Garitz ist ein Gemeindeteil der Großen Kreisstadt Bad Kissingen im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen in Bayern. Die Gemarkung Garitz hat eine Fläche von 4,623 km². Sie ist in 3279 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1409,83 m² haben.
Geografie Geografische Lage mini|Garitz vom Kissinger Stadtwald gesehen (2009)
Das Pfarrdorf Garitz liegt leicht erhöht über der Kreisstadt Bad Kissingen, begrenzt auf der nördlichen Seite vom Staffelsberg und im Westen von Wald und dem Kirchberg.Heinrich Hack: Garitz. Ein Heimatbuch, Bad Kissingen 1986 Durch Garitz fließt der Marbach von West nach Ost, der in die Fränkische Saale mündet.
Geschichte Anfänge Den Garitzer Raum besiedelten erst Jäger und Fischer, später Bauern. Die ersten siedelnden Stämme waren keltischen Ursprungs; sie sollen eine Fliehburg (Ringwall Altenberg) auf dem Garitzer Altenberg, dem mons antiquus, errichtet haben. Verschiedene Aufzeichnungen berichten von der bisher noch nicht bewiesenen Existenz von Hügelgräbern aus der Hallstattzeit am Westrand der Garitzer Flurgemarkung. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus schrieb von einer zunehmenden Besiedlung des Raumes durch die germanischen Stämme der Hermunduren und der Chatten; diese wurden durch die Kissinger Solequellen auf die Region aufmerksam. Im Lauf des sechsten Jahrhunderts machten sich die Franken dort heimisch.
Wann Garitz gegründet wurde, ist nicht genau bekannt; entsprechende Quellen fehlen. Es wird aber der Zeitraum zwischen 1000 und 1200 n. Chr. angenommen, damit wäre Garitz im Vergleich zu Ortschaften der Umgebung relativ jung. Als Grund für die Besiedlung wird der Reichtum an Rohstoffen (Holz aus dem umgebenden Wald; Wasser aus dem Marbach) angenommen; möglicherweise spielte auch die günstige Verkehrslage eine Rolle. Da Kirche und Adel sich zu der Zeit in ständigem Konflikt um die Macht befanden, ist es möglich, dass sich die Grafen von Henneberg die Garitzer Gegend durch Besiedlung sichern wollten; andererseits könnte auch das Kloster Aura Garitz gegründet haben, um so an neue Fronarbeiter zu kommen. Dokumentarisch ist belegt, dass Poppo von Irmelshausen im Jahr 1186 durch Tausch Güter Fuldas in Garitz erwarb. Zu dieser Zeit gab es dort die Ortschaften Rumpfes, Bischofswinden und Zehentwinden. Durch einen Rückgang der Bevölkerung wurden diese Orte zu Wüstungen; allein Garitz überlebte.
Der Ortsname von Garitz hat im Lauf der Zeit viele Wandlungen erfahren. In verschiedenen Dokumenten wurde der Ort „Gerhartis“ (als der Ort im Jahr 1186 von Abt Konrad von Fulda an Poppo von Irmelshausen ging), „Gaharts“ (1325/1326; im Lehnsbuch des Bischofs Gottfried), „Gahart“ (in einem Urbarium der Henneberger aus dem Jahr 1340) „Gahartz“ (1465; in Landgerichtsprotokollen des Staatsarchivs Würzburg), „Gaartz“, „Gaarz“, „Gartz“, „Garz“ (innerhalb eines einzelnen Kissinger Dokumentes aus dem Jahr 1517) sowie „Garetz“ und „Garez“ (in den Matrikelbüchern der katholischen Stadtpfarrei Kissingen von 1588) genannt; in Akten aus dem Jahr 1745 lautet die Schreibung zum ersten Mal „Garitz“.
Die Herkunft des Namens Garitz hat für viel Unsicherheit unter den Gelehrten gesorgt; es wurde auch ein slawischer Ursprung vermutet. Wie der Garitzer Lehrer Heinrich Hack ausführte, liegt der Ursprung des Namens in der Wichtigkeit des Waldes für den Garitzer Raum begründet. Demnach steht in der Form Gahart die Silbe Ga für steil, während hart Wald bedeutet. Damit wurde Garitz als eine an einem aufsteigenden Berg gelegene Waldsiedlung charakterisiert.
Mittelalter Im Mittelalter lebten in „Gaartz“ nach kirchlichen Aufzeichnungen etwa 300 bis 400 Menschen (diese Zahl blieb über mehrere Jahrhunderte konstant), die von Tagelöhner- und harter Bauernarbeit lebten. Sie ernährten sich von Roggen, Hafer, Kohl und Flachs. Im Lauf der Zeit entstanden verschiedene Regelungen zu Weiderechten, mit deren Hilfe mehrere Hutrechtsstreitigkeiten, unter anderem mit Albertshausen geschlichtet wurden. Einige Bauern leisteten Fronarbeit für das Kloster Aura; zusätzlich mussten sie den Fruchtzehnt und den Viehzehnt an das Kloster abliefern. Die Garitzer Bürger mussten mehrere Arten von Abgaben entrichten, wie die Schatzung (für den Landesfürsten gedachte Besitzsteuer), das Ein- und Auszugsgeld (durch Einheiratende von auswärts sowie Wegziehende zu entrichten), das Nachbargeld (von jeglichem Nachbarn zu entrichten), das Feuereimergeld (durch jeden Neuvermählten zu entrichten), den Ackerzins (zur Besteuerung von Ackerfläche), den Laubmaßzins (zur Besteuerung von Grundbesitz), das Kapitalgült (Naturalabgabe), das Bekenntnis (zwecks Bau und Unterhalt gemeindlicher Wege), das Hirtenpfründ (zur Vergütung der Hirten), den Nachbargulden (zur Deckung von Ausgaben der Gemeinde) und das Leibgeding (Altersversorgung von Garitzer Mitbürgern). Wegen finanzieller Nöte verpfändete das Kloster Aura mehrmals den Garitzer Zehnt; als das Kloster aufgelöst wurde, ging dessen gesamtes Vermögen mit den Zehnteinnahmen an die fürstbischöfliche Hofkammer.
Zu den verlangten Landesfronarbeiten gehörten die Heeresfolge und Kriegsfuhren sowie Schanzarbeiten und Landwehr. Die Herrenfron war für das Kloster Aura, für das Amt Kissingen sowie bei Jagden zu leisten; die Gemeindefron bestand aus Hand- und Spanndiensten sowie Dorfwachen.
Neben einem durch den Abt von Aura ausgeübten Dorfgericht war auch das Zehntgericht zu Aura für Garitz zuständig.
Im Jahr 1394 erwarb der Würzburger Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg das Amt Kissingen und damit (neben Hausen, Nüdlingen und Winkels) auch Garitz von dessen Erben, dem Herzog Swantibor von Pommern. Wenig später kam der Besitz der Gegend vorübergehend wieder an die Henneberger, ging dann jedoch endgültig an den Fürstbischof.
Garitz zu Beginn der Neuzeit Während des Bauernaufstandes von 1525 verweigerte sich Garitz der Aufforderung des Kissinger Pfarrers Wüst, an dem Aufstand teilzunehmen. Daher blieb Garitz, als der Aufstand wenig später blutig niedergeschlagen wurde, von schlimmeren Nachwirkungen verschont.
Während des Zweiten Markgrafenkrieges (1552–1555) war mit dem Saaletal auch Garitz von schweren Brandschatzungen und Verwüstungen betroffen. Johannes Fleischmann, Abt des Klosters Aura, verpfändete den Garitzer Zehnt um 600 Gulden an Wolf von Schletten. Der Abt war bei den Garitzern beliebt. Nach seinem Tod im Jahr 1556 bat Garitz gemeinsam mit anderen Klosterdörfern den Würzburger Fürstbischof Melchior Zobel von Giebelstadt um einen Nachfolger für Johannes Fleischmann.
Diese Bitte wurde erfüllt, doch musste das Kloster Aura im Jahre 1564 wegen Überschuldung aufgelöst werden. Aus diesem Anlass wurde Garitz nun von der Pfarrei Kissingen seelsorgerisch betreut. Dieser Zustand bestand bereits seit 1337 und wurde im Jahre 1564 endgültig. Bei einer Umstrukturierung der Kissinger Pfarrei durch Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn im Jahr 1586, bei der viele Dörfer in die Pfarreien Oberthulba und Burkardroth übergingen, blieb Garitz gemeinsam mit Arnshausen, Hausen, Reiterswiesen und Winkels in der Pfarrei Kissingen; ihre Einwohner sollten ab 1614 zudem in Kissingen die Gottesdienste besuchen.
Garitz wurde mehrfach von der Pest heimgesucht. Die ersten beiden Pestepidemien breiteten sich in den Jahren 1568/69 sowie im Jahr 1611 aus; letztere forderte bei einer Zahl von etwa 350 Einwohnern 124 Todesopfer. Die Pestopfer des Ortes wurden in Kissingen beerdigt, zunächst auf dem damaligen Friedhof der Jakobuskirche, dann auch auf dem Kapellenfriedhof der Marienkapelle. Als erste Beerdigung in Garitz ist in den Matrikelbüchern die eines 13 Wochen alten Kindes namens Catharina Mez im Jahre 1886 verzeichnet.
Nachdem der Dreißigjährige Krieg Garitz zunächst verschont hatte, suchte im Jahr 1635 auch dieser den Ort mit Verwüstungen und Raubschatzungen heim. Während des Krieges gab es im Jahr 1634 eine weitere Pestepidemie, der insgesamt 71 Menschen zum Opfer fielen. Diese Epidemie wurde im Folgejahr von einer Hungersnot verschärft.
Erste Hinweise auf eine Schule in Garitz gibt es für das Jahr 1686 im Garitzer „Altweistum“, in dem die Rumpfesgült für den Schuldiener festgelegt wurde. Der Schuldiener beziehungsweise später der Schulmeister hatten keine Ausbildung zum Unterrichten und waren nicht fest angestellt. Der Schulbesuch der Schüler war beeinträchtigt, da sie dringend bei der Feld- und Hausarbeit gebraucht wurden. Eine Verbesserung der Schulsituation trat im Jahr 1770 mit der Gründung des Würzburger Lehrerseminars ein. Nun wurden ausgebildete, hauptberufliche Lehrkräfte eingesetzt. Im Jahr 1804 wurde das alte baufällige Schulgebäude durch einen Schulneubau in der heutigen Kirchbergstraße 6 ersetzt und wurde schließlich verkauft. Das neue Schulgebäude, in dem schrittweise immer mehr Jahrgänge unterrichtet wurden, befand sich östlich der St.–Nepomuk–Kirche und wurde im Jahr 1874 durch das ehemalige Wohnhaus des Bäckers Nikolaus Buscham in der heutigen Baptist-Hoffmann-Straße 29 um eine II. Schule ergänzt.
mini|200px|Die St.-Nepomuk-Kirche
Etwa vom 18. Jahrhundert bis etwa 1900 existierte in Garitz eine kleine jüdische Gemeinde.Cornelia Binder und Michael (Mike) Mence: Last Traces / Letzte Spuren von Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen, Schweinfurt 1992, S. 177 Auf ihrem Wohngebiet, dem „Judenhof“ in der heutigen Jahnstraße 34–48, gab es eine Synagoge, über die es heute keine Informationen mehr gibt, und einen Betsaal.Garitz (Stadt Bad Kissingen, Kreis Bad Kissingen) – Jüdische Geschichte auf www.alemannia-judaica.de In den Matrikellisten von 1817 gibt es keine Einträge über Garitzer Juden, was vermuten lässt, dass es zumindest zu dieser Zeit keine Bürger jüdischen Glaubens im Ort gab.
Im Jahr 1745 erfüllte sich mit dem Bau einer neuen Kirche ein lang gehegter Wunsch der Garitzer.Denis A. Chevalley, Stefan Gerlach: "Denkmäler in Bayern - Stadt Bad Kissingen, 1998 Der Bau wurde zwei Jahre später, im Jahre 1747, vollendet; die neue Kirche wurde dem Heiligen Johannes von Nepomuk geweiht. Es bestehen dokumentarische Hinweise, dass an dem Standort der St.-Nepomuk-Kirche bereits vorher ein Gotteshaus bestand.
Im Sommer 1796 marschierte im Rahmen des Ersten Koalitionskrieges Napoleon Bonapartes eine französische Revolutionsarmee unter General François-Joseph Lefebvre in das Hochstift Würzburg ein. Alle männlichen Einwohner im Alter von 16 bis 60 Jahren wurden zur Verteidigung einberufen. Die Soldaten von Lefebvres Armee raubten Nahrungsmittel, Kleidung und Wertsachen von der Garitzer Bevölkerung. Ein bewaffneter Bauernhaufen, der hauptsächlich aus Garitzern bestand, konnte die französischen Soldaten vertreiben. Ein französischer Kommissar, der die Kontributionskasse der fürstbischöflichen Hofkammer stehlen und von den Ortschaften der Umgebung die Kriegssteuern eintreiben wollte, wurde von den Bauern von seinem Vorhaben abgehalten, erschossen und in die Saale geworfen. An Napoleon Bonaparte Russlandfeldzug von 1812 nahm auch ein Garitzer Bürger teil. Bei diesem Garitzer handelte es sich, soweit bekannt, um Michael Sell, einen Urgroßvaters des ehemaligen Bürgermeisters Viktor Metz. Nach Napoleons Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig kam es ein weiteres Mal zu Plünderungen nicht nur durch französische, sondern auch durch russische Truppen; dazu gesellten sich Seuchen wie Blattern und Typhus.
Königreich Bayern mini|200px|„Sisi“-Denkmal auf dem Altenberg.