mini|Blick auf die Kirche von Südosten: rechts der Chor mit Dachreiter, links Kapellenbauten und das Waffenhaus mit barockem Portal und Mauerankern mini|Innenraum mit Blick von der Empore zum Chor

Die evangelisch-lutherische Kliplev Kirke, auch Vor Frelser Kirke (Erlöserkirche), deutsch Klipleffer Kirche, ist die gotische Kirche des Kliplev Sogn in der Aabenraa Kommune im Süden Dänemarks.

Geschichte Die Kirche in Kliplev wurde erstmals im Erdbuch König Valdemars II. von 1231 als Kirche der damals Clyppælofhæreth (Kliplevharde) genannten Lundtoftharde erwähnt. Kliplev war zu dieser Zeit ein Krongut, das von der landesherrlichen Burg Søgård (Seegard) verwaltet wurde. Ab 1398 besaßen Mitglieder der Familie Ahlefeldt Søgard als Lehen. Die Kirche unterstand dem Bistum Schleswig. Das ursprüngliche Patrozinium ist nicht bekannt. Da der alte Hauptaltar ein Marienaltar war, trug die Kirche möglicherweise ursprünglich das Patrozinium der Jungfrau Maria.

Wallfahrtsort In vorreformatorischer Zeit erhielt sie den Namen Erlöser- oder Salvatorkirche, als die am Ochsenweg liegende Kirche sich im Laufe des 15. Jahrhunderts zu einem Wallfahrtsort entwickelte. Der erste Beleg für diese Wallfahrt stammt von 1437. Zur Unterstützung der Pilger bildete sich in dem Ort eine Bruderschaft. Besonders zu den Feiertagen Kreuzauffindung am 3. Mai und Kreuzerhöhung am 14. September war der Andrang groß. An diesen Tagen fand ein Markt statt,Hans Nicolai Andreas Jensen: Versuch einer kirchlichen Statistik über das Herzogthum Schleswig. Bd. 4 Enthaltend Femern, die unmittelbar unter dem Schleswigschen Generalsuperintendenten, so wie die unter den Bischöfen von Ripen und von Alsen stehenden Kirchen: nebst Zusätzen und Registern. Kastrup, Flensburg 1842, S. 1440. eine Tradition, die die eigentliche Wallfahrt weit überdauerte. Der Frühjahrsmarkt wurde 1688 auf den 14. April und später auf den 4. April verlegt. mini|S. Hjælper-Pilgerzeichen auf der Glocke von Kværs Kirke Das Ziel der Pilger war ein Gnadenbild, ein S. Hjælper, Sankt Hulpe oder Salvator genanntes hölzernes Nothelfer-Kruzifix. Nach einer Beschreibung von Anton Heimreich waren die Hände und Schuhe des mit ausgestreckten Armen stehenden Christus vergoldet und er trug eine Krone. Dieser Bildtyp einer Christusfigur, die nicht wie in der Ikonographie deutlich häufiger halbnackt am Kreuz hängt, sondern mit einem knöchellangen Gewand bekleidet in königlicher Haltung vor dem Kreuz steht, verbreitete sich ab dem 11. Jahrhundert nach dem Vorbild des Volto Santo von Lucca in ganz Europa. In Dänemark findet sich eine ähnliche Darstellung Christi als Triumphator auch schon auf dem großen Jellingstein. Pilgerzeichen aus Kliplev sind in ganz Dänemark und sogar im Kloster Hovedøya in Süd-Norwegen gefunden worden, was von einer großen Beliebtheit dieses Wallfahrtsortes und -heiligen zeugt. Auf der 1472 von Bertolt Meier für Kliplev gegossenen Uhrglocke, die heute im Glockenturm der benachbarten Kirche von Kværs (Quars) hängt, findet sich eine Abbildung von S. Hjælper. Auch auf der Glocke der Kirche von Lundforlund auf Seeland, die Oluf Kegge 1491 goss, ist das Kliplever Pilgerzeichen abgebildet. Wohl im Zusammenhang mit dieser Wallfahrt wurde im Verlaufe des 15. Jahrhunderts die Vorgängerkirche abgerissen und durch einen größeren Neubau ersetzt, der einige Jahrzehnte später, um 1500, durch einen neuen Chor vergrößert wurde. An der Nordseite des Chores wurde eine kleine Kapelle angebaut, in der sich hinter einem tief sitzenden, vergitterten Fenster S. Hjælper befand. Davor stand ein Opferstock, in den die Pilger, die sich von ihrer Wallfahrt göttliche Hilfe erwarteten, ihre Spenden einwarfen.

Nach der Reformation Mit Einführung der Reformation endete die einträgliche Wallfahrt, auch wenn S. Hjælper noch jahrzehntelang weiter verehrt wurde. Die mit der Wallfahrt verbundenen eventuellen Pläne einer weiteren Vergrößerung der Kirche wurden aufgegeben. Die Herren des adligen Guts Søgård bekamen das Patronat über das Kirchspiel Kliplev und das benachbarte Bjerndrup. Die Brüder Gregor und Frans Ahlefeldt (beide † 1559 bei der Eroberung Dithmarschens) legten beide Kirchspiele zusammen und ließen die Kirche von Bjerndrup (Berndorff) abreißen. Als adliges Kirchspiel war Kliplev exempt und unterstand nicht einem Propst, sondern direkt dem Generalsuperintendenten in Schleswig. Die Gutsherren von Søgård, denen bis auf den kleinen Gutsbezirk von Ahretoft das gesamte Land im Kirchspiel gehörte,Hans Nicolai Andreas Jensen: Versuch einer kirchlichen Statistik über das Herzogthum Schleswig. Bd. 4 Enthaltend Femern, die unmittelbar unter dem Schleswigschen Generalsuperintendenten, so wie die unter den Bischöfen von Ripen und von Alsen stehenden Kirchen : nebst Zusätzen und Registern. Kastrup, Flensburg 1842, S. 1439–1441. besaßen als Patrone das Recht, die Pastoren zu präsentieren. Die Gemeinde wählte aus den drei ihnen vorgestellten Kandidaten.

1654 wurde die kleine Kirche in Kværs, die ebenfalls zum Grundbesitz der Ahlefeldter Herren von Søgård gehörte, Filiale von Kliplev. Die Gutsherren beabsichtigten, auch dieses romanische Kirchlein abzureißen, was ihnen jedoch vom König untersagt wurde. 1704 wurde Kværs mit dem bisherigen Kliplever Diakon als Pastor wieder selbständige Pfarrkirche. Seitdem hatte Kliplev nur noch einen Prediger, der über ein sehr gutes Einkommen verfügte. Besonders lange in Kliplev blieb von 1768 bis zu seinem Tod 1823 im Alter von 83 Jahren der Pietist Johannes Klinker, dessen Weigerung, die Kirchen-Agende des Generalsuperintendenten Jacob Georg Christian Adler einzuführen, 1797/98 zu Unruhen in sämtlichen benachbarten Gemeinden führte. In den 55 Jahren seiner Amtszeit soll Klinker nur an einem einzigen Sonntag nicht den Gottesdienst gehalten haben.Hans Nicolai Andreas Jensen: Versuch einer kirchlichen Statistik über das Herzogthum Schleswig. Bd. 4 Enthaltend Femern, die unmittelbar unter dem Schleswigschen Generalsuperintendenten, so wie die unter den Bischöfen von Ripen und von Alsen stehenden Kirchen : nebst Zusätzen und Registern. Kastrup, Flensburg 1842, S. 1444.

Aufgrund der deutschen Gutsherrschaft waren Kirch- und Schulsprache Deutsch, obwohl die Bevölkerung im Alltag einen dänischen Dialekt sprach. Die Lieder sangen die Gottesdienstbesucher aber gleichzeitig auf Deutsch und Dänisch, je nachdem, was ihre Muttersprache war. Gemäß den Dänischen Sprachreskripten von 1851 galt das Kirchspiel als gemischtsprachig, weshalb auch mit der Predigtsprache abgewechselt wurde. Der aus einer schleswigschen Pastorenfamilie stammende Hieronymus Grauer war bereits 1850 nach der Schleswig-Holsteinischen Erhebung seines Amtes enthoben worden. In diesem Jahr verlor Kliplev auch seinen Status als exempte Kirche und wurde der Propstei Apenrade zugeordnet. Der von dänischer Seite eingesetzte Pastor wurde 1864 nach dem Deutsch-Dänischen Krieg abgesetzt. Auch in der Provinz Schleswig-Holstein blieb die Kirchensprache gemischt.

Bau und Baugeschichte Der Vorgängerbau, der wohl im 12. Jahrhundert entstand, wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts abgerissen. Baumaterial dieser älteren Kirche wurde für den Neubau wiederverwendet. Die gotische Kirche besteht aus einem kurzen, zweijochigen Langschiff, das Mitte des 15. Jahrhunderts errichtet wurde, und einem etwas jüngeren, fast ebenso langen und breiten, aber höheren dreijochigen Chor, dessen Konsolen mit Köpfen verziert sind. Um 1500 wurden im Süden an das Langschiff das Waffenhaus und im Norden an den Chor die kleine St.-Hjælpers-Kapelle angebaut, die heute als Sakristei und „Uhrenhaus“ für das Werk der Uhr im Dachreiter dient. Etwas später entstanden zwei weitere Kapellen südlich und nördlich vom Langschiff, durch die die Kirche einen – passend zum als wundertätig angesehenen Kruzifixus – kreuzförmigen Grundriss erhielt. Diese beiden westlichen Kapellen waren Grabkapellen der Gutsherren aus der Familie Ahlefeldt. Zuletzt wurde die Lücke zwischen südlicher Grabkapelle und Waffenhaus durch eine weitere Kapelle geschlossen, die ebenfalls als Grablege diente. Die beiden südlichen Grabkapellen wurden später zum Kirchenschiff hin geöffnet. Alle Gebäudeteile haben Kreuzrippengewölbe. Über dem Chor erhebt sich ein Dachreiter, der einen älteren Dachreiter auf dem Langschiff ersetzte, von dem sich noch Spuren im Dachstuhl finden. Bis auf die ziegelsichtige Chorwand ist die gesamte Kirche von außen weiß verputzt.

Um 1609 war dank der großen Stiftung von 2000 lübischen Mark der 1580 unverheiratet verstorbenen Brigitte von Ahlefeldt eine größere Renovierung möglich: Die Gewölbe zumindest des Chores wurden von dem Flensburger Maler Johan van Enum ausgemalt. Zudem wurden die Kanzel und die Taufe samt Deckel sowie die Reparatur weiteren Inventars bei der Werkstatt des Flensburger Bildschneiders Heinrich Ringerink in Auftrag gegeben. Alle Stücke erhielten ihre farbige Fassung durch Johan van Enum. Zum Dank für die Stiftung wurde zuletzt 1617 eine Stiftertafel ebenfalls in Ringerinks Werkstatt hergestellt.

Die Maueranker an den Giebeln zeigen die Jahreszahlen 1755 an dem mittleren der südlichen Anbauten und 1756 am damals mit einem Fenster versehenen Westgiebel und erinnern an einen Umbau der Kirche zwischen 1754 und 1756. Zusätzlich weist eine Bauinschrift über der Tür des damals im Barockstil erneuerten Waffenhauses auf diese Renovierung hin, die der damalige Besitzer von Gut Søgård und Patron Hieronymus von Thienen veranlasste. Darüber befindet sich eine Sonnenuhr.

Im Zuge der Renovierung von 1882 gestaltete der Architekt P. Callesen die Kirche im neugotischen Stil um. Die Kirche erhielt eine neue Orgel mit Empore und eine Kommunionbank. Gleichzeitig wurde der Renaissance-Tauftisch von Ringerink durch einen neuen ersetzt und die Evangelistenfiguren an den neu errichteten Chorschranken angebracht. Die Herrschaftsempore im Chor wurde entfernt und drei der Brüstungsbilder am Altartisch angebracht. An der Südwand wurden Priechen für den Pastor und den Gutsverwalter errichtet.

Bei einer weiteren Renovierung in den 1950er Jahren wurde ein Großteil der neugotischen Änderungen rückgängig gemacht. Dabei entdeckte man an der Decke des Chores Reste der wohl im 18. Jahrhundert übermalten Kalkmalereien von Johan van Enum wieder. Erhalten geblieben ist eine Darstellung des Jüngsten Gerichts, während von einem Bild der Sintflut nur noch wenige Reste vorhanden sind.

Glockenturm Neben der Kirche befindet sich ein freistehender hölzerner Glockenturm, dessen Ständerwerk auf die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zu datieren ist. Von einem steinernen Turm, der direkt an den Westgiebel anschloss, entdeckte man 1958 die Fundamente. Es ist aber nicht klar, ob dieser Turm vor der Erneuerung des Westgiebels 1756 abgerissen wurde oder ob er vielleicht überhaupt nicht fertig gebaut wurde. Das Mauerwerk der engen Wendeltreppe, die nördlich an der Westwand zum Dachboden führt, ist jünger als das umgebenden Mauerwerk, was darauf schließen lässt, dass das Treppenhaus als Ersatz für eine Treppe im (geplanten) Turm entstand.

Ausstattung Das Nothelfer-Kruzifix, das 1628 wegen seines schlechten Erhaltungszustandes und zur Verhinderung weiterer abergläubischer Verehrung aus der Kirche entfernt wurde, ist noch im Inventar von 1808 aufgeführt und seitdem verschollen. Von der vorreformatorischen Ausstattung hat sich damit nur die Kreuzigungsgruppe von etwa 1500 erhalten. Sie hing ursprünglich als Triumphkreuz über dem Chorbogen. Am oberen und unteren Kreuzende befinden sich noch die quadratischen Felder, in denen sich ursprünglich die Evangelistensymbole befanden. Heute ist nur das untere Quadrat mit einem Relief des Matthäus gefüllt, das stilistisch der Ringerink-Werkstatt zugeordnet wird und demzufolge um 1610 ergänzt wurde.

mini|Chor mit Altar und Taufbecken, hinter dem Altar die Reste der Wandmalerei des Jüngsten Gerichts