Die Beziehungen zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten (USA) bestehen seit dem Jahre 1783. Im Jahre 1898 kam es zum Spanisch-Amerikanischen Krieg, bei dem Spanien die letzten bedeutenden Teile seines Kolonialreiches verlor. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden beiden Staaten enge Verbündete und Spanien trat 1982 der NATO bei. Das U.S. State Department bezeichnet beide Staaten als „enge Verbündete“, die „gemeinsame demokratische Werte, einschließlich der Förderung von Demokratie und Menschenrechten“ teilen. Ein bedeutender Teil des Staatsgebiets der modernen USA war einst Teil des Spanischen Kolonialreiches und in den USA gibt es eine wachsende spanischsprachige Bevölkerung. Es gibt in den USA knapp 58 Millionen spanischsprachige Personen, was knapp einem Fünftel der Bevölkerung entspricht. Spanisch ist zudem die am häufigsten gelernte Fremdsprache in den USA.

Geschichte Die Spanier waren die ersten Europäer, die auf dem Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten dauerhafte Siedlungen gründeten. Die erste Siedlung auf dem Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten war San Juan, Puerto Rico, das 1521 vom spanischen Entdecker Juan Ponce de Leon gegründet wurde. Knapp 35 Jahre später gründeten die Spanier St. Augustine in der Spanischen Kolonie Florida die älteste Stadt der kontinentalen USA. Dauerhafte, größere Siedlungen wurden in New Mexico und Kalifornien gegründet, einige auch in Texas und Arizona. Davon zeugen heute zahlreiche spanische Stadtnamen wie Las Cruces, San Francisco oder Los Angeles. Während des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs unterstützte Spanien die amerikanischen Rebellen und Spanier wie Bernardo de Gálvez y Madrid kämpften auf der Seite der Kontinentalarmee gegen die Briten. Im Jahre 1783 erkannten die Spanier die USA als unabhängig an und etablierten diplomatische Beziehungen. Spanien hatte die Amerikaner zwar während des Unabhängigkeitskrieges unterstützt, misstraute aber dem Republikanismus und war offiziell kein Verbündeter der jungen USA. Spanien sah im Amerikanischen Expansionismus eine Bedrohung für sein Imperium in Nordamerika. Nach dem Krieg betrafen die wichtigsten Beziehungen den Handel, den Zugang zum Mississippi und die spanischen Bündnisse mit den amerikanischen Ureinwohnern. In dem Bestreben, die amerikanische Besiedlung im Grenzland zwischen beiden Einflusssphären zu verhindern, verweigerte Spanien den USA die Schifffahrtsrechte auf dem Mississippi und lieferte Waffen an die amerikanischen Ureinwohner.Alan Taylor: American Revolutions A Continental History, 1750–1804 (2016), S. 345 f. 1795 wurden mit dem Pinckney-Vertrag die gegenseitigen Grenzen festgelegt und die Amerikaner erhielten das Schifffahrtsrechte auf dem Mississippi sowie das Mississippi-Territorium von Spanien. mini|Die Karte zeigt die Ergebnisse des Adams-Onís-Vertrags. Mit dem Dritter Vertrag von San Ildefonso musste Spanien 1800 die Kolonie Louisiana wieder an Frankreich abtreten. Napoleon Bonaparte verkaufte diese drei Jahre später im Louisiana Purchase an die USA für eine Summe von 15 Millionen US-Dollar, womit die USA ihr Territorium über Nacht verdoppeln konnten. Zehn Jahre später annektierten die USA auch Westflorida, nachdem es dort zu einer Rebellion amerikanischer Siedler gekommen war. Der Louisiana Purchase führte wiederum zu einem neuen Grenzkonflikt mit den Spaniern, welcher 1819 mit dem Adams-Onís-Vertrag ausgeräumt werden konnte. Dabei traten die Spanier Florida an die USA ab, die im Gegenzug auf Gebietsansprüche in Mexiko verzichteten. Ungeachtet der Verträge unterstützten die USA die Unabhängigkeit der Republik Texas 1836 nach der Unabhängigkeit Mexikos von Spanien. Aufgrund des Vertrages von Guadalupe Hidalgo nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg fielen die Gebiete, die im Adams-Onís-Vertrag Mexiko zugesprochen worden waren, 1848 an die Vereinigten Staaten. Mit der in den 1820er Jahren verabschiedeten Monroe-Doktrin sagten die USA allen ausländischen Mächten in Nordamerika den Kampf an und weiteten ihre Aktivitäten in der Karibik aus. 1854 versuchen die USA im Ostende-Manifest, das unter spanischer Oberherrschaft stehende Kuba zu erwerben, was die Spanier ablehnen.https://cri.fiu.edu/us-cuba/chronology-of-us-cuba-relations/

In Kuba kam es im Zehnjährigen Krieg zu einer Reihe antispanischer Aufstände, welche von den USA mit Sympathie betrachtet wurden. An Kuba hatten außerdem amerikanische Geschäftsleute großes Interesse, was zu Forderungen nach einer Expansion führte. 1897 unterbreiten die USA unter William McKinley ein weiteres Angebot zum Kauf Kubas. Spanien weigerte sich, Kuba zu verkaufen und brach am 21. April 1898 die diplomatischen Beziehungen zu den USA ab. Ausschreitungen in Kuba dienten den USA als Vorwand für die Entsendung des Kriegsschiffs Maine. Nach der ungeklärten Explosion der USS Maine im Hafen von Havanna wurden die Spannungen in der amerikanischen Bevölkerung durch eine antispanische Kampagne, in der Spanien umfangreicher Gräueltaten beschuldigt wurde, erhöht, was die öffentliche Meinung in den USA erregte. Der folgende Spanisch-Amerikanische Krieg war der erste Konflikt, in dem militärische Aktionen durch das Engagement der Medien stark beeinflusst wurden. Die amerikanische Boulevardpresse schürte das Interesse an diesem Krieg, indem sie während des kubanischen Unabhängigkeitskrieges Gräueltaten fabrizierte, um eine Intervention in einer Reihe spanischer Kolonien auf der ganzen Welt, wie Puerto Rico, den Philippinen, Guam und den Karolinen, zu rechtfertigen. Der Krieg endete nach entscheidenden Siegen der Vereinigten Staaten auf den Philippinen und Kuba, nur 109 Tage nach Kriegsausbruch. Der Vertrag von Paris, der den Konflikt beendete, übertrug den Vereinigten Staaten das Eigentum an den ehemaligen spanischen Kolonien Puerto Rico, Philippinen und Guam. mini|Antiamerikanische Karikatur von 1896 Die Niederlage im Spanisch-amerikanischen Krieg hatte eine verheerende Wirkung auf die spanische Wirtschaft und das nationale Trauma führte in Spanien zur Generación del 98. Viele der Lügen und negativen Assoziationen gegen Spanien und die Spanier, die aus der Propaganda des Spanisch-Amerikanischen Krieges stammten, hielten sich noch lange nach dem Ende des Krieges und trugen in hohem Maße dazu bei, den Mythos der Schwarzen Legende gegen Spanien neu zu beleben. Gleichzeitig führte der Krieg zu antiamerikanischen Gefühlen und weitverbreiteter Bitterkeit in Spanien. Dennoch wurden Handelsbeziehungen zu den Vereinigten Staaten ausgebaut und die beiden Länder unterzeichneten 1902, 1906 und 1910 eine Reihe von Handelsabkommen. Im Ersten Weltkrieg blieb Spanien unter König Alfons XIII. neutral, was seine Exportwirtschaft und Industrialisierung begünstigte. 1928 begrüßte US-Präsident Calvin Coolidge König Alfonso am Telefon; es war die erste Nutzung einer neuen transatlantischen Telefonleitung mit Spanien durch einen Präsidenten. Präsident Franklin D. Roosevelt ernannte seinen Lieblingshistoriker Claude Bowers zum Botschafter in Spanien (1933–39). Bowers prophezeite, dass die mangelnde Bereitschaft Washingtons, während des Spanischen Bürgerkriegs etwas zu unternehmen, einen größeren Krieg unvermeidlich machen würde. Sein Einfluss auf die Politik in Washington war allerdings minimal. Unter Roosevelt blieben die Vereinigten neutral und verboten Waffenverkäufe an beide Seiten, auch da der Präsident befürchtete, Popularität unter den amerikanischen Katholiken zu verlieren, wenn der die Republikaner unterstützt hätte. Im Bürgerkrieg schlossen sich über 3000 Amerikanern den Republikanern an, was allerdings nicht verhindern konnte, dass die Nationalisten 1939 den Bürgerkrieg gewannen.

Das franquistische Spanien sympathisierte während des Zweiten Weltkriegs mit den Achsenmächten. Offiziell neutral, verkaufte die Regierung von General Francisco Franco beträchtliche Mengen an Material, insbesondere Wolfram, an beide Seiten, einschließlich NS-Deutschland. Von 1942 bis 1945 diente der Historiker Carlton Hayes als US-Botschafter in Spanien. Damals wurde er von der Linken angegriffen, weil er Franco zu freundlich gesinnt wäre, aber es wird angenommen, dass er eine entscheidende Rolle dabei spielte, Spanien daran zu hindern, sich während des Krieges auf die Seite der Achsenmächte zu schlagen. Nach dem Ende des Krieges verkündeten die Siegermächte des Krieges 1946, dass das faschistische Regime auf keine „vollen und herzlichen Beziehungen“ hoffen könnte, solange Franco an der Macht sei. Spanien erhielt keine Hilfen von den USA aus dem Marshallplan.

Der beginnende Kalte Krieg brachte die USA und Spanien unter Franco bald wieder zusammen. 1953 wurde der ab 1951 verhandelte Pakt von Madrid unterzeichnet, ein Kooperationsvertrag zur Errichtung gemeinsamer Militärbasen für 15.000 Personen in Spanien (Morón, Rota, Saragossa, Torrejón) im Tausch für US-Wirtschafts- und Militärhilfen. Die USA erhielten einen zehnjährigen Vertrag mit zwei Verlängerungen zu fünf Jahren. Antiamerikanismus blieb allerdings verbreitet in Spanien, da die Hilfen, wie der Außenminister Fernando María de Castiella Maíz zu verstehen gab, als unzureichend empfunden wurden. Tatsächlich erhielten alle unterstützten westeuropäischen Staaten neun- bis zehnfach höhere Zuwendungen, selbst das kommunistische aber politisch abweichende Jugoslawien erhielt mehr Geld aus den USA. Franco konnte den Vertrag dennoch als Erfolg verbuchen.

Die Demokratisierung Spaniens in den 1970er Jahren wurden von den USA begrüßt und 1982 trat Spanien der NATO bei. 1988 wurden die Militärabkommen mit den USA nach einem Referendum erneuert. Ein Jahr später wurde ein Kultur- und Bildungsabkommen zwischen beiden Ländern abgeschlossen. In den 2000er Jahren unterstützte der spanische Premierminister José María Aznar den Irakkrieg von George W. Bush und entsendete spanische Truppen. Der Krieg war allerdings in der Bevölkerung sehr unpopulär. Spanien war sogar das europäische Land, in dem die öffentliche Meinung am stärksten gegen den Irakkrieg war und vier Millionen Spanier demonstrierten gegen diesen.

Militärische Beziehungen Beide Länder sind Mitglieder der NATO und militärische Verbündete. Spanien war am Irakkrieg, dem Krieg in Afghanistan und der Internationale Allianz gegen den Islamischen Staat an der Seite der USA beteiligt. Die Verteidigungs- und Sicherheitsbeziehungen zwischen den beiden Ländern werden durch das Abkommen über gegenseitige Verteidigungshilfe und das Abkommen über Verteidigungszusammenarbeit geregelt. Auf der Marinebasis Rota und dem Militärflugplatz Morón sind US-Streitkräfte präsent.

Beim US-Angriff auf den Iran 2026 untersagte Spanien den Vereinigten Staaten die Verwendung der Militärflugplätze Morón und Rota, da Spanien sich an dem Krieg nicht beteiligt, sondern neutral ist.Miguel González: Spain refuses to provide military support for US attack on Iran and distances itself from France, Germany and the UK. El País, 1. März 2026. Seit Ende März 2026 ist der spanische Luftraum auch für Überflüge von US-Militärflugzeugen gesperrt, die in die Kriegshandlungen involviert sind.Spanien sperrt Luftraum für Militärflüge im Iran-Krieg. Handelsblatt, 30. März 2026.

Wirtschaftsbeziehungen Beide Länder gehören zu den entwickelten OECD-Staaten und haben verschiedene Wirtschaftsabkommen geschlossen, darunter ein Doppelbesteuerungsabkommen. Im Jahre 2021 importierten die USA aus Spanien Güter im Wert von 16,8 Milliarden US-Dollar und exportierten im Gegenzug Güter im Wert von 16,3 Milliarden US-Dollar nach Spanien. US-amerikanische Unternehmen haben in Spanien über 60 Milliarden US-Dollar investiert und beschäftigen in dem Land über 150.000 Menschen. Zusammen sind beide Länder auch bedeutende Investoren in Lateinamerika. Jährlich besuchen zahlreiche amerikanische Touristen Spanien, 2019 waren es drei Millionen.

Kulturbeziehungen mini|Spanische Sprache in den USA (2019)