mini|Titelblatt der Nummer 6 The Giulianiad or Guitarist's Magazine war eine der ersten Zeitschriften für Gitarristen. Sie erschien von 1833 bis 1835 in London und ist nach dem italienischen Gitarristen Mauro Giuliani benannt.
Geschichte
Erscheinungsort 1833 erschien in London die erste Nummer von „The Giulianiad or Guitarist's Magazine“. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte sich London, nach Wien und Paris, als eines der gitarristischen Zentren Europas etabliert. So lebte der Spanier Fernando Sor von 1815 bis 1822 ebenso in London wie der aus Trier in Deutschland stammende Gitarrist Ferdinand Pelzer, der Österreicher Leonhard Schulz und der Pole Felix Horetzky. Matteo Carcassi und Niccolò Paganini konzertierten mehrfach in der Stadt. Um 1830 erreichte die Begeisterung für die Gitarre („Gitarrenmanie“) einen Höhepunkt („the height of the British guitar craze“).
Herausgeber Der oder die Herausgeber oder Herausgeberinnen werden in keiner Ausgabe benannt. Die Literatur vermutet, dass Ferdinand Pelzer, Pelzer und Felix Horetzky oder Pelzer, Horetzky und Leonhard Schulz hinter der Zeitschrift standen. S. Button verweist darauf, dass auf dem Zeitschriftenumschlag Pelzers Adresse (55, Great Marlborough Street und später 39, Great Portland Street) als Bezugsadresse gedruckt ist und Pelzer auf dem Innenumschlag für seine Tätigkeit als Gitarrenlehrer wirbt, was für eine Herausgeberschaft Pelzers spreche.
Ausgaben Die erste Ausgabe erschien im Januar 1833 oder sogar bereits am 14. Dezember 1832, wie der Morning Herald am selben Tag berichtet. Die letzte überlieferte Ausgabe erschien vermutlich im Juli 1835. Es bleibt unklar, ob die letzte bekannte Ausgabe als Vol. 2 No. 13 (siehe Tabelle) oder als Vol. 3. No. 3 erschien. Vermutlich wurde die Zeitschrift nach zweieinhalb Jahren eingestellt. Die Erscheinungsdauer liegt damit sehr nahe am seinerzeitigen Durchschnitt von zwei Jahren und vier Monaten. Die Tabelle fasst die Ausgaben nach der Darstellung von R. Coldwell zusammen. +Vol.No.MonatInhalt11Januar 1833Artikel („Musical Literature“) und Noten („Music“)12Februar 1833Artikel („Musical Literature“) und Noten („Music“)13März 1833Artikel („Musical Literature“) und Noten („Music“)14April 1833Artikel („Musical Literature“) und Noten („Music“)15Juli 1833Artikel („Musical Literature“) und Noten („Music“)16Oktober 1833Artikel („Musical Literature“) und Noten („Music“)17Januar 1834Noten („Music“)28April 1834Noten („Music“)29Juli 1834Noten („Music“)210Oktober 1834Noten („Music“)211Januar 1835Noten („Music“)212April 1835Noten („Music“)213Juli 1835Noten („Music“)
Bestände Ausgaben der Zeitschrift sind in der British Library und in der Guildhall School of Music and Drama sowie in privaten Sammlungen vorhanden. Bei dem Bestand in der British Library fehlen die Umschläge, die beim Guildhall-Bestand vorhanden sind. Wirkung und Rezeption
Besonderheiten T. Heck weist darauf hin, dass The Giulianiad keineswegs die erste Zeitschrift für Gitarristen war und benennt eine Reihe von Vorläufern – darunter als älteste Beispiele das Journal de Guitarre von P.J. Borro & P.J. Baillon, (Paris, 1784–1811), Etrennes de Guitare von P.J. Porro, (Paris, 1784–1786) und Journal d'ariettes avec accompagnement de guitare von A.F. Millet (St. Petersburg, ab 1796). Im Gegensatz zu ihren Vorgängern beschränkte sich The Giulianiad aber nicht auf Noten, sondern enthielt, zumindest in ihren ersten sechs Ausgaben, auch Artikel, Anekdoten und andere redaktionelle Beiträge. K. Sparr bezeichnet The Giulianiad als erste „echte“ Gitarrenzeitschrift („första ‚riktiga‘ gitarrtidskriften“), S. Button beschreibt die Zeitschrift als „first guitar periodical of its kind“.
M. Charters verweist darauf, dass eine Zeitschrift zu Ehren eines lebenden Musikers (Mauro Giuliani) eine Besonderheit sei, die nicht einmal Ludwig van Beethoven zuteilwurde.
Rezeption Auflage und Verbreitung der Zeitschrift sind unbekannt. Eine zeitgenössische Rezension beschreibt The Giulianiad (im Vergleich mit der ebenfalls in London erscheinenden The Harmonicon) als „führend für eine Handvoll Leute, aus deren beschränkter Zahl sie das Beste machen will.“ Der Rezensent bescheinigte den Machern, dass sie „ihre Sache verstehen“.
Ein weiterer Rezensent empfiehlt die in der Zeitschrift enthaltenen Stücke als „die besten, die jemals in diesem Land publiziert wurden“.
T. Evans sieht in der Zeitschrift die ersten Anzeichen einer Sentimentalisierung der Gitarre und zitiert als Beleg die erste Ausgabe.
C. Page erkennt in der Zeitschrift den Willen der Herausgeber, in jedem Fall modisch und neu zu erscheinen, selbst auf Kosten der geschichtlichen Wahrheitstreue.
Nova Giulianiad In den Jahren 1983/84 bis 1986/88 erschien in Freiburg im Breisgau die von Joerg Sommermeyer edierte Zeitschrift „Nova giulianiad: Saitenblätter für die Gitarre und Laute; offizielles Informationsorgan der Internationalen Gitarristischen Vereinigung“, die zumindest dem Namen nach an The Giulianiad anschloss.Eintrag in der Zeitschriftendatenbank der Deutschen Nationalbibliothek, abgerufen am 11. Januar 2023
Literatur
Kenneth Sparr: „Den äldsta gitarrtidskriften: The Giulianiad.“ In: Gitarr och Luta, Vol. 28, No. 1, 1995, S. 9–11 (tabulatura.com [PDF]). J.A. Burtnieks: „The ‚Giulianiad‘“. In: Guitar review, 1955, no. 18, S. 4–16. Stewart W. Button: The Guitar in England 1800–1924. Garland Publishing, New York 1989. Zugleich Ph.D. dissertation, University of Surrey, 1984, S. 119 ff. (Open Access). Christopher Page: „New light on the London years of Fernando Sor, 1815–1822“. In: Early Music. Nov 2013, Vol. 41, Issue 4, p557-569. 13p. doi:10.1093/em/cat086 (via JSTOR).
Weblinks
Robert Caldwell: Giulianiad. In: Digital Guitar Archive. 26. Februar 2012, abgerufen am 11. Januar 2023 (englisch).
Einzelnachweise
Kategorie:Musikfachzeitschrift Kategorie:Musikzeitschrift (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Englischsprachige Vierteljahreszeitschrift Kategorie:Antiquarische Zeitschrift (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Gitarre Kategorie:Ersterscheinen 1833 Kategorie:Erscheinen eingestellt 1835