Carl Sturtzkopf (* 10. Mai 1896 in Berlin; † 11. November 1973 ebenda) war ein deutscher Pressezeichner und -karikaturist.

Leben und Werk Sturtzkopf kam aus einer Kunstmalerfamilie am Bodensee. Er nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil und studierte dann an der Kunstakademie Königsberg und ab 1920 Druckgrafik an der Akademie der Bildenden Künste München.Matrikelbuch 5, 1919–1931, S. 19 Ab 1923 war er in München Pressezeichner, anfangs Sportzeichner, u. a. für den Simplicissimus und Scherls Magazinz. B. Heft Mai 1931, S. 430/431: https://www.arthistoricum.net/werkansicht/dlf/73383/32 https://www.arthistoricum.net/werkansicht/dlf/73383/33. Humoristische Zeichnungen erschienen auch in Lustige Blätter, Münchner Illustrierte, Die Woche und Ulk. Außerdem arbeitete er als Buchillustrator. Er benutzte auch das Pseudonym Charly.

Sturtzkopf war Mitglied des Verbands der Pressezeichner. Er blieb als Karikaturist in der Weimarer Republik weitgehend unpolitisch. Er war „… im properen Pressebetrieb als flott zeichnender Reporter auf Rennpisten und unter Boxringen unterwegs …“Carl Sturtzkopf. Künstlermensch – Presseknecht – Querlieger. In: Harald Kretzschmar: Stets erlebe ich das Falsche. Quintus, Berlin, 2017, S. 57

In der Zeit des Nationalsozialismus war Sturtzkopf Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Er zeichnete u. a. politisch-satirische Karikaturen im Geist des Nationalsozialismus, ohne sich jedoch besonders hervorzutun. Er wurde aufgefordert, wie Wilhelm Schulz zu zeichnen.Carla Schulz-Hoffmann: Simplicissimus. Haus der Kunst, München, 1977, S. 51 1943 hatte er mit Olaf Gulbransson eine Audienz bei Joseph Goebbels, bei der ihnen offenbar nahegelegt wurde, wie sie dazu beitragen sollen, das Volk bei Laune zu halten. Es ist nur eine Ausstellung belegt, an der er in dieser Zeit beteiligt war.Martin Papenbrock, Gabriele Saure (Hrsg.): Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen. Teil 1. Ausstellungen deutscher Gegenwartskunst in der NS-Zeit. VDG, Weimar, 2000

Sturtzkopf wurde zur Wehrmacht eingezogen, nahm am Zweiten Weltkrieg teil und geriet in Kriegsgefangenschaft. Wahrscheinlich ab 1942 hatte er seinen Wohnsitz in Berlin1943 erstmals im Adressbuch als Kunstmaler in der Tauentzienstraße 8 aufgeführt.

Nach dem Ende des NS-Staats lebt Sturtzkopf wieder in München. Er zeichnete u. a. für Der Simpl. Dabei schuf er auch politische Karikaturen, die sich u. a. gegen restaurative Tendenzen und die Remilitarisierung der Bundesrepublik wandten. Wegen einer pazifistischen Zeichnung für das kleine linke Satireblatt Der deutsche Michel erfolgten staatsanwaltliche Ermittlungen gegen ihn. Daraufhin ging er 1959 nach Westberlin, wo er bei Charlotte Schmalhausen (1898–1990), der Witwe des Grafikers Otto Schmalhausen (1880–1958) und Schwester der Ehefrau von George Grosz, lebte. 1960 erhielt er die Staatsbürgerschaft der DDR.

Sturtzkopf unterhielt Künstlerfreundschaften u. a. mit Erich Ohser und Albert Schaefer-Ast und später in der DDR mit Harald Kretzschmar.

Von Peter Nelken (1919–1966), dem Chefredakteur des Eulenspiegel, wurde er als Karikaturist für das Blatt engagiert. Seine Bilder wurden regelmäßig veröffentlicht, und er wurde Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR.

Arbeiten Sturtzkopfs befinden sich in der Greizer Karikaturensammlung Satiricum.

Darstellung Sturzkopfs in der bildenden Kunst

Harald Kretzschmar: Charly Sturzkopf (Zeichnung)Carl Sturtzkopf. Künstlermensch – Presseknecht – Querlieger.

In: Harald Kretzschmar: Stets erlebe ich das Falsche. Quintus, Berlin, 2017, S. 58 (Abbildung)

Zeitgenössische Rezeption (1940) „Die Sportler, die Frauen und die Landschaft – das sind die drei Themenkreise des Zeichners Carl Sturtzkopf. Aber er sucht hier durchaus nicht das ungewöhnliche oder Besondere …Mit einem gewissen distanzierten Interesse lässt er den Alltag an seinem Auge vorbeidefilieren, um einen an sich vielleicht ganz nebensächliche Vorgang mit einer dann allerdings ganz ungewöhnlichen Blicksicherheit und Prägnanz zeichnerisch festzuhalten.“

Eberhard HölscherCarl Sturtzkopf. In: Gebrauchsgraphik, März 1940, S. 27

Buchillustrationen (unvollständig)

Karl Ettlinger: Karlchen-Album. Verlag Georg Müller, München, 1923 Voltaire: Kandide. Verlag Georg Müller, München, 1924 (Vorzugsausgabe von 300 Ex. mit 20 Radierungen) Carl Arnold Kortum: Die Jobsiade. Ein grotesk komisches Heldengedicht. Verlag Carl Stephenson, Berlin, 1941 Charles W. Thayer: Bären im Kaviar. Athenäum-Verlag, Bonn, 1952 M. E. Saltykow: Satirische Märchen. Progress-Verlag Johann Fladung, Düsseldorf, 1958

Ausstellungen (unvollständig)

Einzelausstellung

1922: München, Graphisches Kabinett postum 2026: Greiz, Sommerpalais (zum 130. Geburtstag)

Ausstellungsbeteiligungen

1931: Berlin, Schloss Bellevue, Große Berliner Kunstausstellung 1941: Berlin, Haus der Kunst ("Die Pressezeichnung im Kriege"; mit der Karikatur Englische Indolenz) 1945: München, Galerie Baudenbach („Die Schwabinger „Kleine“ Kunstausstellung Nr. 2“)

Postum

1977: West-Berlin, Berlin-Museum („Berliner Pressezeichner der zwanziger Jahre“) 1985: Erfurt, Gelände der Internationalen Gartenbauausstellung („Künstler im Bündnis“)

Literatur

Herbert Sandberg: Der freche Zeichenstift. Carl Sturtzkopf. In: Das Magazin, 2/1984, S. 23ff. Kurt Flemig: Karikaturisten-Lexikon. K. G. Saur, 1993; ISBN 3-598-10932-6, S. 283 Carl Sturtzkopf. Künstlermensch – Presseknecht – Querlieger. In: Harald Kretzschmar: Stets erlebe ich das Falsche. Quintus, Berlin, 2017, S. 57–61

Weblink

Carl Sturtzkopf 1 – vergessene-kunst.de (Abbildung einer frühen Lithografie)

Einzelnachweise

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