Franz Xaver Fuhr (* 23. September 1898 in Neckarau bei Mannheim; † 16. Dezember 1973 in Regensburg) war ein deutscher Maler, der nach 1920 in Mannheim arbeitete. Seine Werke galten in der Zeit des Nationalsozialismus als entartet und wurden 1937 teilweise beschlagnahmt. Nach 1943 zog er sich in die Oberpfalz zurück. 1946 wurde er zum Professor an der Kunstakademie in München berufen. Nach 1950 wohnte und arbeitete er in Regensburg.
Leben und Werk Fuhr begann als Autodidakt und orientierte sich zunächst an der Kunst von Paul Cézanne, Vincent van Gogh und den Künstlern der Brücke. Sehr bald fand er aber seinen von Kubismus und Neuer Sachlichkeit inspirierten eigenen Stil. Erste Erfolge konnte Fuhr 1920 verzeichnen, als der Leiter der Mannheimer Kunsthalle, Gustav Friedrich Hartlaub, einige seiner Werke ankaufte und ihm neben finanzieller Unterstützung eine Wohn- und Arbeitsmöglichkeit im Mannheimer Schloss verschaffte. Es folgten Ausstellung u. a. in Berlin, Danzig, Königsberg, Düsseldorf und Lübeck. Schließlich wurde Xaver Fuhr in den Deutschen Künstlerbund aufgenommen (abgerufen am 31. Juli 2015). 1930 erhielt er den Preis der Preußischen Akademie der Künste, 1931 den Villa-Romana-Preis des Deutschen Künstlerbunds.
Den thematischen Schwerpunkt seines Schaffens bilden städtische Motive, Industrieanlagen, Landschaften und Figurdarstellungen. Häufig strukturiert seine Bilder eine geflechtartige, streng-graphische Linearität, die gemeinsam mit starken Farben und harten Schwarz-Weiß-Kontrasten Fuhrs persönlichen Stil prägen. Ungeachtet seiner gegenständlichen Bildsprache strebte Fuhr gleichwohl nicht nach einer möglichst getreuen Widerspiegelung der Wirklichkeit; vielmehr durchdringt seine Werke eine individuelle Weltsicht, die häufig Aspekte jenseits des objektiv Dargestellten sichtbar macht.
In der Zeit des Nationalsozialismus war Fuhr bis zu seinem Ausschluss obligatorisch Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste, und er konnte sich bis zum Berufsverbot an Ausstellungen beteiligen. Sicher belegt ist seine Teilnahme an sechs großen Ausstellungen, zuletzt 1937 an der „105. Großen Frühjahrsausstellung“ des Kunstvereins Hannover.Martin Papenbrock, Gabriele Saure (Hrsg.): Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen. Teil 1. Ausstellungen deutsche Gegenwartskunst in der NS-Zeit. VDG, Weimar, 2000; S. 510, passim 1937 wurden im Rahmen der deutschlandweiten konzertierten Aktion „Entartete Kunst“ nachweislich 25 seiner Werke aus dem Kronprinzen-Palais der Nationalgalerie Berlin, dem Kupferstichkabinett Berlin, der Staatlichen Kunstgewerbe-Bibliothek Dresden, dem Städelschen Kunstinstitut und Städtische Galerie Frankfurt/Main, dem Städtischen Museum Hagen, dem Kestner-Museum Hannover, der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, dem Wallraf-Richartz-Museum Köln, den Kunstsammlungen der Stadt Königsberg, dem Museum Behnhaus Lübeck und der Städtischen Kunsthalle Mannheim beschlagnahmt. Ein großer Teil davon galt den Nazis als „international verwertbar“ und ging an Kunsthändler, die meisten an Bernhard A. Böhmer.Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion "Entartete Kunst", Forschungsstelle "Entartete Kunst", FU Berlin Werke Fuhrs wurden 1937 in der Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ präsentiertErnst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945 (= Die Zeit des Nationalsozialismus. Bd. 17153). Vollständig überarbeitete Ausgabe. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-596-17153-8, S. 154.. Fuhr selbst wurde mit Berufsverbot belegt. In den Jahren von 1936 bis 1946 musste sich Fuhr deshalb fast ausschließlich auf die Aquarell-Malerei beschränken. mini|hochkant|Das Grab von Xaver Fuhr auf dem Oberen Katholischen Friedhof in Regensburg Sein berühmtestes Werk, die „Mannheimer Vision“ von 1931, schien das über Deutschland und insbesondere auch die Heimatstadt des Künstlers wenige Jahre später hereinbrechende Unheil anzukündigen: Das Gemälde zeigte in düsteren Schwarz- und Grautönen ein sargartiges Gebilde nebst gespenstisch-maskenhaften Fratzen, über der Neckarmündung schwebend.
Bereits seit 1936 von der Gestapo überwacht, wurde der Künstler 1942 durch eine Denunziantin als „politisch unzuverlässig“ bei der Gestapo angezeigt. Im Oktober 1943 wurden seine Wohnung und ein Teil der in Mannheim eingelagerten Werke Fuhrs bei einem Bombenangriff zerstört. Um weiterem politischen Druck zu entgehen, zogen Xaver Fuhr und seine Ehefrau Josefine 1943 zunächst nach Nabburg (Oberpfalz). Nach Kriegsende kamen sie 1950 mit Unterstützung des Museumsdirektors Walter Boll nach Regensburg, wo Fuhr in einer Mansardenwohnung im Haus Albertstraße Nr. 7a ein eigenes kleines Atelier einrichten konnte und bis zu seinem Tod wohnhaft blieb. 1946 wurde er Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München, wo er zwanzig Jahre lang lehrte. Der Kunstkritiker Franz Roh und der Münchner Galerist Günter Franke setzten sich nach Kriegsende mit Publikationen und Ausstellungen für Fuhrs Werk ein. Im Jahr 1952 war Franz Xaver Fuhr Teilnehmer der 26. Biennale Venedig, 1955 der documenta 1 in Kassel. 1958 erhielt er die Albertus-Magnus-Medaille der Stadt Regensburg und 1963 den Hans-Thoma-Preis. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der Künstler zurückgezogen in Regensburg. 1968 erhielt er dort den Kulturförderpreis der Stadt Regensburg.
Franz Xaver Fuhr starb am 16. Dezember 1973 im Alter von 75 Jahren in Regensburg. Er fand dort seine letzte Ruhestätte auf dem Oberen Katholischen Friedhof, wo sein Grab erhalten ist.
In Mannheim-Neuostheim und im Regensburger Stadtteil Burgweinting wurden Straßen nach ihm benannt.
Bekannte Werke Ein großer Teil der Werke Fuhrs befindet sich heute in Privatbesitz oder gilt als verschollen. In öffentlichen Sammlungen und Museen befinden sich u. a.: Der blaue Turm, 55 × 65 cm, Stadtmuseum Ingolstadt Eisenbrücke, 97 × 77 cm, Museum Folkwang Essen Gotische Kathedrale, 97 × 77 cm, Museum Ludwig, Köln Gummibaum (Stilleben), 66 × 51 cm, Kunsthalle Mannheim Hafenbild mit gelbem Haus, 77 × 108 cm, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München Hafen in Stockholm, 77 × 110 cm, Hessisches Landesmuseum Darmstadt Die Leibwache, 160 × 47 cm, Kunsthalle Mannheim Mannheimer Vision, 1931, 107 × 140 cm, Städtische Galerie Regensburgmittelbayerische.de: Ausstellungsmacher im „Leeren Beutel“ (abgerufen am 31. Juli 2015) Palastruine, 93 × 50 cm, Städtische Galerie Regensburg Segelboot Jutta HYS, 77 × 97 cm, Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Lübeck Stephansprozession, 100 × 261 cm, Museum Ludwig, Köln Rheinbrücke, 67 × 87 cm, Kunsthalle Mannheim Die Urne, 111 × 78 cm, Städtisches Galerie Regensburg Vorfrühling, 77 × 97 cm, Von der Heydt-Museum, Wuppertal Vorstadthäuser, 61 × 93 cm, Städtische Galerie Regensburg Zollhafen Mannheim, 110 × 150 cm, Kunsthalle Mannheim Wrack, 1932/35, 100 × 60 cm, Landesmuseum Mainz
Der große Platz, um 1964, Öl auf Hartfaser, 99,5 × 99,5 cm; Neue Nationalgalerie Berlin Flugplatz, vom Flugzeug aus gesehen, um 1932, Tusche, Aquarell, weiß gehöht, 46,0 × 60,0 cm; Neue Nationalgalerie Berlin Blaue Kreuze, o. J., Tusche, Aquarell, 40,0 × 60,0 cm; Neue Nationalgalerie Berlin Schiffe im Hafen, um 1962, Öl auf Leinwand, 100 × 74 cm, Berlinische Galerie
Weitere Ausstellungen (unvollständig) 1929: Kassel, Kunstverein Kassel („Große Kunstausstellung“) 1932: Malmö, Malmö Museum („Neuere deutsche Kunst“; mit dem Bild St. Kilian in Heilbronn)
Literatur Axel Zienicke: Xaver Fuhr 1898–1973, Gemälde und Aquarelle. (Mit einem Werkverzeichnis der Ölgemälde und Aquarelle). Recklinghausen 1984, ISBN 3-7647-0364-4. Stather, Martin (Hrsg.): Xaver Fuhr – Die Mannheimer Jahre. Mannheim 1994 (Katalog), ohne ISBN AK (Ausstellungskatalog): Xaver Fuhr 1898–1973 – Retrospektive. Museen der Stadt Regensburg, Städtische Galerie Karlsruhe 1999.
Rainer Zimmermann: Expressiver Realismus: Malerei der verschollenen Generation. Hirmer, Berlin 1994, ISBN 3-7774-6420-1, S. 373.
Weblinks
Franz Xaver Fuhr im „Art Directory“ galerie-von-abercron.de: Biographische Daten von Xaver Fuhr Recherche | Staatliche Museen zu Berlin
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Künstler (documenta) Kategorie:Mitglied im Deutschen Künstlerbund Kategorie:Träger des Villa-Romana-Preises Kategorie:Hochschullehrer (Akademie der Bildenden Künste München) Kategorie:Künstler im Beschlagnahmeinventar „Entartete Kunst“ Kategorie:Künstler in Ausstellungen „Entartete Kunst“ Kategorie:Verschollene Generation Kategorie:Träger des Kulturförderpreises der Stadt Regensburg Kategorie:Person (Mannheim) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1898 Kategorie:Gestorben 1973 Kategorie:Mann