Bonn – Alte Freunde, neue Feinde ist eine sechsteilige historische Miniserie in der ARD aus dem Jahr 2023. Die Serie thematisiert die Konkurrenz im Jahre 1954 zwischen dem Bundesverfassungsschutz und dem Auslandsgeheimdienst Organisation Gehlen sowie den institutionellen Umgang mit ehemaligen NS-Größen in der jungen Bundesrepublik. Erzählt wird die fiktive Geschichte der Spionin Antonie (genannt Toni) Schmidt, die zwischen diese Fronten gerät und dabei auf dunkle Geheimnisse auch in ihrer eigenen Familie stößt. Die Drama-Serie greift vielfältige politische (sich anbahnender Ost-West-Konflikt, Entnazifizierung, Wiederbewaffnung) und soziale (Umgang mit Kriegsschuld in den Familien) Spannungsfelder in der unmittelbaren Nachkriegszeit auf.
Inhalt Die Serie spielt im Jahr 1954 in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn. Das politische Klima ist geprägt vom Kalten Krieg. Die 20-jährige Toni Schmidt kehrt nach einem Sprachaufenthalt in London zurück nach Bonn. Tonis Vater Gerd ist ein erfolgreicher Bauunternehmer, und ihre Familie hat den Zweiten Weltkrieg scheinbar gut überstanden. Man genießt den neuen Wohlstand zu Zeiten des „deutschen Wirtschaftswunders“.
Toni will arbeiten, und sie bekommt eine Stelle als Fremdsprachensekretärin bei der Organisation Gehlen, dem Auslandsgeheimdienst und Vorläufer des späteren Bundesnachrichtendienstes (BND). Aber auch Otto John, der als Leiter des Bundesverfassungsschutzes unter anderem untergetauchte Kriegsverbrecher aufspürt, wird auf Toni aufmerksam.
John ist überzeugt, dass Tonis Chef Reinhard Gehlen ehemalige Nazis unterstützt und seine Arbeit massiv behindert. Kurzentschlossen setzt John seinen besten Mitarbeiter Wolfgang Berns auf Toni an, um sie als Spionin für seinen Nachrichtendienst anzuwerben. Die ambitionierte junge Frau gerät zwischen die Fronten der Geheimdienste. Sie stößt nicht nur auf skrupellose Machenschaften und dunkle Geheimnisse, sie kommt auch Wolfgang emotional immer näher.
Folge 1 Ardennenschlacht, Silvesternacht 1944/45: Beim Versuch zu desertieren, wird ein junger Soldat erschossen.
Toni Schmidt, als Au-Pair-Mädchen in London, trifft auf der Silvesterparty 1953/54 Lucie John und deren Mann Otto.
Der Zuschauer wird Zeuge, wie Reinhard Gehlen dem NS-Verbrecher Alois Brunner, der unter falschem Namen als Bergmann arbeitet, in einer Kaue einen Fluchtplan nach Damaskus und eine neue Identität verschafft.
Toni, inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt, besucht mit ihrem Vater, dem Bauunternehmer Gerd Schmidt, Reinhard Gehlen zu einem Vorstellungsgespräch, das positiv verläuft. Nach dem Gespräch bleibt Tonis Vater noch einen Moment mit Gehlen allein im Raum, und es wird deutlich, dass beide in irgendeiner Form an einem gemeinsamen Projekt arbeiten.
Die Schwestern Toni und Ingrid beobachten, wie ihre Mutter aus dem Auto eines ihnen unbekannten Mannes aussteigt: Sie trifft heimlich Noah, den sie gegenüber ihren Töchtern als ehemaligen Nachbarn ausgibt.
Gegenüber seiner Frau berichtet Otto John von einem Geheimprojekt, welches in großer Zahl Waffen nach Deutschland schmuggelt. Dabei handele es sich um deutlich mehr Waffen als zum damaligen Aufbau der Bundeswehr benötigt. John geht davon aus, dass Gehlen daran wesentlich beteiligt ist.
In einem vertraulichen Gespräch zwischen Otto John, dessen Sekretärin Ursula und Wolfgang Berns trägt Johns Sekretärin die Informationen vor, die sie im Auftrag ihres Chefs über Gerd Schmidt gesammelt hat: Die Firma wurde ihm demnach erst 1927 überschrieben und gehörte bis dahin der Familie seiner Frau, Schneider, gemeinsam mit der jüdischen Familie Berret, die damals auswanderte. Mit Reinhard Gehlen ist Gerd Schmidt persönlich bekannt, seit er im Krieg in der Abteilung Fremde Heere Ost unter Gehlens Leitung Militärspionage gegen Russland betrieben hatte.
Folge 2 Während eines Kriegsverbrecherprozesses macht Otto John Toni Schmidt und Wolfgang Berns miteinander bekannt.
Gerd Schmidt, Reinhard Gehlen und Kanzleramtsminister Hans Globke arbeiten alle miteinander am Projekt „Scipio“.
Else Schmidt trifft Noah Berret in einem Hotel. Er lebt in Israel in einem Kibbuz und wirbt in Deutschland für dessen Apfelsinen. Er stellt Else seine beiden Töchter vor.
Wolfgang Berns, der Toni Schmidt zu einem Kaffee einlädt, verschüttet dabei scheinbar aus Versehen Kaffee auf Tonis Bluse. Während diese auf die Toilette eilt, um sich zu säubern, kann Berns unbemerkt ihre Unterlagen mit einer Kleinkamera fotografieren: Material zu „Scipio“, das Gehlen an Globke schicken lässt.
Berns hat eine intime Beziehung zu der undurchsichtigen Blondine Edda, die ihm Informationen über den entstehenden Warschauer Pakt zukommen lässt.
Tonis Zweifel an ihrer bevorstehenden Hochzeit mit Hartmut werden stärker; sie schläft zwar mit ihm, will aber kein Kind von ihm; sie will arbeiten, studieren, Erfahrungen sammeln. Hartmut ist nicht begeistert!
Wolfgang macht Toni Avancen. Bei einem gemeinsamen Essen beim Italiener taucht unerwartet ein ärmlich aussehender junger Mann auf. Er fragt Toni nach ihrem vermissten Bruder Stefan und behauptet, sie seien Frontkameraden gewesen und er habe Stefan auf Befehl als Deserteur erschossen. Vater Schmidt zweifelt das an, als Wolfgang und Toni ihm davon erzählen. Als er mit Berns alleine ist, gibt sich dieser als ehemaliges Mitglied der Waffen-SS und als Gesinnungskamerad zu erkennen. Er teilt Schmidt mit, dass er von John auf ihn angesetzt sei.
Mutter Else Schmidt, die immer noch Suchmeldungen nach vermissten Soldaten verfolgt und so hofft, etwas über ihren Sohn Stefan zu erfahren, bricht zusammen, als sie erfährt, dass dieser tot ist. Noah kommt bei Familie Schmidt vorbei und behauptet, Stefan sei sein Sohn und nicht der von Gerd Schmidt.
Folge 3 Auf der Beerdigungsfeier von Stefan Schmidt stimmen einige anwesende Männer das Lied „Der gute Kamerad“ an. Gerd hat nämlich verschwiegen, dass Stefan desertieren wollte. Der ebenfalls anwesende Gehlen unterbindet den Gesang, den er als pathetisch und aus der Mode gekommen bezeichnet, und hält eine Ansprache: Der Nationalsozialismus sei Vergangenheit, für die Zukunft gelte alle Konzentration dem Russen als „neuen Feind“.
Im Innenministerium treffen sich John, Gehlen, Kanzleramtsminister Hans Globke und Innenminister Schröder. John wird wegen Wolfgangs „unsanften“ Verhörmethoden bei Fälscher Heimann zur Rede gestellt. Wohlweislich erzählt er nichts von der verschlüsselten Liste aus Heimanns Wohnung. Kurz darauf wird Heimann mit einer Zyankali-Kapsel, die ihm ein Aufseher gegeben hatte, im Mund tot in seiner Zelle aufgefunden.
Toni wird Gehlen gegenüber immer misstrauischer. Heimlich durchsucht sie Gehlens Büro nach Hinweisen. Aufgeregtes Treiben auf dem Hof ihres Vaters lässt sie zusätzlich stutzig werden. In einem unbeobachteten Moment öffnet sie eine der Kisten und findet dort anstelle von Baustoffen eine Vielzahl an Waffen.
Nach langem Ringen berichtet Toni John von ihrer Entdeckung. John sieht seinen Verdacht, Gehlen und andere Ultra-Konservative planten den Aufbau einer Schatten-Armee, bestätigt. Johns Ehefrau Lucie, deren Familie im KZ getötet wurde, beschwört Toni, sich auf keinen Fall etwas anmerken zu lassen.
Die Stimmung in der Familie Schmidt ist schlecht: Gerd entdeckt Liebesbriefe zwischen seiner Frau Else und Noah und betrinkt sich. Als Toni einen lautstarken Streit ihrer Eltern schlichten will, wird Gerd handgreiflich und stößt unbeabsichtigt Else die Treppe herunter, die daraufhin schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert wird.
Unterdessen trifft Wolfgang in Antwerpen seinen Kontaktmann vom Mossad, der die „Heimann-Liste“ entschlüsseln konnte. Mit dem israelischen Agenten handelt er einen Deal aus: Der Verfassungsschutz bekommt Brunner, der Mossad alle anderen Kriegsverbrecher auf der Liste.
Auf der Rückfahrt aus Belgien sieht Wolfgang vermeintlich eine Pistole in der Tasche seines Chauffeurs. Als dieser in die Tasche greift, tötet ihn Wolfgang mit einem Kappmesser. Die vermeintliche Pistole stellt sich als Flachmann heraus. Den Wagen mit dem toten Fahrer versenkt er später im Rhein.
Folge 4 Toni durchsucht heimlich Gehlens Büro nach weiteren Hinweisen für ihren Verdacht. In seinem Kalender findet sie einen Eintrag zu „Scipio“.
Else weigert sich, Gerd zum Ball der deutschen Wirtschaft zu begleiten. Stattdessen ergreift Toni ihre Chance und fährt mit ihrem Vater zum Fest. Auch Gehlen ist vor Ort, und Toni beobachtet, wie er mit ihrem Vater und weiteren Männern zu einer geheimen Versammlung verschwindet. Sie folgt ihnen und kann das Treffen belauschen: Man bedankt sich für das bisher erfolgreiche Projekt „Scipio“. Außerdem soll eine Gedenkfeier zu Ehren Adolf Hitlers am 20. April stattfinden. Doch Toni wird ausgerechnet von ihrem Vater entdeckt, der ihr unmissverständlich klarmacht, ihm nicht nachzuspionieren.
Toni will weiter zu der Gedenkfeier ermitteln, um darüber an die Beteiligten von „Scipio“ zu gelangen. Mithilfe des Fahrtenbuchs von Gehlens Fahrer kann sie den Veranstaltungsort herausfinden. Wolfgang mischt sich in SS-Uniform unter die Gäste, wird jedoch von Gehlen und Gerd Schmidt entdeckt. Bei einem brutalen Verhör kann er sie jedoch überzeugen, einer von ihnen zu sein.
Auf einer Party, auf die Toni mit ihrer Schwester Ingrid geht, trifft sie den Unbekannten wieder, der behauptet hatte, Stefan Schmidt im Krieg erschossen zu haben. Es stellt sich heraus, dass er Schauspieler ist und für seine Aussage engagiert wurde. Toni vermutet Wolfgang hinter der Aktion und zweifelt, ob sie ihm weiter vertrauen kann. Sie konfrontiert Wolfgang mit diesem Vorwurf, der jedoch mehrfach verneint. Plötzlich kochen ihre Gefühle hoch, und sie schlafen miteinander.
Um sich einen eigenen Eindruck zu Stefans Tod zu verschaffen, besorgt sich Toni dessen Akte im Heeresarchiv. Es wird klar, dass Gerd als Oberstleutnant persönlich die Anweisung gegeben hat, Stefan zu erschießen, sollte dieser erneut versuchen, zu desertieren.
Folge 5 Trotz Tonis Entdeckung, dass John sie gezielt angeworben hatte, um an ihren Vater zu gelangen, arbeitet sie weiterhin für Otto John. Dieser gibt Toni den Auftrag herauszufinden, wer „Scipio“ finanziell unterstützt.
Auf einem Bahnhof soll Alois Brunner verhaftet werden. Doch entgegen den Informationen der „Heimann-Liste“ sitzt dieser nicht im Zug. Mutmaßlich hat jemand den Verbrecher gewarnt. Bei der wöchentlichen Besprechung im Innenministerium erntet John für das Scheitern der Festnahme Hohn und Spott von Gehlen. John macht sich auf den Weg nach Antwerpen, um sich mit dem israelischen Geheimdienst Mossad zu treffen und erfährt, dass die Daten auf der „Heimann-Liste“ absichtlich geändert wurden.
Im Büro ihres Vaters wird Toni fündig und stößt auf dubiose Zahlungen über eine Stiftung. Als auf dem Hof Lkw mit den mysteriösen Kisten beladen werden, legt Toni sich auf die Lauer. In einem unbeobachteten Moment springt sie auf die Laderampe eines LKW, der zu einer der geheimen Lagerhallen von „Scipio“ fährt.
Toni sagt Hartmut endgültig, dass sie ihn nicht heiraten will. Beide scheinen keine gemeinsame Basis mehr zu haben. Else hat sich dazu entschieden, Gerd zu verlassen und mit Noah nach Israel zu gehen. Doch als Noah sie abholen will, bleibt sie schließlich doch. Toni hat dafür keinerlei Verständnis und konfrontiert ihren Vater vor der Familie damit, dass er den Schießbefehl gegen Stefan unterschrieben hat. Doch während Gerd alles abstreitet, wollen Else und Ingrid ihr nicht glauben. Als Toni in ihrem Zimmer nach der Kopie des Befehls sucht, ist diese verschwunden: Ingrid hat sie verschwinden lassen, aus Angst, die Erkenntnis könnte die Familie zerstören.
Folge 6