mini|400px|Animierte Darstellung des Verlaufs der russischen Invasion in der Ukraine ab dem 24. Februar 2022 Diese Chronik stellt eine Übersicht zur Chronologie des russischen Überfalls auf die Ukraine von Anfang November bis Ende Dezember 2022 dar.
November 1. November mini|Lagebild des britischen Verteidigungsministeriums vom 1. November 2022 Die russischen Besatzungsbehörden der Oblast Cherson gaben nach den Deportationen aus der Stadt Cherson, aus dem 15 Kilometer-Umfeld des unteren Dnepr und den Teildeportationen aus den Gebieten an der rechten, westlichen Seite des Dnepr bekannt, nun auch die Zivilbevölkerung des Rajon Kachowka am linken, östlichen Ufer des Dnepr ab dem 6. November „evakuieren“ zu wollen. Die russische Besatzungsverwaltung der Oblast Cherson soll von der Stadt Cherson nach Skadowsk ausweichen.
Mehr als 100 aus der russischen Teilrepublik Tschuwaschien einberufene Wehrfähige protestierten gegen ihren Einsatz in der Ukraine und weigerten sich aufgrund ausbleibender Soldzahlungen, diesen anzutreten.
2. November Russland schloss sich wieder der Schwarzmeer-Getreide-Initiative an, die von ihm nach dem Drohnenangriff auf Sewastopol vom 29. Oktober ausgesetzt worden war.Russia Resumes Ukraine Grain-Export Deal in Abrupt Reversal, Bloomberg, 2. November 2022 (englisch).
In den frühen Morgenstunden des 2. November starben nach Augenzeugenberichten von Überlebenden hunderte russische Soldaten, die Mitte Oktober einberufen worden waren und erst am Vortag, dem 1. November, in der Ukraine angekommen waren, durch ukrainische Artillerie im Gebiet Luhansk.
US-amerikanische Quellen teilten mit, Nordkorea habe Artilleriegranaten an Russland geliefert, um sie in der Ukraine einzusetzen. Nordkorea habe Russland zudem „Freiwillige“ zum Kampf in der Ukraine angeboten.„Beträchtliche Zahl“ – Nordkorea liefert heimlich Munition an Russland, krone.at, 2. November 2022.
3. November Die IAEA fand bei Untersuchungen keine Hinweise, die die Behauptung der russischen Regierung stützen, dass die Ukraine eine schmutzige Bombe baut.
Russische Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur führten in weiten Teilen des Landes zu Stromausfällen. Nach Angaben der ukrainischen Regierung waren am Abend knapp 4,5 Millionen Menschen (darunter die Bewohner von Kiew und zehn weiterer Regionen) von der Energieversorgung abgeschnitten.
4. November Russlands Präsident Putin ordnete an, dass alle Bewohner der Oblast Cherson vor der heranrückenden ukrainischen Armee „evakuiert“ werden sollen, und erklärte, dass seit Beginn der Teilmobilmachung 318.000 Personen einberufen worden seien. Weil die russische Armee zuvor aber Elitedivisionen in und um die Hauptstadt Cherson zusammenzog, wo sie Stellungen ausbauten, halten maßgebliche militärische und politische Verantwortliche der Ukraine diese und frühere russische Evakuierungs- und Abzugsmeldungen weiterhin für eine Finte, eine Kriegslist, um die ukrainische Armee in einen verlustreichen Häuserkampf in Cherson zu locken. Erneut, wie schon seit fast zwei Wochen, berichteten ukrainische und unabhängige Quellen von russischen Soldaten in Zivilkleidung in Cherson.Russians In Kherson Change Into Civilian Clothes And Settle In The Evacuees’ Accommodation, 22. Oktober 2022 (englisch); siehe auch Spezialartikel zur Cherson-Besetzung, mit Augenzeugen der Nowaja gaseta.
An der Donbass-Front haben russische Truppen ihre Angriffe nach ukrainischen Angaben in den letzten Tagen verdreifacht. Besonders umkämpft sind, wie schon in den letzten acht Monaten ohne erfolgreiche russische Durchbrüche, Bachmut und Awdijiwka und dortige Umgebungen. (oberster Threat 13:23 Uhr)
5. November Nach Angaben des ukrainischen Staates wurden durch die bisherigen russischen Angriffe mindestens ein Drittel der ukrainischen „Stromanlagen“ zerstört. Ab Anfang November, in den Tagen vor dem 5. November, wurde in Kiew und weiteren Regionen der Ukraine mit der Rationierung von Strom begonnen. So wird Strom regelmäßig für mehrere Stunden abgestellt, um eine Überlastung des gesamten Stromnetzes zu verhindern. Iran bestätigte die Lieferung von Drohnen an Russland, behauptete aber, diese seien „vor dem Krieg“ geliefert worden.
Das Institute for the Study of War veröffentlicht die Einschätzung, dass Russland ungeachtet der über 300.000 einberufenen Personen die Mobilmachung fortführt. Nach Einschätzung des britischen Militärgeheimdienstes ist das russische Militär mit Vorbereitung und Ausbildung der etwa 300.000 für den Kriegseinsatz einberufenen Personen überfordert. Der britische Geheimdienst verwies auf den Umstand, dass mit Monatsbeginn November jährlich etwa 120.000 russische Wehrpflichtige eine Grundausbildung beginnen und dass russische Militäreinheiten mangels Ausbildern und Einrichtungen in Belarus trainieren würden. Der Geheimdienst geht davon aus, dass dennoch viele russische Soldaten, die nach der Ausrufung der Mobilmachung in die Ukraine geschickt wurden, kaum eine oder überhaupt keine Ausbildung erhalten haben. Erste nach der Verkündigung der Mobilmachung eingezogene Reservisten sind bereits Mitte Oktober in der Ukraine gefallen. Angehörige hatten im Zuge dessen erklärt, dass die Gefallenen teils ganz ohne militärische Ausbildung an die Front geschickt wurden.
6. November Entlang des Flusses Dnepr in der Oblast Cherson begannen russische Einheiten nach Darstellung des ukrainischen Militärs, Boote der dortigen Zivilbevölkerung zu zerstören.
Nach Einschätzung des britischen Militärgeheimdienstes versucht die russische Führung die Verantwortung für das schlechte Abschneiden ihrer Invasionstruppen in der Ukraine auf die russischen Kommandeure abzuwälzen. Der Geheimdienst verwies darauf, dass die russische Führung seit Kriegsbeginn eine Reihe von Kommandeuren von ihren Posten entbunden hat. Laut dem Institute for the Study of War hat der Militärkommandeur der selbstproklamierten „Volksrepublik Donezk“, Alexander Chodakowski, angegeben, dass bis zu 60 Prozent der seit Mitte Mai erlittenen Verluste der eigenen Truppen auf Eigenbeschuss zurückführbar sein könnten.
7. November Die Ukraine hat fünf kriegswichtige Großunternehmen enteignet und direkt dem Verteidigungsministerium unterstellt. Betroffen sind der zuvor bereits teilstaatliche Erdölförderer Ukrnafta, der Erdölverarbeiter Ukrtatnafta, der Transformatorenhersteller ZTR, der Lastkraftwagenproduzent KrAZ und das Flugmotorenunternehmen Motor Sitsch.
Nach Angaben des russischen Präsidenten sind von den über 300.000 nach der Mobilmachung einberufenen Personen bereits etwa 50.000 im Kampfeinsatz. Laut dem ukrainischen Präsidenten sind in den vergangenen Tagen täglich hunderte russische Soldaten gefallen. Ein Beschwerdebrief von Angehörigen einer Einheit der russischen Streitkräfte, laut dem innerhalb von vier Tagen 300 Soldaten jener Einheit bei Kämpfen im Gebiet Donezk gefallen seien, sowie Berichte von russischen Soldaten über die Zerstörung ihrer Einheit am 2. November im Gebiet Luhansk lassen diese Angabe des ukrainischen Präsidenten stimmig erscheinen.
Einen Tag vor den US-Wahlen 2022 hat der russische Unternehmer Jewgeni Prigoschin, dem die Verstrickung in verdeckte Propagandaaktivitäten der russischen Regierung vorgeworfen wurde, bezüglich russischer Einmischung in US-Wahlen erklärt: „Wir haben uns eingemischt, wir tun es und wir werden es weiter tun“.
8. November Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten waren wegen der teils zerstörten Infrastruktur abermals rund vier Millionen Ukrainer ohne Strom. In der Region um die unter russischer Besatzung stehende Stadt Cherson registrierte das ukrainische Militär nach eigenen Angaben die fortgesetzte organisierte Plünderung durch russisches Militär. Es seien sowohl Konvois mit gestohlenen Haushaltsgeräten und Baumaterialien beobachtet als auch die Demontage von Mobilfunkmasten und -anlagen wahrgenommen worden. Zudem seien aus einem Regionalmuseum „alle Kunstgegenstände und sogar die Möbel“ entwendet worden.
Nach Angaben des britischen Militärnachrichtendienstes hat russisches Militär an zwei Orten im besetzten Gebiet Donezk mit der Errichtung von Panzersperren um die Stadt Mariupol begonnen.
Nach Angaben eines Mitglieds des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats der Ukraine ist die Wiederherstellung der territorialen Integrität die Hauptbedingung für die Wiederaufnahme von Verhandlungen mit Russland.
9. November In einer für das russische Staatsfernsehen inszenierten Sitzung empfahl General Sergei Surowikin öffentlich dem russischen Verteidigungsminister Sergei Schoigu den Rückzug aller westlich des Dnepr befindlichen russischen Einheiten, worauf Schoigu diesen längst laufenden Rückzug sogleich „anordnete“.‘Here forever’ – or not Russian leadership announces retreat from Kherson. The latest., Meduza, 9. November 2022; Original des in der Quelle erwähnten Telegram-Posts: Wenn die Russen etwas sagen, werden sie das Gegenteil tun Laut russischen Beamten wurde der stellvertretende Leiter der Militär-Zivil-Regierung von Cherson, Kyrylo Stremoussow, während einer Fahrt in Richtung Krim bei einem Autounfall getötet. Aufnahmen des Unfallwagens erweckten Zweifel an dieser Darstellung. Wladimir Putin erließ ein Dekret, mit dem Stremoussow posthum der Tapferkeitsorden verliehen wurde.
10. November Russische Besatzungstruppen haben in Verbindung mit dem angekündigten Rückzug wichtige Teile der Infrastruktur der Stadt Cherson zerstört: Ein Kraftwerk, Heizkraftwerke, die lokale Rundfunkanstalt und Funkmasten wurden gesprengt. Die Stadt sei ohne Strom und Wasser.Kherson: As Russia retreats, Ukrainians still fear a trap, BBC, 10. November 2022 Am Abend berichtete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass die ukrainische Armee in den letzten Tagen in der Oblast Cherson, westlich des Dnepr, bereits 41 Siedlungen befreit habe, exakt so viele, wie sie schon zwischen dem 1. und 9. Oktober zurückerobern konnte.
11. November mini|Verlauf der Befreiung der Stadt Cherson Laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax wurden 30.000 russische Soldaten aus dem westlich des Dnepr liegenden Teil der Cherson-Region abgezogen. Russland begann eigenen Angaben zufolge sogleich mit dem Beschuss angeblicher militärischer Ziele des Gebietes. Mit dem Ende des Rückzugs vom rechten, nordwestlichen Ufer des Dnepr wurden in der Nacht auf den 11. November 2022 mehrere Segmente der Eisenbahn- und Straßenbrücken über die Staumauer des Kachowkaer Stausees und der Antoniwkabrücke zum Einsturz gebracht. Auch die Antoniwka-Eisenbahnbrücke sowie eine bei Darjiwka gelegene Brücke über den Inhulez wurde zerstört. Erste ukrainische Militärangehörige drangen ohne Widerstand ins Zentrum der Stadt Cherson vor und wurden dort von der Bevölkerung gefeiert.
Laut Beobachtung des Royal United Services Institute verlief der russische Rückzug aus Gebieten westlich des Dnepr geordneter als jener Rückzug aus der Oblast Charkiw. So hätten russische Truppen beim Rückzug teilweise Relief in place-Manöver (einen gesicherten Abzug) vollzogen.
Der russische Ministerpräsident Michail Mischustin unterzeichnete einen Antrag, welcher dem Justizministerium ab dem 1. Dezember erlaubt, im Internet personenbezogene Daten von Personen zu veröffentlichen, die als „ausländische Agenten“ eingestuft wurden. Zu den personenbezogenen Daten zählen u. a. der vollständige Name, Daten der Identifikationsausweise sowie die Wohnadresse. Seit der Verschärfung 2022 können auf dieser Liste auch Personen landen, die „vom Ausland beeinflusst sind“, ohne vom Ausland finanziert worden zu sein.
Dem ukrainischen Präsidenten zufolge sind etwa 170.000 Quadratkilometer der Ukraine vermint.
12. November Laut russischen Nachrichtenagenturen hat die russische Besatzungsverwaltung ihr Verwaltungszentrum für die Oblast Cherson in die Stadt Henitschesk verlegt.