Die Städtepartnerschaft zwischen der deutschen Landeshauptstadt Hannover und der japanischen Präfekturhauptstadt Hiroshima wurde am 27. Mai 1983 offiziell beurkundet. Dem ging ein bereits seit 1968 fortgesetztes internationales Jugendaustauschprogramm voraus. Die Städtepartnerstadt ist in Hannover eng mit der Friedensbewegung im Zusammenhang mit dem Atombombenabwurf auf Hiroshima verbunden, aber nicht darauf beschränkt, was sich auch in den öffentlichen völkerverbindenden Begegnungen, Kulturveranstaltungen und Vereinen widerspiegelt. Insgesamt haben Hannover bzw. Hiroshima je sieben Städtepartnerschaften. Geschichte
Anfänge durch Jugendaustausch
1968 besuchte Hayashi Toshihiko mit einigen Kindern und Jugendlichen als erste Delegation der International Youth Association Hiroshima (広島国際青少年協会) die Stadt Hannover im Rahmen einer bilateralen staatlichen Vereinbarung. Die Delegation war Teil des Programmes Japanfahrt der deutschen Jugend – Deutschlandfahrt der japanischen Jugend, das auch von dem Internationalen Jugendaustausch- und Besucherdienstes der Bundesrepublik Deutschland (IJAB) e.V. mitorganisiert wurde, des deutschen Bundesministeriums für Familie und Jugend und des japanischen Kultusministeriums (文部省). Der Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg postulierte, dass ein solcher fortwährender Austausch auf Städte- denn nationaler Ebene organisiert werden müsse. Damit wurde der bald gegenseitigen Jugendaustausch zwischen den beiden Städten initiiert. Im Jahre 1993 stellte Schmalstieg fest, dass Jugendaustausch „den Grundstein für die Städtefreundschaft gelegt hat“. Ziele des Jugendaustausch sind Jugendarbeit, Schaffung eines gegenseitigen Verständnisses und Friedensarbeit, später kamen noch Kulturaustausch, wissenschaftliche Vernetzung und Wirtschaftsbeziehungen hinzu. Hayashi fasste später seine Eindrücke und Motivation zusammen: Zum 10-jährigen Bestehen des Jugendaustausches im Jahre 1978 tauschten die Städte 20 Kirschbäume bzw. 3.000 Buchsbäume, die in dem 1981 fertiggestellten Hannover-Garten (ハノーバー庭園) untergebracht wurden, aus.
1982 berichteten Vertreter der ten-feet-Bewegung (10フィート運動) in Hannover über den Atombombenabwurf, auch mit den durch die Bewegung erworbenen bzw. erstellten Filmen. Die Städtepartnerschaft wurde durch offizielle Vertreter beider Städte vorbereitet.
Städtepartnerschaft Im 15. Bestandsjahr des Jugendaustausches wurde am 27. Mai 1983 die Städtepartnerschaftsurkunde durch die Bürgermeister Araki Takeshi und Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg offiziell unterzeichnet.Durch die Wahl des Jahres ergeben sich alle fünf Jahre gemeinsame Doppel-Jubiläen zum Jugendaustausch und zur Partnerschaft. Herbert Schmalstieg wurde 1983 zum Ehrenbürger Hiroshimas ernannt. Die Stadt Hannover ist seit 1983 auch Mitglied der Mayors for Peace (平和首長会議, Bürgermeister für den Frieden).
Hayashi Toshihiko erhielt 1986 das Bundesverdienstkreuz am Bande in Hannover.
An der 750-Jahr-Feier Hannovers im Jahr 1991 nahm eine japanische Delegation teil. Hayashi Toshihiko erhielt die Plakette für Verdienste um die Landeshauptstadt Hannover.
Zur Expo 2000 nahmen 160 Jugendliche aus den Partnerstädten Hannovers und einigen verwandten Organisationen an einer zehntägigen internationalen Jugendbegegnung teil.
2003 wurde das doppelte Jubiläumsjahr (35 Jahre Jugendaustausch, 20 Jahre Städtepartnerschaft) gefeiert. Ein Resümee wurde gezogen: Der nachhaltige gegenseitige Jugendaustausch wird fortwährend fortgesetzt, dient der Friedensarbeit, dem Völkerverständnis und dem Kulturaustausch. Aus dem Kulturaustausch entstanden Freundschaften, private Besuche und ein gegenseitiges kulturelles Interesse, was auch dazu führte, dass ehemalige Teilnehmer Japanologie bzw. Germanistik studierten. Die japanische Teilnehmer stammten aus Hiroshima und bis Anfang der 1990er Jahre aus Yokkaichi. Die Hannoveraner wurden durch die veranstaltenden Organisationen rekrutiert. Dabei wurde bis zur Mitte der 1980er Jahre ein Auswahlverfahren abgeschafft, dass sich an den Internationalen Jugendaustausch- und Besucherdienstes der Bundesrepublik Deutschland (IJAB) e.V. orientierte, um mehr Jugendliche aus breiterer Masse ansprechen zu können. Problematisch wurden verstärkte Anforderungen an Organisation, Personal und Finanzierung: Die Teilnehmer wurden finanziell durch den Staat unterstützt, jedoch würden diese Mittel „knapper“ und „Kostensteigerungen vor allem in Japan in den letzten Jahren haben die Begegnungen an die Grenzen finanzieller Leistbarkeit gebracht.“ So stammten die Teilnehmer größtenteils aus dem „bildungsmäßig und zum Teil auch sozial privilegierten Milieu“.
Im Jahre 2005 wurde die erste International Youth Conference for Peace in the Future (IYCPF, Internationale Jugendkonferenz für den Frieden, 青少年国際平和未来会議) in Hiroshima veranstaltet.
2008 wurde das 25-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft und 40 Jahre Jugendaustausch gefeiert, darunter Kunstausstellungen, Workshops, Seminare und den Japanwochen im Hannover Congress Centrum. Japan war Partnerland der Hannover-Messe. Am kulturellen Programm beteiligten sich auch die Partnerpräfektur Tokushima des Landes Niedersachsen. Jugendlichen aus Coventry, Hannover, Hiroshima, Poznań, Rouen und Wolgograd nahmen an einer internationalen Jugendkonferenz mit mehreren Workshops zur Friedensarbeit im Feriendorf Eisenberg Günter Richta der Stadt Hannover in Kirchheim teil. Oberbürgermeister Stephan Weil wurde 2008 zum Ehrenbürger Hiroshimas ernannt.
Umstrukturierungen und kurzzeitige Jugendaustauschunterbrechung Nach dem Tod Hayashi Toshihikos im Jahre 2010 fiel der Jugendaustausch Hiroshima-Hannover bis einschließlich 2013 aus. Nachdem Inai Kôki (井内 康輝) im Februar 2011 in Hanover anstelle Hayashis in Hannover zu Besuch war, erwirkte er Umstrukturierungen der International Youth Association Hiroshima und Gründung der Hiroshima-Hannover Partnership Society im Jahre 2013, infolgedessen im folgenden Jahr wieder eine Jugendgruppe aus Hiroshima zu Gast in Hannover war.
Im Jahre 2015 wurde Hannover als eine von 21 Städten weltweit der Status Lead City of Mayors for Peace (リーダー都市) verliehen und ist eine der Vice President Cities (副会長都市). Oberbürgermeister Stefan Schostok wurde 2015 zum Ehrenbürger Hiroshimas ernannt.
Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Jugendaustausches im Jahr 2018 pflanzte die von Inai Kôki angeführte japanische Delegation zusammen mit Oberbürgermeister Stefan Schostok und weiteren Vertretern einen Kirschbaum im Hiroshima-Gedenkhain. Im Hannover-Garten (ハノーバー庭園) wurde am 1. August 2018 ein Dreispitz-Ahorn gepflanzt.
Im Jahre 2021 wurde das Hannoversche Kirschblütenfest während der COVID-19-Pandemie virtuell als Internetseite mit einzelnen Audio-Dateien veranstaltet.
Ein Ginkgobaum (Hibaku jumoku), dessen Samen in zweiter Generation von Bäumen, die den Atombombenabwurf in Hiroshima überstanden haben, stammen, wurde während des Kirschblütenfestes 2022 im Hiroshima-Gedenkhain gepflanzt. Der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Hannover Chado-Kai e.V., der Deutsch-Japanischer Freundschaftskreis Hannover-Hiroshima-Yukokai e.V. und das Hiroshima-Bündnis Hannover wurden 2022 mit der Plakette für Verdienste um die Landeshauptstadt Hannover ausgezeichnet.
Vom 22. Mai 2023 bis zum 26. Mai 2023 fand die International Youth Conference for Peace in the Future (IYCPF, Internationale Jugendkonferenz für den Frieden, 青少年国際平和未来会議) mit 30 Teilnehmern aus Bangkok, Blantyre, Bristol, Hannover, Hiroshima, Leipzig, Poznań und Rouen in Hannover statt. Belit Onay nahm als Bürgermeister und Teil einer Delegation an der Gedenkzeremonie in Hiroshima teil, wobei er zum Ehrenbürger Hiroshimas benannt wurde. Im November und Dezember 2023 gab es eine Ausstellung zu einem Japanischen Teehaus im aufhof (ehemalige Galerie Kaufhof). In Hannover bekräftigten beide Bürgermeister ihren Willen zur Fortsetzung der Partnerschaft und Friedensarbeit. Die Teemeisterin Nakamoto Hiroyo (中本 洋世) wurde als Kulturbotschafterin und Förderin der Deutsch-Japanischen Freundschaft vom Generalkonsul Toda Shinsuke (戸田 真介) ausgezeichnet.
Institutionen Die Städtepartnerschaft wird von Kulturveranstaltungen und gegenseitigen Besuchen durch Kinder, Jugendliche, Lokalpolitiker und Wirtschaftsvertreter getragen.
Vereine in Hannover mit Hiroshima-Bezug Die Vereine kooperieren beim Ausrichten von öffentlichen Veranstaltungen. Das 1984 gegründeten Hiroshima Bündnis Hannover (広島連合ハノーファー) ist Teil der Friedensbewegung. Der am 11. Mai 1989 gegründete Deutsch-Japanischen Gesellschaft Hannover Chado-Kai e.V. (独日協会ハノ-バ-) verschreibt sich dem deutsch-japanischen Kulturaustausch durch Veranstaltungen und Kurse in Hannover und betreibt das japanische Teehaus im Stadtpark. Mitglied im Verband Deutsch-Japanischer Gesellschaften e.V. (VDJG e.V.). Chadô-Kai (茶道会) bedeutet in etwa Teezeremonie-Verein. Der Verein wurde als CHADO-KAI e.V. Hannover – Förderkreis japanischer Kultur im Rahmen der Städtepartnerschaft Hannover-Hiroshima als Betreiber des 1988 von der Stadt Hiroshima geschenkten Teehauses gegründet. Der am 14. März 1985 gegründete Deutsch-Japanischer Freundschaftskreis Hannover-Hiroshima-Yukokai e.V. (社団法人 独日友好会 ハノーバー広島友好会) sieht den Schwerpunkt bei der Kontaktefindung zwischen Japanern und Bürgern Hannovers, auch durch den Jugendaustausch, und Angeboten zur japanischen Kultur. Mitglied im Verband Deutsch-Japanischer Gesellschaften e.V. (VDJG e.V.). Yûkô-Kai (友好会) bedeutet in etwa Freundschafts-Verein. Schirmherr ist der Oberbürgermeister Hannovers. Ein Zusammenhang zum Stadtjugendring Hannover e.V. und der Abteilung Jugendpflege des Jugendamtes besteht. Die von in Hannover lebenden Japanern gegründete Gruppe Japan-Info-Club wurde 1992 eingegliedert. Der am 13. Mai 1986 fusionierte Friedensbüro Hannover e.V., dessen Anfänge auf 1971 zurückgehen, beteiligt sich an dem Hiroshima-Gedenktag. Der 2011 gegründete Ueda Sôko e.V. führt Teezeremonien im japanischen Teehaus im Stadtpark durch und orientiert sich im Namen an der über 400 Jahre alten Teeschule Ueda Sôko Ryû (上田宗箇流), in deren Tradition er steht, in Hiroshima. Der Verein ist im Vereinsregister des Amtsgerichtes Berlin (Charlottenburg) eingetragen.
Vereine in Hiroshima mit Hannover-Bezug Die 1958 gegründete International Youth Association Hiroshima (広島国際青少年協会) organisiert in Auftrag und Zusammenarbeit mit der Stadt Hiroshima Jugendaustausche und veranstaltet mit anderen den Hannover-Tag und ist Mitorganisator des deutschen Weihnachtsmarktes. Die am 13. November 1958 gegründete Japanisch-Deutsche Gesellschaft Hiroshima (広島日独協会) ist Teil der Japanisch-Deutschen Gesellschaft (公益財団法人日独協会) und unterstützt den Deutschen Weihnachtsmarkt. Im Februar 1979 wurde Hiroshima-Hannover Gesellschaft (広島・ハノーバー協会) als Teil der International Youth Association Hiroshima (広島国際青少年協会) gegründet. Die 1982 gegründete Organisation Mayors for Peace (平和首長会議, Bürgermeister für den Frieden) hat ihren Hauptsitz in Hiroshima. Die Stadt Hannover hat eine Vizepräsidentschaft inne. Die im April 2013 gegründete Hiroshima-Hannover Partnership Society (般社団法人広島ハノーバー友好協会) unterstützt den Jugendaustausch, vermittelt zu Gastfamilien, unterstützt den wirtschaftlichen Austausch und ist Mitorganisator des deutschen Weihnachtsmarktes in Hiroshima. Zu dem Vorstand gehören unter anderem Sôko Ueda (上田 宗冏), Großmeister der gleichnamigen Teeschule (siehe auch Ueda Sôko e.V. in Hannover), und Mukuda Masao (椋田 昌夫), Präsident der Straßenbahngesellschaft.
Hochschulkooperationen
Die Städtische Universität Hiroshima und die Hochschule Hannover kooperieren seit 1998. Die Universität Hiroshima und die Medizinische Hochschule Hannover kooperieren seit 2016. Weitere Institutionen aus Hannover oder Hiroshima Abgeordnete des Christlicher Verein Junger Menschen (CVJM) Hannover e.V. legen Origami-Kraniche am Hiroshima-Tag nieder und beteiligen sich am Jugendaustausch.