Past Lives – In einem anderen Leben (Originaltitel: Past Lives, engl. für „Frühere Leben“) ist ein US-amerikanisches Filmdrama von Celine Song. Das autobiografisch geprägte Werk handelt von einer aus Südkorea stammenden Frau, die über mehrere Jahrzehnte und Kontinente hinweg zwischen ihrer platonischen Jugendliebe und sich selbst hin- und hergerissen ist. Der Titel nimmt Bezug auf eine koreanische Vorstellung von vergangenen Leben („In-Yun“). Erzählerisch in drei Zeitebenen unterteilt, folgt der Film den koreanischen Hauptfiguren im Alter von ungefähr 12, 24 und 36 Jahren. Die Hauptrollen übernahmen Greta Lee, Teo Yoo sowie John Magaro.

Der Debütfilm der Regisseurin feierte im Januar 2023 beim Sundance Film Festival seine Premiere und erhielt viel Lob seitens der Fachkritik zuerkannt. Past Lives – In einem anderen Leben wurde wiederholt mit der preisgekrönten Before-Filmtrilogie von Richard Linklater verglichen. Auch wurden die Schauspielleistungen, insbesondere jene von Greta Lee in der weiblichen Hauptrolle, geschätzt. Am 2. Juni 2023 brachte der auch an der Produktion beteiligte Filmverleih A24 den Film in die US-Kinos. In Deutschland wurde der Film erstmals im Rahmen der Berlinale im Februar 2023 vorgestellt. Dort konkurrierte Past Lives im Wettbewerb um den Goldenen Bären, den Hauptpreis des Festivals. Der Kinostart in Deutschland fand am 17. August 2023 statt. Ein Jahr später folgten zwei Oscar-Nominierungen als Bester Film und für Songs Drehbuch.

Handlung Das Mädchen Na-young und der Junge Hae-sung besuchen dieselbe Grundschule in Seoul. Die ehrgeizige Na-young ist in ihren Klassenkameraden verliebt, ihre Freundschaft findet aber ein abruptes Ende, als ihre Eltern mit ihr nach Toronto auswandern. Kurz vor ihrer Abreise arrangieren die Mütter ein letztes gemeinsames Treffen zwischen den Jugendlichen. Zwölf Jahre später hat Na-young den englischsprachigen Namen Nora angenommen und lebt als Dramaturgie-Studentin in New York. Hae-sung ist in Südkorea geblieben, wo er den obligatorischen Wehrdienst abgeleistet hat, wieder zu Hause bei seinen Eltern lebt, die Ingenieurschule besucht und sich in seiner Freizeit gemeinsam mit seinen Kumpels mit Soju betrinkt.

Ihre Verbindung lebt neu auf, als Nora ihren alten Schwarm beim sozialen Netzwerk Facebook wiederentdeckt. Beide telefonieren oft miteinander über den Online-Dienst Skype, aber Nora ist frustriert, da sich Hae-sungs und ihre Lebenspläne stark voneinander unterscheiden. Als sie über ein physisches Wiedersehen sprechen, endet der Kontakt zwischen ihnen. Hae-sung geht nach China, um Mandarin zu lernen, und Nora will sich auf ihre Karriere konzentrieren und geht nach Montauk in eine Schriftstellerkolonie.

Hier lernt sie bei einem Künstlerretreat den jüdischen Romanautor Arthur kennen. Sie spricht mit ihm über das koreanische Konzept von In-Yun, das Schicksal und Beziehungen betrifft, insbesondere solche zwischen zwei Menschen, die von Verbindungen in ihrem bisherigen Leben geprägt sind.

Zwölf weitere Jahre später kündigt Hae-sung Nora an, dass er sie während seines Urlaubs in New York besuchen möchte. Sie ist seit sieben Jahren mit Arthur verheiratet. Dieser hat sogar Koreanisch gelernt, da Nora im Schlaf in ihre Muttersprache zurückfällt, und Arthur diesen verborgenen Teil von ihr verstehen wollte. mini|hochkant=1.15|Als sich Nora und Hae-sung nach vielen Jahren in New York wiedersehen, unternehmen sie eine Fahrt mit einer Fähre Bei ihrer ersten Begegnung verhält sich Hae-sung anfänglich etwas steif und zurückhaltend. Er gibt an, gegenwärtig von seiner Freundin getrennt zu leben. Nora bricht das Eis mit einer innigen Umarmung. Zwischen ihnen stellt sich eine spürbare Anziehungskraft ein. Hae-sung hat sich auch ein paar Worte auf Englisch angeeignet. Allerdings sind beide betrübt darüber, dass sie nie ein Paar geworden sind. Nora zeigt Hae-sung die Stadt, und gemeinsam unternehmen sie eine Fahrt mit der Fähre und schauen sich die Freiheitsstatue an.

Am letzten Abend seines Besuchs macht Hae-sung die Bekanntschaft von Arthur. Dieser ist sich der möglichen Bedrohung durch Noras Jugendliebe bewusst, verhält sich aber Hae-sung gegenüber zurückhaltend. Die beiden Männer aus Noras Leben sind getrennt durch die Sprachbarriere, aber durch die Frau, die sie beide lieben, doch irgendwie miteinander verbunden.Past Lives. In: sundance.org. Abgerufen am 5. Januar 2023.David Rooney: 'Past Lives' Review: Playwright Celine Song Makes a Stunning Move Into Features With This Decades-Spanning Romantic Drama. In: The Hollywood Reporter, 25. Januar 2023. Abgerufen am 30. Januar 2023. Nora erklärt Hae-sung, dass er noch in das Mädchen Na-young verliebt sei, dieses existiere aber seit ihrem letzten Skype-Videotelefonat nicht mehr. Hae-sung mutmaßt wiederum, dass Nora und Arthur eventuell ihr In-Yun gefunden hätten. Am späten Abend bringt Nora Hae-sung zu seinem Uber und umarmt sie zum Abschied. Als sie zu ihrem Wohnhaus zurückkehrt, bricht sie in Tränen aus. Arthur versucht, Nora Trost zu spenden.

Produktion Regie und Drehbuch mini|hochkant=0.8|Regisseurin Celine Song bei der Vorstellung des Films im Februar 2023 auf der Berlinale Regie führte Celine Song, die auch das Drehbuch schrieb. Past Lives – In einem anderen Leben ist der Debütfilm der eigentlichen Dramaturgin. Ihr Stück Endlings über drei ältere südkoreanische Taucherinnen (Haenyo),Alexandra Schwartz: With ‘Endlings,’ Playwright Celine Song Dove Deep Into Asian Identity. She Won’t Be Stopping There. In: newyorker.com, 16. März 2020. Abgerufen am 31. Januar 2023. wurde im Jahr 2019 im American Repertory Theatre uraufgeführt.Celine Song. In: newplayexchange.org. Abgerufen am 20. Januar 2023.

Der Film ist insofern autobiografisch, dass Song wie Nora, die Hauptfigur in Past Lives, im Alter von 12 Jahren gemeinsam mit ihren Eltern von Südkorea nach Kanada übersiedelte, was Auswirkungen auf ihre Identität hatte.Curtis M. Wong: With ‘Endlings,’ Playwright Celine Song Dove Deep Into Asian Identity. She Won’t Be Stopping There. In: huffpost.com. Abgerufen am 22. Januar 2023. Auch andere Begebenheiten in ihrem Leben finden sich in der Filmhandlung wieder. Nach ihrem Umzug nach New York fand sich Song eines Nachts in einer Bar zwischen zwei Männern aus verschiedenen Lebensabschnitten und ganz unterschiedlichen Ländern sitzend wieder. Der eine war ihr Ehemann, mit dem sie in New York lebte, der andere ihre Jugendliebe, der aus Südkorea für einen Urlaub in die Stadt gekommen war. Song fungierte in dieser Situation sowohl als Übersetzerin als auch als Mittlerin. „Ich sitze dort zwischen diesen beiden Männern, von denen ich weiß, dass sie mich auf unterschiedliche Weise lieben, in zwei verschiedenen Sprachen und zwei verschiedenen Kulturen. Und ich bin der einzige Grund, warum diese beiden Männer sogar miteinander sprechen“, so Song über diese Situation. „Es ist, als wärst du ein Donut“, so Song weiter: „Man trägt bereits ein kleines Loch in sich.“ Als ihr Mann sich in sie verliebte, habe er sich in den Donut verliebt, den sie als kein trauriges Ding ansieht.'Past Lives': Press Notes. In: berlinale.de. Abgerufen am 31. Januar 2023. (PDF; 2,2 MB, englisch)

Filmtitel und Aufbau Die Regisseurin organisierte Past Lives um das Konzept von „In-Yun“ herum, das im Film als eine Form des Schicksals definiert ist, das bestimmt, wie sich zwischenmenschliche Beziehungen durch mehrere Ebenen der Reinkarnation entwickeln.Sam Adams: 'Past Lives' Is 2023’s First Great Movie. In: slate.com, 27. Januar 2023. Abgerufen am 2. Februar 2023. Diese koreanische Vorstellung sieht vor, „dass Menschen dazu bestimmt sind, sich zu treffen, wenn sich ihre Seelen zuvor eine bestimmte Anzahl von Malen überlappt haben“. „In-Yun“ geht davon aus, dass das Universum Seelen wieder vereint, die in früheren Leben eine Verbindung hatten.Peter Debruge: ‘Past Lives’ Review: Celine Song’s Understated Sundance Stunner Will Have Art-House Audiences Swooning In: Variety, 21. Januar 2023. Abgerufen am 22. Januar 2023. Das Drehbuch weist keine fantastischen Elemente auf. Stattdessen wird am Beispiel einer jahrzehntelang platonisch verlaufenden Beziehung „In-Yun“ als philosophischer Begriff erforscht. Brian Tallerico erklärt, dass dieser Vorstellung nach durch Begegnungen nicht nur das Schicksal in Liebesdingen im jetzigen Leben einer Person bestimmt wird, sondern über Jahrhunderte hinweg. Das Konzept beschäftige sich mit der Frage, was wäre, wenn der Partner jemand ist, dem man seit Anbeginn der Zeit immer wieder begegnet ist.Brian Tallerico: Sundance 2023: Past Lives, Passages, You Hurt My Feelings. In: rogerebert.com, 26. Januar 2023. Abgerufen am 30. Januar 2023. Joan McDonald von Forbes erklärt in ihrer Kritik zum Film hierzu, das Schicksal spiele in koreanischen Liebesfilmen und Dramen stets eine wichtige Rolle, und viele Beziehungen wiesen ein starkes Schicksalselement auf.Joan MacDonald: CJ ENM’s ‘Past Lives’ Premieres At Sundance Film Festival. In: Forbes, 20. Januar 2023. Abgerufen am 2. Februar 2023.

Song strukturierte das Drehbuch als Triptychon, das in drei Zeitebenen unterteilt mehr als zwei Jahrzehnte abdeckt und sich auf zwei Kontinenten bewegt. Die Geschichte beginnt in Südkorea, wo sich die 12-jährige Nora, die damals noch ihren Geburtsnamen Na Young trägt, darauf vorbereitet, mit ihrer Familie nach Kanada auszuwandern. Hae Sung, ihr bester Freund, ist in der Schule nur fast so gut wie Na Young. Im Jahr 2012, als beide ungefähr 24 Jahre alt sind, sie in New York lebt und er noch immer in Südkorea, finden sie sich in den sozialen Medien wieder. Der Film endet weitere 12 Jahre später in der in New York spielenden Barszene.

Besetzung und Synchronisation mini|hochkant=0.8|John Magaro spielt Noras Ehemann Arthur Für die Hauptrollen verpflichtete Song Darsteller mit koreanischen Wurzeln. So spielt die US-amerikanische Schauspielerin Greta Lee die Hauptfigur Nora im Erwachsenenalter. Als Kind wird sie von Moon Seung-ah dargestellt. Der Deutsch-Südkoreaner Teo Yoo ist in der Rolle von Hae-sung zu sehen, der als Kind von Leem Seung-min gespielt wird.Tim Grierson: ‘Past Lives’: Sundance Review. In: screendaily.com, 22. Januar 2023. Abgerufen am 5. Juni 2023. Ursprünglich war Parasite-Star Choi Woo-shik für die erwachsene Rolle vorgesehen.Jeff Sneider: Exclusive: 'Parasite's Choi Woo-sik to Star in A24's Korean Romance 'Past Lives'. In: collider.com, 22. Januar 2020. Abgerufen am 22. Januar 2023. Der US-Amerikaner John Magaro spielt Noras Ehemann Arthur.Richard Lawson: Past Lives Is a Note-Perfect Directorial Debut. In: vanityfair.com. Abgerufen am 22. Januar 2023. Er beschreibt sich selbst in seiner Rolle und auch Hae Sung als zwei wirklich gute, freundliche und großzügige Männer, die es schaffen, kindliche Eifersüchteleien hinter sich zu lassen, weil sie beide dieselbe Frau wertschätzen.

Lee sei perfekt für die Rolle von Nora gewesen, so die Regisseurin, vor allem weil sie Koreanisch auf einem Niveau sprach, das sie wie ein Kind klingen ließ, wenn sie in dieser Sprache redete. Auch der geringe Wortschatz, über den sie verfügte, habe die Erfahrung von Nora widergespiegelt, die Südkorea bereits als Mädchen verließ und noch immer in ihrer Kindheit verhaftet ist. Bei Yoo habe man lediglich seine Frisur verändern müssen, damit er sowohl den jüngeren als auch den älteren Hae Sung verkörpern konnte. Alles andere habe der Schauspieler durch die Modulation seiner Stimme und seinem Auftreten erledigt.

Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch und der Dialogregie von Jürgen Wilhelm im Auftrag der EVA Studios Germany GmbH, Berlin. In der deutschen Synchronisation leiht Asad Schwarz Magaro in der Rolle von Arthur seine Stimme. Rubina Nath spricht Lee in der Rolle von Nora.

Dreharbeiten und Filmschnitt