mini|Alte seperewa ohne verlängertes Bodenbrett mit sechs Saiten aus Ghana Seperewa, auch seprewa, historisch sanku (sanko, sankuo), ist eine Stegharfe oder Harfenlaute der Akan, vor allem der Aschanti in Ghana mit traditionell 6 und heute bis zu 14 Saiten. Durch ihren kastenförmigen hölzernen Resonanzkörper unterscheidet sich die seperewa von der Mehrheit der nur in Westafrika vorkommenden Stegharfen, die wie die 21-saitige kora und die 3–4-saitige bolon einen Kalebassenresonator besitzen.

Die seperewa war seit dem 17. Jahrhundert ein geschätztes höfisches Musikinstrument der Aschanti-Herrscher und gehört zu den Begleitinstrumenten der Preisliedsänger (Griots). Melodieformen und Spielweise der seperewa beeinflussten in Ghana das Gitarrenspiel in den sich ab den 1920er Jahren verbreitenden Popularmusikstilen Palm-wine music und Highlife, die wiederum im Verlauf des 20. Jahrhunderts für die ghanaische Musik insgesamt bedeutsam waren.

Herkunft und Verbreitung mini|Fünfsaitige westafrikanische Stegharfe mit einem schalenförmigen Holzkorpus ohne genaue Herkunftsangabe, die dem Typ der Gabuner Bogenharfen am ähnlichsten ist. Das nach vorn verlängerte Bodenbrett ist durch eine Stange mit einem Tierkopf am Ende ersetzt. Vor 1920 Der Instrumententyp der Stegharfen, der konstruktive Merkmale von Harfen und Lauten vereint, ist ausschließlich in der westafrikanischen Savanne zwischen Senegal und Benin und bis zur Atlantikküste im Süden verbreitet. Nach der Spielweise stehen die Stegharfen den Harfen näher, während ihre Form im Wesentlichen von den ebenfalls nur in Westafrika vorkommenden Binnenspießlauten von Typ der xalam abgeleitet ist. Die mutmaßliche Herkunft der Stegharfen ist bei der entwicklungsgeschichtlich wahrscheinlich ältesten Stegharfe bolon erwähnt.

In der Savanne werden Stegharfen üblicherweise mit einem Resonanzkörper aus einer Kalebasse hergestellt, in den südlicheren Waldgebieten hingegen aus zu einem rechteckigen Kasten zusammengefügten Holzbrettern.Eric Charry, 2000, S. 77 Saiteninstrumente mit Kalebassenresonatoren sind in Westafrika deutlich weiter verbreitet. In beiden Fällen besteht die Decke aus einer über die Korpusöffnung gespannten Tierhaut. Alle Stegharfen besitzen einen längs durch den Korpus gesteckten und an der Unterseite etwas herausragenden Saitenträger aus einem geraden oder leicht gebogenen Holzstab und einen senkrecht auf der Decke aufgestellten Steg, über den die Saiten in einer oder in zwei parallelen Ebenen geführt werden.

mini|Mit geometrischen Mustern verzierte seperewa der Aschanti. Gezeichnet sind acht Saiten. Von Henry Morton Stanley 1873 im heutigen Ghana gesehen und unter dem Namen sanko auf einer Seite zusammen mit Haushaltsgegenständen von Aschanti-Herrschern in einem Reisebericht 1874 veröffentlicht. Zu den wenigen Stegharfen mit einem Resonator aus einem Holzkasten gehören neben der seperewa die konimesin mit vier Saiten und einem gebogenen Saitenträger in Oberguinea und die aloko mit sechs Saiten in der zentralen Elfenbeinküste.Vgl. Eric Charry, 2000, S. 74

Bogenharfen kommen in Westafrika nicht vor, sondern sind auf ein Gebiet in Zentral- und Ostafrika beschränkt, etwa die kundi im Norden des Kongo und die adungu in Uganda. Ihr Korpus besteht aus einer mit Haut bespannten Holzschale. Lediglich der Korpus einer Bogenharfe der Kele in Gabun war aus Holzbrettern zusammengesetzt. Es handelt sich wohl um den erstmals von Michael Praetorius in seinem Syntagma musicum von 1619 auf Tafel XXXI abgebildeten Instrumententyp mit acht Saiten,Michael Praetorius: Syntagma musicum. Band 2: De Organographia. Wolffenbüttel 1619, Tafel XXXI, links unten der Gerhard Kubik zufolge aus der Verbindung von im Kongo und in Gabun vorhandenen Saiteninstrumenten wie dem Pluriarc (Bogenlaute) mit einer aus dem Norden eingeführten Bogenharfe vom Typ der kundi entstanden sein könnte.Gerhard Kubik: Central Africa. An Introduction. In: Ruth M. Stone (Hrsg.): Garland Encyclopedia of World Music. Band 1: Africa. Routledge, New York 1997, S. 662f Einen solchen langrechteckigen Holzkasten bei einer achtsaitigen „Harfe der Fang“ bildet auch Bernhard Ankermann (1901) ab.Bernhard Ankermann: (Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der philosophischen Facultät der Universität Leipzig) Haack, Berlin 1901, S. 17

Pluriarcs sind außer in Zentralafrika auch in Westafrika anzutreffen. In seltenen Fällen besitzen sie einen rechteckigen Resonator aus Holzbrettern, in Westafrika etwa der sechssaitige ubo akwara der Igbo in Nigeria;J. N. Lo-Bamijoko: Classification of Igbo Musical Instruments, Nigeria. In: African Music, Band 6, Nr. 4, 1987, S. 19–41, Abb. S. 39 weitere derartige Pluriarcs sind aus Zentralafrika bekannt. Auch der Korpus der westafrikanischen Binnenspießlauten wird entweder aus einer Kalebasse gefertigt oder aus einem Holzblock ausgehöhlt. Die einzige bekannte Binnenspießlaute mit einem Bretterkorpus ist die gimbri in Marokko.

Der seperewa am ähnlichsten ist die sanku in Togo. Zwei Stegharfen aus Togo gelangten Ende des 19. Jahrhunderts nach Berlin in das Königliche Museum für Völkerkunde. Der Name sanku für eines dieser Instrumente mit sechs Saiten und der Herkunftsangabe „Banjau“ gilt auch als historische Bezeichnung für die seperewa der Aschanti. Charakteristisch für die sanku ist ein langes Bodenbrett, das an beiden Querseiten weit über den rechteckigen Holzkasten hinausragt.Vgl. die Abbildung in Bernhard Ankermann, 1901, S. 12; und Abb. 110, rechts, in Ulrich Wegner, 1984, S. 175 Die andere, mit der Bezeichnung ssunko ins Berliner Museum gekommene Stegharfe aus Togo besitzt einen aus einem Holzblock geschnitzten Korpus mit einer ähnlichen rechteckigen Form und acht Saiten.

Der Afrikaforscher Henry Morton Stanley hielt sich 1873 als Kriegsberichterstatter bei den Aschanti auf und schreibt über diese Zeit in Coomassie and Magdala (1874). Neben Gebrauchsgegenständen der Aschanti-Herrscher bildet er an Musikinstrumenten eine als „Kriegstrommel“ bezeichnete Sanduhrtrommel und eine sanko genannte Stegharfe mit acht Saiten ab.Henry Morton Stanley: Coomassie and Magdala: The Story of two British Campaigns in Africa. London 1874, S. 168

Das besonders weit an der Seite des Saitenträgers vorstehende Bodenbrett bei der Stegharfe ist organologisch mit der Form der Gabuner Kele-Bogenharfe verwandt, die Klaus Wachsmann (1964) in seiner Klassifizierung der afrikanischen Bogenharfen als dritten Typus, shelved type („der mit einem Brett versehene Typus“), bezeichnet. Dessen Verbreitungsgebiet ist auf Gabun und den äußersten Süden der Zentralafrikanischen Republik beschränkt. Das Bodenbrett ist das charakterisierende Kriterium dieses Bogenharfentyps. Bei der Kele-Bogenharfe und einigen anderen Vertretern dieser Gruppe ist das Brett am oberen Ende verdickt und in einem Winkel nach unten geknickt. Gelegentlich erscheint die Verdickung als menschlicher Kopf. Wachsmann fasst die mutmaßliche Ausbreitung dieses Typs und der beiden anderen, in Ost- und Zentralafrika vorkommenden Bogenharfentypen zusammen. Demnach dürfte die Praetorius zufolge 1619 existierende Bogenharfe des südlichen dritten Typs, der wohl unter dem Einfluss der Gabuner Pluriarcs gestanden hatte, nach Westen an die Atlantikküste gelangt sein. Auf Wachsmanns Verbreitungskarte sind in Westafrika zwei isolierte Vorkommen des shelved type eingetragen: in Togo und Ghana, wo es nur Stegharfen, aber keine Bogenharfen gibt.Klaus Wachsmann: Human Migration and African Harps. In: Journal of the International Folk Music Council, Band 16, 1964, S. 84–88; deutsch: Völkerwanderungen und afrikanische Harfen. In: Erich Stockmann (Hrsg.): Musikkulturen in Afrika. Verlag Neue Musik, Berlin 1987, S. 246–251 Die Form des abgewinkelten Kopfes an der von Praetorius 1619 abgebildeten Bogenharfe aus Gabun taucht an einer ungewöhnlichen Stegharfe wieder auf, die von der westafrikanischen Küste stammt und sich im Ethnografischen Museum Stockholm befindet. Das wohl unter dem Eindruck früher europäischer Segelschiffe entstandene Instrument hat die Gestalt eines Schiffsmodells mit einem ausgeprägten Kiel am Boden der Holzschale, der in der vorderen Verlängerung in einen geknickten Tierkopf (Antilope) übergeht. Vom Museum wurde dieses unvollständig erhaltene Exemplar 1874 erworben. Klaus Wachsmann zufolgeKlaus Wachsmann: A “Shiplike” string instrument from West Africa. In: Ethnos. Journal of Anthropology, Band 38, Nr. 1–4, 1973, S. 43–56 könnte es wesentlich älter sein und vom schwedischen Botaniker Adam Afzelius, der sich 1795 bis 1796 in Sierra Leone aufhielt, erworben worden sein.Gerhard Kubik: Westafrika. Band 1: Musikethnologie. Lieferung 11. (Werner Bachmann (Hrsg.): Musikgeschichte in Bildern.) Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1989, S. 19

Der Name seperewa setzt sich aus den Akan-Wörtern se („reden“), pre („berühren“, beschreibt die Bewegung des Daumens beim Zupfen der Saiten) und wa („klein“) zusammen und bedeutet ungefähr: „das kleine Musikinstrument, das beim Zupfen der Saiten spricht“. Mit historischen Quellen lässt sich diese Stegharfe bis zum Ende des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen. Nach der Überlieferung brachten die Aschanti die seperewa um 1740 als Beute aus dem Krieg ihres Königs Opoku Ware I. gegen das Königreich Gyaman der Akan im heutigen Nordosten der Elfenbeinküste (um Bondoukou) mit. Der Asantehene (König der Aschanti) soll die seperewa selbst behalten und einen Musiker, der sie spielen konnte, in die Hauptstadt Kumasi beordert und zu seinem persönlichen Sänger gemacht haben. Nach diesem Exemplar wurden weitere seperewa gebaut, die so zunächst unter den Adligen und später auch im Volk verbreitet worden seien.Oris Aigbokhaevbolo: What happened to Ghana's seperewa? Music in Africa, 30. März 2016

Mit afrikanischen Sklaven gelangte die seperewa offenbar schon früh in die Karibik. Der britische Naturforscher Hans Sloane bildet in seinem Reisebericht A Voyage to the Islands Madera, Barbados, Nieves, S. Christophers and Jamaica von 1725 eine achtsaitige Stegharfe vom Typ der seperewa ab, zusammen mit zwei Langhalslauten mit rundem Korpus, Vorläufer des Banjos, deren afrikanischer Vorläufer vermutlich die akonting der Diola war.Hans Sloane: A Voyage to the Islands Madera, Barbados, Nieves, S. Christophers and Jamaica with the Natural History. Band 2. British Museum, London 1725, Tafel 232

Bauform Der Korpus der seperewa ist ein aus dünnen Holzbrettern zusammengefügter rechteckiger Kasten. Bei manchen Exemplaren ragt das Bodenbrett entweder an beiden Schmalseiten oder meist nur an der Vorderseite dreieckig in einer Spitze endend über den Kasten hinaus. Der leicht gebogene Saitenträgerstab ist mitten in der Vorderseite durch den Korpus gesteckt und tritt wie bei Spießlauten an der Unterseite einige Zentimeter heraus. Als Decke ist eine Tierhaut aufgespannt und umlaufend an den Rändern festgenagelt. Der Steg steht ungefähr in der Mitte senkrecht auf der Decke. Bei alten Instrumenten sind 6 oder 8 Saiten, bei modernen 10 oder bis zu 14 Saiten aufgespannt. Die Saiten sind in unterschiedlichen Abständen mit Wicklungen aus Tierhautstreifen am Saitenträger festgebunden und verlaufen in zwei parallelen Ebenen senkrecht zur Decke durch Löcher an beiden Seiten des Stegs. Hinter dem Steg werden die Saiten zusammengeführt und am unten vorstehenden Ende des Saitenträgers befestigt. Der Steg wird dort ebenfalls mit einem Hautstreifen oder einer Schnur fixiert. Die Saiten bestehen heute nicht mehr aus Hautstreifen, sondern aus Nylon.