mini|Carmen Maria Machado (2017) Carmen Maria Machado (geb. 3. Juni 1986) ist eine amerikanische Schriftstellerin. Neben zahlreichen kürzeren Texten veröffentlichte sie einen Erzählband und einen Roman. In ihren Texten, die teilweise autobiografisch geprägt sind, experimentiert sie mit verschiedenen Genres und beschäftigt sich regelmäßig unter anderem mit queeren und feministischen Themen.

Leben Machado wuchs mit ihren Eltern und zwei jüngeren Geschwistern in Allentown (Pennsylvania) auf. Ihr Großvater war ein Migrant aus Kuba. Da sie in ihrer Kindheit viel Zeit bei ihren Großeltern verbrachte, kam sie nach eigenen Angaben oft mit seinen Erzählungen über seine Heimat in Berührung. Von klein auf war sie eine intensive Leserin und wollte selbst Schriftstellerin werden.The metafictional, liminal, lyrical ways of writer Carmen Maria Machado, Al Día, abgerufen am 2. August 2026

Zunächst studierte sie an der American University Journalismus und schloss im Jahr 2008 mit dem Bachelor ab. Ein Professor kritisierte den reichlichen Gebrauch von Adjektiven in einer von ihr verfassten Nachrichtenmeldung und legte ihr nahe, Fiktion zu schreiben. Nach dem Universitätsabschluss zog sie zunächst ins kalifornische Berkeley, wo sie sich mit verschiedenen Jobs über Wasser hielt, während sie weiterhin schrieb. Anschließend verbrachte Machado zwei Jahre im Iowa Writers’ Workshop, wo sie nach eigenen Angaben zum ersten Mal in Betracht zog, professionelle Schriftstellerin zu werden und außerdem in der akademischen Lehre zu arbeiten. In Iowa lernte sie auch ihre spätere Ehefrau kennen, wegen deren Karriere das Paar 2013 nach Philadelphia umzog. Finanzielle Schwierigkeiten in den folgenden Jahren brachten Machado fast dazu, ihre literarische Laufbahn aufzugeben.Louisa Shepard: Once rejected by Starbucks, writer-in-residence is a National Book Award finalist, Penn Today, 2. November 2017, abgerufen am 2. August 2026

2015 wurde Machado eine Rolle als Writer in Residence an der University of Pennsylvania angeboten, die sie annahm. Sie unterrichtete für mehrere Semester sowohl zu literarischer Analyse als auch zu Creative Writing. Dem folgten weitere Lehraufträge in New Mexico und am Bard College, nachdem sie mit dem Bard Fiction Prize ausgezeichnet wurde.

Werk Machado ist nach eigenen Angaben durch ihre familiären Wurzeln stark von Lateinamerikanischer Literatur beeinflusst, obwohl sie selbst nicht gut genug Spanisch spricht, um die Texte im Original zu lesen. Im Alter von 15 Jahren erhielt sie von einer Lehrerin mit dem Roman Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez, den sie als prägendes Leseerlebnis beschreibt; als weitere wichtige Einflüsse nennt sie Juan Rulfo und Jorge Luis Borges. Sowohl ihre Sprache als auch ein besonderes Interesse an Magischem Realismus, Metafiktion und liminaler Fantasy sieht sie in dieser Tradition verwurzelt.

In ihren Texten arbeitet Machado auch selbst in Genres wie Fantasy und Science Fiction. Sie hat ein Interesse an Form, ihrer Übertragung in neue Kontexte und dem Brechen von Regeln, die mit der Form verbunden sind. Zentrale Themen für sie sind Sex, Queerness und feministische Fragen. Unter dem Pseudonym Olivia Glass schreibt sie außerdem erotische Literatur.Sofia Samatar: Double Take: On Carmen Maria Machado, Los Angeles Review of Books, 26. April 2015, abgerufen am 3. August 2026

Neben ihren Buchveröffentlichungen publizierte Machado auch literarische und essayistische Texte in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien, darunter The New Yorker und Granta.Carmen Maria Machado, Kurzbiografie des Internationalen Literaturfestivals Berlin, abgerufen am 3. August 2026 Gemeinsam mit Dani Strips schuf sie The Low, Low Woods, eine sechsbändige Serie von Graphic Novels.The Low, Low Woods, dc.com, abgerufen am 3. August 2026

Ihr Körper und andere Teilhaber

Im Jahr 2017 erschien der Erzählband Her Body and Other Parties (2019 ins Deutsche übersetzt als Ihr Körper und andere Teilhaber), der es unter die fünf Finalisten in der Kategorie Fiction beim National Book Award2017 National Book Award finalists revealed, CBS News am 4. Oktober 2017, abgerufen am 2. August 2026 schaffte und mit dem John Leonard Prize des National Book Critics Circle ausgezeichnetJohn Maher: 2017 NBCC Awards Finalists Announced, Publishers Weekly am 22. Januar 2018, gesehen am 2. August 2016 sowie im Jahr 2018 auf der Shortlist des Dylan Thomas PrizeDylan Thomas Prize 2018 shortlist announced, Books +Publishing, 28. März 2018, gesehen am 2. August 2026 geführt wurde. Der Band enthält acht Erzählungen, von denen die meisten vorher schon an anderen Stellen publiziert worden waren.

Im Spiegel hob Jana Felgenhauer „feministische Debatten um Rollenbilder, Schönheitsideale, weibliches Begehren und Mutterschaft“ als zentrale Elemente der Texte hervor und stellte den Band in einen Kontext mit der etwa zeitgleich stattfindenden MeToo-Bewegung. Sie sieht in den Kurzgeschichten eine Mischung aus „Horrormärchen, Groteske, Pornografie, Realität und Science-Fiction“ und betont eine blumige Sprache und eine Flut von Bildern. Sie erkennt in den Erzählungen, von denen viele in lesbischen Liebesbeziehungen spielen, teilweise autobiografische Elemente und sieht sie als Spiegel eine Zeit, „in der Frauen nicht mehr hinnehmen wollen, dass ihr Geschlecht und ihr Körper gegen sie verwendet werden“.Jana Felgenhauer: Zwischen Horror, Porno und Groteske, spiegel.de am 6. Februar 2019, abgerufen am 4. August 2026

Carola Ebeling betonte in der taz die queeren Perspektive der Texte, die sich explizit auf Begehren und Lust richte, und zitiert Machados Absicht, andere Sexualitäten literarisch sichtbar zu machen. Sie hebt den Einfluss des Magischen Realismus hervor und sieht Momente von Verwirrung und Orientierungslosigkeit, durch die man von einer bildreichen und sinnlichen Sprache hindurchgezogen werde.Carola Ebeling: Die Sichtbarkeit echter Frauen, taz.de am 19. März 2019, abgerufen am 4. August 2026

Im SRF interpretiert Martina Süess Machados Spiel mit Genres als „eine Abrechnung mit sexistischen Erzählkonventionen, aber auch eine lustvolle Aneignung, durch die sie misogyne Vorlagen scheinbar mühelos in feministische Erkundungen verwandelt.“Martina Süess: Fantastisch feministisch, herrlich humorvoll, srf.ch am 21. Februar 2019, abgerufen am 4. August 2026

Das Archiv der Träume mini|Machado 2026 Machados 2019 veröffentlichter erster Roman In the Dream House: A Memoir (2021 ins Deutsche übersetzt als Das Archiv der Träume) gewann unter anderem einen Lambda Literary AwardGwen Aviles: 25 best LGBTQ books of 2020, according to Lambda Literary, NBC am 1. Juni 2020, abgerufen am 2. August 2026 und einen Goldie Award.2020 Goldie Awards Winners, Locus, 20. Juli 2020, abgerufen am 2. August 2026

Der Text ist autobiografisch geprägt und erzählt nichtchronologisch von psychischem und körperlichem Missbrauch, den Machado in ihrer Zeit in Iowa City in ihrer ersten Beziehung mit einer anderen Frau erlebt hat. In kurzen Kapiteln wird die Beziehung vom Kennenlernen bis zur Trennung nacherzählt, wobei Machado ihr eigenes früheres Ich als „du“ anspricht. Sie hebt hervor, dass queere Frauen in ihren Beziehungen ebenso Missbrauch erleben wie heterosexuelle Frauen, und dass sie es verdienten, ihre Geschichten repräsentiert zu sehen.In the Dream House: A Memoir, Publishers Weekly, abgerufen am 4. August 2026

Im Deutschlandfunk Kultur lobte Meike Feßmann eine Mischung aus Emotion und Intellekt und ein Hand-in-Hand-Gehen von Narration und Analyse in „ein[em] wilde[n] Genre-Mix, der sich bei Film und Fantasy bedient, bei Märchen, Mythen, Fabeln.“Meike Feßmann: Missbrauch in einer lesbischen Beziehung, deutschlandfunkkultur.de am 2. Dezember 2021, abgerufen am 4. August 2026

Niklas Elsenbruch schrieb in der Süddeutschen Zeitung, Machados Roman stelle die „Sprachlosigkeit weiblicher Homosexualität“ heraus, deren Ursprung von Machado teilweise in der Geschichte gezeigt werde, teilweise in einem Verklären der lesbischen Liebesbeziehung „zu einer Utopie jenseits aller Abgründe toxischer Männlichkeit.“ Er betonte die Eigenschaft des Textes als literarische Collage, in der essayistische Kapitel die autobiografische Erzählung durchsetzten. Dabei konstatiert er, dass in diesem Aufbau teilweise zu stark Machados Versuch durchscheine, Voyeurismus und Sentimentalität zu vermeiden. Wo es funktioniere, lasse sie jedoch eine neue Sprachform aus dieser Technik erwachsen.Niklas Elsenbruch: Verboten und undenkbar, sueddeutsche.de am 30. November 2021, abgerufen am 4. August 2026

Eine Bühnenfassung von Das Archiv der Träume wurde von Leo Lorena Wyss für das Berliner Ensemble geschaffen und feierte am 18. Dezember 2025 Premiere.Das Archiv der Träume, berliner-ensemble.de, abgerufen am 4. August 2026

Veröffentlichungen Ihr Körper und andere Teilhaber: Erzählungen, Stuttgart: Tropen (2019), ISBN 978-3-608-11529-1 (engl. Her Body and Other Parties, Graywolf Press, 2017) Das Archiv der Träume, Stuttgart: Tropen (2021), ISBN 978-3-608-50450-7 (engl. In the Dream House: A Memoir, Graywolf Press, 2019)

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Belege

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