mini|Statue von Dorje Shugden
Dorje Shugden [] (tibetisch ‚mächtiger Donnerkeil‘), auch Dhogyal, Dholgyal oder Dolgyal genannt ist im Glaubenssystem des tibetischen Buddhismus ein übernatürliches Wesen, das seit dem 17. Jahrhundert als Schutzgottheit (Dharmabeschützer) verehrt wird. Seit den 1970er Jahren spricht sich der 14. Dalai Lama Tendzin Gyatsho öffentlich gegen die Verehrung Dorje Shugdens aus, was zu einer Spaltung innerhalb der Gelug-Schule geführt hat.
Überlieferung
Die Geschichte Dorje Shugdens, gemäß der Überlieferungslinie seiner Praxis, kann durch einen Vers des tibetischen Meisters Tagpo Kelsang Khädrub Rinpoche erläutert werden:
Dorje-Shugden-Praktizierende glauben, dass der Weisheitsbuddha Manjushri sich viele Male wieder manifestiert hat, um dem Dharma zu helfen. Alle die oben genannten Meister werden von ihnen deshalb als Manjushri selbst betrachtet. Nach ihrer Überzeugung war der Tulku Ngatrul Dragpa Gyaltsän (1619–1656) die Reinkarnation von Panchen Sönam Dragpa.Siehe Vorwort in: Overview of Buddhist Tantra, General Presentation of the Classes of Tantra, Captivating the Minds of the Fortunate Ones (rgyud sde spyi‘i rnam par bzhag pa skal bzang gi yid ‘phrog ces bya ba bzuhgs so), by Panchen Sonam Dragpa, 1478-1554, Englische Übersetzung Martin J. Boord, Losang Norbu Tsonawa, Library of Tibetan Works and Archives, 1996, ISBN 81-85102-99-6 Tulku Dragpa Gyaltsän lebte zur gleichen Zeit wie der fünfte Dalai Lama im Kloster Drepung. Ngatrul Dragpa Gyaltsän prophezeite, dass er als Dorje Shugden erscheinen würde.Geshe Kelsang Gyatso: Herzjuwel. Die essentiellen Übungen des Kadampa-Buddhismus – Ein Kommentar zu Je Tsongkhapa und Dorje Shugden. Tharpa Verlag, Zürich 2002, ISBN 978-3-908543-04-6, S. 95.„Mit der Erinnerung an das Versprechen, dass Tulku Dragpa Gyaltsän gegeben hatte (etwa zwei Jahrhunderte und mehrere Leben zuvor, als er Je Tsongkhapas Schüler, Duldzin Dragpa Gyaltsän war)…“ Bstod-'grel dam.can rgya.mtsho dgyes.pa'i rol.mo, Kathmandu, 1997, S. 137–38.
Nach dem Tode Tulku Dragpa Gyaltsäns erschienen viele Zeichen, die von einigen Meistern als Hinweise verstanden wurden, dass er sich als Dorje Shugden manifestiert habe.Lit. Trijang Rinpoche: Music Delighting the Ocean of Protectors, S. 7–8 Andere Lehrer waren sich unsicher und versuchten sogar einen vermeintlichen bösen Geist zu zerstören. Der 5. Dalai Lama Ngawang Lobsang Gyatso (1617–1682) verfasste das erste bekannte Gebet an Dorje Shugden namens Lhundrub Döma.Lit. Trijang Rinpoche: Music Delighting the Ocean of Protectors, S. 105'Jam.mgön rgyal.wa'i bsten.srung rdo.rje shugs.lden kyi 'phrin.bchol bhjoks.bsdus, veröffentlicht von Sera Mey, S. 14 Im 17. Jahrhundert wurde der Trode Khangsar Tempel in Lhasa Dorje Shugden geweiht,Trode Khangsar Dorje Shugden’s Ornament in Lhasa’s Mandala By Trinley Kalsang, comcast.net (PDF) in Englisch in dem sich eine Reihe von Wandbildern befinden. Davon stellt eines die Geschichte Dorje Shugdens (Skt. Jataka, Tib. khrung rabs) dar, wie sie in Tagpo Kelsang Khädrup Rinpoches Vers gelistet ist.Trode Khangsar, Dorje Shugden’s Ornament in Lhasa’s Mandala, By Trinley Kalsang, Seite 9 comcast.net (PDF)Foto des Wandbildes mit Dorje Shugdens früheren Inkarnationen in der Haupthalle des Trode Khangsar Tempels Von da an begann sich die Shugden-Praxis zu verbreiten.Glen Mullin The Fourteen Dalai Lamas: A Sacred Legacy of Reincarnation S. 208 Es gibt eine ununterbrochene Linie dieser Praxis bis zu den Meistern der heutigen Zeit.
Zu den bekannteren buddhistischen Meistern der jüngeren Zeit, die Dorje Shugden praktizieren und praktizierten, zählen unter anderem: Phabongkha Dechen Nyingpo Lobsang Yeshe Tendzin Gyatsho (ein Hauptlehrer des Dalai Lama) Kyabje Zong Rinpoche Thubten Lungtog Tendzin Thrinle Gaden Thrisur Lungrig Namgyel (bis 2009 Ganden Thripa) Tomo Geshe Rinpoche Lama Thubten Yeshe (Gründer der FPMT) Thubten Zopa Rinpoche (ehemals) Kyabje Zemey Rinpoche Geshe Rabten Rinpoche (Gründer von Zentren in Deutschland, der Schweiz und Österreich) Geshe Kelsang Gyatso
Dorje Shugden in der Praxis
Dorje Shugden wurde und wird häufig von seinen heutigen Anhängern als erleuchteter Beschützer verehrtEs gibt Hinweise, das Dorje Shugden von den frühen Sakya Thronhaltern als Avalokiteshvara gesehen wurde, in den späteren ausführlichen Beschützerritualen (kangso) der Gelug-Tradition, z. B. von Namkha Tenkyong, (um 1800) dem Abt des Klosters Sera (The Magical, Instant Messenger Summoning the Four Activities: a Brief Method of Fulfillment and Activities for the Great Dharma Protector Shugden Dorje Barwa Tsel (shugs ldan 'bar ba rtsal gyi bskang 'phrin) und Serkong Dorjechang (1856–1918) (Siehe bskang chog rgyas pa, Trode Khangsar Tempel, Lhasa)) wurde er als Vajrapani gesehen, und die heutzutage meistverbreitete Form der Verehrung sieht ihn als Weisheitsbuddha Manjushri (Siehe Dagpo Kelsang Khedrub, Lobsang Tamdin, Je Pabongkhapa, Trijang Rinpoche, Music Delighting an Ocean of Protectors, 1967) und in diesem Fall in der Regel als Manifestation des Weisheitsbuddhas Manjushri betrachtet.Ngulchu Dharmabhadra (1772–1851) bestätigt in seinen gesammelten Werken, dass Tulku Dragpa Gyaltsen Dorje Shugden ist, der als zornvoller Manjushri (ein Weisheitsbuddha) erscheint.Shugden Society „This belief might be based on a prediction the first Panchen Lama Lobsang Chokyi Gyaltsen made to his young disciple, Tulku Dragpa Gyaltsen, that in future he would be born in the land of Manjushri ….“ Quoted in 'jam.mgon bstan.sung rgyal.chen rdo.rje shugs.ldan rtsal kyi be.bum bzhugs.so, Vol. 1, Guru Deva Losang Tenzin, Delhi, 1983, S. 17. Jedoch zeigen verschiedene englischsprachige Forschungen, dass bis Beginn des Tibetischen Exils Dorje Shugden von verschiedenen Anhängern auch als unerleuchteter, weltlicher Beschützer angesehen wurde.„Scholarly discussions of the various legends behind the emergence of the Dorje Shugden cult can be found in Nebesky-Wojkowitz (1956), Chime Radha Rinpoche (1981), and Mumford (1989). All of these accounts narrate the latter of the two positions, in which the deity is defined as a worldly protector. The fact that these scholars reveal no awareness of an alternative view suggests that the position which defines Dorje Shugden as an enlightened being is both a marginal viewpoint and one of recent provenance.“ in David N. Kay: „Tibetan and Zen Buddhism in Britain: Transplantation, Development and Adaptation - The New Kadampa Tradition (NKT), and the Order of Buddhist Contemplatives (OBC)“, London and New York, 2004, ISBN 0-415-29765-6, Seite 230„It is unclear when belief in rDo rje shugs Idan as an enlightened being first developed; the likelihood is that it emerged gradually as the Dharma-protector grew in prominence. This belief seems to have been in place by the time the young Fourteenth Dalai Lama was introduced to the practice by Trijang Rinpoche prior to the exile of the Tibetan Buddhist community in 1959.“ in David N. Kay The New Kadampa Tradition and the Continuity of Tibetan Buddhism in Transition (1997), Journal of Contemporary Religion 12:3 (October 1997), 277-293, S. 281 Das Oberhaupt der Sakya Schule, Sakya Trizin, betont, dass Shugden, obwohl in der Sakya Schule teilweise praktiziert, zur niedrigsten Klasse der Dharma-Beschützer gehörte und die Praxis niemals Teil der Sakya Institution war.Letter to the Assembly of Tibetan Peoples Deputies, Sakya Trizin, June 15 1996, Archives of ATPD in von Brück; Michael: Religion und Politik im Tibetischen Buddhismus. Kösel Verlag, München 1999, ISBN 3-466-20445-3, S. 184
Es gibt viele verschiedene Gebete an Dorje Shugden, die von verwirklichten buddhistischen Meistern in den letzten Jahrhunderten verfasst wurden, die alle dem gleichen Schema folgen.Das wahrscheinlich älteste ausführliche Ritual für die Verehrung von Dorje Shugden rdo rje shugs ldan rtsal gyi gsol kha ‘phrin las ‘dod ‘jo, oder Bitte an Dorje Shugden Tsel: Alle erwünschten Handlungen zu gewähren wurde in zwei Teilen von Drubwang Dre'u Lhas (um 1700) und dem Sakya Meister Morchen Kunga Lhundrub (1654–1728) verfasst. Nahezu alle späteren Rituale der Gelug basieren auf Struktur, Terminologie und ikonografischer Beschreibung dieses Rituals. Quelle: Guru Deva Rinpoche, ed. (1984). 'Jam mgon Bstan srung rgyal chen Rdo rje s’ugs ldan rtsal gyi be bum: the collected rituals for performing all tasks through the propitiation of the great protective deity of Tsong-kha-pa, Manjusri reembodied, Rdo-rje-sugs-ldan. New Delhi. S. 231–243 (Auf diesen Seiten findet sich Drubwang Dre'u Lhas Teil des Rituals) S. 237–243 (Morchen Kunga Lhundrubs Teil des Rituals.) Zahlreiche weitere Rituale wurden von späteren Meistern verfasst, siehe www.dorjeshugdenhistory.org Alle diese Sadhanas (Tib. drub tab, Deutsch Methode zur Erlangung) beginnen mit der Zufluchtnahme zu Buddha, Dharma und Sangha und dem Erzeugen des Erleuchtungsgeistes Bodhichitta. Dann wird Dorje Shugden eingeladen und mit dem Verständnis, dass er eine Manifestation von Buddha ist, werden Gaben an ihn dargebracht und Bittgebete für die Beseitigung von Hindernissen in der spirituellen Praxis, das Erschaffen von hilfreichen Bedingungen und das Erblühen der buddhistischen Lehre vorgebracht.Klangvolle Trommel, Das ausführliche Erfüllungs- und Wiederherstellungsritual des Dharma-Beschützers, des großen Königs Dorje Shugdän, in Verbindung mit Mahakala, Kalarupa, Kalindewi und anderen Dharma-Beschützern, Tharpa Verlag, 112 Seiten
Die Symbolik von Dorje Shugden
mini|hochkant|Traditionelles Thangkhagemälde des Mandalas von Dorje Shugden Gemäß der Ansicht derer, die Shugden als erleuchtet sehen, gibt es insgesamt 32 Gottheiten im Mandala von Dorje Shugden. Jede dieser Gottheiten hat eine besondere Funktion. Sie werden in einem Gebet von Sachen Kunlo, einer der großen Sakya-Lamas erklärt. Die Funktion Dorje Shugdens – der Hauptgottheit des Mandalas – ist es, vertrauensvolle Anhänger durch das Gewähren großer Weisheit auf richtige spirituelle Pfade zu führen.
Die Form Dorje Shugdens enthüllt die vollständigen Stufen des Pfades von Sutra und Tantra. Er erscheint als vollordinierter Mönch, um zu zeigen, dass die Praxis reiner moralischer Disziplin essentiell ist für diejenigen, die Erleuchtung erlangen möchten. In seiner linken Hand hält er ein Herz. Es symbolisiert Großes Mitgefühl und spontane große Glückseligkeit, die Essenz aller Stufen des weiten Pfades von Sutra und Tantra. Sein runder, gelber Hut steht für die Sichtweise Nagarjunas, und das Weisheitsschwert in seiner rechten Hand bedeutet, Unwissenheit, die Wurzel Samsaras, mit der scharfen Klinge der Sichtweise Nagarjunas zu durchschneiden. Dies ist die Essenz aller Stufen des tiefgründigen Pfades von Sutra und Tantra.
Dorje Shugden reitet einen Schneelöwen, das Symbol der Vier Furchtlosigkeiten eines Buddhas. Ein juwelenspeiender Mungo sitzt auf seinem linken Arm. Er symbolisiert Dorje Shugdens Macht, all denjenigen Reichtum zu gewähren, die ihm vertrauen. Das einzelne Auge in der Mitte seiner Stirn symbolisiert seine allwissende Weisheit, die alle vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Phänomene gleichzeitig und direkt wahrnimmt. Sein zornvoller Ausdruck weist darauf hin, dass er Unwissenheit, den wirklichen Feind aller Lebewesen, zerstört, indem er sie mit großer Weisheit segnet, und dass er die Hindernisse reiner Dharma-Praktizierender zerstört.Geshe Kelsang Gyatso: Herzjuwel. Die essentiellen Übungen des Kadampa-Buddhismus - Ein Kommentar zu Je Tsongkhapa und Dorje Shugden. Tharpa Verlag, Zürich 2002, ISBN 978-3-908543-04-6, S. 97–103.
Kontroverse um die Shugden-Verehrung