Griselda ist ein vielfach vertontes Libretto zu einer Opera seria in drei Akten von Apostolo Zeno nach der Novelle Griseldis aus dem Decamerone von Giovanni Boccaccio. Erstmals aufgeführt wurde es in der Vertonung von Antonio Pollarolo am 4. Januar 1701 im Teatro San Cassiano in Venedig.

Handlung

„Argomento“ (‚Inhalt‘)

Kurzfassung

Erster Akt. Um den Zorn seines Volks zu beruhigen, trennt sich König Gualtiero nach fünfzehnjähriger Ehe von seiner Frau Griselda, einem vormaligen Bauernmädchen. Griselda nimmt das mit Fassung auf. Bereits früher hat sie klaglos akzeptiert, dass Gualtiero die gemeinsame Tochter aus demselben Grund nach der Geburt tötete – zumindest ließ er sie das glauben. Sie weiß nicht, dass er das Mädchen andernorts aufziehen ließ. Griselda soll von nun an in einem einfachen Bauernhaus im Wald leben, während Gualtiero seine neue standesgemäße Braut erwartet. Trotz dieser Demütigung weist Griselda den um sie werbenden Ritter Otone zurück. Corrado, der Fürst von Apulien, führt Gualtiero seine Tochter Costanza als neue Gattin zu. Sein Bruder Roberto verabschiedet sich traurig von ihr. Die beiden lieben sich seit einiger Zeit, doch Roberto will ihrem Aufstieg nicht im Wege stehen. Gualtiero zeigt Griselda ein Porträt Costanzas, zu dem sie sich auf merkwürdige Weise hingezogen fühlt. Sie nimmt Abschied von ihrem kleinen Sohn Everardo, der im Palast bleiben soll, und weist ein weiteres Mal die Avancen Otones zurück. Der beschließt, sie notfalls mit Gewalt zur Liebe zu zwingen.

Zweiter Akt. Als Costanza von Corrado in ihre neuen Gemächer eingeführt wird, verspürt sie Mitleid mit der vorherigen Bewohnerin. Corrado versichert ihr, dass sie nicht befürchten müsse, dasselbe Schicksal zu erleiden, da sie königlicher Abstammung sei. Sie brauche auch ihre Liebe zu Roberto nicht aufzugeben, sofern sie sich in der Ehe ehrenvoll verhalte. Costanza sagt Roberto ein letztes Mal Lebewohl. Griselda ist inzwischen in ihrer alten Heimat angekommen und findet Ruhe in der Natur. Der Diener Elpino bringt Everardo zu ihr und erklärt, dass dieser auf Befehl des Königs getötet werden solle. Otone behauptet, er solle das Kind töten, damit sie die Körperteile den wilden Tieren des Waldes vorwerfe. Nur wenn sie bereit sei, ihn zu heiraten, werde er Everardo verschonen. Griselda will jedoch lieber ihren Sohn opfern, als die Treue zu Gualtiero zu brechen. Otone zieht ab. Seine Drohung war ohnehin nur vorgetäuscht. Griselda legt sich zum Schlaf nieder. Da treffen Costanza und Roberto ein, die sich von einer königlichen Jagdgesellschaft abgesetzt haben. In der Hütte trifft Costanza zum ersten Mal auf Griselda. Diese erwacht, und beide haben sofort starke Gefühle füreinander. Costanza bittet Gualtiero, Griselda als ihre Dienerin einzustellen. Gualtiero erklärt ihr, weshalb das nicht möglich sei. Corrado, der erfahren hat, dass Otone einen Angriff auf Griselda plant, erscheint, um ihr beizustehen. Gualtiero verbietet ihm das und zieht sich mit den anderen zurück. Griselda scheint dem Ritter hilflos ausgeliefert, bis die auf Drängen Costanzas zurückkehrende Jagdgesellschaft sie rettet und Otone festgenommen wird. Gualtiero stimmt jetzt zu, Griselda als Dienerin am Hof aufzunehmen.

Dritter Akt. Otone bittet Gualtiero um Vergebung. Da er versichert, Griselda zu lieben, verspricht Gualtiero, sie ihm zur Frau zu geben. Er weist Griselda in ihre neuen Aufgaben als Dienstmagd ein. Roberto will den Hof verlassen, da er die Nähe seiner einstigen Geliebten Costanza nicht ertragen kann. Er verabschiedet sich mit einer Umarmung von ihr. Griselda, die das beobachtet hat, beschuldigt Costanza, den König noch vor der Hochzeit zu betrügen. Als Gualtiero davon erfährt, straft er jedoch nicht die vermeintlich Untreue, sondern wirft Griselda vor, sich in Dinge einzumischen, die sie nichts angehen. Anschließend teilt er Roberto und Costanza mit, dass er ihr Verhältnis gutheiße. Vor der Hochzeitsfeier verkündet Gualtiero, dass Griselda Otone heiraten solle. Die weigert sich jedoch und erklärt, dass sie Gualtiero ewig treu bleiben werde. Selbst als er sie mit dem Tod bedroht, bleibt sie standhaft. Gualtiero offenbart nun seine wahren Absichten: Griselda habe durch ihre Beständigkeit und Tugend bewiesen, dass sie eine würdige Königsgattin sei. Costanza sei ihre gemeinsame Tochter und dürfe Roberto heiraten. Er vergibt sogar Otone, der gesteht, dass er selbst das Volk gegen Griselda aufgewiegelt hatte.

Erster Akt

Königlicher Audienzsaal

Szene 1. Gualtiero verkündet dem Volk, dass er sich von seiner Frau Griselda trennen werde, um den öffentlichen Zorn über seine unstandesgemäße Ehe zu besänftigen.

Szene 2. Gualtiero ruft Griselda ihre Herkunft und ihre gemeinsame Vergangenheit ins Gedächtnis, bevor er sie über die Forderungen des Volks informiert. Der Tod der gemeinsamen Tochter vor fünfzehn Jahren habe leider nicht ausgereicht. Das Volk bestehe nun darauf, dass er die Ehe beende. Griselda erklärt sich ohne Zögern bereit, ihm in allen Stücken zu gehorchen und auf ihren Rang als seine Ehefrau zu verzichten (Arie Griselda: „Fa’ di me ciò che ti piace“).

Szene 3. Als der Diener Elpino die Ankunft der neuen Braut Costanza meldet, verabschiedet sich Gualtiero in aller Eile von Griselda. Er redet sich ein, sie schnell vergessen zu können (Arie Gualtiero: „Vado a mirare un volto“).

Szene 4. Griselda nimmt ihr Schicksal gelassen hin (Arie Griselda: „Senza cor chi vincerà?“).

Szene 5. Otone, ein Ritter am Hof Gualtieros, verspricht Griselda seinen Beistand und seine Liebe. Griselda weist ihn empört zurück. Sie will Gualtiero weiterhin treu bleiben (Arie Griselda: „Ne la crudel mia sorte“).

Szene 6. Otone gibt die Hoffnung nicht auf (Arie Otone: „Chi regina mi disprezza“).

Städtischer Hafen mit Schiffen in der Ferne

Szene 7. Corrado trifft mit seinem Bruder Roberto und seiner angeblichen Tochter Costanza ein. Er spricht Costanza Mut zu (Arie Corrado: „Al tuo destin, più grato“) und geht, um Gualtiero zu holen.

Szene 8. Während sie warten, verabschieden sich Roberto und Costanza, die sich seit einiger Zeit lieben, traurig voneinander (Arie Costanza: „Un sol de’ tuoi sguardi“). Roberto will ihrem Aufstieg zur Königin nicht entgegenstehen (Arie Roberto: „Gioirò, goderò“ – Arie Costanza: „Vorrai pregarmi“).

Szene 9. Corrado kehrt mit Gualtiero und Elpino zurück, und der König heißt Costanza willkommen. Sowohl Gualtiero als auch Costanza haben ein unerklärliches Gefühl bei ihrer Begegnung (Arie Gualtiero: „Vago sei, volto amoroso“ – Arie Costanza: „Sento anch’io nel mio contento“).

Szene 10. Corrado versucht seinen Bruder damit zu trösten, dass das Schicksal wechselhaft sei und er schon bald ein anderes Glück finden werde (Arie Corrado: „Le vicende de la sorte“).

Szene 11. Roberto kann Costanza nicht vergessen (Arie Roberto: „È troppo bel quel volto“).

Innenhof des Königspalasts

Szene 12. Die bereits als Schäferin gekleidete Griselda bittet Elpino, ihren kleinen Sohn Everardo zu holen, damit sie sich von ihm verabschieden kann.

Szene 13. Gualtiero, der gedankenverloren ein Porträt Costanzas betrachtet, trifft auf Griselda. Er hat bereits Gefühle für seine Braut entwickelt und zeigt Griselda das Bild. Diese fühlt sich auf merkwürdige Weise zu den abgebildeten Gesichtszügen hingezogen, in denen sie Ähnlichkeiten mit Gualtiero zu erkennen glaubt. Sie gönnt ihm sein Glück und wünscht sich nur, dass er gelegentlich an sie denken möge, wenn sie wieder in den Wäldern lebt.

Szene 14. Elpino bringt Griselda ihren Sohn, lässt ihr aber nur wenig Zeit für den Abschied. Otone unternimmt einen weiteren vergeblichen Versuch, ihr Herz zu gewinnen (Arie Griselda: „So che vuoi parlar d’amore“).

Szene 15. Nachdem Griselda gegangen ist, schwört sich Otone, sie notfalls mit Gewalt zu erobern (Arie Otone: „Farò quanto potrò“).

Zweiter Akt

Gemächer; an der Seite ein Tisch mit einem Mantel, einem Zepter und einer Krone

Szene 1. Corrado zeigt Costanza ihre neuen Gemächer. Diese hat Mitleid mit Griselda, die sich nun im Wald nur noch in rohe Wolle kleiden kann. Außerdem befürchtet sie, einst dasselbe Schicksal zu erleiden, da sie ihre eigene Abstammung nicht kennt. Corrado versichert ihr, dass sie die Tochter eines Königs sei und sich keine Sorgen machen müsse. Er weiß, dass ihr Herz eigentlich Roberto gehört, und rät ihr, diese Liebe nicht aufzugeben. Sie solle sich die Freiheit ihrer Seele bewahren, aber in der Ehe ehrenvoll und pflichtbewusst handeln (Arie Corrado: „Non lasciar d’amar chi t’ama“).

Szene 2. Roberto verabschiedet sich traurig von Costanza, deren Gefühle sich bereits von ihm abgewendet zu haben scheinen (Arie Costanza: „D’un ciglio, d’un guardo“).

Szene 3. Elpino lädt Costanza im Auftrag des Königs zu einem Jagdausflug ein. Bevor sie geht, bittet sie Roberto, sich für sie zu freuen (Arie Costanza: „Godi, bell’alma, godi“).

Szene 4. Roberto bemüht sich, seine Gefühle unter Kontrolle zu bringen (Arie Roberto: „Se amerò senza sperar“).

Ländliche Gegend mit einem Fluss; an der Seite eine Bauernhüte auf einem kleinen Hügel

Szene 5. Griselda gewöhnt sich wieder an ihre alte Heimat (Arie Griselda: „Care selve, a voi ritorno“).

Szene 6. Da erscheint Elpino mit ihrem Sohn Everardo und teilt ihr mit, dass er Befehl habe, diesen im dichtesten Wald den wilden Tieren zum Fraß vorzuwerfen.

Szene 7. Otone kommt hinzu und erklärt der entsetzten Griselda, dass er Everardo auf Befehl des Königs töten und zerteilen solle. Sie selbst solle die Stücke dann den Tieren vorlegen. Griselda fleht um Gnade für ihr unschuldiges Kind, doch Otone erinnert sie daran, dass sie seine Liebe ebenso mitleidlos zurückgewiesen habe (Arie Griselda: „Fui crudel per onestà“ – Otone: „Pietà voglio anch’io da te“). Er werde Everardo nur verschonen, wenn sie in die Ehe mit ihm einwillige. Diesen Gedanken weist Griselda empört zurück. Sie fordert Otone auf, dem König zu gehorchen und das Kind zu töten, und geht entschlossen ab.

Szene 8. Elpino weiß, dass Otone den Mordbefehl nur vorgetäuscht hat. Der leugnet das auch gar nicht, sondern schickt Elpino mit dem Kind zurück zum Palast. Da er sein Ziel weder durch Schmeicheleien noch durch Täuschungen erreichen konnte, will er Griselda jetzt entführen (Arie Otone: „La bella nemica“).

Hütte mit Bett

Szene 9. Griselda versucht, ihren Schmerz im Schlaf zu vergessen (Arie Griselda: „Sonno, se pur se’ sonno e non orrore“).

Szene 10. Costanza und Roberto haben sich von der Jagdgesellschaft abgesondert. Costanza will in der Hütte auf die Rückkehr des Königs warten. Sie bittet Roberto, sich der Gesellschaft wieder anzuschließen, damit Gualtiero keinen Grund zur Eifersucht finde (Arie Roberto: „Lascia, s’io parto, almeno“).

Szene 11. Costanza bemerkt die schlafende Griselda. Sie fühlt sich sofort zu ihr hingezogen. Griselda träumt von ihrer totgeglaubten Tochter und öffnet die Arme, um sie zu umarmen. Sie erwacht, und Costanza erklärt ihr, weshalb sie gekommen ist. Als sie ihren Namen nennt, erzählt Griselda ihr von ihrer gleichnamigen Tochter. Da Costanza ihre Mutter gleichfalls nie kennenlernte, wünschen sich beide, die jeweils andere sei die ersehnte Tochter bzw. Mutter (Duett Costanza/Griselda: „Tu non se’ quella“).

Szene 12. Als Gualtiero eintrifft, bitte Costanza ihn, Griselda als ihre Dienerin in den Palast aufzunehmen. Gualtiero erklärt ihr jedoch, dass sie seine verstoßene Frau sei.

Szene 13. Corrado kommt mit seinen Leuten hinzu. Er will Griselda schützen, da Elpino ihn über Otones Entführungsplan informiert hat. Gualtiero befiehlt jedoch, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Costanza zieht sich mit den anderen zurück. Trotz Griseldas Flehen überlässt Gualtiero sie ihrem Schicksal (Arie Gualtiero: „Vorresti col tuo pianto“).

Szene 14. Die allein zurückgebliebene Griselda versucht vergeblich, sich gegen Otone und seine Leute zu verteidigen. Der versichert ihr, dass ihr Sohn noch lebe und bei ihm aufwachsen werde. Dennoch gibt Griselda ihm nicht nach. Sie ruft um Hilfe.