Johannes Gailkircher (auch: Gailkirchner, Geylenkirchner u. ä.; * 1543 in Jülich,Johannes Gailkircher „Iuliacensi(s)“, Balthasar Asenhaimer: Theses CX De Transactionibus. Alexander III. Weissenhorn, Wolfgang Eder, Ingolstadt 1577, Titelblatt (Google-Books) u. ö. Herzogtum Jülich-Berg; † 14. AugustFriedrich Kunstmann: Neue Beiträge zur Geschichte des Würmthales. Akademieverlag, München 1867, S. 43 (bavarikon.de). 1621 in München, Herzogtum Bayern) war 1573–1575 erzherzoglich österreichischer Regierungsadvokat in Innsbruck, 1575–1579 Professor für Zivilrecht an der Universität Ingolstadt, 1579–1587 Syndikus der Stadt Augsburg, als pfalzgräflichDie regierenden Wittelsbacher führten seit dem 13. Jahrhundert unabhängig vom Besitz der Kurpfalz bzw. der Kurwürde den Titel „Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Bayern“. und fürstlich bayerischer Geheimer Rat seit 1588 Hofkanzler und Lehenprobst in München. Er wurde mit der Hofmark Neuhausen und der Schwaige Kemnat (beide auf dem heutigen Stadtgebiet von München-Nymphenburg) belehnt und amtierte als bayerischer Pfleger zu Menzing und 1608/09–1617 zu Traunstein.
Herkunft Johannes Gailkircher entstammte einer Familie, die nach ihrer ursprünglichen Herkunft aus der Stadt Geilenkirchen im Selfkant im Herzogtum Jülich benannt war. Es besteht kein Bezug zum Ort Gailenkirchen (heute Stadtteil von Schwäbisch Hall) in Württemberg, nach dem sich ein Zweig der Haller Stadtadelsfamilie Egen seit 1296 „von Gailnkirchen“ (Wappen: ein Fisch im Schrägbalken des Schilds) nannte.Hermann Bauer: Die Veldner von Stetten und Geyer. In: Zeitschrift des Historischen Vereins für das Württembergische Franken 7 (1867), bes. S. 588–593 (Google-Books).
Lienhard Gailkircher (* um 1545/50; † 1585) aus Jülich, wahrscheinlich ein Bruder oder Vetter Johann Gailkirchers, immatrikulierte sich im Oktober 1566 als „Leon. Gelenkirchen Aquensis (Aachener)“ in Köln, war am 11. Januar 1573 als Präzeptor der jungen Freiherrn von Wolkenstein-RodeneggChristoph von Wolkenstein-Rodenegg (1560–1615) war 1571 in Padua, 1573 in Siena und 1575 in Bologna immatrikuliert, 1582 Stammbucheinträger in Bologna. In Siena studierten zeitgleich auch Brüder und Vettern von ihm. Stammbucheinträger bei Martin Buchner († vor (um) 1642) aus Eisleben in SienaAbbildung des Eintrags: (deutsche-digitale-bibliothek.de) (dort von März bis November 1573 als „Leonardus Gailkircher Juliacensis“ immatrikuliert). Er bezog am 3. November 1576 (unter dem Rektorat von Johannes Gailkircher) die Universität Ingolstadt. 1579 war er Stammbucheinträger bei Bernardus Paludanus in Padua, wo er sich am 23. Februar 1579 immatrikuliert hatte. Am 10. Dezember 1582, 29. März 1583 und 16. März 1584 immatrikuliert er sich als „Leonardus Gailkircher Juliacensis“ in Perugia.Gustav C. Knod: Rheinländische Studenten im 16. und 17. Jahrhundert auf der Universität Padua. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 68 (1899) S. 133–189, bes. Nr. 65, S. 152 (de.wikisource.og); Datenbank ASFE Amore scientiae facti sunt exules zu frühneuzeitlichen Studenten in Bologna (unibo.it). Er wurde dort am 24. August 1584 zum Laureatus im ius canonicus et ius civilis promoviert und am starb am 8. Februar 1585 in Lucca als Präzeptor von Christoph (1566–1615) und Jakob (IV.) Fugger (1567–1626), Söhnen von Hans Fugger von der Lilie zu Kirchheim und Glött, an einem heftigen hämorrhagischen Fieber.Vielleicht Gelbfieber, Typhus, Dysenterie o. ä.; Christl Karnehm (Bearb.): Die Korrespondenz Hans Fuggers von 1566 bis 1594, Bd. II/2 1582–1584. (Quellen zur neueren Geschichte Bayerns 3/2,2). Kommission für Bayerische Landesgeschichte, München 2003, S. 1232f (Google-Books; eingeschränkte Vorschau); vgl. S. 1046f, 1054, 1091, 1119, 1135, 1155f, 1235.
Leben Studium in Ingolstadt und in Italien „Johannes à Geylenkirchen“ immatrikulierte sich am 4. November 1566 als Student der Rechte in Ingolstadt und am 4. Oktober 1569 in Padua. 1570 war er Präzeptor der jungen Freiherren Karl (1557–1618) und Sigismund von Wolkenstein-Rodenegg (1554–1626).Thomas Stanger, Johannes Gailkircher Juliacensis: Epithalamivm In Nvptias Illvstris Ac Generosi Domini, Dom: Iacobi Fvggeri, Liberi Baronis In Vveissenhorn Et Kirchberg &c. et … Virginis Annae … Dom: Georgii Ilsvngi De Tratzberg &c. … Filiae. Johannes Rossius, Bologna 1570, Blätter A1 und B1 (digitale-sammlungen.de).
Gailkircher würdigte seinen akademischen Lehrer und späteren Kollegen, den Juristen Bartholomeo Romoli († 1588) aus Florenz, der von 1548 bis 1577 in Ingolstadt Pandekten und Institutionen lehrte, indem er 1568/69 zu einigen von dessen Publikationen als sein „Schüler“ (discipulus) Gedichte beisteuerte. Zusammen mit dem Friesen Thomas StangerAus Kollum (Collumensis); am 18. Mai 1563 immatrikuliert in Köln, 1567 und 1568 in Ingolstadt belegt, am 11. April 1570 immatrikuliert in Padua, iuris utriusque licentiatus. veröffentlichte er einen Band mit Gedichten zur Hochzeit von Jakob III. Fugger von der Lilie zu Weissenhorn und Kirchberg und Anna Ilsung von Tratzberg (1549–1601), die am 27. November 1570 in Augsburg stattfand. Gailkircher hielt sich zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung offensichtlich in Bologna auf.
Am 13. April 1573 immatrikulierte sich „Johannes Gailkircher Juliacensis“ zusammen mit Ludovicus Pronner aus München in Siena, wo er am 26. Januar 1573 zum Dr. iur. utr. promoviert (laureatus) worden war.Helmut Wolff: Geschichte der Ingolstädter Juristenfakultät: 1472–1625. Duncker und Humblot, 1973, S. 268 und 358.Gustav C. Knod: Rheinländische Studenten im 16. und 17. Jahrhundert auf der Universität Padua. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 68 (1899) S. 133–189, bes. Nr. 39, S. 149 (de.wikisource.og). Johannes Gailkircher, Präzeptor der Freiherren zu Wolkenstein, fungierte 1573 als Rechnungsführer der deutschen Nation in Siena. Er und Georg KirchbergerAus Salzburg, 1573 Siena, 1574 Bologna, 1577 Pisa, 1578 Padua; Stammbuch mit Einträgen zwischen 1574 und 1609 in der Landesbibliothek Stuttgart (Inv. Nr. HB V 50). mussten sich als Curatores um die Begräbnisse verstorbener Deutscher und die Unterhaltung der 1570 entstandenen Kapelle der Verstorbenen der deutschen Nation (zweite Kapelle der rechten Seite des Querschiffes) in der Basilica di San Domenico kümmern.Eintrag von Johannes Gailkircher vom 12. Dezember 1573 (Rechnungslegung für das Jahr 1572/73 wegen bevorstehender Abreise) im Rechnungsbuch I; Bibliotheca Comunale Siena (Cod. A 13, 16–20, Bl. 6); Arnold Luschin von Ebengreuth: Grabstätten deutscher Studenten in Italien III. (Schluß), Anhang, Nr. 2. In: Mittheilungen der Kaiserlich-Königlichen Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale 13 (1887), S. cxxv–cxxxviii, bes. S. cxxx (Google-Books).
Regierungsadvokat in Innsbruck 1573–1575 war Gailkircher Regierungsadvokat bei dem Erzherzog und römisch-deutschen König Maximilian II. von Österreich in Innsbruck in Tirol.Anton Maria Kobolt: Baierisches Gelehrten-Lexikon. Max Hagen, Landshut 1795, S. 245.
Professor in Ingolstadt Herzog Albrecht V. von Bayern berief ihn im Oktober 1575 als Professor der Institutionen und des bayerischen Landrechts nach Ingolstadt.Johann Nepomuk Mederer, Valentin Rotmar, Johannes Engerd: Annales Ingolstadiensis Academiae, Bd. II Ab Anno 1572. Ad Annvm 1672. Wilhelm Krüll, J. G. Weiß, Ingolstadt 1782, S. 27f und 34 (digitale-sammlungen.de), (Google-Books). Im Sommersemester 1576 amtierte er als Rektor, im Wintersemester 1576/77 als Prorektor der Universität.Helmut Wolff: Geschichte der Ingolstädter Juristenfakultät: 1472–1625. Duncker und Humblot, 1973, S. 268.
Zu Gailkirchers Schülern in Ingolstadt, bei deren akademischen Disputationen er als Vorsitzender (Praeses) agierte, gehörten 1576 Aegidius (Gilles) de RosmadecWahrscheinlich ein Sohn († 1590) von Etienne de Rosmadec († 1559), seigneur de Lizallain et de Mesneuf, docteur ès-droits, Sénéchal von Ploërmel, Rat im Parlament der Bretagne. aus Aremorica (Château de Rosmadec in Telgruc-sur-Mer) in Frankreich,Der Bretone François Du Liscoët (*1560; † 1621) aus Saint-Pol-de-Léon, 1621 Domherr in Quimper, trug zu Rosmadecs Disputationsschrift bei. Daniel Cromer aus der Lausitz,1585 Dr. iur. utr. Rat der Grafen von Salm-Neuburg in Schintau (Šintava); Nikolaus Reusner: Sententiarvm Sive Decisionum Iuris singularium Liber. Palthenius, Frankfurt am Main 1601, Praefatio (digitale-sammlungen.de).Sein „Hausgenosse“ (convictor) Johann Baptist Caesar († 1608) aus Augsburg, später Syndikus in Frankfurt am Main, Pseudonym Vespasian Rechtanus, trug ein Gedicht zu Cromers Disputationsschrift bei. Ludwig Pronner aus München (der sich am 26. Januar 1573 zusammen mit Gailkircher in Siena eingeschrieben hatte),1596 war Ludwig Bronner zu Aichbichel († um 1605) Rat und Kastner in Landshut, ⚭ 1580/84 in Landshut Maria Asch. 1577 Balthasar Assenheimer (1577–1620) aus Ried bei Augsburg,Präzeptor von Zacharias Geizkofler, Hans Jakob Rehlinger (* um 1563; † 1618) und Philipp Tradel in Padua und Basel; Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg (B 90 Geizkofler: Familienarchiv, Bü 3448 und 3449). Johannes Staphilus (* 1556) aus Breslau (später Ingolstadt),Sohn von Friedrich Staphylus (nach Stapelage in Lippe), Cand. Iur., zuletzt in Siena. Johannes Starzius († 1580) aus München,1580 als Magister immatrikuliert in Dole; † am 30. August 1580 in Besançon. Johann Congnot († nach 1612) aus Augsburg,Auch „Cognot“, 1582 zum Dr. iur. utr. in Bologna promoviert, später Kanzler des Bistums Passau. und 1578 Veit Schober († 1620) von Tachenstein aus IngolstadtNeffe von Caspar Schober, später Dr. iur. utr., 1582 Professor der Institutionen und Rektor, 1583 Prorektor, 1601 Kastner der Universität Ingolstadt.Johannes Glopscher (Glöpser) (* um 1555; † nach 1600) aus Weißenhorn in Schwaben, 1584 Reichskammergerichts-Assessor für den Fränkischen Kreis, 1598 Ratskonsulent in Augsburg, trug zu Schobers Disputationsschrift bei. sowie Robin Heister aus Roermond.
Syndikus der Stadt Augsburg 1579–1587 war Gailkircher – wohl abgeworben durch (Hans oder Octavianus Secundus) Fugger –Carl von Prantl: Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität in Ingolstadt, Landshut, München, Bd. I. Christian Kaiser, München 1872 S. 314 (Google-Books). „öffentlich besoldeter Syndikus“ (publico salario … advocatus) der Stadt Augsburg.Paul von Stetten: Geschichte der Heil. Röm. Reichs Freyen Stadt Augspurg, Bd. I. Merz und Mayer, Frankfurt am Main und Leipzig 1743, S. 635, 640, 684, 693 (archive.org).Geleitschein der Stadt Augsburg für den Advokaten Johann Gailkircher an das Reichskammergericht in Speyer, 1. März 1581; Staatsarchiv Augsburg (Reichsstadt Augsburg Urkunden 805/2). In einer Auseinandersetzung der Stadt Augsburg mit dem Reichserbmarschall Conrad von Pappenheim über die Frage, welche Kompetenzen der Reichserbmarschall in der Stadt eines Reichstags habe,Akten betr. den Streit der REMe mit der Stadt Augsburg, besonders auf dem Reichstag von 1582, 1574–1588; Staatsarchiv Nürnberg (Herrschaft Pappenheim, Reichserbmarschallamt 28), Paul von Stetten: Geschichte der Heil. Röm. Reichs Freyen Stadt Augspurg, Bd. I. Merz und Mayer, Frankfurt am Main und Leipzig 1743, S. 650–654 (Google-Books). ordnete der Stadtrat Johann Gailkircher 1582 als Gesandten an den kaiserlichen Hof ab, den er am 13. Juni auf dessen Anreise zum Augsburger Reichstag in Linz antraf, wo er Sekretär Reichshofrat Andreas Erstenberger (1535–1592) und den Geheimen Räten Johann III. von Trautson und Adam von Dietrichstein die Einzelklagen gegen Pappenheim vortrug.Bericht Gailkirchers an Stadtpfleger (Oberbürgermeister) Anton Christoph Rehlinger († 1589) vom 14. Juni 1582 aus Linz; Stadtarchiv Augsburg (RTA 48); Josef Leeb (Bearb.): Der Reichstag zu Augsburg 1582, Teil 1. (Deutsche Reichstagsakten. Reichsversammlungen 1556–1662). Walter de Gruyter Oldenbourg, München 2007, S. 224f mit Anm. 288.
Geheimer Rat in München