mini|Wassermühle Brömsenberg von Südwesten mini|Wassermühle Brömsenberg mit dem denkmalgeschützten hölzernen Sude-Wehr mini|Ableitungskanal von den beiden Turbinen (links und rechts) unterhalb des Mühlengebäudes

Die Wassermühle Brömsenberg befindet sich am Fluss Sude auf dem Siedlungsplatz Neumühle. Er liegt am östlichen Rand des Ortsteils Brömsenberg der Stadt Lübtheen im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Bis etwa 1945 lautete die Bezeichnung Garlitzer (Neu-) Mühle bzw. später auch Neumühle bei Lübtheen. Erst nach der deutschen Wiedervereinigung wird vermehrt auch die Bezeichnung Wassermühle Brömsenberg verwendet. Die Mühle ist ein Baudenkmal und in der Denkmalliste des Landkreises Ludwigslust-Parchim eingetragen.Denkmalliste des Landkreises Ludwigslust-Parchim (PDF) Eine Besonderheit des Mühlenstandorts ist die Gabelung der Sude oberhalb der alten Mühle in die Sude und die Sude-Freiflut.Fischaufstieg Sudefreiflut – Wehr, Brömsenberg. In: Umwelt-Report. Mecklenburg-Vorpommern. – Leipzig: VSR-Verl. 2013/2014, S. 20–21.

Geschichte mini|Stallgebäude der Wassermühle mini|Altes Schützenwehr an der Wassermühle mini|Wassermühle Brömsenberg Führung am Tag der Industriekultur 2025 Der älteste Hinweis auf die Garlitzer Neumühle stammt aus dem Kirchenbuch des Kirchspiels Alt Jabel, in dem für den 5. Dezember 1641 im Dorf Stapel die Frau des Müllers N. Peters auf der Newenmühle als Patin verzeichnet ist.Müller in Mecklenburg, Lauenburg, dem südlichen Holstein, nördlichen Niedersachsen und angrenzenden Gebieten, zusammengestellt von Dr. Helmut Genaust, Welzheim (M-Z) abgerufen am 30. Dezember 2022 Der Lübtheener Ortschronist Hans Angerstein schreibt von einer ersten Erwähnung bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648).Hans Angerstein: Das lange Dorf auf dem Sand. Gesicht der Heimat. Brömsenberg-Garbitz bei Lübtheen. In: Norddeutscher Leuchtturm. Schwerin: Verlag Norddeutsche Zeitung 1965, Nr. 655, S. 1 und 4. Anfang der 1860er Jahre ist in einem Bericht der Amts-, Forst- und Baubehörde zu Lübtheen, Caliss und Boizenburg an die Großherzogliche Kammer davon die Rede, dass die Mühle bereits seit 2 Jahrhunderten bestehe.LHAS 5.12-4/2 Nr. 4073, Transkription: Jürgen Kniesz, Mühlenverein Mecklenburg Vorpommern

Bis 1944 war die Mühle in Staatsbesitz und wurde spätestens ab Mitte des 17. Jahrhunderts vom Großherzoglich Mecklenburgischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, jeweils zu Johannis für i. d. R. 10 Jahre an einen Wassermüller verpachtet. Die Pächter mussten gelernte Müller sein, die Mühle selbst betreiben, auf der Mühle wohnen und die bewegliche Mühlenausstattung vom Vorgänger übernehmen.Öffentliche Ausschreibung der Verpachtung in der Liberalen Mecklenburgischen Zeitung vom 20. April 1888, LHAS, 5.12-412, Ministerium für Landwirtschaft, Domainen und Forsten, 4075. 1874 erfolgte die Aufhebung des Mahlzwangs für die vier Lübtheener Bäcker in der Mühle.LHAS 5.12-4/2 Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, 4078 Ablösung des Mahlzwanges bei der Dorf-Garlitzer Wassermühle, Transkription: Jürgen Kniesz, Mühlenverein Mecklenburg Vorpommern

1945 wurde die Mühle an den Müller Carl Rentzmann verkauft, der die Mühle zuvor seit 1913 gepachtet hatte. Dem Verkauf war 1941 eine politisch motivierte Anordnung der Betriebsschließung zum 1. Juli 1941 durch die Hauptvereinigung der deutschen Getreide- und Futtermittelwirtschaft wegen angeblichen Verstößen gegen die Marktordnung und andere Vorschriften und ein jahrelanger erfolgreicher Beschwerdeprozess des Müllers gegen die Stilllegungsverfügung vorangegangen.Ausführlich siehe Akte C. Rentzmann im Bundesarchiv

Nach dem Tod des Müllers Carl Rentzmann 1959MaWB: Todesanzeige C. Rentzmann ging die Mühle wieder an das Land Mecklenburg und wurde zum Jahreswechsel 1959/1960 in das „Eigentum des Volkes“ überführt. Die Mehlproduktion wurde eingestellt und die Mühle kooperativ zur Mischfutterproduktion für acht umliegende LPGen der Tierproduktion genutzt. Am 31. Mai 1991 erfolgte die endgültige Einstellung des Mühlenbetriebs.MaWB

Nach der Wiedervereinigung bemühten sich Anfang der 1990er Jahre verschiedene Interessenten mit unterschiedlichen Nutzungskonzepten bei der Treuhand um den Kauf der Mühle. Tatsächlich wurde die Mühle aber erst 2002 vom Land Mecklenburg-Vorpommern an eine Privatperson verkauft. Nach einem weiteren Verkauf 2015Maria König: Im Zwiegespräch mit Axt und Säge in: OYA, Ausgabe #58/2020 Nurgül Ece: Wassermühle Brömsenberg. Gemeinschaft gesucht: Die Wassermühle Brömsenberg ist wieder lebendig, in: Baubiologie-Magazin, 3. Dezember 2018. befindet sich die Mühle seit 2019 im Besitz der Wassermühle Brömsenberg gemeinnützige GmbH, die auf der Liegenschaft Räume für umweltbewusstes, gemeinschaftliches Leben und Arbeiten schaffen möchte.Handelsregistergistereintrag HRB 13507 vom 11. Dezember 2019

Baugeschichte und technische Ausstattung Das Mühlengebäude der Wassermühle Brömsenberg wurde zwischen 1864 und 1868 am heutigen Standort südlich der Sudeinsel vom Mühlenpächter Johann Friedrich Wilhelm JesselJohann Friedrich Wilhelm Jessel auf ancestry.de im Auftrag des Mecklenburg-Schwerinschen Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten neu errichtetLHAS 5.12-4/2 Nr. 4073, Transkription: Jürgen Kniesz, Mühlenverein Mecklenburg Vorpommern1893 ist das Gebäude am heutigen Standort auf der Karte des Deutschen Reiches Blatt 180 Hagenow eingezeichnet und 1910 um ein Geschoss erweitert. Zuvor gab es vermutlich zunächst bis etwa 1777 eine Mühle an der alten Sude (von Quassel kommend) und ab etwa 1777 eine zweite auf der Sudeinsel zwischen alter und neuer Sude.Im Schmettauischen Kartenwerk von 1788 (Schmettau Mecklenburg-Schwerin 1788 auf maps.arcanum.com) sind Gebäude auf der Sudeinsel und am nordöstlichen Sudeufer eingezeichnetAuf der Feldmarkenkarte von Lübtheen von 1859 (LHAS 12.12-2, Nr. 328) sind je zwei Gebäude auf der westlichen und zwei auf der östlichen Sudeinsel eingezeichnet 1830 wurde das 1985 rekonstruierte und seitdem unter Denkmalschutz stehende hölzerne Schützenwehr südlich der Sudeinsel neu gebaut.Denkmale im Kreis Hagenow. Hagenow 1985

Im 17. Jahrhundert wurde die Mühle von einem hölzernen Wasserrad getrieben.Am 6. Mai 1695 bittet „Sehl. Jacob Rohren, gewesenen Müllers zu Garlitz nachgelaßene Wittwe“ um zwei Eichen zum Bau eines neuen Wasserrads. Herzog Friedrich Wilhelm wies am 8. Mai 1695 seine Räte an, „der Müllerschen zu Garlitz für Holtz zu einem neuen WaßerRadt“ die benötigten Bäume durch den Forstschreiber anweisen zu lassen. LHAS, 2.22-10/17 Nr. 103 e/1-47, Transkription: Jürgen Kniesz, Mühlenverein Mecklenburg Vorpommern Mit dem Mühlenneubau 1864/68 wurde das Wasserrad durch zwei Turbinen zur Stromerzeugung ersetzt.LHAS 5.12-4/2 Nr. 4073, Transkription: Jürgen Kniesz, Mühlenverein Mecklenburg Vorpommern 1922 erneuerte der Müller Rentzmann zwei ältere Turbinen durch zwei 34,8 PS Francisturbinen der Schichau-Werke in Elbing.LHAS 05.12.09/02 Nr. 8345 Verpachtung und Verkauf der Garlitzer (Neu-) Mühle (belegen auf der Feldmark Lübtheen) an Karl bzw. Fritz RentzmannArtikel "Industriekultur – Wassermühlen Wassermühle Brömsenberg auf metropolregion.hamburg.de" 1921 lieferte die Mühlenbauanstalt Amme, Giesecke & Konegen aus Braunschweig die maschinelle Einrichtung einer kompletten Mühlenanlage, darunter 2 doppelte Dialogwalzenstühle und ein vierteiliger Plansichter.LHAS 5.12-9/2 Nr. 1397 Mitteilung der Amme-Luther Werke Braunschweig an das Mecklenburg-Schwerinsche Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten vom 18. November 1926 Durch die beiden Doppelwalzenstühle wurde ein französischer Mahlgang, durch den Plansichter drei Vorsichter ersetzt.LHAS 5.12-9/2 Nr. 1397 Mitteilung der Mecklenburg-Schwerinschen Landdrostei Hagenow an das Mecklenburg-Schwerinsche Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten vom 6. Januar 1927

1948 wurde der Mühlenhof vergrößert. Seitdem diente eine – vermutlich – vom Zwangsarbeiterlager des Marinearsenals Jessenitz umgesetzte BarackeDer Kauf eine Baracke aus dem Marinearsenal im Jahr 1948 ist vertraglich belegt (LHAS 6.11-11, Nr. 3815), allerdings stimmen die bei der Wertermittlung und im Kaufvertrag angegebenen Maße (14 × 27 m) nicht mit den tatsächlichen Abmessungen der Baracke an der Mühle (8 × 20 m) überein. als Lagerraum, aus Holzfertigteilen mit Rahmenbindern freitragend erbaut.

2012 wurde im Rahmen der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie in der Sude-Freiflut eine Sohlgleite errichtet um die durch die alten Mühlenwehranlagen eingeschränkte Durchgängigkeit der Sude für Fische und Fischnährtiere zu verbessern. Die Option einer künftigen Nutzung der Wasserkraft wurde dadurch stark eingeschränkt.

Müller bzw. Mühlenpächter der Mühle