Die Vuelta a España 2023 war die 78. Austragung der spanischen Grand Tour. Das Straßenradrennen wurde am 26. August in Barcelona gestartet und ging am 17. September 2023 in Madrid zu Ende. Die Rundfahrt führte über 21 Etappen und beinhaltete zwei Ruhetage. Der Gesamtführende trug das Maillot Rojo. Zudem wurden eine Punktewertung, Bergwertung, Nachwuchswertung und Mannschaftswertung ausgetragen. Die Streckenvorstellung fand am 10. Januar 2023 statt.

Den Gesamtsieg sicherte sich der US-Amerikaner Sepp Kuss (Jumbo-Visma), der sich vor seinen beiden Teamkollegen Jonas Vingegaard (+0:17 min) und Primož Roglič (+1:08 min) durchsetzte. Den Grundstein für seinen Triumph legte Sepp Kuss mit seinem Etappensieg auf der 6. Etappe, als er Teil einer großen Ausreißergruppe war, die das Ziel rund drei Minuten vor dem Hauptfeld erreichte. Im späteren Verlauf der Rundfahrt musste er sich den Angriffen seiner eigenen Teamkollegen erwehren, da er bei seiner dritten Grand Tour des Jahres ursprünglich als Helfer an den Start gegangen war. Auf der 18. Etappe wurde ihm schließlich die klare Leader-Rolle zugesprochen. Nach Christopher Horner im Jahr 2013 ist Sepp Kuss der zweite US-Amerikaner, der die Vuelta a España gewinnen konnte.

Platz vier ging an den 21-jährigen Spanier Juan Ayuso (UAE Team Emirates), der zudem die Nachwuchswertung für sich entschied. Der Vorjahressieger Remco Evenepoel (Soudal Quick-Step) gewann die Bergwertung, nachdem er auf der 13. Etappe im Gesamtklassement weit zurückgefallen war. In der Punktewertung setzte sich der Australier Kaden Groves (Alpecin-Deceuninck) durch. Sowohl er als auch Remco Evenepoel gewannen jeweils drei Etappen, wobei der Belgier zum kämpferischsten Fahrer gewählt wurde. In der Mannschaftswertung siegte das Team Jumbo-Visma.

Teams und Fahrer

Über ein automatisches Startrecht und eine Startpflicht verfügten gemäß den Statuten der UCI die 18 WorldTeams. Dazu lud der Veranstalter zwei spanische ProTeams zur Teilnahme an der Spanien-Rundfahrt ein. Zudem qualifizierten sich automatisch die beiden besten UCI ProTeams des Vorjahres: Lotto Dstny (unter dem damaligen Teamnamen Lotto Soudal) und TotalEnergies.

Die Aufstellungen der Teams wurden am 24. August 2023 in Barcelona im Stadtviertel La Barceloneta auf dem Plaça del Mar präsentiert. Jede Mannschaft entsandte acht Fahrer zur Spanien-Rundfahrt. Insgesamt gingen 176 Fahrer aus 22 Radsportteams an den Start.

Favoriten Als Favoriten galten der Vorjahressieger Remco Evenepoel (Soudal Quick-Step) sowie das Jumbo-Visma-Duo Jonas Vingegaard und Primož Roglič, die die Tour de France bzw. den Giro d’Italia des Jahres 2023 gewannen. Remco Evenepoel hatte nach seinem Gesamtsieg bei der UAE Tour und dem Sieg bei Lüttich–Bastogne–Lüttich den Giro d’Italia bestritten, wo er beide Einzelzeitfahren gewann. Nach der 9. Etappe musste er die Italien-Rundfahrt als Träger der Maglia Rosa aufgrund eines positiven SARS-CoV-2-Tests gesundheitsbedingt verlassen. Nach seiner Genesung bestritt er die Tour de Suisse, wo er eine Etappe gewann und Platz drei in der Gesamtwertung belegte. Im Vorfeld der Vuelta a España gewann Remco Evenepoel zum dritten Mal die Clásica San Sebastián und sicherte sich bei der Weltmeisterschaft in Glasgow den Titel im Einzelzeitfahren. Neben Remco Evenepoel bestritt auch Primož Roglič nach dem Giro d’Italia die Spanien-Rundfahrt. Der Slowene hatte im Frühjahr die Gesamtwertungen von Tirreno–Adriatico und der Katalonien-Rundfahrt für sich entschieden, wobei er sich bei letzterer vor Remco Evenepoel durchsetzte. Beim Giro d’Italia gewann er das Einzelzeitfahren auf den Monte Lussari und übernahm einen Tag vor dem Abschluss der Rundfahrt das Rosa Trikot. Nach seinem Gesamtsieg bei der Italien-Rundfahrt legte Primož Roglič eine längere Rennpause ein, präsentierte sich jedoch zuletzt bei der Burgos-Rundfahrt mit zwei Etappensiegen und dem Gesamtsieg in guter Form. Neben Primož Roglič startete auch der amtierende Tour-de-France-Sieger Jonas Vingegaard bei der Vuelta a España, wobei er die Rolle als Co-Leader einnahm. Der Däne entschied im Jahr 2023 mit O Gran Camiño, der Baskenland-Rundfahrt und dem Critérium du Dauphiné drei Etappenrennen für sich, ehe er seinen Vorjahressieg bei der Tour de France souverän wiederholte. Seit der Frankreich-Rundfahrt bestritt Jonas Vingegaard keine Rennen mehr.

Neben den drei Top-Favoriten starteten weitere gute Gesamtklassement-Fahrer bei der Spanien-Rundfahrt. Geraint Thomas, der den Giro d’Italia auf dem zweiten Gesamtrang beendete, ging gemeinsam mit Thymen Arensman, dem Gesamtsechsten des Vorjahres, für die Ineos Grenadiers an den Start. In Abwesenheit von Tadej Pogačar setzte das UAE Team Emirates auf eine Zweierspitze, die von João Almeida und Juan Ayuso angeführt wird. Mit João Almeida stand somit auch der letzte Podiumsfahrer des diesjährigen Giro d’Italia am Start, während der erst 20-jährige Juan Ayuso bei der letztjährigen Spanien-Rundfahrt aufzeigte, die er auf dem dritten Gesamtrang beendete. Im Jahr 2023 absolvierte der junge Spanier jedoch mit der Tour de Romandie und Tour de Suisse nur zwei Rundfahrten, die er beide auf Platz zwei beendete. Mit Enric Mas (Movistar) startete auch der Gesamtzweite des Vorjahres bei der letzten Grand Tour des Jahres. Der Spanier musste die Tour de France bereits nach der ersten Etappe aufgrund eines Sturzes verlassen und fuhr seitdem keine Rennen mehr. Weitere Podiumsanwärter waren Alexander Wlassow, Lennard Kämna (beide Bora-hansgrohe), Romain Bardet (DSM-Firmenich), Mikel Landa, Damiano Caruso (beide Bahrain Victorious), Eddie Dunbar (Jayco AlUla) und Hugh Carthy (EF Education-EasyPost). Mit Cian Uijtdebroeks (Bora-hansgrohe), Lenny Martinez, Romain Grégoire (beide Groupama-FDJ) und Max Poole (DSM-Firmenich) bestritten zudem gleich vier talentierte Nachwuchsfahrer ihre erste Grand Tour.

Sprinter Wie jedes Jahr war das Feld der Top-Sprinter aufgrund der zahlreichen Bergankünfte überschaubar. In Abwesenheit der großen Namen zählten Kaden Groves (Alpecin-Deceuninck), Sebastián Molano (UAE Team Emirates), Bryan Coquard (Cofidis), Alberto Dainese (DSM-Firmenich), Edward Theuns (Lidl-Trek), Andrea Vendrame (AG2R Citroën), Gerben Thijssen (Intermarché-Circus-Wanty), Hugo Hofstetter (Arkéa-Samsic) und Milan Menten (Lotto Dstny) zu den endschnellsten Fahrern.

Bergfahrer In der Bergwertung setzten sich zuletzt meist Fahrer durch, die in der Gesamtwertung keine Rolle spielten. Das Trikot mit den blauen Punkten hatte besonders bei den heimischen Fahrern und Teams eine hohe Bedeutung. Bergfahrer, die voraussichtlich keine Mannschaftsdienste leisten mussten und sich auf die Sonderwertung fokussieren konnten, waren: Sergio Higuita (Bora-hansgrohe), Santiago Buitrago (Bahrain Victorious), Filippo Zana (Jayco AlUla), Michael Storer (Groupama-FDJ), Juan Pedro López (Lidl-Trek), Jesús Herrada (Cofidis), Cristián Rodríguez (Arkéa-Samsic), David de la Cruz (Astana Qazaqstan), Pierre Latour (TotalEnergies) und Eduardo Sepúlveda (Lotto Dstny).

Weitere interessante und abwesende Fahrer Im Einzelzeitfahren der 10. Etappe zählten neben den Gesamtklassement-Fahrern auch Filippo Ganna (Ineos Grenadiers) und Stefan Bissegger (EF Education-EasyPost) zu den Topfavoriten, während im Mannschaftszeitfahren primär die Teams Jumbo-Visma, UAE Team Emirates, Ineos Grenadiers und Soudal Quick-Step zu favorisieren waren. Ein weiterer interessanter Fahrer war der Australier Jay Vine (UAE Team Emirates), der im Vorjahr zwei Bergankünfte gewann und mehrere Etappen im Trikot des Führenden der Bergwertung unterwegs war, ehe er die Rundfahrt aufgrund eines Sturzes aufgeben musste. Nach seinem Gesamtsieg bei der Tour Down Under blieb er beim Giro d’Italia jedoch hinter seinen Erwartungen zurück. Sepp Kuss bestritt für das Team Jumbo-Visma nach dem Giro d’Italia und der Tour de France auch die dritte Grand Tour des Jahres. Ebenfalls am Start standen Dylan van Baarle, Wilco Kelderman, Attila Valter und Jan Tratnik (alle Jumbo-Visma). Neben Jonas Vingegaard, Primož Roglič, Remco Evenepoel und Geraint Thomas startete mit Egan Bernal (Ineos Grenadiers) ein weiterer ehemaliger Grand-Tour-Sieger bei der Vuelta a España.

Der bekannteste Nicht-Starter war der Slowene Tadej Pogačar (UAE Team Emirates), der die Tour de France 2023 auf dem zweiten Platz beendete. Auch sein Mannschaftskollege Adam Yates, sowie dessen Bruder Simon Yates (Jayco AlUla) nahmen die Spanien-Rundfahrt nicht in Angriff. Weitere bekannte Fahrer, die nicht starten, waren: Jai Hindley (Bora-hansgrohe), Tao Geoghegan Hart, Carlos Rodríguez, Thomas Pidcock (alle Ineos Grenadiers) und Richard Carapaz (EF Education-EasyPost), sowie die Klassiker-Stars Mathieu van der Poel (Alpecin-Deceuninck) und Wout van Aert (Jumbo-Visma).

Strecke Insgesamt mussten auf den 21 Etappen 3156,5 Kilometer zurückgelegt werden, was einem Tagesschnitt von 150,3 Kilometern entsprach. 2023 führte die Vuelta a España neben Spanien auch durch Andorra und Frankreich. Auf dem Programm standen: vier flache, sechs hügelige und neun Bergetappen, von denen acht mit einer Bergankunft endeten. Zudem wurden ein Mannschaftszeitfahren und ein Einzelzeitfahren ausgetragen, die insgesamt 39,6 Kilometer der Gesamtdistanz ausmachten. Der höchste Punkt der Rundfahrt war der Col du Tourmalet (2115 m) auf dem eine Bergankunft zu Ende ging.

Etappenliste Die folgende Tabelle zeigt die Etappen mit Datum, Start- und Zielort, Kategorisierung und Etappenlänge. Außerdem sind der Etappensieger und der jeweils Führende in der Gesamtwertung nach der Etappe angegeben. In der ersten Spalte sind die Einzelartikel zu jeder Etappe mit detaillierten Angaben zu Platzierung und Rennverlauf angegeben.

Erste Woche: Von Barcelona über Andorra an die Costa Blanca mini|Blick vom Montjuïc auf Barcelona Im Jahr 2023 wurde die Vuelta a España zum zweiten Mal nach 1962 in Barcelona gestartet. Die erste Etappe wurde wie im Vorjahr in Form eines Mannschaftszeitfahrens ausgetragen und führte vom Port Olímpic über 14,6 Kilometer zum Plaça d'Espanya. Die zweite Etappe führte vom nahegelegenen Mataró übers Hinterland zurück nach Barcelona, wo die Etappe beim Montjuïc zu Ende ging. Bereits am dritten Tagesabschnitt erfolgte in Andorra bei dem Arinsal Ski Resort (1914 m) die erste Bergankunft der 78. Austragung der Spanien-Rundfahrt. Zuvor wurde mit dem Coll d’Ordino (1980 m) ein weiterer Anstieg in Andorra überquert. Auf der vierten und fünften Etappe führte die Strecke das Peloton über großteils flache Abschnitte in Richtung Südwesten. Bei den Zielankünften in Tarragona und Burriana zählten in erster Linie die Sprinter zu den möglichen Etappensiegern. Auf der sechsten Etappe fand die zweite Bergankunft auf der Pico del Buitre (1950 m) bei dem dortigen astrophysikalischen Observatorium statt. Die rund 11 Kilometer lange Schlusssteigung wies eine Durchschnittssteigung von etwas unter 8 % auf. Tags darauf führte der siebte Tagesabschnitt von Utiel auf flachen Straßen nach Oliva und somit zurück an die Mittelmeerküste. Die achte Etappe führte durch das hügelige Hinterland von Alicante und endete beim Xorret de Catí. Drei Kilometer vor dem Ziel wurde die gleichnamige Bergwertung überquert, die auf einer Länge von vier Kilometern Steigungsprozente von über 20 % aufwies. Zum Abschluss der ersten Woche ging es ins Hinterland von Murcia, wo die Etappe nach einem flachen Schlussanstieg mit steilen Rampen bei Caravaca de la Cruz endete.

Zweite Woche: Zeitfahren in Valladolid und Bergankünfte in den Pyrenäen mini|Die Passhöhe des Col du Tourmalet