Das Vermächtnis – Der Baum des Lebens (Originaltitel: Chronicles of Mystery: Drzewo Życia), inoffiziell auch als Das Vermächtnis 2 bezeichnet, ist ein von der polnischen Firma CI Games (damals noch City Interactiv) entwickeltes und 2009 veröffentlichtes Point-and-Click-Videospiel und der zweite von vier Teilen der Vermächtnis-Reihe. Protagonistin ist die junge französische Archäologin Sylvie Leroux, die sich auf die Suche nach dem Baum des Lebens, einem mythischen Jungbrunnen, begibt. Das Spiel spielt u. a. in Venedig und Kairo.

Handlung

Die junge französische Archäologin Sylvie Leroux hat in einem alten Schloss befindlichen Museum in der Bretagne eine Stelle als freie Mitarbeiterin angenommen: Sie soll sich dort mit einer auf einer Auktion bei Sotheby’s erworbenen Kiste, die Juan Ponce de León, dem spanischen Entdecker von Florida, gehörte, befassen, die mit einem komplizierten Zahlenschloss gesichert ist. Ihrem Vorgänger Marcel war es gelungen, die Kiste zu öffnen, allerdings hatte er diese wieder verschlossen. Dieser ist, als des Nachts noch draußen bei den Klippen war, ums Leben gekommen – angeblich ein Unfall. Sylvie gelingt es, die Kiste zu öffnen und findet dort den vom Entdecker verfassten Bericht La casa de contratación. Dort ist beschrieben, wie er mit seiner Mannschaft nahe Florida bei der Suche nach dem Bimimi-Atoll auf eine Vulkaninsel gestoßen ist, wo die Eingeborenen einen Saft, der aus einem ungewöhnlichen großen Baum gewonnen wird, getrunken haben, der ihnen offenbar ein sehr langes Leben verleiht, denn die Mannschaft konnte dort keine alten Leute erblicken. Sylvie findet dem Bericht auch eine Landkarte, die eine Reihe von Inseln zeigt, die sie jedoch nicht zuordnen kann. Nach Marcels Aufzeichnungen müssten sich ursprünglich vier Gegenstände in der Kiste befunden haben, es fehlt jedoch ein angegebener Krug, Marcel hatte jedoch mit einem 3D-Drucker eine Kopie von einem erhaltenen Bruchstück davon anfertigen lassen.

Sylvie findet zudem heraus, dass Marcel sich in der Nacht, wo er ums Leben kam, noch mit jemandem in dem nahegelegenen Inn treffen wollte. Sie findet den Brief von einem Grafen namens Saint-Germaine und überlegt, ob es sich dabei um den Fremden handelt, den Marcel treffen wollte – und ob dieser nachher für seinen Tod verantwortlich ist. Eben dieser Graf möchte allerdings in Venedig mit dem Museum über etwas Wichtiges sprechen. Da Sylvie eh dorthin muss, weil sie einen Vortrag zu ihrem jüngst erschienenen Buch Das Skorpion-Ritual über ihr vergangenes Abenteuer auf Malta hält, soll sie sich dort mit ihm treffen. Vor der Lesung trifft jedoch nur ein Bote des Grafen an, der Sylvie eine alte Taschenuhr überreicht, die sie untersuchen soll. Der Bote wird von einem Unbekannten jedoch mit einem mit Kurare versehenen Pfeil getötet, woraufhin die Lesung abgesagt werden muss.

Sylvie begibt sich zum Grafen, von dem sie erfährt, dass die Uhr, die er ihr zukommen ließ, von der Mary Celeste stammt, er selbst ist im Besitz einer Planke, die von einem der Boote dieses Schiffes stammt. Deren Kapitän Benjamin Briggs war damals im Besitz der Kiste gewesen, an deren Erwerb der Graf Interesse besitzt. Sylvie erfährt auch, dass er seit einem Unfall an einem Gedächtnisverlust leidet. Er möchte zudem, dass Sylvie für ihn arbeitet und sich nach Kairo begibt, wo es einen Sammler geben soll, der sich für Artefakte aus Atlantis interessiert und der weitere Teile haben könnte, die der Graf unbedingt in seinen Besitz bringen möchte. Sylvie macht sich daraufhin nach Kairo auf, um den Händler zu suchen, der allerdings nicht mehr am Leben ist. Über einen Antiquar, mit dem Sylvies Onkel regelmäßig Geschäfte machte, kann sie den Kontakt zu dessen Frau Fatima herstellen. Diese eröffnet Sylvie, dass sie noch im Besitz des Krugs ist, der ursprünglich in der Kiste von Ponce de León enthalten war, und dass ihr Mann überzeugt davon war, dass dieser Gegenstand aus Atlantis stammte. Als Sylvie die in der Karte versteckte Kiste erwähnt und beklagt, dass dort allerdings keine Koordinaten sind, meint Fatima, ihr Mann habe davon gesprochen, dass es einen zweiten Teil der Karte mit eben diesen gibt, die er damals in Gibraltar zu finden hoffte. Als Sylvie später ins Hotel kommt, trifft sie dort auf den Grafen, der ihr eröffnet, dass ein Unbekannter, der ihr gefolgt ist, Fatima getötet hat und dass sie fliehen müssen. Mit seiner Yacht, die sich in Alexandrien befindet, fliehen sie aus Ägypten und machen sich auf den Weg nach Gibraltar. Saint-Germaine eröffnet ihr, dass er den Krug besitzt, was Sylvie nun den unschönen Verdacht hegen lässt, dass der Graf sie belogen hat und es selbst war, der Fatima umbrachte, um den Krug an sich zu bringen. Sie setzt daher heimlich einen Funkspruch an die Küstenwache ab.

Sylvie sichert sich zudem unbemerkt die Pistole des Grafen und stellt diesen schließlich damit zur Rede. Dieser streitet ab, etwas mit dem Mord an Fatima zu tun zu haben und Sylvie muss sich eingestehen, dass sie sich nicht mehr sicher ist, was ihren Verdacht angeht. Sie vertraut letztendlich dem Grafen, der dann, als sie Gibraltar erreichen, von der örtlichen Polizei festgenommen wird. Er ist allerdings krank und Sylvie muss, während dieser verhört wird, ein Medikament vom Schiff holen. Dabei bemerkt sie, wie ein Mann mit einer Augenklappe sich Zugang zur Yacht verschafft hat. Sie kann diesen einsperren und die Polizisten benachrichtigen, als sie das Medikament bringt. Diese verhaften den Mann, bei dem es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um den Mörder des Mannes in Venedig als auch von Fatima handelt.

Sylvie sucht auf dem örtlichen Friedhof das Grab von Briggs auf, findet dort aber keinen Hinweis. Sie wird jedoch auf eine rothaarige Frau aufmerksam, die dort eine Kerze aufgestellt hat. Sylvie gelingt es, deren Identität herauszufinden und sucht diese in ihrem Haus aus, wo sie erfährt, dass es sich bei Sarah Rivera um die Enkelin des Mannes handelt, der damals Briggs gesundgepflegt hatte. Dabei hatte Sarahs Großvater Jasper von Briggs Erlebtem erfahren und von diesem seinen Chronometer geschenkt bekommen. Sarah weiß auch, dass Briggs eine Kiste bei sich hatte, mit der er jedoch eines Tages wieder verschwunden ist. Jasper hatte jedoch zuvor eine Karte aus der Kiste entwendet, die so bei der Familie verblieben ist. Sylvie eröffnet ihr, dass die Kiste inzwischen gefunden wurde und sie dabei ist, Briggs Geheimnis zu lüften. Sarah erzählt, dass Briggs damals gemeint habe, dass man die Insel, auf der er war, nur mittels eines Luftschiffs erreichen könne. Sarahs Vorfahren hatten daher privat mit der Konstruktion eines solchen begonnen, das inzwischen fertiggestellt worden ist und sich in einer Halle befindet. Es wird ausgehandelt, dass der Graf ihr das Luftschiff und die Information über die Koordinaten, wo die Insel liegen soll, abkauft. Sarah selbst will, da sie Kinder hat, sich jedoch nicht mit auf die Reise begeben.

Mit dem Luftschiff begeben sich Sylvie und der Graf ins Bermudadreieck und finden mit Hilfe der Karte die Vulkaninsel im Bimini-Atoll. Dort angekommen stoßen sie auf ein bis auf einen alten Mann verlassenes Dorf. Der Ort wirkt sich sichtlich positiv auf den Grafen aus, dessen Erinnerung langsam wiederkehrt, er ist sich nun sicher, schon einmal hier gewesen zu sein. Sylvie sammelt alle verbliebenen Früchte vom Baum und will daraus den Trank herstellen, als plötzlich ihre Verfolger auftauchen: Ein Mann und eine Frau, die sich selbst als Alpha und Beta bezeichnen, der Graf wird von ihnen als Omega bezeichnet. Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem in Gibraltar festgenommenen Mörder um Delta handelte, der unkontrollierbar geworden war und nicht im Auftrag von Alpha und Beta handelte. Beide sind bereits übernatürlich alt, bei Alpha handelt es sich um den damaligen Maat der Mary Celeste.

Sylvie erfährt, dass der Baum nach dem Untergang von Atlantis Jahr um Jahr weniger Früchte trug, wodurch immer weniger Personen davon trinken konnten und langes Leben erhielten. Die Eingeborenen, die den Ort später bewohnten, waren daher zu der Methode übergegangen, keine Kinder mehr zu kriegen und alle Personen, die nicht vom Baum des Lebens trinken können, zu töten. Die Bruderschaft vom Baum des Lebens, zu der Alpha und Beta gehören, hat diese Tradition seitdem beibehalten. Der Trank, der aus den jetzigen Früchten gewonnen werden kann, reicht allerdings nur noch für zwei Personen. Alpha hat vor, dass er und Beta davon trinken, der Graf und Sylvie sterben müssen.

Diesen gelingt es jedoch, die beiden zu überrumpeln. Sylvie kann schließlich den Trank herstellen, der Graf will diesen aber für sich und Beta haben und plant, nicht nur Alpha, sondern auch Sylvie zu töten. Diese entschließt sich dazu, das Gefäß, in dem sich der Trank befindet, umzustoßen, woraufhin es zerbricht und der wertvolle Trank verloren geht. Der Graf blickt entsetzt auf das Werk und lässt seine Taschenuhr zu Boden fallen.

Die Schlussszene zeigt Sylvie, die sich im Regen vom Grab von Briggs entfernt, auf dem die angezündete Kerze ausgeht.

Entwicklung

Das Spiel wurde ursprünglich für den Oktober 2009 angekündigt, Anfang des Monats wurden einige Bilder daraus veröffentlicht. Am 9. Oktober wurde der Veröffentlichungstermin schließlich auf Ende November verlegt. Am 13. November wurde ein Trailer vorgestellt und der endgültige Veröffentlichungstermin auf den 26. November 2009 verlegt. Am 19. November folgte mit dem Intro des Spiels ein weiterer Trailer.Andreas Baumann: Intro und Demo-Termin zu Das Vermächtnis 2, adventurecorner.de vom 19. November 2009, abgerufen am 3. Juni 2009. Einen Tag vor diesem kam es zur Veröffentlichung einer Demo mit Stellen aus dem Venedig-Abschnitt des Spiels.News: Das Vermächtnis – Der Baum des Lebens auf Adventures-Kompakt (online), abgerufen am 3. Juni 2023.Tobias Maack: Das Vermächtnis 2: Demo verfügbar, adventurecorner.de vom 25. November 2009, abgerufen am 3. Juni 2023.Andreas Baumann: Auf die Demo folgt der Test zu Das Vermächtnis 2, adventurecorner.de vom 25. November 2009, abgerufen am 4. Juni 2023.

2011 erschien unter dem Titel Chronicles of Mystery: Das Geheimnis um den Baum des Lebens eine Adaption für Nintendo DS.

2010 und 2011 erschienen mit Das Vermächtnis – Die Legende des Heiligen Schatzes und Das Vermächtnis – Das Geheimnis des verschollenen Königreichs zwei Fortsetzungen. Dieser dritte und vierte Teil der Vermächtnis-Reihe besitzen jedoch eine andere Protagonistin, nämlich eine amerikanische Journalistin namens Chelsea Connor, und stellen nicht länger klassische Point-and-Click-Adventures dar, sondern Wimmelspiele.

Spielverlauf

Das Spiel wird mit der Maus gesteuert, hierbei überwiegend mit der linken Maustaste, vereinzelt kommt auch die rechte zum Einsatz. Es gibt ein Inventar für die gesammelten Gegenstände, das sich fest am unteren Rand des Bildschirms befindet.

Anders als im Vorgänger gibt es zwei Stellen im Spiel, wo der Spieler unter Zeitdruck ein bestimmtes Rätsel lösen muss. An einer der beiden Stellen ist es sogar möglich, dass die Protagonistin stirbt.

Rezeption

Grundsätzlich bekam das Spiel mittlere Bewertungen im deutschen und englischen Sprachraum. Die Grafik und die eingesetzte Hintergrundmusik erfuhren weitestgehend Lob, wiederholt bemängelt wurden von Rezensenten allerdings die oft sehr langen und den Spielfluss störenden Dialoge als auch unnatürlich wirkende Animationen der Figuren.

Deutscher Sprachraum