Unter blutrotem Himmel ist ein Roman des US-amerikanischen Autors Mark Sullivan, der 2017 unter dem Titel „Beneath a Scarlet Sky: A Novel“ veröffentlicht wurde und 2018 in der Übersetzung von Peter Groth auf Deutsch erschien. Der historische Roman beschreibt nahe an realen Begebenheiten die Geschichte des zu Beginn 17-jährigen Milanesen Giuseppe „Pino“ Lella, der 1943 bis 1945 auf verschiedenen Wegen dem faschistischen Regime und besonders dem Nationalsozialismus als Fluchthelfer und Spion opponierte.

Entstehungsgeschichte In Vor- und Nachwort beschreibt der Autor, wie er am Tiefpunkt einer Schaffenskrise auf erzählte Fragmente der Lebensgeschichte von Pino Lella stieß. Von der Geschichte des Spions und Widerständlers fasziniert habe er Kontakt zu dem in Italien wohnenden Siebzigjährigen aufgenommen und mit ihm, einigen seiner Weggefährten sowie Historikern in Italien, Deutschland, Israel und den USA seine Geschichte im Kontext der letzten zwei Kriegsjahre rekonstruiert. Insgesamt arbeitete er von 2006 bis 2017 daran. Der wahren Geschichte wurden allerdings fiktive dramatisierende Aspekte hinzugefügt.

Der zeitweise als mehrbändiges Werk geplante Roman umfasst rund sechshundert Seiten und ist in fünf Teile unterteilt.

Handlung Teil eins: Nessun Dorma – Niemand Schlafe Die Geschichte beginnt mit Pino Lella, der am 9. Juni 1943 mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Domenico Lella (Mimmo) und seinem Freund Carletto die Vorbereitungen auf die Bombardierung seiner Heimatstadt Mailand beobachtet und dabei erstmals auf den Mailänder Kardinal Alfredo Ildefonso Schuster und den Seminaristen Barbareschi trifft. In jugendlicher Vernarrtheit spricht er noch eine junge Frau namens Anna an und lädt sie für den Abend ins Kino ein. Er besucht zudem seinen Onkel Albert und seine Tante Greta in ihrem Taschengeschäft und trifft auf den dort einkaufenden Gestapochef für Oberitalien Walther Rauff. Schließlich kehrt er heim zu seinen wohlhabenden Eltern, die ebenfalls einen Taschenladen betreiben. Der von klassischer Musik begeisterte Vater Michele spielt Gitarre, während Pino in seinem Zimmer lieber über die BBC Jazz hört. Der von der amerikanischen Kultur Begeisterte schleicht sich schließlich aus dem Fenster zum Kino. Während Anna nicht erscheint, kommt sein Bruder Mimmo hinzu, der schon geahnt hatte, dass die zweite Karte übrigbleiben würde. Nach der Wochenschau und den ersten Minuten des Films beginnt allerdings ein Luftangriff auf Mailand und auch das Kino wird getroffen, aus dessen Trümmern sie sich leicht verletzt retten können. Durch das zerbombte Mailand und an Leichen vorbei eilen sie heim ins Modeviertel, wo die Eltern eine Feier veranstalten und auch sein Anfang zwanzigjähriger Verwandter Tullio Galimberti, den er als mutiges und charmantes Vorbild verehrt, zu Gast ist, da er in der Gegend ist, um Oberst Rauff zu verfolgen. An dem Abend hört er auch von Pogromen gegen Juden. Am nächsten Morgen erzählt er seinem Freund Carletto von dem Erlebnis.

Die folgenden Monate sind von weiteren Bombardierungen der Industrieregion Mailand, dem Vorrücken der Alliierten in Süditalien und einer Intensivierung der Naziherrschaft nach der Festnahme Mussolinis geprägt, weshalb Mimmo zur Casa Alpina geschickt wird. In dem Ferienlager in den Alpen, das von Pater Re geführt wird, waren beide Jungen in jungen Jahren und Mimmo findet dort nun Schutz. Die Lellas mit Pino, Mutter Porzia, Schwester Cicci und Vater Michele entscheiden sich schließlich mit der Familie seines Freundes Carletto Beltramini, die einen Obstladen betreiben, nachts mit Zügen aufs Land zu fahren, um vor den Bomben sicher zu sein. Die brennende Stadt aus der Ferne beobachtend spielen Pinos und Carlettos Väter für alle Anwesenden die Arie Nessun dorma (Niemand schlafe) aus Puccinis Oper Turandot. Während die italienische Regierung am 8. September 1943 offiziell kapituliert, wird Mussolini durch die Nazis befreit und die nationalsozialistisch durchherrschte oberitalienische Repubblica di Salò ausgerufen, in der der Krieg fortgeführt wird. Als dann die Wohnung der Lellas zerbombt wird, wird Pino ebenfalls zur Casa Alpina geschickt.

Teil zwei: Die Kathedralen Gottes Am Bahnhof wird Pino von dem gleichaltrigen Alberto Ascari abgeholt und nach Madesimo nahe der Casa Alpina gebracht. Der gute Skifahrer Pino und hervorragende Autofahrer Alberto verabreden sich dazu, sich gegenseitig Ski- und Autofahren beizubringen. Von Pater Re herzlich begrüßt reiht sich Pino als mit Abstand ältester bei den rund vierzig Jungen in der Casa Alpina ein und teilt sich dort ein Zimmer mit seinem selbstbewussten Bruder Mimmo.

Die folgenden Tage lässt Pater Re Pino gefährliche und anstrengende Wanderungen durch die umliegenden Alpen machen, wobei er darauf achten soll, unentdeckt zu bleiben. An den Abenden lernt er und am Wochenende übt er Autofahren, wobei er deutschen Patrouillen begegnet, die vor allem die Strecken zur neutralen Schweiz frequentieren und die Dorfbewohner kennenlernt. Erst nach einiger Zeit erfährt Pino den Zweck seiner Wanderübungen. Pater Re erzählt ihm von Pogromen an Juden, legt ihm sein Verständnis von Nächstenliebe dar und bittet Pino schließlich, Juden, die in die Casa Alpina gekommen sind, nachts über die gefährlichen Wege in die sichere Schweiz zu bringen. Auch abgestürzte Piloten und politisch Verfolgte bringt er und später auch andere Jungen über den Groppera in die Schweiz. Trotz der Kenntnis über die potentiell tödlichen Konsequenzen entschließt Pino sich zu helfen. Er erfährt zudem, dass der Seminarist Barbareschi und Kardinal Schuster in die Fluchthilfe involviert sind.

Pino sieht sich bei seiner Aufgabe mit vielfachen Hindernissen konfrontiert: Viele Flüchtende (mitunter Schwangere und Kinder) sind nicht gut gerüstet für die gefährliche Wanderung mit meterhohen Klettereinheiten und Abhängen, der Winter bringt neue Probleme bis hin zu Lawinen und der Kriminelle Tito mit seinem Trupp verbietet ihm gewalttätig unter Androhung des Todes, den etwas leichteren Weg zu nehmen. Allerdings findet er in seinem Bruder Mimmo zunehmend Unterstützung, ein Warnsystem informiert über Nazipatrouillen und an der schweizerischen Grenze wartet stets der Unterstützer Bergström. Während er immer wieder mit dem Leid der fliehenden Juden konfrontiert ist und er vom „binario 21“ (Bahnsteig 21) hört, von dem Juden nach Polen deportiert werden, findet die Gewalt auch im Dorf Madesimo Niederschlag. Dort stirbt der Wirtssohn Nicco, als er eine zurückgelassene Granate Titos findet und eine Silvesterfeier wird von eben jenem überfallen. Schon dort fasst Tito Pino als widerspenstig ins Auge. Nach einer besonders gefährlichen Wanderung, bei der Pino, Mimmo, eine fliehende Familie und die Schwangere Violinistin Signora Napolitano über viele Stunden in einer Hütte von einer Lawine eingeschlossen sind, spielt diese zum Abschied Nessun dorma.

Nach einigen Monaten der erfolgreichen Fluchthilfe wird die Gestapo auf die Casa Alpina aufmerksam. Als gerade Juden vor Ort sind, kommt Oberst Rauff mit mehreren Nazis zur Casa Alpina und bedroht Pater Re, der wie die anderen dort im Falle einer Unterstützung von Juden umgebracht werden soll. Rechtzeitig gewarnt, werden die Juden versteckt, indem das Vieh freigelassen wurde, was die Spuren der Juden verwischt, die sich im Wald verstecken. Der misstrauische Rauff, der Pino wiedererkennt, unterstützt die Jungen beim Einfangen der vermeintlich entlaufenen Bullen und zieht schließlich von dannen. Kurz darauf erhält Pino die dringende und besorgniserregende Nachricht, er solle schnell nach Mailand zurückkehren.

Teil drei: Die Kathedralen der Menschheit Der an Kraft und Selbstbewusstsein gewachsene Pino kehrt heim zu seinen Eltern. Angesichts seiner nachrückenden Volljährigkeit fordern sie ihn dazu auf, sich freiwillig bei der Organisation Todt zu melden. Während bei dieser nur harmlose Bautätigkeiten vollbracht würden, würden Zwangseingezogene gleich an die Ostfront geschickt, wo der sichere Tod warte. Nachdem das ursprüngliche Haus zerstört wurde, wohnt Familie Lella nunmehr in Etage 6 eines Hauses, in dem die Etage 5 für hochrangige Nazigäste reserviert ist und entsprechend von SS-Männern bewacht wird.

Ehe er sich entscheidet, wird er noch gebeten, für Tullio einen Auftrag zu vollbringen. Dieser wird selbst mittlerweile gesucht und ist zu einem Verhör im Hotel Regina vorgeladen, von wo aus er voraussichtlich in das berüchtigte Foltergefängnis San Vittore käme, in dem bereits der Seminarist Barbareschi saß. Er bringt geheime Dokumente zum versteckten Baka, der Funkkontakt zu den Alliierten hält und besucht noch seinen Freund Carletto. Als Tullio schließlich von der SS gefasst wird, entscheiden Pinos Eltern für den noch Minderjährigen trotz heftigen Widerstandes, vom Gegner der Nazis zu deren Kollaborateur zu werden, dass er zur Organisation Todt gehen soll.

Nach wenigen Monaten dort wird er bei einem Bombenangriff verletzt, bei dem sein Kollege stirbt, sodass er zurück in die Heimat kommt. In Mailand hilft er einem vor dem Laden seines Onkels und seiner Tante stehenden Fahrer bei der Reparatur des Motors eines Stabsfahrzeugs, wie er es bei Alberto Ascari gelernt hat. Der Mann, der von dem Fahrer gefahren wird, erkennt Pino als hilfreich. Als der Mann erfährt, dass Pino wie er selbst französisch kann, stellt er diesen mit sofortiger Wirkung als neuen Fahrer an. Von seinem Onkel erfährt er, dass es sich dabei um Generalmajor Hans Leyers handelt. Dieser ist Generalbevollmächtigter des Reichsministers für Rüstung und Kriegsproduktion für Italien und in der Darstellung Sullivans der zweitmächtigste Deutsche in Italien. Schnell entscheiden sie, dass Pino als Spion Leyers begleiten soll, der über Verteidigungsanlagen und andere militärisch relevante Informationen verfügt, aber niemand außer Pino, seinem Onkel und seiner Tante davon erfahren soll.

Ab dem 8. August 1944 fungiert Pino mit einem großen sechsrädrigen Wagen als Fahrer für Leyers. Als er Leyers erstmalig bei seiner Geliebten Dolly Stottelmeyer abholt, findet er in dem Dienstmädchen jene Anna wieder, die ihn Monate zuvor versetzt hatte und mit der er nun einige Worte wechseln kann. Zum Auto nimmt er einen verschlossenen Koffer Leyers mit, den er kurz versucht zu öffnen, wovon er aber rechtzeitig ablässt. Während der Fahrt arbeitet Leyers auf dem Rücksitz und gibt harsche Anweisungen. Beim ersten Ziel beobachtet Pino Leyers heimlich dabei, wie er grau gekleidete Menschen nach physischer Erscheinung selektiert, die Pino zuvor bei Trümmer- und ähnlichen Arbeiten gesehen hat. Beim nächsten Ziel begleitet Pino Leyers, um Notizen zu machen. In einem Tunnel sieht er Haufen von Rüstungsgütern und graugekleidete Arbeiter. Am Rande der Erschöpfung werden diese zur Arbeit gezwungen. In einem ruhigen Moment kann er mit einem der Männer, dem er Wasser gibt, sprechen und erfährt, dass sie wie Sklaven gehalten werden und Leyers mit seiner Organisation Todt maßgeblich dafür verantwortlich sei, Juden sowie politische- und Kriegsgefangene zur Arbeit bis in den Tod zu zwingen; Leyers bezeichnet er als den „Sklaventreiber des Pharaos“. Beim letzten Termin fungiert er für Leyers als Übersetzer, als dieser Mussolini in seiner Villa aufsucht. Mussolini scheint ihm dabei wie eine machtlose und hysterische Marionette Hitlers, während Leyer es später als Narrenhaus bezeichnet.