Die Eisenbahnstrecke Belgrad–Niš ist die wichtigste Eisenbahnverbindung von der serbischen Hauptstadt Belgrad in den Süden des Landes und in Richtung Nordmazedonien und Bulgarien. Sie wurde am 3. September 1884 eröffnet und ist damit die älteste Bahnstrecke in dieser Region. Die Strecke ist durchgehend elektrifiziert und zu gut der Hälfte zweigleisig.
Die Bahnstrecke Belgrad–Niš ist Teil des Paneuropäischen Verkehrskorridores X von Salzburg nach Thessaloniki.
Geschichte Auf dem Berliner Kongress wurde das Fürstentum Serbien 1878 zum Bau einer Eisenbahnverbindung von Österreich-Ungarn durch sein Gebiet in das Fürstentum Bulgarien und weiter in das Osmanische Reich verpflichtet, um Wien und Istanbul miteinander zu verbinden. Allerdings war die serbische Regierung kriegsmüde und hatte kein Interesse an der Finanzierung eines so umfangreichen Infrastrukturprojekts, auch wenn durch den Kongress die staatliche Unabhängigkeit erlangt wurde. 1880 zwang Österreich-Ungarn die Regierung in Belgrad zur Unterzeichnung eines Vertrages, demzufolge die Bahnstrecke innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre gebaut werden sollte. Die Doppelmonarchie war sehr an einer Eisenbahnverbindung mit dem Osmanischen Reich interessiert, nachdem dieses in den 1850er Jahren seinen Außenhandel liberalisiert hatte. Gleichzeitig begann Österreich-Ungarn mit dem Bau einer Strecke nach Serbien, um eine direkte Eisenbahnverbindung zwischen beiden Staaten herzustellen.
Der Bau der Strecke von Belgrad nach Niš startete am 3. Juli 1881 in Topčider rund 8 Kilometer südlich des späteren Hauptbahnhofes von Belgrad. Das Projekt wurde nicht von den Serbischen Eisenbahnen, sondern von der Orientalischen Bahn des Baron de Hirsch geleitet. Der Bau dauerte insgesamt drei Jahre. Bis 1883 war rund die Hälfte der Strecke verlegt und am 17. Juni des Jahres erreichte der erste Zug die Stadt Jagodina (Streckenkilometer 135,2) im Moravatal. Nachdem drei Tage zuvor mit der Fertigstellung der Savebrücke bei Zemun die österreich-ungarische Strecke Serbien erreicht hatte, wurde die Strecke Belgrad–Niš am 4. September 1884 in Anwesenheit zahlreicher Gäste aus dem damaligen Österreich-Ungarn und Frankreich offiziell eröffnet. An der Eröffnungszeremonie nahmen die serbische Regierung, der serbisch-orthodoxe Metropolit von Belgrad, Mitglieder des Staatsrates und Militärangehörige teil.
Die Strecke wurde von einem französischen Unternehmen mit damals modernster Technologie gebaut. Aufgrund von Sicherheitsbedenken und der Gefahr von Erdrutschen fuhren die Züge jedoch auf dem Abschnitt Belgrad–Smederevska Palanka mit einer Geschwindigkeit von nur 25–40 km/h. Die Reisezeit von Belgrad nach Niš betrug damals 8:10 Stunden, was revolutionär war, da eine Pferdekutsche für dieselbe Strecke viereinhalb Tage benötigte. Für die meisten Serben war der Fahrpreis auf der neuen Strecke jedoch relativ hoch, weshalb die Züge zuerst nur wenig genutzt wurden. Mit dem stetigen Ausbau des serbischen Eisenbahnnetzes stieg die Fahrgastzahl jedoch im Laufe der Zeit. Seit 1885 verkehrte auf dieser Strecke der Orient-Express.
Modernisierung Immer wieder wurden einzelne Abschnitte der Strecke saniert und modernisiert. So auch nach dem Ersten Weltkrieg, während dem die Strecke beschädigt wurde. Es mussten einige Brücken und Streckenabschnitte restauriert werden. Die Arbeiten wurden im Oktober 1919 abgeschlossen. In den Jahren 1920–1924 wurde die Strecke anschließend modernisiert, sodass die Höchstgeschwindigkeit 100 km/h betrug. Dank dieser Modernisierung konnte der Orient-Express die gesamte 243 Kilometer lange Strecke in 5:35 Stunden zurücklegen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke vollständig elektrifiziert. Seit den 1990er-Jahren ging der Verkehr jedoch immer weiter zurück und auch die Strecke selbst ist mit Stand 2023 in keinem guten Zustand, mancherorts ist die Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h oder weniger begrenzt.
Geplanter Ausbau Eine grundlegende Modernisierung und ein durchgehend zweigleisiger Ausbau der Strecke sind geplant. Die Fahrzeit zwischen Belgrad und Niš soll von derzeit 5:30 auf 1:15 Stunden verkürzt werden. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf 2,2 Milliarden Euro. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) will den Ausbau mit einem Darlehen über 500 Millionen Euro unterstützen. Auch die Europäische Investitionsbank (EIB) beteiligt sich mit einem Darlehen von 1,1 Milliarden Euro an dem Projekt. Die Bauarbeiten sollen bis 2029 abgeschlossen werden. Nach der Modernisierung sollen Geschwindigkeiten von 200 km/h für Personenzüge möglich sein.
Betrieb Nach dem Ende des Orient-Expresses 1962 und auch des Nachfolgers Direct-Orient im Jahr 1977 wird die traditionelle Route dieses Zuges über die Bahnstrecke Belgrad–Niš seit Mitte der 1980er-Jahre durch den Optima Express wiederbelebt, zumindest zwischen April und November. Ein Mal wöchentlich je Richtung verkehrt dieser Autoreisezug in rund 37 Stunden Fahrzeit zwischen Villach und Edirne. Eine zweite Verbindung von Villach nach Thessaloniki über die Strecke wurde 2009 eingestellt.
Unfälle 1924 stieß der Istanbuler Zugteil des Orient-Expresses bei Belgrad mit einem Güterzug zusammen.
Bildergalerie
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Bahnstrecke in Serbien