mini|Regina Cassolo Regina Cassolo Bracchi (* 21. Mai 1894 in Mede (Lombardei), Italien; † 14. September 1974 in Mailand, Italien) war eine italienische Bildhauerin. Sie war die einzige futuristische Bildhauerin der frühen 1930er Jahre.
Leben und Werk Regina war die Tochter eines Metzgers und in jungen Jahren verwaist. Sie besuchte nach dem Tod ihres Vaters ein religiöses Internat in Pavia, studierte an der Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand und dann in Turin bei dem Bildhauer Giovanni Battista Alloati. Sie begann in den 1920er Jahren mit der Produktion von realistischen Porträts und Skulpturen, die der Mode der Zeit entsprachen, obwohl einige ihrer Köpfe auf afrikanische Skulpturen und Artefakte hinwiesen. Nachdem sie den naturalistischen Stil ihrer frühen Arbeiten aus Marmor und Gips aufgegeben hatte, konzentrierte sie sich auf experimentelle Materialien, indem sie Stücke aus Aluminium, Eisendraht, Sandpapier, Zinn und Weißblech herstellte und begann Metallobjekte zu schaffen, die sie zur einzigen futuristischen Bildhauerin der frühen 1930er Jahre machten. Sie heiratete 1921 den italienischen Maler Luigi Bracchi (1892–1978), der sich nicht ihrem Abstraktionismus und den anderen innovativen Strömungen anschloss.
Ihre erste Einzelausstellung 1931 brachte ihr die Wertschätzung der italienischen Kunstkritiker Edoardo Persico und Ugo Nebbia ein. 1934 unterzeichnete Regina das Manifesto Tecnico dell’Aeroplastica Futurista (Technisches Manifest der futuristischen Aeroskulptur) und nahm an der XIX. Biennale in Venedig und ein Jahr später an der II. Quadriennale für Zeitgenössische Kunst in Rom teil.
Nach einer Unterbrechung durch einen Aufenthalt mit ihrem Mann 1937 in Paris nahm sie wieder Kontakt zum futuristischen Umfeld auf. Als sie für die Biennale 1942 gebeten wurde, Werke zu einem faschistischen Thema auszustellen, lehnte sie ab. Nach den in Mede verbrachten Kriegsjahren, wo sie mit Filippo Tommaso Marinetti, Benedetta Cappa und Fillìa ausgestellt hatte, näherte sie sich in ihren Arbeiten abstrakteren Skulpturen. Dies veranlasste sie, sich 1951 dem von Bruno Munari gegründeten Movimento Arte Concreta (MAC) anzuschließen und später ihren eigenen Stil mit nicht traditionellen Materialien wie Plexiglas zu entwickeln und in die Avantgarde-Kunst jener Jahre einzutreten. Sie schuf eine geometrische Ästhetik mit Kreisen, Ellipsen und dem Wechselspiel von Dreiecken oder Rauten, die in beweglichen Kompositionen zusammengesetzt wurden.
Regina starb 1974 in ihrem Haus in Mailand an den Folgen eines Unfalls.
Ihre Werke befinden sich in der Collezione-Archivio Gaetano e Zoe Fermani in Mailand, bei Privatsammlern und dem Museum von Mede. Das Schloss Sangiuliani in Mede beherbergt in drei Räumen die Sammlung von Werken von Regina Prassede Cassolo. Die Sammlung umfasst frühe und spätere Arbeiten aus der futuristischen und postfuturistischen Zeit. Die Werke, die ihr Ehemann Luigi Bracchi der Gemeinde Mede schenkte, stammen aus den Jahren 1920 bis 1960.
Werke (Auswahl) 1925: Popolana 1925: Testa di ragazzo 1931: Testa di donna 1931: Testa di ragazzo 1931: Due animali 1931: Riposo 1935: L’amante dell’aviatore 1940: Aeroferro di stratosfera 1940: Aeroferro di donne abissine 1945: Fiore in gesso 1946: Modulazioni 1953: Struttura 1955: Sputnik e Terra-Luna 1955: Astronauti
Ausstellungen (Auswahl) 1934: Biennale di Venezia 1935: Quadriennale di Roma 1936: Biennale di Venezia 1938: Biennale di Venezia 1939: Quadriennale di Roma 1940: Biennale di Venezia 1953: São Paulo Biennale in Brasilien 1972: Milan 70/70, Poldi Pezzoli Museum 1976: Regina, una scultrice d’avanguardia, Centro artistico culturale Giuseppe Amisani 1979: Galleria Civica, Modena 1980: Palazzo Reale in Mailand 1990: Casa del Mantegna, Mantua 1990: Fridericianum (Kassel) 1991: Kunsthalle Mannheim 1991: Schloss von Sartirana 1998: PAC Padiglione d’Arte Contemporanea, Mailand 2021: Centre Pompidou in Paris 2021: Regina Cassolo Bracchi – Regina. Della Scultura, Galerie für moderne und zeitgenössische Kunst von Bergamo (GAMeC), Bergamo 2022: Women in Abstraction, Guggenheim Bilbao 2025: Radikal! Künstlerinnen* und Moderne 1910–1950. Museum Arnhem, Saarlandmuseum, Österreichische Galerie Belvedere
Literatur Lorenzo Giusti, Christine Macel, Paolo Campiglio: Regina Cassolo Bracchi – Regina. Gamec Books, 2022, ISBN 978-88-98872-29-9.
Weblinks
Youtube-Video: MeeT: Regina Cassolo Bracchi Raccolta "Regina Cassolo"
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Italien) Kategorie:Künstler des Futurismus Kategorie:Italiener Kategorie:Geboren 1894 Kategorie:Gestorben 1974 Kategorie:Frau