mini|hochkant=1.2|Der Ungar Áron Szilágyi (links) im Kampf gegen Nikolai Kowaljow aus Russland (rechts) im Säbel-Halbfinale der Männer bei der Fechtweltmeisterschaft 2013 Fechten ist in erster Linie eine Kampfsportart. Vor ihrer Etablierung als Sportart war die Austragungsform als Duell weit verbreitet. Die historischen Ursprünge dieser Kampftechnik gehen auf die Verfeinerung der Waffen und der Bewegungsabläufe gegenüber Schwert- und Säbelkämpfen zurück.
Heute wird mit Fechten überwiegend das Sportfechten bezeichnet; gefochten wird mit Florett, Degen und (leichtem) Säbel. Offizielle Wettkampfsprache beim Fechten (französisch Escrime) ist Französisch. Anders als beim modernen Sportfechten bezeichnet historisches Fechten frühere Stile, wie die der Renaissance und des Mittelalters. Dabei wird versucht, diese Stile möglichst originalgetreu nachzustellen.
Geschichte des Fechtens Das Fechten hat eine sehr lange Tradition. Eine Art sportlichen Fechtens betrieb man schon in der Antike (im alten Griechenland und im römischen Reich) und in Afrika. Ursprünglich war das Fechten ein bewaffneter Kampf zweier Personen, bei dem Blankwaffen mit langer Klinge sowie Handschutz verwendet wurden. Diese wurden so geführt, dass Angriffe des Gegners abgefangen werden konnten. Mit der Entwicklung effizienter Handfeuerwaffen verloren Blankwaffen ab dem 17. Jahrhundert weitgehend ihre militärische Bedeutung. Das Schwert wurde nur noch gegen zivile Kontrahenten, in Duellen oder zur Selbstverteidigung gegen leicht bzw. ungepanzerte Gegner verwendet und wurde daher im Gewicht reduziert und somit in der Führung schneller. Von Italien und Spanien ausgehend erlebte in dieser Zeit das Rapierfechten seine Blüte, welches im 18. Jahrhundert durch noch leichtere Formen wie das Degenfechten abgelöst wurde.
Die europäische Duellkultur geht zurück auf das Spätmittelalter, als auch das Bürgertum seinen ersten Aufschwung erlebte. Da zu dieser Zeit sowohl das Tragen einer Waffe als auch Recht und Pflicht des Ehrenhandels (Duell) Privileg des freien (adeligen) Mannes waren, strebten die freien Bürger nach diesen Rechten, um sich dem Adel zu emanzipieren. So entstanden die ersten Fechterbünde, wie z. B. die Veitsfechter zu Prag, die ihre Bundeskonvente im Veitsdom in Prag feierten. Das Wort Veiterfechter formte sich übrigens zum Begriff Federfechter um, der in späterer Zeit als Hinweis auf die Leichtigkeit der modernen Fechtwaffen missverstanden wurde. Gleichzeitig verloren im soldatischen Bereich wegen der Verbreitung und einfacheren Handhabung der Feuerwaffen viele militärische Fechtlehrer Sold und Brot und suchten sich neue Betätigungsfelder als Lehrer bürgerlicher Fechter, jedoch auch als Lohnfechter in Ehrenhändeln. Dabei zogen sie durch die Städte, klopften an die Portale gutbürgerlicher Häuser und Palais und fragten an, ob ein Fechtmeister gebraucht werde: „sie gingen fechten“, um sich ernähren zu können. Auch dieser Ausdruck wird heute noch verwendet, jedoch für direkte Haustürenbettelei. Auch gab es seit dem Mittelalter Versuche, sowohl von der Kirche als auch vom Gesetzgeber, Duelle zu verhindern oder unter Strafe zu stellen. Das deutsche Reichsstrafgesetzbuch von 1871 verbot jegliche Art von Zweikampf mit tödlichen Waffen. Trotzdem blieb der gesellschaftliche Zwang zum Ehrenhandel bis nach dem Ersten Weltkrieg weit verbreitet, allerdings wurden Duelle außerhalb der Studentenschaft und der Kavallerie (Säbel) seit dem späten 18. Jahrhundert meist mit Faustfeuerwaffen statt mit Blankwaffen ausgefochten.
Um 1570 prägte der Franzose Henri Saint Didier die meisten Fechtausdrücke, die auch heute noch verwendet werden. In Deutschland wurde das Fechten vor allem an den Universitäten betrieben, speziell in seiner studentisch vereinfachten Form der Mensur. Eine Förderung erfuhr das Fechten erst wieder durch die Turnerbewegung im 19. Jahrhundert. 1862 entstand der erste deutsche Fechtklub in Hannover (Fechtklub Hannover von 1862). 1896 fanden die ersten deutschen Meisterschaften statt. Unter der Schirmherrschaft von Erzherzog Franz Salvator wurde der Fechtsport im deutschen Sprachraum von dem Italiener Luigi Barbasetti ab 1895 in Wien durch die Einführung der sogenannten modernen italienischen Fechtmethode reformiert. In den 1890ern hielten noch einige Fechtclubs an der alten französischen Fechtmethode fest. Schließlich gelang es aber Barbasetti durch große Erfolge auf den Turnieren von Prag 1895, Budapest 1896, Wien 1896 und 1898 den italienischen Fechtstil durchzusetzen. Im Wesentlichen bestanden die Neuerungen auf der Loslösung von der festen Mensur und der dadurch verbesserten Beinarbeit, sowie Finten, Battuten, den „zusammengesetzten Angriffe[n]“ und dem „Hauptaugenmerk auf die Parade-Riposte bei der Verteidigung“. Dieser Fechtstil ist heute noch der international gültige.
Die im Wettkampf des heutigen Sportfechtens zum Einsatz kommenden Waffen sind Florett, Degen und (leichter) Säbel (im Gegensatz zum 1955 im Sportbereich suspendierten schweren Säbel, der nur auf Hieb gefochten wurde). Florett und Degen sind reine Stich-, der Säbel ist eine Hieb- und Stichwaffe. Gefochten wird auf der Fechtbahn (frz. piste für Spur, aber auch Tanzfläche, ebenso wie das auch in Deutschland umgangssprachlich verwendete frz. planche für Planke, Diele, Bohle), die etwa 14 m lang und 1,5 m breit ist. Demzufolge ist dieser Sport hauptsächlich durch Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen geprägt. Seitwärtsbewegungen sind eingeschränkt und nur auf der Planche selbst erlaubt.
Fechten als olympische Sportart Fechten zählt zu den Gründungssportarten von Athen 1896. In Athen standen drei Wettbewerbe auf dem Programm: Säbel und Florett für Amateursportler sowie ein Florettwettbewerb für Fechtmeister. Degenfechten kam in Paris 1900, Mannschaftsfechten in Antwerpen 1920 dazu. 1920 fochten die Frauen in Antwerpen erstmals um Gold im Damen-Florett. In Rom kam die Mannschaft, in Atlanta Degen, in Athen 2004 Säbel dazu. Da die Anzahl der Fechtwettbewerbe bei den Olympischen Spielen auf zehn beschränkt blieb, mussten ab 2004 jeweils zwei der sechs Mannschaftswettbewerbe pausieren. Auf Beschluss des Weltfechtverbandes FIE wurden daher 2004 die Mannschaftswettbewerbe im Damenflorett und Damensäbel nicht ausgetragen. 2008 mussten die Mannschaften im Herrenflorett und Damendegen pausieren und 2012 im Herrendegen und Damensäbel. 2016 pausierten das Damenflorett- und das Herrensäbelteam. Seit den Olympischen Spielen 2020 in Tokio sind keine Mannschaftswettbewerbe mehr pausiert, es sind also alle 12 Disziplinen vertreten.
Darüber hinaus bildet das Degenfechten eine von fünf Disziplinen des Modernen Fünfkampfs, das als olympischer Wettbewerb neu konzipiert und erstmals während der Sommerspiele 1912 in Stockholm ausgetragen wurde. Zum einmalig bei den Olympischen Winterspielen 1948 als Demonstrationswettbewerb ausgetragenen Winter-Fünfkampf gehörte das Degenfechten ebenfalls dazu.
Waffengattungen Die Waffengattungen Florett, Degen und Säbel wurden Ende des 19. Jahrhunderts standardisiert.
Florett mini|280px|Manuelles Sportflorett mit Pistolengriff (orthopädischer Griff)
mini|Trefferfläche beim Florett
Der Begriff Florett kommt von französisch „fleur“ (Blume), nach der Form des Spitzenschutzes, der auf der Spitze der Waffe aufgesetzt ist. Diese Spitze wird mit einer waagrechten Bewegungskomponente in Richtung Rumpf oder Kopf des stehenden Gegners gestoßen. Ein Metallgriff verschiedener Ausformung (siehe unten), beschichtet oder textil umwickelt, wird vorne durch eine flache, kugelkappenförmige Glocke (Handschutz) mit einem Durchmesser von 9,5 bis 12 cm abgeschlossen.
Nach vorne erstreckt sich eine maximal 90 cm lange Klinge aus federndem Stahl. Sie hat quer-rechteckigen Querschnitt und verjüngt sich nach vorne deutlich. Laut Reglement darf die Klinge bis zu einem Zentimeter nach unten gebogen werden, sodass sie sich beim Anstoßen dort federnd nach oben aufwölbt und so die Anstoßkraft begrenzt. Fachsprachlich wird die Klinge vom Griff bis zur Spitze in Klingenstärke, -mitte und -schwäche unterteilt.
Die Klinge des elektrischen Floretts (E-Florett) verfügt über eine axial verschieblich und federnd gelagerte Spitze – eine Kuppe mit etwa 8 mm Durchmesser – in einer Spitzenhülse, die bei einem Stoß mit einer Kraft, die einem Gewicht von mehr als 500 g entspricht (also etwa 4,9 Newton), eine Trefferanzeige auslöst. Dieser Kuppenstift verschiebt sich dabei um wenige Millimeter und betätigt einen Schaltkontakt. Die 1-polige, isolierte elektrische Leitung verläuft in einer Rille auf der Klinge durch die Glocke und wird über eine Steckverbindung im Bereich des Handrückens mit dem Körperkabel verbunden, welches durch den Ärmel der Jacke zum Rücken läuft. Der zweite Pol verläuft über die Klinge. Zusammen mit einem Kontakt zur Trefferfläche am Rumpf wird hier eine Steckverbindung zu jenem Kabel hergestellt, das, auf einer kleinen Trommel per Federkraft aufgerollt, so über der Bahn nach hinten gespannt wird und dem Fechter weitestgehende Bewegungsfreiheit lässt. Nur eine Drehung um die Hochachse ist ihm verwehrt. Vor allem bei bedeutenden internationalen Turnieren wie den Olympischen Spielen wird inzwischen kabellos gefochten. Die Kabelverbindung zwischen Fechter und Melder entfällt dadurch.
Trefferfläche ist der Rumpf inklusive des Bereichs des Schritts. Mit der Wettkampfsaison 2009/2010 wurde der untere Teil des Latzes der Maske ebenfalls als Trefferfläche eingeführt. Wie beim Säbel gilt (anders als beim Degen) das Angriffsrecht. Mit Einführung der Coupés Ende des 20. Jahrhunderts und der Kürzung der elektronischen Anzeigezeit wurde das Florettfechten athletischer.
Den Florettgriff gibt es in drei verschiedene Arten: Pistolengriff auch belgischer oder orthopädischer Griff (orthopädisch, handangepasst) französisch (ein leicht nach innen gebogener Stab) italienisch (ein gerader Stab mit Parierstange, Quart- und Terzbügel)
Meist wird heutzutage mit einem belgischen, seltener mit einem französischen Griff gefochten. Der italienische Griff ist im heutigen Fechten fast nicht mehr zu finden.
Degen mini|280px|Sportdegen mit französischem Griff
mini|Trefferfläche beim Degen
Der Degen war die zum Duell verwendete Waffe. Er hat eine größere, eher halbkugelförmige Glocke mit 13,5 cm Durchmesser sowie eine stärkere, im Querschnitt V-förmige Klinge. Ein großer Degen ist nach Richtlinien 110 cm lang, ein kleiner Degen (Kinderdegen) nach den Richtlinien 90 cm. Trefferfläche ist der gesamte Körper. Im Degen gilt keine Konvention zum Angriffsrecht, es werden sogar Doppeltreffer (gegenseitige Treffer) gewertet.
Zur elektrischen Trefferanzeige ausgerüstete Degen besitzen eine federnd gelagerte Spitze in einer Spitzenhülse, sie löst bei einem Stoß mit einer Kraft von mehr als 750 g (etwa 7,36 N) einen Treffer aus.
Für den Griff eines Degens gibt es folgende zwei Arten: Pistolengriff, auch belgischer oder orthopädischer Griff (orthopädisch, handangepasst) französisch (ein langer glatter Stab)
Säbel mini|Säbel mini|Trefferfläche beim Säbel
Der (leichte) Säbel besitzt eine flache, biegsame Klinge. Die Klinge besitzt einen annähernd rechteckigen Querschnitt und eine maximale Gesamtlänge von 88 cm. Die Klinge wird zur Spitze hin schmaler. Trefferfläche ist der gesamte Rumpf inklusive Kopf und Arme. Ferner zählen auch Hiebe als Treffer. Das Säbelfechten ist in der Regel schneller als das Florettfechten. Wie beim Florett gibt es ein Angriffsrecht.
Die Säbelglocke ist anders geschnitten und halbkugelförmig um die Hand gezogen, was die Handfläche schützt. Anders als beim Degen und beim Florett hat er zudem einen Bügel, der die Hand gegen Hiebe schützt. Außerdem unterscheidet sich auch der Griff des Säbels von dem des Floretts und des Degens; er hat keine Vertiefungen für die Finger.
Aktionen und Technik Fechtstellung links|mini|Die Fechtstellung