Die indonesische Malerei steht traditionell in engem Zusammenhang mit den vielfältigen anderen künstlerischen Ausdrucksformen, die der indonesische Archipel hervorgebracht hat. Die moderne indonesische Malerei ging jedoch nicht unmittelbar aus der Maltradition Balis und Javas hervor, die dekorativen oder rituellen Zwecken diente, sondern entwickelte sich erst in der niederländischen Kolonialzeit, als indonesische Künstler die Möglichkeit zu Kontakten mit der modernen europäischen Malerei erhielten und sich an deren Vorbild orientierten. Wesentliche weitere Impulse erhielt die moderne indonesische Malerei durch die indonesische Nationalbewegung und den antikolonialen Kampf 1920 bis 1950, was auch noch in den späteren Auseinandersetzungen der Malerschulen und in der stark politisierten Straßenkunst nach 1998 seinen Nachhall fand.

Heute greifen die Maler wieder auf die mythisch-synkretistische Bild- und Symbolwelt Balis und Javas zurück, wie denn in Indonesien generell die Tendenz besteht, Denkstile, Symbole und Bilder in einen „großen synkretistischen Strom“ einzufügen, in dem der islamische Purismus kaum eine Rolle spielt.Clifford Geertz: Religiöse Entwicklungen im Islam. Frankfurt am Main 1988, S. 153. Daher stellte auch das islamische Bilderverbot, das die Bilderwelt der alten animistischen, pantheistischen und hinduistischen Traditionen in Frage stellte, in neuerer Zeit kein Hindernis für die Entwicklung der visuellen Künste mit vielfältigen Techniken und Medien dar.

Frühzeit mini|Felsmalerei in der Höhle Lean Tedongnge, Alter: mindestens 45.500 Jahre

Die Höhlenmalereien auf der Insel Muna sind etwa 68.000 Jahre alt. Es handelt sich damit um die älteste bisher gefundene nicht-figurative Kunst. 67.800 Jahre alte Höhlenmalerei bricht alle Rekorde auf nordisch.info, 26. Mai 2026 Einige weitere der ältesten, über 40.000 bis 50.000 Jahre alten Höhlenmalereien der Welt aus dem jüngeren Paläolithikum wurden auf Borneo und Sulawesi gefunden.Karin Schlott: Das älteste Tierbild der Menschheitsgeschichte auf spektrum.de, 14. Januar 2021 Die ältesten bekannten Tierbilder der Menschheit finden sich in den Höhlen im Maros-Pangkep Karst auf Sulawesi. Sie zeigen Sulawesi-Pustelschweine (Sus celebensis). Bekannt sind auch die 3000 bis 5000 Jahre alten Felsgemälde auf Raja Ampat (West-Papua).

Die reiche starkfarbige Maskenkunst des indonesischen Archipels zeigt bis in die Neuzeit deutlich animistische Einflüsse. Wegen der Vergänglichkeit pflanzlicher Trägermaterialien im feuchtheißen tropischen Klima wurden jedoch andere Materialien als Holz und Stein, Textilien und Palmblätter wenig genutzt bzw. haben sich nicht erhalten.

Traditionelle balinesische Malerei Im Unterschied zur Holzschnitz- und Steinmetzkunst – also Techniken, die für die Gestaltung von Tempelanlagen unabdingbar waren – entwickelte sich die Malerei auf Bali relativ spät seit dem 15. Jahrhundert. Sie war nicht autonom, sondern blieb in die hinduistische Tempelarchitektur und ihre Tempelrituale eingebunden oder diente der Ausgestaltung der Fürstenhöfe. Darin war sie etwa der europäischen Kunst des 14. Jahrhunderts vergleichbar. Die Sangging, die Maler, Zeichner und Textilkünstler, blieben bis Anfang des 20. Jahrhunderts Angestellte der Könige vor allem von Gelgel und Klungkung. Sie mussten sich zu jeder Zeit bereithalten, königliche Aufträge auszuführen, und signierten ihre Bilder grundsätzlich nicht. Dargestellt wurden meist die bekannten Hindu-Erzählungen und -Legenden. Farben und andere Materialien wurden aus Pflanzen hergestellt. Jeder Zentimeter dieser Gemälde war mit Details gefüllt. Ein Zentrum dieser Malerei war das Dorf Ubud mit seinen großen Tempelanlagen, deren Decken ausgemalt wurden. Aus Java kam der Wayang-Stil, der es erlaubte, komplexere Geschichten in einer Bildfolge ähnlich wie in einem Comic zu erzählen.Malerei auf Bali auf sunda-spirit.com Teils wurden die Konturen von Lebewesen auch kalligraphisch aufgelöst, um den Forderungen des Islams zu genügen.

mini|Wayang-Figur eines Wächtergeistes (Semar). Hinterglasmalerei in islamischer Kalligraphie, Java In anderen Regionen des heutigen Indonesien, in denen vor der Islamisierung des Archipels keine Bildkultur ausgeprägt war wie in Sumatra, Borneo und Sulawesi, konnte sich die Malerei nicht von der Gebrauchskunst emanzipieren. Die seit dem 14. Jahrhundert vordringende islamische Kunst blieb eine Palastkunst der lokalen Fürsten. Wo ein starker hinduistisch-buddhistischer Einfluss erhalten blieb, wurde das Bilderverbot durch die Technik des Schattenspiels, das eng mit dem Namen des islamischen „Apostels“ Javas, Sunan Kalijaga (1450–1513), verbunden ist, und die starke Stilisierung von Figuren und Masken unterlaufen. Selbst bei der Ausgestaltung von Moscheen blieben vorislamische Bildmotive erhalten.Hee Sook Lee-Niinioja: The Conitnuity of Pre-Islamic Motifs in Javanese Mosque Ornamentation Indonesia Helsinki 2019 (PDF; 9,2 MB).

Die Anfänge in Niederländisch-Indien mini|Raden Saleh (1857): Gefangennahme des Prinzen Diponegoro im Javanischen Krieg (1825–1830)

In dem Maße, in dem im 19. Jahrhundert die Kolonisierung des Archipels durch die Niederlande fortschritt, ergaben sich für die kulturell interessierten Eliten Javas Kontaktmöglichkeiten mit europäischen Kolonialmalern und schließlich auch direkt nach Europa. Raden Saleh (1811(?)–1880), ein javanischer Prinz, dessen Familie unter Repressionen der Kolonialmacht litt, ging nach Europa und erhielt dort Unterricht von holländischen Malern der romantischen Schule, unter anderem von dem Porträt-, Folklore- und Historienmaler Cornelis Kruseman. Beeinflusst wurde Saleh auch von den Landschaftsbildern der Dresdner Gemäldegalerie. In diesen Genres war er erfolgreich tätig, obwohl die Spannungen zwischen der romantischen harmonisierenden Naturmalerei und der javanischen Tradition, in welcher die Natur immer auch gefahrvoll und beunruhigend erscheint, deutlich zu Tage treten. Diese Naturgewalten könnten als codierte Verkörperung kolonialer Gewalt abgesehen werden.Kraus 2022 In einem seiner Bilder stellte er die Gefangennahme des in den Niederlanden erzogenen javanischen Freiheitshelden Prinz Diponegoro (1785–1855), den Salehs Familie unterstützt hatte, durch mitleidlos wirkende holländische Militärs mit übergroßen Köpfen dar. Berühmt ist vor allem sein vom europäischen Exotismus beeinflusstes Gemälde Boschbrand mit vor einem Buschfeuer fliehenden Tigern in der Southeast Asia Gallery der National Gallery Singapore.Boshbrand (1849) auf roots.gov.sg Saleh nutzte eine Reihe von Techniken, die in der balinesischen und Javanischen Malerei bis dahin völlig unbekannt waren wie z. B. das Chiaroscuro. Einige Bilder des ersten transnationalen indonesischen Künstlers wurden im Rijksmuseum Amsterdam ausgestellt. Andere verbrannten bei der Internationalen Pariser Kolonialausstellung 1931.

Der in Batavia geborene Jan Daniel Beynon (1830–1877) war ein niederländischer Porträt-, Stillleben- und Landschaftsmaler, der im Amsterdam (ebenfalls bei Krusemann) studierte, 1855 nach Java zurückkehrte und dort romantische Alltagsszenen und Idylle malte. Ende des 19. Jahrhunderts kamen weitere niederländische Maler nach Indonesien, um die Schönheit der exotischen Landschaften einzufangen. Fredericus Jacobus van Rossum du Chattel (1856–1917) malte harmonische Aquarelle mit Bergen, Vulkanen, Flüssen und Dörfern, die von einer goldenen Sonne beschienen werden. Die meisten seiner vom Impressionismus beeinflussten Bilder zeigen jedoch Landschaften in den Niederlanden. Als sein Schüler entwickelte Pirngadi (ca. 1875–1936) einen realistischen Stil, wobei er auf weiten Reisen Landschaften des gesamten Archipels malte. mini|Abdulla Suriosubroto: Landschaft (nicht datiert) Als erster indonesischer Maler nach Saleh erhielt Abdullah Suriosubroto (1878–1941), der Sohn eines Arztes und Bildungsreformers aristokratischer Abstammung, in den Niederlanden eine akademische Ausbildung. Er orientierte sich zunächst an der naturalistischen niederländischen Landschaftsmalerei, wobei er die indonesische Landschaft stark romantisierte und idealisierte (Mooi indie: schönes Indien),Abdullah Suriosobroto auf solisprints.co.uk, abgerufen am 16. August 2026 was ihm seit den 1930er Jahren zunehmend Kritik einbrachte-

1905 kehrte der in Tanjung Priok bei Jakarta geborene Niederländer Henry van Velthuysen (1881–1954) von seinem Studium in den USA nach Java zurück. Vor allem seine Porträts sind von Paul Gauguin beeinflusst, seine harmonischen starkfarbigen Stadtansichten zeigen Einflüsse des Kubismus. Er wirkte bei der Ausmalung des Niederländisch-Ostindischen Pavillons bei der Kolonialausstellung 1931 in Paris und bei der Friedensausstellung 1937 in Nagoya 1937 mit. Auch als Redakteur und Kunstkritiker wurde er bekannt.

Erneuerung der Balinesischen Kunst mini|Walter Spies: Berge und Teich Die Säkularisierung der balinesischen Kunst verdankte sich keineswegs westlichen Einflüssen, sie hatte bereits lange zuvor eingesetzt. Als in den 1920er und 1930er Jahren westliche Maler wie Walter Spies, Fritz Heinsheimer, Rudolf Bonnet (1895–1978), Adrien-Jean Le Mayeur (1880–1958) und Arie Smit (1916–2016), der zuvor am Institut Teknologi Bandung in Java gelehrt hatte, nach Bali kamen, erlebte die Malerei jedoch einen qualitativen Aufschwung. Spies’ Haus wurde zu einem kulturellen Zentrum Balis. Hier entwickelte er – angeregt durch seine zoologischen und botanischen Studien – einen Stil, der dem Magischen Realismus nahekommt. Auch förderte er die darstellenden Künste, ohne dass er die Absicht hatte, die balinesischen Künstler direkt zu beeinflussen.

Arie Smit unterrichtete mit einfachen Mitteln Dutzende von Künstlern, die später die Young Artists-Schule der balinesischen Malerei bildeten.Kurzbiographie auf houseoftariesmit.com

Bonnet, dessen Bilder ebenfalls als magisch-realistisch bezeichnet werden können, beriet die Maler des Künstler- und Handwerkerdorfs Batuan, sich zu einer Genossenschaft zusammenzuschließen und ihre Bilder in der gemeinsamen Ausstellungshalle Wisma Batuan zu verkaufen. Zu diesem Zweck gründete er gemeinsam mit Spies und gefördert durch den Prinzen Cokorda Gede Agung Sukawati die Pita Maha Association (Großes Leuchten).Schott (o. J.) In der Folge sollte der Genossenschaftsgedanke bei indonesischen Künstlern eine wichtige Rolle spielen. Auch der Geist der Unabhängigkeit wurde durch diese Bewegung gefördert.

Ein weiterer Mittelpunkt balinesischer Kunst war Sanur, wo der religiöse Einfluss geringer ausgeprägt war. Aus Java kamen wesentliche Elemente des Kamasan-Stils nach Bali, der nach einem Dorf in der Gegend von Gelgel benannt wurde. Hier lebten Künstler (und Metallhandwerker), die für lokale Fürsten arbeiteten. mini|hochkant|Shiva, Gott der Zerstörung und der Erhaltung, vor kosmischer Säule in Form des Weltenbergs (1. Hälfte 20. Jh.) Aus diesen Anfängen der 1920er und 1930er Jahre entwickelte sich der moderne Bali-Stil, der sich weitgehend von der Religion emanzipiert und Götterbilder nur als dekorative Zitate verwendet; er setzte sich seit den 1970er Jahren nachhaltig auf internationalen Kunstmärkten durch. Ein wichtiger Vertreter ist I Wayan Pugur (* 1946), der bei Arie Smit gelernt hatte. In Ubud befindet sich auch das Agung Rai Museum of Art, in dem traditionelle und neuere Werke balinesischer Malerei ausgestellt werden.

Der Kampf gegen die westliche Hegemonie