Die LFD Holding GmbH (Landwirtschaftliche Ferkelzucht Deutschland) ist ein Konzern der Schweineproduktion mit Sitz in Genthin in Sachsen-Anhalt. Sie ist Deutschlands größter Ferkelerzeuger und Marktführer.

Der Konzern wurde 2004 vom Niederländer Adrianus Straathof als Straathof Holding GmbH gegründet. Im Jahr 2014 erfolgte eine Umbenennung in LFD Holding GmbH,Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2014 bis zum 31. Dezember 2014 der LFD Holding GmbH, Genthin. In: Bundesanzeiger, 17. August 2016. Abgerufen im Bundesanzeiger am 3. Januar 2023. 2020 ging der Besitz auf die Terra Grundwerte AG mit Sitz in der Schweiz über.

Der Konzern war wiederholt wegen Tierquälerei in der Kritik. Im Jahr 2021 kam es zu einem Großbrand in der Schweinezuchtanlage Alt Tellin.

Geschichte Adrianus Straathof begann 1973 mit der Schweinehaltung in den Niederlanden. 2001 gingen niederländische Behörden aufgrund von Tierquälerei, Überbelegung der Ställe und Verstößen gegen das Baurecht juristisch und mit Polizeigewalt gegen den Betrieb vor. In den ersten Jahren der 2000er-Jahre nahm Adrianus Straathof in den Niederlanden staatliche Prämien für die Stilllegung von Tierplätzen in Anspruch und expandierte nach Ostdeutschland. Der geltende Bestandsschutz für alte LPG-Betriebe sowie im Vergleich zu den Niederlanden günstigere Bedingungen beispielsweise für Investitionen und angesichts geringerer Düngekosten ermöglichte den Aufbau von großen Betrieben. Den ersten Ferkelerzeugungsbetrieb eröffnete Adrianus Straathof 2001 in einem ehemaligen volkseigenen Betrieb der DDR in Gladau unter dem Namen Schweinezucht Gladau GmbH. Es folgten eine Reihe von Aufkäufen an verschiedenen Standorten: 2002 in Binde, 2004 in Fahrbinde sowie Medow, 2005 in Thierbach sowie Uthmöden, 2009 in Demsin und 2010 in Wellaune sowie Wannewitz. 2012 erfolgte der Bau einer Anlage in Alt Tellin (ehemals LPG Blühende Landschaften), 2012 wurden Anlagen der Strehle GmbH in Bayern und 2013 Anlagen der Spreefa GmbH aufgekauft.

2004: Gründung des Konzerns Ende 2004 gründete Adrianus Straathof die Straathof Holding GmbH mit Sitz in Gladau als Dachorganisation seiner verschiedenen Betriebe in Deutschland.Tag der ersten Eintragung der Straathof Holding GmbH, Gladau: 22. Dezember 2004. In: Handelsregister B des Amtsgerichts Stendal, HRB 4686. Abgerufen am 3. Januar 2023. Auch in Ungarn nahm die Straathof Holding GmbH Tierhaltungsanlagen in Betrieb. Die Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern mbH übernahm mehrfach Planungsleistungen bei Bauprojekten.

Der Konzern wurde zu einem Vorreiter von Großbetrieben in der Tierhaltung in Deutschland und einem der größten Schweinezüchter Europas. Dabei verstieß der Konzern wiederholt gegen rechtliche Vorgaben und wurde rechtskräftig verurteilt. Alleine am Standort Gladau verhängten Behörden von 2005 bis 2014 Zwangs- sowie Bußgelder in Höhe von 2,1 Mio. Euro, unter anderem wegen Verstößen gegen Bauvorgaben, das Tierschutzgesetz, die Nutztierhaltungsverordnung sowie wegen illegalem Ausbringen von Gülle. Vor diesem Hintergrund war der Konzern anhaltendem Protest von Anwohnern, Umwelt- sowie Tierschützern ausgesetzt und Adrianus Straathof erhielt in der Öffentlichkeit die Bezeichnung Schweinebaron.

2013: Tierquälerei-Skandal und anschließende Verurteilungen Nachdem Report Mainz im Dezember 2013 mit Videoaufnahmen der Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch über Tierquälerei in Ställen des Konzerns berichtete, fand 2014 am Standort in Gladau eine dreitägige Razzia durch Polizei und Staatsanwaltschaft statt. In der Folge erließ der zuständige Landkreis Jerichower Land im November 2014 ein bundesweites Verbot der Schweinehaltung und -betreuung gegen Adrianus Straathof, was in dieser Größenordnung in Deutschland einzigartig war.

Am 17. Juni 2015 fanden außerdem an zwei Standorten in Bayern sowie am Konzernsitz Razzien wegen Verdacht auf Tierquälerei statt. Der Konzern bezeichnete die Razzia als unverhältnismäßig. In der Folge wurde gegen vier Mitarbeiter ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet, an dessen Ende drei Mitglieder der Geschäftsleitung rechtskräftig zu Geldstrafen verurteilt wurden.

Ab 2014: Umstrukturierungen Vor dem Hintergrund des Tierhaltungsverbots wurde die Straathof Holding GmbH am 22. Dezember 2014 in LFD Holding GmbH umbenannt. Adrianus Straathof übergab die Geschäftsführung an eine Mitarbeiterin, die zugleich im Vorstand des Bauernverbands Börde saß.

Ende 2014 wurde der Ferkelerzeugungsbetrieb des Tochterunternehmens Glava GmbH in Gladau mit 60.000 Tieren an die SAKOBE GmbH verpachtet und die Arbeitsverhältnisse auf die SAKOBE übergeleitet.Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2016 der LFD Holding GmbH, Genthin. In: Bundesanzeiger, 28. Juli 2017. Abgerufen im Bundesanzeiger am 3. Januar 2023. Die SAKOBE GmbH war rechtlich unabhängig, gleichzeitig finanziell und wirtschaftlich an die LFD Holding angebunden und bildete gemeinsam mit der LFD Holding die LFD-Gruppe.Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2017 bis zum 31. Dezember 2017 der LFD Holding GmbH, Genthin. In: Bundesanzeiger, 28. März 2019. Abgerufen im Bundesanzeiger am 3. Januar 2023.Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2015 bis zum 31. Dezember 2015 der SAKOBE GmbH, Genthin. In: Bundesanzeiger, 17. Februar 2017. Abgerufen im Bundesanzeiger am 3. Januar 2023. Damit kam der Konzern einer Erweiterung des Tierhaltungsverbots auf die Glava GmbH und einer Anordnung zur Ausstallung aller Tiere zuvor, die im Januar 2015 erlassen wurde.

Schließlich gab Adrianus Straathof am 4. Juni 2015 bekannt, dass künftig Christian Graf Brockdorff (95 %) und die Rechtsanwaltsgesellschaft Schultze & Braun (5 %) als Treuhänder seines Besitzes an dem Konzern mit zu dem Zeitpunkt 24 Anlagen und rund 400.000 Tieren agieren würden. Gleichzeitig wurde ein Beirat eingerichtet, in dem Adrianus Straathof ein Mitglied wurde.

Zum 6. Oktober 2015 wurde eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft damit beauftragt, ein Sanierungskonzept für die erweiterte LFD-Gruppe inklusive SAKOBE GmbH zu erstellen.LFD Holding GmbH, Genthin. Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2017 bis zum 31. Dezember 2017, ergänzt am 14. September 2020. 28. März 2019 Mitte April 2016 wurde ein Sanierungsgutachten sowie ein zugrundeliegendes Sanierungskonzept vorgelegt und in der Folge mit der Umsetzung begonnen. Gleichzeitig wurde angestrebt, das Unternehmen 2018 an einen Investor zu verkaufen.

2020: Übernahme durch die Terra Grundwerte AG Zum 18. März 2020 verkaufte Adrianus Straathof den Konzern an die Terra Grundwerte AG mit Sitz in der Schweiz. Die Terra Grundwerte AG tritt als Investor auf und beauftragte wiederum die Lindhorst Gruppe mit Sitz in Winsen an der Aller mit der Geschäftsleitung.

2021: Großbrand

Durch einen Großbrand am 31. März 2021 wurde der Ferkelerzeugungsbetrieb in Alt Tellin vollständig zerstört. Die Ställe und der Tierbestand wurden fast vollständig zerstört, was zu Einbußen von rund 20 % in der Ferkelerzeugungs-Kapazität des Konzerns führte. Die Staatsanwaltschaft schätzte den Schaden auf rund 40 Mio. Euro.

Umsatzentwicklung der letzten 10 Jahre + Jahr Umsatz 2011 62,911 Mio. EuroKonzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2012 bis zum 31. Dezember 2012 der Straathof Holding GmbH, Ziesar. In: Bundesanzeiger, 29. Juli 2014. Abgerufen im Bundesanzeiger am 3. Januar 2023. 2012 89,556 Mio. Euro 2013 104,094 Mio. EuroKonzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2013 bis zum 31. Dezember 2013 der Straathof Holding GmbH, Ziesar. In: Bundesanzeiger, 26. März 2015. Abgerufen im Bundesanzeiger am 3. Januar 2023. 2014 106,945 Mio. EuroKonzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2015 bis zum 31. Dezember 2015 der LFD Holding GmbH, Genthin. In: Bundesanzeiger, 18. Januar 2017. Abgerufen im Bundesanzeiger am 3. Januar 2023. 2015 86,842 Mio. Euro 2016 93,561 Mio. Euro 2017 114,369 Mio. Euro 2018 94,532 Mio. EuroKonzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2019 der LFD Holding GmbH, Genthin. In: Bundesanzeiger, 19. Mai 2021. Abgerufen im Bundesanzeiger am 3. Januar 2023. 2019 112,636 Mio. Euro 2020 106,873 Mio. Euro

Erstmals die Marke von 100 Mio. Euro Jahresumsatz überschritt der Konzern im Jahr 2013 mit 104,094 Mio. Euro. Der bislang höchste Jahresumsatz wurde im Jahr 2017 mit 114,369 Mio. Euro erwirtschaftet. Der Konzernumsatz weist im Verlauf mehrerer Jahre größere Schwankungen auf. Einen erheblichen Anteil an den Schwankungen hat der sogenannte Schweinezyklus. Zuletzt beeinflusste die Afrikanische Schweinepest und die Corona-Pandemie den Umsatz deutlich negativ. Ende 2021 wurden dem Konzern Corona-Überbrückungshilfen in Höhe von 6,6 Mio. Euro genehmigt.

Im Geschäftsjahr 2020 betrug der Umsatz 106,873 Mio. Euro, wovon gut 94 % (100,543 Mio. Euro) in Deutschland und knapp 6 % (6,33 Mio. Euro) im europäischen Ausland generiert wurden.

Struktur Geschäftsbereiche Im Kerngeschäftsfeld Ferkelerzeugung hält der Konzern Sauen und produziert so Ferkel bzw. Läufer. Der Tier-Bestand in den Elterntierbetrieben beträgt 55.000 Sauen (Stand 2020), mit denen konzernweit 4000 Ferkel pro Tag (Stand 2017) produziert werden. Nach Unternehmensangaben beträgt die Rate der vorzeitig sterbenden Ferkel, die eine zentrale Kennzahl in der Ferkelerzeugung darstellt, 12,21 % während der Säugung und 3,66 % während der Aufzucht im Flatdeck (Stand 2017).

Teilweise werden die Ferkel in eigenen Ställen zu Läufern aufgezogen. Die Ferkel bzw. Läufer werden an Mastunternehmen in Deutschland sowie Europa verkauft. Für den Handel und Transport der Tiere kooperiert der Konzern mit der Venneker-Unternehmensgruppe. Als größter Ferkelerzeuger in Deutschland gehören große einzelne Chargen mit über 5.000 Ferkeln zum Angebot.

Einen Teil der erzeugten Ferkel mästet der Konzern in eigenen Mastställen. Des Weiteren verfügt der Konzern über die Tierarztpraxis LFD GmbH in Genthin und betreibt mit der in den Ställen anfallenden Schweinegülle Biogasanlagen.

Der Konzern verfügt auch über eine Jungsauenzucht sowie eine Absamungsstation. Hinsichtlich der Genetik der Tiere kooperiert der Konzern mit dem Tochterunternehmen Hypor des Konzerns Hendrix Genetics, eines der weltweit größten Tiergenetik-Unternehmens. Ein Großteil der Ferkel sind Pietrain, ein kleinerer Anteil sind Duroc.

Der Betrieb der einzelnen Standorte erfolgt über Tochterunternehmen. Zum Konzern gehören neben dem Mutterunternehmen 14 Tochterunternehmen, darunter die DEMVA GmbH, die Mesa Agrar GmbH, die RwF Reichertsweiler Ferkel GmbH, die Sauenhaltung Thierbach GmbH, die Schweineproduktion Brenkenhof GmbH, Schweinezucht Binde GmbH und die Schweinezucht Fahrbinde GmbH.

Gesellschafter Alleiniger Inhaber des Konzerns ist die Terra Grundwerte AG, die ihn 2020 von Adrianus Straathof übernahm. Die Terra Grundwerte AG, gegründet am 26. November 2019 und mit Sitz in Alpnach/Schweiz, ist eine Investment- und Beteiligungsgesellschaft. Alleiniger Inhaber der AG ist der Deutsche Thomas-Andreas Martin Strehl mit Wohnsitz in Obwalden, der zuvor Gründer und CEO der Schleuniger Gruppe war.

An einzelnen Tochterunternehmen halten auch weitere Gesellschafter Anteile. So besitzt die Sirius Stern AG mit Sitz in Obwalden 11 % der Anteile an der Schweinezucht Binde GmbH.Liste der Gesellschafter der Schweinezucht Binde GmbH. In: Europäisches Justizportal, 27. März 2020. Abgerufen im Unternehmensregister des Europäischen Justizportals am 3. Januar 2023.

Kontroversen Tierquälerei