mini|Eingang des Landesamtes in Stuttgart Das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg (LGL) mit Sitz in Stuttgart ist eine Landesoberbehörde im Bundesland Baden-Württemberg mit weiteren Dienstsitzen in Karlsruhe und Kornwestheim. Das Aufgabengebiet umfasst die Themengebiete Geobasisinformationen, Vermessung und Flurneuordnung.
Das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung (LGL) ist die obere Vermessungs-, Flurbereinigungs- und Siedlungsbehörde für die Landkreise in Baden-Württemberg und übt somit die Fachaufsicht über die unteren Vermessungsbehörden und über die Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure sowie die unteren Flurbereinigungsbehörden aus.
Das LGL ist der zentrale Geodatendienstleister im Land und als Landesbetrieb nach § 26 LHO BW organisiert.
Geschichte Das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung entstand am 1. Januar 2009 im Zuge der Evaluierung der Verwaltungsstrukturreform von 2005 durch die Zusammenführung des Landesvermessungsamtes Baden-Württemberg mit dem Landesamt für Flurneuordnung und Landentwicklung (Abteilung 8 Regierungspräsidiums Stuttgart).
Zum 1. April 2010 hat die baden-württembergische Landesregierung im Rahmen der Bündelung der staatlichen Aktivitäten in der Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) ein Geodatenzentrum (GDZ) als Abteilung 3 des LGL eingerichtet.
Organisation mini|Organisationsplan des Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung (LGL) Das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung gliedert sich in 5 Abteilungen. Diese wiederum bestehen insgesamt aus 28 Referaten. Hausspitze des LGL ist der Präsident beziehungsweise die Präsidentin; aktuell Dieter Ziesel.
Landesvermessungsamt 1953 wurde das Landesvermessungsamt Baden-Württemberg in Stuttgart mit der Außenstelle in Karlsruhe gegründet. Kernaufgabe dieses Amts war die Landesvermessung.
Durch das 1961 in Kraft getretene Vermessungsgesetz wurde auf dem Gebiet des Vermessungswesens ein einheitliches Recht geschaffen. Dies hatte auch zur Folge, dass die einzelnen Vermessungsämter dem Landesvermessungsamt unterstellt wurden. Die Vermessungsreferate werden aus den Regierungspräsidien ausgegliedert und in das Landesvermessungsamt integriert. 1992 wurde die amtliche Vermessung in den Zuständigkeitsbereich des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg überführt. 1995 wurde die Auflösung der Außenstelle Karlsruhe beschlossen und anschließend in die Abteilung Geodäsie umorganisiert.
Die Umwandlung des Landesvermessungsamtes, zusammen mit den 35 staatlichen Vermessungsämtern in einen Landesbetrieb nach § 26 LHO BW, erfolgt 1996.
Die große Verwaltungsreform 2005 in Baden-Württemberg gliederte die 35 staatlichen Vermessungsämter aus dem Landesbetrieb aus und integrierte diese in die jeweiligen Landratsämter. Das Landesvermessungsamt bestand bis 2009 als Landesbetrieb Vermessung weiter.
Landesamt für Flurneuordnung und Landentwicklung Aus den vier verschiedenen oberen Umlegungsbehörden der Nachkriegszeit wurde nach Gründung des Landes Baden-Württemberg 1952 das dem Landwirtschaftsministerium nachgeordnete Landesamt für Umlegung und Siedlung in Ludwigsburg mit Außenstellen in Karlsruhe, Freiburg und Tübingen errichtet. Erster Dienstsitz war im Ludwigsburger Schloss. Dem Landesamt oblagen die Aufgaben der oberen Umlegungsbehörde nach der Reichsumlegungsordnung (RUO) und die Aufgaben der Feldbereinigung nach dem württembergischen Feldbereinigungsgesetz sowie die Aufgaben der oberen Siedlungsbehörde.
Nach Inkrafttreten des bundeseinheitlichen Flurbereinigungsgesetzes (1953) wurde im Jahre 1954 die Landesoberbehörde in Landesamt für Flurbereinigung und Siedlung umbenannt. Neben zahlreichen Flurbereinigungsprojekten zur Neuordnung des ländlichen Raumes wurden auch viele vertriebene Landwirte wieder eingegliedert sowie landwirtschaftliche Betriebe aus den beengten Dörfern ausgesiedelt.
Im Jahre 1988 verlegte das Landesamt seinen Dienstsitz nach Kornwestheim. Mit der Verwaltungsreform im Jahre 2005 wurde das Landesamt die Abteilung 8 des Regierungspräsidiums Stuttgart. Die bis dahin untergeordneten 19 Ämter für Flurneuordnung und Landentwicklung wurden aufgelöst und deren Aufgaben den Landkreisen übertragen. Für die Stadtkreise wurde das Landesamt für Flurneuordnung und Landentwicklung untere Flurbereinigungsbehörde. Die Bürger können sich im Zuge von Flurneuordnungsverfahren informieren, in Workshops mitarbeiten und sich im Rahmen von Bürgerbeteiligungsverfahren einbringen.
Geodatenzentrum Am 1. Mai 1991 wurde durch das Ministerium Ländlicher Raum (MLR) das „Entwicklungs- und Betreuungszentrum für Informations- und Kommunikationstechnik (EBZI)“ eingerichtet zu dem Zweck, alle Dienstleistungen für IuK-Technik im Ressortbereich des MLR an einer einzigen Stelle zu bündeln. Das EBZI wurde als Abteilung an das damalige Landesamt für Flurbereinigung in Kornwestheim angegliedert. Das EBZI war zu Beginn in die Fachbereiche Flurbereinigung, Forsten, Landwirtschaft und Veterinärwesen und einen Querschnittsbereich gegliedert und umfasste zu dieser Zeit ca. 80 Mitarbeitende. Zum 4. November 1997 wurde früher selbstständige Bereich „Veterinärwesen“ in einen neu geschaffenen Querschnittsbereich „Zentrale Aufgaben“ eingegliedert.
Mit der Verwaltungsstrukturreform am 1. Januar 2005 wurde das EBZI als Abteilung 3 in das neu gebildete „Informatikzentrum Landesverwaltung Baden-Württemberg (IZLBW)“ im Ressortbereich des Innenministeriums eingegliedert, blieb allerdings der direkten fachlichen Weisung des MLR unterstellt. Zeitgleich wurde die Umorganisation des nahezu kompletten Dienststellenbereichs (Flurneuordnung, Landwirtschaft, Forsten) in die Stadt- und Landkreise vorgenommen. Im Zuge dessen wurden die IuK-Fachverfahren in einem Rechenzentrum systematisch zentralisiert.
Am 1. April 2010 traten die von der Landesregierung am 3. November 2009 und am 1. März 2010 gefassten Beschlüsse zur IuK-Bündelung in der Landesverwaltung in Kraft. Das EBZI wurde aus dem IZLBW herausgetrennt und als Abteilung 3 – Geodatenzentrum (GDZ) – in das seit 1. Januar 2009 bestehende Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung (LGL) eingegliedert und damit wieder in den Ressortbereich des MLR übernommen; dabei wurden dem GDZ auch die vier EDV-Referate des früheren Landesvermessungsamtes zugeordnet.
Aufgaben Landesvermessung Das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung ist verantwortlich für die Verfahren und Methoden der Landesvermessung in Baden-Württemberg und Kompetenzzentrum für raumbezogene Informationen in Baden-Württemberg. Die unterschiedlichen Bezugssysteme bilden die Grundlage für Vermessungsarbeiten, (satellitengestützte) Positionierung, Orientierung und Navigation.
Hierbei finden moderne Verfahren der Satellitenpositionierung, der Erdbeobachtung mit Satelliten, der flugzeug- und drohnengestützten Fernerkundung sowie der prozessgesteuerten Datenverarbeitung mit Geoinformationssystemen Anwendung. mini|GNSS-Langzeitmessung auf einem Geodätischen Grundnetzpunkt
Geodätischer Raumbezug Alle Vermessungen, die auf Dauer von Bestand sein sollen, müssen in einen übergeordneten Rahmen eingebettet werden (Raumbezug). Dieser ist Voraussetzung für die zusammenhängende Darstellung des Landesgebietes in Karten und dient als Grundlage für die topographische Landesaufnahme, für Liegenschaftsvermessungen, für ausgedehnte Vermessungsarbeiten öffentlicher und privater Stellen sowie für Wissenschaft und Forschung.
In Baden-Württemberg wird der amtliche Raumbezug durch 184 Geodätische Grundnetzpunkte, ca. 22.500 Höhenfestpunkte, 366 Schwerefestpunkte und 16 SAPOS-Referenzstationen realisiert.
Das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung aktualisiert laufend den Nachweis der Festpunktfelder und stellt die Ergebnisse bereit.
SAPOS mini|Logo Open SAPOS Baden-Württemberg Das LGL stellt für Baden-Württemberg den Satellitenpositionierungsdienst Open SAPOS bereit. In der Karlsruher SAPOS-Zentrale werden mit Hilfe von 16 Referenzstationen im Land, sowie weiteren Stationen in den Nachbarländern permanent hochpräzise Korrekturdaten berechnet. SAPOS ermöglicht beispielsweise der Landwirtschaft eine differenzierte und zielgerichtete Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Nutzflächen und damit eine geringere Belastung, Kosteneinsparungen, sowie höhere und stabilere Erträge. Open SAPOS ist Teil der Digitalisierungsstrategie des Landes Baden-Württemberg.
Das LGL betreibt am Karlsruher Standort für die SAPOS-Nutzenden eine eigene Hotline.
Fernerkundung Die Datenerfassungsmethoden der Fernerkundung im Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung (LGL) (Luftbild- und Laserbefliegungen) werden ergänzt durch den Einsatz von Fernerkundungssatelliten, die durch die fortschreitende Entwicklung der Satellitentechnik auch für die nichtmilitärische Nutzung d. h. zivile Nutzung, neue Anwendungsgebiete eröffnen.
Das LGL organisiert und koordiniert die verschiedenen Arten der Fernerkundung in Baden-Württemberg, wie zum Beispiel die seit 1968 in regelmäßig stattfindenden Bildbefliegungen der gesamten Landesfläche. Die daraus gewonnenen Bilder beziehungsweise Daten werden anschließend im Landesamt aufbereitet und interessierten Nutzenden aus den unterschiedlichsten Fachbereichen zur Verfügung gestellt.
Geotopographie Mit der Geotopographie wird die Erdoberfläche samt ihrer Nutzung und Funktion dreidimensional erfasst.
Gestützt auf das Raumbezugssystem werden zu diesem die wesentlichen Objekte der Erdoberfläche wie Siedlungen, Verkehrsnetze, Vegetation, Gewässer, Geländeformen und die Grenzen politischer sowie administrativer Einheiten mit Namen und sonstigen beschreibenden Angaben aktuell und flächendeckend dokumentiert. Diese werden im Amtlich-Topographisch-Kartographischen Informationssystem (ATKIS) beim LGL als Digitales Landschaftsmodell (Basis-DLM) geführt.
Ergänzt wird das Datenangebot aus ATKIS durch Digitale Orthofotos (entzerrte Luftbilder) und durch die im Digitalen Geländemodell (DGM) gespeicherten Höheninformationen.
Auf der Grundlage dieser Daten werden durch kartographische Aufbereitung topographische Karten in verschiedenen Maßstäben abgeleitet. Außerdem sind individuell angepasste Präsentationen, Analysen oder Bilanzierungen möglich. Die hochgenauen Höheninformationen erlauben darüber hinaus Modellberechnungen für unterschiedlichste fachspezifische Anwendungen. Die Ergebnisse können durch perspektivische Geländedarstellungen visualisiert werden.
Zu den Aufgaben des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung gehört es, die Produkte der Geotopographie regelmäßig zu aktualisieren und anschließend den Nutzenden in Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft zur Verfügung zu stellen.
Kartographie Das LGL erstellt die amtlichen topographischen Kartenwerke, wie dies im Vermessungsgesetz des Landes Baden-Württemberg vom 1. Januar 2005 (vgl. § 3 Abs. 4 VermG BW) vorgesehen ist. Die topographischen Karten werden nach bundeseinheitlichen, von der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik (AdV) vorgegebenen Kriterien bearbeitet und in einem regelmäßigen Zyklus aktualisiert.
Ergänzt durch touristische Signaturen (Sehenswürdigkeiten, Rad- und Wanderwege, Rastplätze etc.) werden diese Karten – zum Teil in Kooperation mit den großen Wandervereinen – als Freizeit-, Wander- oder Radkarten durch das LGL herausgegeben und in der hauseigenen Druckerei hergestellt oder in digitaler Form bereitgestellt. mini|Liegenschaftskarte aus ALKIS
Liegenschaftskataster Das Liegenschaftskataster ist das einzige flächendeckende Verzeichnis aller Grundstücke in Baden-Württemberg und weist deren Entwicklung landesweit nach. Zusammen mit dem Grundbuch gewährleistet es die Eigentumssicherung an Grund und Boden. Das Liegenschaftskataster enthält auch Eigentums und Bodenschätzungsangaben. Es wird heute in Form eines Geoinformationssystems (ALKIS) geführt.