahnsteighöhe)
Geschichte Track Conditions waren eine neue Funktion, die auf Wunsch der Eisenbahnen in die im Jahr 2000 vorgelegte Class 1 – SRS-Version 2.0.0 aufgenommen wurden.
In der 2006 vorgelegten SRS-Version 2.3.0d waren elf Track Conditions enthalten. Darunter waren drei verschiedene Typen für Notbremsüberbrückungen (auf Brücken, in Tunneln, ohne Grund). Die Wirbelstrombremse konnte hingegen nur für Betriebs-, jedoch nicht für Schnellbremsungen gesperrt werden. Noch nicht enthalten waren Pfeifen, Oberstrombegrenzungen, Haltebereiche in Tunneln sowie Bahnsteigbereiche.
Vor der kommerziellen Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm fiel 2022 auf, wie die Oberstrombegrenzung beim ETCS-Einstieg nicht wie vorgesehen angehoben wurde. Infolgedessen wurde eine entsprechende Track Condition „hinter“ den ETCS-Einstieg gelegt.
Im Gotthard-Basistunnel und auf der Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist wurden 2023 vermehrt Ausfälle und Schäden an Oberleitungsanlagen während vorübergehender Schutzstrecken beobachtet. Diese werden vorübergehend eingerichtet, wenn aufgrund von Bauzuständen oder größeren Störungen die gleiche Phasenlage nicht mehr sichergestellt werden kann. Um zu verhindern, dass ein Zug mit Strombezug oder Rückspeisung in eine Schutzstrecke hineinfährt, ist der Hauptschalter auszuschalten. Die Signalisierung einer möglichen Schutzstrecke erfolgt per Blechtafel, der tatsächliche Zustand über das DMI. Da nur auf einem Teil der auf diesen Strecken verkehrenden Triebfahrzeuge, wie dem Giruno und der Baureihe 185, die Aus- und Einschaltung des Hauptschalters automatisch erfolgt, wurden Fehler in der Displayanzeige von ETCS oder Personalfehler vermutet.
Weblinks European Rail Traffic Management System (ERTMS). Webseite der Europäischen Eisenbahnagentur, unter anderem mit der ETCS-Spezifikation.
Einzelnachweise
Kategorie:European Train Control System