Lia Rosen (; später auch Liane Rosen; geboren um 1890 in der Bukowina, Österreich-Ungarn; gestorben 1972 in Tel Aviv, Israel) war eine bekannte deutschsprachige Schauspielerin in Wien, Berlin und weiteren Städten.

Leben Herkunft Über ihre Herkunft gibt es nur wenige verlässliche Informationen. Sie stammte aus einer Romafamilie in der Bukowina, wahrscheinlich aus Brăila oder Umgebung.Lia Rosen Romno; beschreibt Biografien von Roma-Persönlichkeiten. Für die Roma-Herkunft gibt es keine schriftlichen Zeugnisse, aber eindeutige Hinweise: (1) Rollenfoto von 1912 (Der blaue Vogel) mit deutlichem Roma-Aussehen; (2) Sie bezeichnete sich selbst als dunkelhäutig (Ein schwarzes Kind …), in ; (3) dort wurde sie niemals als jüdisch bezeichnet, obwohl der Theaterkritiker Marcell Zappler für ein Publikum in Czernowitz, dem Zentrum des Judentums in der Bukowina, schrieb, und ein Hinweis auf ein jüdisches Mädchen aus der benachbarten Stadt durchaus interessant gewesen wäre; (4) außerdem beschrieb Alfred Kerr 1907 Text eine Situation, in der sie unangemeldet in sein Büro kam und dort einen wilden Wutausbruch bekam; dieses wäre für ein jüdisches siebzehnjähriges Mädchen, das in dieser Zeit stets zur Unterordnung unter die Männer erzogen wurde, schwer vorstellbar, aber für ein selbstbewusstes Romakind durchaus möglich Später wurde sie meist für eine Jüdin gehalten. Ihre ersten Vor- und Familiennamen sind unsicher, ebenso ihr Geburtsjahr (angeblich 1893 ist etwa drei Jahre zu spät).Alfred Kerr: Das Mimenreich, 1917, S. 472ff., gab 1907 ihr Alter als etwa 17 Jahre an und 1911 als Anfang Zwanzig; vgl. Rollenfoto von 1908 (Karrnerleut), wo sie etwa 18 Jahre alt ist; sie hatte aber offiziell 22. Februar 1893 angegeben (in Israel) Der Vater hieß Rafael.Grabstein; ihr offizieller Name war Leah Rosen Schwartz bat Raphael, also Tochter des Raphael, in Israel Sie erlebte wahrscheinlich schwere traumatische Ereignisse in ihrer frühen Kindheit.Alfred Kerr, Arthur Schnitzler, Marcell Zappler und Walter Tschuppik beschrieben ihre Auftritte als von tiefem kindliches Leid ausdrückend (Zitate)

Theater in Wien und Berlin Um 1897 erschien ein ärmlicher Mann, der sich als jüdischer Hausierer bezeichnete, mit einem etwa acht Jahre alten Mädchen, das er Lia Rosenstock nannte, bei einem Theaterkritiker in Wien.Bühne und Welt, 10, 1907/08, S. 123; mit einem Bericht des Theaterkritikers über diese erste Begegnung Er bat, dass das Kind für eine Schauspielerinnenlaufbahn gefördert werde, da sie sehr begabt sei. Sie trug einige Verse aus dem Drama Die versunkene Glocke von Gerhart Hauptmann auf. Sie wurde Mitglied des Kinderchores des Hof-Burgtheaters, der erste Auftritt in einer Kinderrolle ist von 1904 bekannt. Seit dieser Zeit erhielt Lia Rosen eine zweijährige Schauspielausbildung am Konservatorium bei Alexander Römpler. von Marcell Zappler beschrieb die folgenden Entwicklungen Sie hatte auch Auftritte im Jantschtheater.

1906 wurde Lia Rosen an das Neue Theater in Berlin als Volontärin durch Max Reinhardt engagiert. Sie spielte auch im Kleinen Theater und erhielt später einen Vertrag für das geplante neue Hebbel-Theater (wahrscheinlich aber ohne tatsächliche Auftritte).

Etwa seit September 1907 spielte Lia Rosen wieder am Hofburgtheater.Neuer Theater-Almanach, 1910, führt sie erst für das Jahr 1909 erstmals als offizielles Ensemble-Mitglied auf, auch Marcell Zappler, 1907, schrieb von einer Anstellung zunächst als Gast, Bühne und Welt, 1907/08, S. 123, dagegen von einem fünfjährigen Vertrag; in den erhaltenen zeitgenössischen Berichten wurde sie mehrmals als die neue Burgschauspielerin bezeichnet (möglicherweise spielte das junge Alter vertragsrechtlich eine einschränkende Rolle) Dort setzte sie ihre erfolgreiche Wiener Karriere fort und galt bald als eines der besten Mitglieder dieses Ensembles. Besonders ihre intensive Sprechweise hinterließ beim Publikum einen enormen Eindruck.

1910 holte sie Max Reinhardt wieder nach Berlin, diesmal an das renommierte Deutsche Theater.Neuer Theater-Almanach für das Jahr 1911, siehe auch die folgenden Jahrgänge, Namensregister Dort hatte sie aber keinen großen Erfolg. 1911 kehrte sie deshalb nach Wien zurück. Ab 1912 war Lia Rosen wieder am Deutschen Theater in Berlin. 1913 erhielt sie eine Hauptrolle in dem Stummfilm Der Shylock von Krakau. Im Sommer 1914 wurde ihr Vertrag am Deutschen Theater durch Max Reinhardt nicht mehr verlängert.

Weitere Tätigkeiten mini|Flaubert-Abend in Berlin 1922 Dieses bedeutete einen deutlichen Bruch in ihrem Leben. Lia Rosen lebte danach noch einige Zeit in Wilmersdorf bei Berlin. Den Winter 1914/15 verbrachte sie zumindest zeitweise in München. Danach zog sie nach Wien zurück. Dort berichtete sie unter anderem als Gast in einem Mädchenlyzeum über das Theater, wodurch die junge Helene Weigel zu ihrer Theaterlaufbahn inspiriert wurde. Sie hatte dort auch eine Liebesbeziehung zu dem Psychoanalytiker Victor Tausk. Erwähnte Liebesbriefe, die sie Zeit ihres Lebens aufbewahrte. Victor Tausk nahm sich 1919 das Leben, worüber sie sehr trauerte.

In dieser Zeit hatte Lia Rosen auch Gastauftritte in verschiedenen Städten. Ab Ende 1916 war sie als Liane Rosen am Stadttheater in Zwickau angestellt.Deutsches Bühnen-Jahrbuch, 1917, S. 619, 772; siehe auch die vorherigen und nachfolgenden Jahrgänge mit wechselnden Angaben 1917 kehrte sie nach Wien zurück. 1919 nahm sie ein kurzzeitiges Engagement in Aachen an und lebte danach wieder ohne feste Anstellung.

1921 reiste sie als Leah Rosen nach New York, wo sie im Yiddish Art Theatre ihres früheren Filmpartners Maurice Schwartz in einem Stück mitspielte. Danach kehrte sie nach Berlin zurück, wo sie sich im Umfeld der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD) engagierte.Siehe Lesung im März 1922 für die "Hungerhilfe für Rußland" (Foto oben) 1922 spielte sie als Liane Rosen in drei Unterhaltungs-Stummfilmen der Max Landa Film AG um den linken Autor Hans von Wolzogen mit. Sie unterzog sich in der folgenden Zeit auch einer Psychoanalyse bei Felix Deutsch (nach 1922).James Reidel, S. 3f.; der Zeitpunkt ist unklar, da Felix Deutsch seit etwa 1923 eine erste psychoanalytische Praxis in Wien hatte, sie hielt sich seit dieser Zeit aber eigentlich immer an anderen Orten auf.

Ab Herbst 1924 war sie erneut im Yiddish Art Theatre in New York, diesmal für längere Zeit. 1925 heiratete sie dort Max Mordechai Schwartz, einen osteuropäischen Juden, der nach Palästina ausgewandert war und sich kurzzeitig in New York aufhielt.Mark (Mordechai) Schwartz, in: Tidhar: Entsiklopedya. 3. 1949, S. 1244–1246 (übersetzt), die umfangreiche Israelische Standard-Enzyklopädie, mit ausführlicher Biographie ihres Ehemannes Mordechai Schwartz (1891–1948), der dort als Pionier für die Einführung von Zuckerplantagen und vieles andere sehr aktiv war. (Er war möglicherweise ein Verwandter des Schauspielers Maurice Schwartz.)

Seit 1926 hatte Lia Rosen eine Anstellung am neu gebildeten Ostpreußischen Landestheater in Königsberg. Sie war auch Sprecherin beim Rundfunksender Königs Wusterhausen.

Leben in Tel Aviv 1928 siedelte Lia Rosen mit ihrem Mann nach Tel Aviv um. Dort sammelten sie einen großen Bekanntenkreis um sich. Sie gab Schauspielunterricht und Lesungen. Sie spielte aber nicht mehr im Theater, da ihr die hebräische Sprache Mühe bereitete.Erich Gottgetreu: Exil-Theater in Palästina/Israel in Verfolgung und Exil deutschsprachiger Theaterkünstler, hrsg. v. Ingrid Maaß, Michael Philipp. München 1999, S. 393 In den 1930er Jahren wurde die Ehe möglicherweise geschieden. 1950 war sie Mitbegründerin der Immigrants Association of Bukovina.Founding Members of Immigrants Association of Bukovina Jewish Gen, mit Foto von um 1950

Lia Rosen starb im September 1972 in Tel Aviv und wurde auf dem dortigen Trumpeldor-Friedhof bestattet.Grabstein Neshama, mit Namen Leah Rosen Schwartz bat RaphaelLia (Leah) Rosen-Schwartz, mit biographischen Angaben und etwa acht hebräischen Links zu ihrer Zeit in Israel

Wirkung Allgemeines Die Theaterkritiker Alfred Kerr, Felix Stössinger, Walter Tschuppik, die Schriftsteller Felix Salten, Erich Mühsam, Else Feldmann und viele andere waren sehr beeindruckt von ihrem Auftreten, die Publizisten Alfred Polgar und Karl Kraus waren kritischer. Der Dichter Rainer Maria Rilke führte einen Briefwechsel mit ihr und bat sie mehrmals um Begegnungen. Die Dichterin Else Lasker-Schüler fragte freundlich, ob sie bereit wäre, eine Rolle in einem neuen Theaterstück zu spielen ...

Lia Rosen zählte in ihren jungen Jahren um 1907/11 zu den begabtesten Schauspielerinnen in Wien. Sie hinterließ bei vielen Zuschauern einen tiefen Eindruck, vor allem mit ihrer eindringlichen Form der Textrezitation. In den folgenden Jahren verblassten diese langsam, da sie sich stärker an die Normen des Theaterlebens angepasst hatte und ihren jugendlichen Elan etwas verloren hatte. Bei einigen blieben die Erinnerung an diese frühen Jahre aber lange bestehen. Bei der Lesung von literarischen Texten konnte Lia Rosen auch in späteren Jahren noch viel Bewunderung auslösen.

Sie wurde besonders unterstützt von Alexander Römpler, der ihr ersten Schauspielunterricht gab und das Schulgeld dafür bezahlte, von Paul Schlenther, der ihr am Hof-Burgtheater passende Rollen gab, von Felix Salten, der sie in Wien förderte und ihr eine Rolle in seinem Film Der Shylock von Krakau verschaffte, sowie von Maurice Schwartz, der sie in einer schwierigen Zeit an sein Theater nach New York holte, wo sie auch ihren Ehemann kennenlernte.

In New York und Israel galt Lia Rosen später als eine Künstlerin, die in dem berühmten Reinhardt-Theater in Berlin und im Wiener Burgtheater neben den bekanntesten Schauspielern ihrer Zeit gespielt hatte.B’nai B’rith Magazine, 39, 1924, p. 227; pries sie als eine interessante deutsche Schauspielerin an; (die Zeitung wurde in englischer Sprache für jüdische Leser herausgegeben)

Zitate

Alfred Kerr Der wichtigste Berliner Theaterkritiker Alfred Kerr schrieb 1907 über sie:

"Traumsprecherin

Sie hat den Leib eines Kindes. (…) Und die Erschütterungsmacht eines Propheten. (…) Sie ist da und spricht … und auf den Schlag tritt die Suggestion ein. (…) Das ist ein ganz merkwürdiges Geschehnis. (…) Es strömt Kälte von ihr; und inmitten dieser Kälte wird der Zuhörer wie aufgepeitscht; und man zittert. Das, was da spricht, ist ein Überbleibsel von vor dreitausend Jahren. Es schlief und verscholl und verlor sich … und erwacht noch einmal in dem Körperchen dieses unbekannten Mädels. (…) Hier aus der Kleinen hallt, spät, der verirrte Schrei von damals. (…)»Jesus der Künstler« von Dehmel und einiges aus der »Elektra« wird man, wie sie es gab, nicht aus dem Erinnern verlieren. So oft ich diese Verse Dehmels hören werde: so oft muß ich, das ist gewiß, dieser Sprecherin gedenken. Alfred Kerr: Traumsprecherin, in Der Tag vom 16. März 1907; auch in Alfred Kerr: Das Mimenreich, 1917, S. 472, Kapitel Lia Rosen Text; (danach ist eine weitere über sie vom 12. November 1911 abgedruckt); das "Überbleibsel von vor dreitausend Jahren" meint wahrscheinlich die historische Vertreibung des Volkes Israel durch die Babylonier (um 750 v. u. Z.) (als Vorläufer der furchtbaren Pogrome und Vertreibungen der osteuropäischen jüdischen Bevölkerung um 1900)

Arthur Schnitzler Zum damals schon bekannten Wiener Schriftsteller Arthur Schnitzler wurde sie 1907 an einem Abend in seine Wohnung mitgebracht.Bettina Riedmann: Ich bin Jude, Österreicher, Deutscher. Judentum in Arthur Schnitzlers Tägebüchern und Briefen, Tübingen 2002, S. 18; mit Zitat aus dem Tagebuch vom 28. Oktober 1907; Felix Salten hatte sie mitgebracht, (der ihr später auch die erste Filmrolle und einen Auftritt mit Martin Buber vermittelte)

„(…) Sie sieht aus wie ein zwerghaftes, überdies mißhandeltes Judenmädel aus Kischinew. Sie schwieg beinahe ununterbrochen und drückte die ohnedies schlechte Stimmung des Abends.“

Else Lasker Schüler